22.01.2018 16:01
Bewerten
(0)

Verhandlungsmarathon im Metall-Tarifstreit ab Mittwoch

DRUCKEN

Frankfurt (Reuters) - Der von massiven Warnstreiks begleitete Tarifstreit der Metall- und Elektroindustrie soll mit einem Verhandlungsmarathon in Baden-Württemberg gelöst werden.

Es sei zwar noch kein Abschluss in der für Mittwoch angesetzten vierten Verhandlungsrunde zu erwarten, erklärten der Arbeitgeberverband Südwestmetall und die IG Metall. Doch gebe es Fortschritt im Streit über die Arbeitszeitregeln, sagte Südwestmetall-Chef Stefan Wolf am Montag in Stuttgart. "Wir arbeiten mit Hochdruck an einer Lösung." Sollten die Tarifparteien am Mittwoch in Böblingen vorankommen, wäre ein Abschluss am darauf folgenden Wochenende denkbar.

Dass Baden-Württemberg den Pilotabschluss machen soll, sei inzwischen klar, hieß es in Verhandlungskreisen von beiden Seiten. Denn in diesem Bezirk wurde Mitte Januar als einziges eine Expertengruppe mit Vertretern beider Seiten eingesetzt, die seither fast täglich um Kompromisse ringt.

Die Warnstreikwelle ging unterdessen in die dritte Woche. Seit Ende der Friedenspflicht am 31. Dezember zählte die IG Metall bundesweit 626.000 Beschäftigte, die stundenweise die Arbeit niederlegten und an Kundgebungen teilnahmen - bei Konzernen wie Siemens, BMW oder Daimler bis hin zu Mittelständlern von der Küste bis zum Schwarzwald. Am Montag allein waren es rund 20.000 aus fast 120 Betrieben.

STREITPUNKT ZUSCHUSS

Die IG Metall fordert für die 3,9 Millionen Beschäftigten der Branche sechs Prozent mehr Lohn und ein individuelles Recht auf eine befristete Verkürzung der Arbeitszeit auf bis zu 28 Stunden pro Woche. Beschäftigte, die zur Betreuung von Kindern oder zur Pflege von Angehörigen kürzer treten wollen, sollten nach Vorstellung der Gewerkschaft Lohnzuschüsse von 250 Euro pro Monat bekommen. So sollen sich auch die unteren Lohngruppen leisten können, weniger zu arbeiten. Die Arbeitgeber lassen zwar mit sich reden, mehr Beschäftigten Teilzeit zu gewähren. Doch einen Entgeltausgleich lehnen sie strikt ab, weil die Teilzeiter nach dem neuen Modell dann einen höheren Stundenlohn hätten als andere Beschäftigte mit gleicher Tätigkeit. Es gebe noch keine Hinweise, dass die Arbeitgeber von ihrer Blockade abrückten, erklärte der bayerische IG-Metall-Chef Jürgen Wechsler> "Da ist noch eine Menge Holz vor der Hütte, das wir wegschieben müssen."

Beim Thema Entgeltzuschuss lägen die Tarifparteien noch immer weit auseinander, erklärte Südwestmetall-Chef Wolf. Doch sehe er die Chance, dass die Arbeitgeber mit Blick auf längere Arbeitszeiten "einen erheblichen Teil" ihres Zieles erreichen könnten. Bisher dürfen in Baden-Württemberg 18 Prozent, in anderen Bezirken 13 Prozent, der Beschäftigten länger als die tarifliche 35-Stunden-Woche arbeiten. Jetzt arbeiten die Tarifparteien an Regeln, wie das Absenken von Arbeitszeit bei Teilzeitern durch mehr Beschäftigte mit höheren Stundenzahlen ausgeglichen werden kann.

Über die Tariferhöhung sei noch gar nicht verhandelt worden, sagte Wolf. Die Arbeitgeber hatten im Dezember eine Pauschale von 200 Euro für Januar bis März sowie eine Erhöhung um zwei Prozent ab April angeboten. Einen Tauschhandel mit den beiden Forderungsblöcken Geld und Arbeitszeit lehnen beide Seiten ab, wie es in Verhandlungskreisen hieß.

Sollten sich die Tarifparteien im Südwesten verhaken, könnte es in der kommenden Woche erstmals zu ausgedehnteren Warnstreiks über 24 Stunden kommen. Für den Fall haben sich die Arbeitgeber rechtliche Schritte vorbehalten, um Warnstreiks für die aus ihrer Sicht rechtswidrige Forderung nach Entgeltzuschuss zu stoppen. Die IG Metall ist überzeugt, dass sie damit nicht durchkämen. Beide Seiten signalisierten aber schon, dass sie den Tarifstreit ohnehin am Verhandlungstisch und nicht vor Gericht beilegen wollen.

(Reporter: Ilona Wissenbach und Irene Preisinger, redigiert von Ralf Bode. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an die Redaktionsleitung unter den Telefonnummern 069-7565 1236 oder 030-2888 5168.)

Anzeige
Anzeige
Börse Stuttgart Anlegerclub

Top-Thema: Künstliche Intelligenz

Im neuen Anlegermagazin stellen wir Ihnen drei Aktien aus dem Software-Sektor vor, die beim Megatrend "Künstliche Intelligenz" gut positioniert sind. Außerdem: Der US-Medienkonzern Walt Disney verspricht langfristigen Anlegern die Chance auf attraktive Renditen. Gilt das auch für RTL und ProSiebenSat1?
Kostenfrei registrieren und lesen!

Heute im Fokus

DAX geht mit Mini-Plus ins Wochenende -- US-Börsen schließen höher -- Neue Mitglieder bescheren XING kräftiges Wachstum -- Tweet von Kylie Jenner löst Snap-Kursrutsch aus -- T-Aktie, HP im Fokus

Kooperation zwischen RIB Software und Microsoft treibt RIB-Aktie an. McDonald's auf Sparkurs? Blue Buffalo-Aktie legt vorbörslich zweistellig zu: General Mills will Blue Buffalo kaufen. Kein Cheeseburger im Happy Meal. US-Investor zu Bitcoin: Warum sollte ich die Währung der Zukunft verkaufen? Bank of America hebt Zinsprognose für USA an.

Top-Rankings

KW 8: Analysten-Tops der Woche
Diese Aktien stehen auf den Kauflisten der Experten
Sechsstelliges Einkommen
So viel Geld lässt sich in Deutschland mit YouTube verdienen
Regionen mit guten Gehältern
In diesen Städten sind Arbeitnehmer am zufriedensten

Umfrage

Welche Kryptowährung hat das größte Zukunftspotenzial?

Online Brokerage über finanzen.net

Das Beste aus zwei Welten: Handeln Sie für nur 5 Euro Orderprovision* pro Trade unmittelbar aus der Informationswelt von finanzen.net!
Zur klassischen Ansicht wechseln
Top News
Beliebte Suchen
DAX 30
Öl
Euro US-Dollar
Bitcoin
Goldpreis
Meistgesucht
Deutsche Bank AG514000
Deutsche Telekom AG555750
Daimler AG710000
Scout24 AGA12DM8
Apple Inc.865985
E.ON SEENAG99
GeelyA0CACX
Allianz840400
BMW AG519000
Amazon906866
Volkswagen (VW) AG Vz.766403
Steinhoff International N.V.A14XB9
Siemens AG723610
adidas AGA1EWWW
Infineon AG623100