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15.05.2012 03:00
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Facebook-Aktie: Kursrakete oder Rohrkrepierer?

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Der Börsengang des Netzwerks steht kurz bevor. Doch für deutsche Privatanleger bestehen kaum Chancen auf Zuteilung. Und die Aktie wird kein Selbstläufer.
€uro am Sonntag
von Tim Schäfer, New York

Beim bevorstehenden Börsenstart von Facebook will JP Morgan nichts anbrennen lassen. Zum Besuch von Unternehmensgründer Mark Zuckerberg am Montag hisste die ­altehrwürdige US-Bank, die zu den wichtigsten Mitgliedern des Konsortiums gehört, vor ihrem Sitz in Midtown eine blaue Facebook-Flagge. Dazu gab’s ein Begrüßungsposter.

Doch der Personenkult, der beinahe nordkoreanische Züge trägt, macht Zuckerberg nicht zum Staatsmann. Statt in Schlips und Kragen läuft der 27-Jährige zum Auftakt der Roadshow am Montag im schwarzen Kapuzenshirt, Jeans und Turnschuhen im New Yorker Sheraton-Hotel auf. Schon zur Jahrtausendwende war das die typische Kluft aufstrebender Internetunternehmer.

Es ist ein kurzes Gastspiel, das Zuckerberg gemeinsam mit Finanzvorstand David Eberman und der für das operative Geschäft zuständigen Managerin Sheryl Sandberg absolviert. Nach einer überschaubaren Präsentation und fünf Fragen ist die Show vor rund 400 handverlesenen Investoren auch schon vorbei.

Dem Hype um das soziale Netzwerk tut Zuckerbergs raumfüllendes Ego indes keinen Abbruch. Im Gegenteil. Seit Tagen berichten Radioreporter in New York aufgeregt über den bevorstehenden Börsengang. Im Fernsehen läuft eine Sondersendung nach der anderen.

Selbst Milliardäre trommeln für die Aktie. Facebooks Börsenstory sei „sehr spannend“, verkündet etwa Immobilientycoon Donald Trump im Börsensender CNBC: „Es scheint, dass jeder Facebook nutzt. Und all diese Leute sind auch daran interessiert, die Aktie zu kaufen.“

Das wären ziemlich viele. Weltweit nutzen 900 Millionen Menschen das Portal. Sie stellen ihre Fotos ein, kommentieren die coolsten Marken und diskutieren ihre Lieblingsmusik mit Freunden. Für die Werbeindustrie ist die Facebook-Welt ein digitales Paradies. Denn ­Facebook beutet diese digitale Daten­mine systematisch aus und hilft Konzernen wie Adidas, Kraft oder Dell dabei, passgenaue Werbung zu schalten. Der Traum eines jeden Marketingstrategen.

Happige Preisvorstellung
Kein Wunder, dass der Emporkömmling aus dem kalifornischen Menlo Park hohe Erwartungen hat. Bei einer Preisspanne von 28 bis 35 Dollar je Aktie käme der Konzern auf eine Börsenbewertung von bis zu 96  Milliarden Dollar. Den bisherigen US-Rekord hält United Parcel Service (UPS). Der Paketzusteller brachte es zum Börsenstart im Jahr 1999 auf eine Marktkapitalisierung von 67 Milliarden Dollar.

An der Wall Street sorgt die Bewertung für heiße Diskussionen. Auf einer Konferenz des Analystenverbands CFA Ende 2011 kreisten fast alle Gespräche um die Frage: Welche Bewertung ist angemessen, welche nicht? Bei ihrer Suche nach einer Antwort hofften die Profis auf guten Rat von Aswath Damodaran. Der New Yorker Finanzprofessor gilt als Koryphäe, seit er vor der Jahr­tau­sendwende vor dem Platzen der Dotcom-Blase warnte.

Doch der Ökonom gibt nichts auf die angebliche Lernfähigkeit von Investoren: „Wenn eine Blase platzt, behaupten die Leute, das passiere nicht noch mal. Aber wir werden immer wieder Blasen haben, weil wir Menschen sind. Und die glauben eben, Unmögliches möglich machen zu können.“ Von jungen Firmen hält der Wissenschaftler ebenfalls nicht viel: „Kauft keine Wachstumsaktien, die sind niemals günstig.“ Nicht nur Analysten fühlen sich angesichts des Facebook-Hypes an die wilden New-Economy-Zeiten vor gut zwölf Jahren erinnert. Facebook entstand 2004 in einem Studentenwohnheim der Harvard-Universität. Sieben Jahre später kam der New­comer auf 4,3 Milliarden Dollar Umsatz und gut eine Milliarde Gewinn.

Nun peilt Zuckerberg eine Bewertung auf dem Niveau der größten US-Konzerne an. So bringt der IT-Riese Hewlett-Packard 46 Milliarden Dollar auf die Börsenwaage und damit nur halb so viel wie Facebook. Dabei hat der Dow-Jones-Gigant 350.000 Mitarbeiter, ist über 70 Jahre alt und erwirtschaftet mit 127 Milliarden Dollar 30-mal so viel Umsatz wie Facebook.

Viele Investor schütteln angesichts dieser Diskrepanz verstört den Kopf. Denn im Gegensatz zu den Altstars zahlt Facebook keine Dividende, und die Gewinnhistorie ist ohnehin überschaubar. Dazu kommt das extrem schnelllebige Geschäft. Einstige Internet-Highflyer wie Yahoo, MySpace oder AOL kämpfen heute verzweifelt um ihre Existenz.

Auch im laufenden Geschäft lauern jede Menge Risiken. So steht das soziale Netzwerk wegen seines zweifelhaften Umgangs mit Nutzerdaten immer wieder in der Kritik. Die bislang größten Proteste gab es vor gut einem Jahr nach dem Start der Facebook-App für das iPhone. In aller Seelenruhe lud das Miniprogramm die privaten Kontaktdaten des Nutzers auf Facebook hoch. Zwar fand sich ein entsprechender Hinweis in der Einverständniserklärung des Nutzers beim erstmaligen Start der App, aber in die kaum lesbaren und weitgehend unverständlichen Hinweise verirrte sich kaum ein Nutzer.

Facebook ruderte angesichts des Proteststurms eilig zurück. Doch eine Wiederholung ist nicht ausgeschlossen. Sollten die Nutzer daher das Vertrauen in das soziale Netzwerk verlieren und die Seite meiden, wäre das Geschäftsmodell tot. Hinzu kommt, dass Facebook etwa im wachstumsträchtigen China komplett gesperrt ist.

Andererseits steigt die Mitgliederzahl weiter. Damit wächst der Datenschatz nahezu ungebremst. Zudem verbringen die Nutzer im Schnitt deutlich mehr Zeit auf Facebook als auf anderen Seiten im Netz. Das macht sie für die Werbeindustrie besonders interessant. Zwar schwächte sich Facebooks Umsatzplus nach einem Zuwachs von 88 Prozent im Jahr 2010 im ersten Quartal auf 45 Prozent ab, allerdings machte der Konzern saisonale Schwankungen für den jüngsten Rückschlag verantwortlich.

Ein Selbstläufer wird Facebook nach dem Börsengang also nicht. Die Liste der Webflops ist lang. Das Internetradio Pandora, das vor knapp einem Jahr an die Börse kam, notiert inzwischen gut 40 Prozent unter dem Ausgabepreis. Der mit reichlich Vorschusslorbeeren gestartete Onlinespiele-Anbieter Zynga liegt im Vergleich zur Erstnotiz im De­zember 20 Prozent im Minus. Und der Kurs des Schnäppchenportals Group­on hat sich seit der Premiere im ver­gangenen November halbiert. Neben knallroten Zahlen muss sich Gründer und Vorstandschef Andrew Mason mit jeder Menge Bilanzfehlern herumschlagen.

Vorbild Google
Aber es kann auch anders laufen, heißt es an der Wall Street. Beispiel Google: Der Suchmaschinenbetreiber hatte zum Börsenstart 2004 ebenfalls mit zahllosen Skeptikern zu kämpfen. Doch die Kassandrarufe sind längst verstummt. Die Aktie notiert bei über 600 Dollar, der Ausgabepreis betrug 84 Dollar.

Auch die Networking-Plattform LinkedIn hat sich wacker geschlagen. Das zu 45 Dollar ausgegebene Papier liegt inzwischen bei 112 Dollar. Angesichts des Hypes dürfte auch die Facebook-Aktie vielfach überzeichnet sein. Das verspricht einen starken Börsenstart und ordentliche Anschlusskäufe. Zweifel beim Thema Datenschutz oder an der zuletzt abflauenden Wachstumsdynamik dürften zunächst in den Hintergrund rücken. Und die Fahne von Mark Zuckerberg wohl noch eine Weile hochhalten. Egal, ob er nun Kapuzenshirts trägt oder auf Maßanzüge umsteigt.

Investor-Info

Facebook
Wann und wo gibt’s die Aktie?
Deutsche Anleger müssen sich beim bevorstehenden Börsengang von Facebook wohl zunächst in Geduld üben. Denn das Zeichnungsangebot ist laut Börsenprospekt auf die USA beschränkt. Der einzige Umweg für deutsche Investoren wäre ein Depot bei einer US-Bank. Aber selbst dann sind die Chancen gering. Denn die Facebook-Emission dürfte schwer überzeichnet sein. Das Gros der Anleger kommt damit wohl frühestens zum Börsenstart zum Zug. Der wird für den 18. Mai erwartet. Nur wenige Augenblicke nach dem ersten US-Kurs dürfte auch der Startpreis in Deutschland stehen. In Frankfurt wird Facebook beispielsweise im Qualitätssegment des Freiverkehrs (Second Quotation Board) notiert sein.

Xing
Übernahmekandidat
Das Karrierenetzwerk Xing hat sein Wachstums­tempo 2011 mit einem Umsatzplus von 22 Prozent auf 65,1 Millionen Euro gehalten. Allerdings blieb wegen der Expansion ein Verlust von 4,7 Millionen. Xing gilt als Übernahmekandidat. Die Aktie ist gerade am Widerstand bei 58 Euro gescheitert, der kurzfristige Aufwärtstrend bleibt jedoch intakt.

LinkedIn
Gut, aber sehr teuer
Das US-Karrierenetzwerk wächst rasant. Sieben Jahre in Folge hat sich der Umsatz jeweils verdoppelt. Seit Jahresbeginn hat die Aktie um mehr als 70 Prozent zugelegt. Die geplante Internationa­lisierung sorgt für Kursfantasie. Aber Vorsicht: Das Papier ist sehr hoch bewertet.

Angie’s List
Beliebtes Meckerportal
Börsenneuling Angie’s List betreibt ein Konsumentenportal, auf dem sich zahlende Mitglieder über Handwerker, Autowerkstätten oder Ärzte austauschen können. Der Umsatz hat sich im ersten Quartal auf 31,1 Millionen Dollar fast verdoppelt. Allerdings stieg der Verlust des digitalen Kummerkastens zum Jahresauftakt auf 13,4 Millionen Dollar deutlich an. Die Zahlen lagen aber immer noch über den Erwartungen. Auch der Ausblick überzeugt. Die Aktie hat sich gerade gefangen. Sehr spekulativ.

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