Warnung vor KI-Blase

Michael Burry warnt vor KI-Blase: Auf diese Aktien setzt der Hedgefondsmanager

15.05.26 22:26 Uhr

Burry gegen NASDAQ-Aktien NVIDIA und Palantir: Warum Anleger jetzt selektiver vorgehen könnten | finanzen.net

Michael Burry sieht Parallelen zwischen der aktuellen KI-Euphorie und der Dotcom-Blase. Er setzt auf Liquidität, defensive Positionierung und ausgewählte Qualitätsaktien.

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• Burry hält Short-Positionen gegen NVIDIA und Palantir, warnt aber zugleich vor riskanten Leerverkäufen
• Fokus auf Liquiditätsaufbau und Reduzierung stark gestiegener Technologiepositionen
• Neue Investments deuten auf selektive Chancen im Softwaresektor hin

Michael Burry machte sich einen Namen damit, dass er vor dem großen Crash in den 2000ern gegen den US-Immobilienmarkt wettete - nun sieht der Hedgefonds-Manager erneut eine Blase die kurz vor dem Platzen sein könnte. Diese verortet er in dem großen Trendthema Künstliche Intelligenz. Stattdessen setzt der US-Investor auf Alternativen.

Burry bärisch gegen NVIDIA und Palantir

Bereits im vergangenen Jahr hatte Burry gewarnt: "Manchmal sehen wir Blasen", schrieb er Ende 2025 auf X. "Manchmal lässt sich etwas dagegen unternehmen. Manchmal besteht der einzige Weg zum Sieg darin, gar nicht erst mitzuspielen." Dabei ging er allerdings nicht darauf ein, auf welchen Sektor oder welche Werte sich diese Aussage bezieht.

Anfang November war Burrys Haltung dann jedoch in der Positionierung seines Hedgefonds Scion Asset Management abzulesen - bevor er diesen schloss. In einer 13F-Meldung meldete das Unternehmen bärische Positionen gegen zwei der angesagtesten KI-Titel: Put-Optionen auf 1.000.000 Aktien von NVIDIA sowie 5.000.000 Aktien von Palantir. Burry rechnet also mit fallenden Kursen und wettet gegen die beiden KI-Player.

Gegenstimmen zum Thema KI

Wie Yahoo Finance berichtet, konterte Palantir-CEO Alex Karp im vergangenen Herbst auf CNBC: "Die beiden Unternehmen, gegen die er wettet, sind genau diejenigen, die das ganze Geld verdienen - was absolut seltsam ist". Er bezeichnete "Die Vorstellung, dass man ausgerechnet gegen Chips und Ontologie wetten sollte" als "völlig verrückt".

Derweil erklärte Rogé Karma in einem Beitrag für The Atlantic, dass sich Wetten auf KI nun allmählich auszahlen, und KI-Unternehmen zunehmend profitabel arbeiten würden. Auch Anthropic entwickele sich laut Karma zu einem Erfolg. Er verweist auf einen Bericht von Axios laut dem die Umsätze der KI-Firma schneller steigen als die von Zoom während der Pandemie oder die von Standard Oil während des "Gilded Age".

Burry: KI-Blase kurz vor dem Platzen

Burry warnte dennoch zuletzt erneut davor, dass die KI-Blase sich kurz vor dem Platzen befinde. Wie CNBC berichtete, erklärte der Hedgefonds-Manager, dass die Fixierung des Aktienmarktes auf das Thema Künstliche Intelligenz allmählich den Endphasen der Dotcom-Blase ähnele. "Absolut ununterbrochen nur KI. Niemand redet den ganzen Tag über etwas anderes", zitiert CNBC aus einem Beitrag von Burry auf Substack. "Aktien steigen oder fallen nicht aufgrund von Arbeitsmarktdaten oder dem Verbrauchervertrauen", so Burry. "Sie schießen einfach deshalb in die Höhe, weil sie bereits zuvor in die Höhe geschossen sind. Gestützt auf eine Zwei-Buchstaben-These, von der jeder glaubt, sie zu verstehen. ... Es fühlt sich an wie in den letzten Monaten der Blase von 1999/2000."

Der Hedgefonds-Manager erklärte, er halte weiterhin "eine beträchtliche gehebelte Short-Position" gegenüber einigen Unternehmen, die er als unterbewertet und günstig einschätzt - ähnlich wie zu Zeiten der Dotcom-Blase.

Anleger sollten dennoch nicht auf Leerverkäufe setzen

Laut CNBC warnt Burry jedoch davor, die aktuelle Rally an den Aktienmärkten aktiv über Leerverkäufe zu bekämpfen. Klassische Bärenstrategien hält er derzeit für viele Anleger für problematisch. Seiner Meinung nach seien sowohl Put-Optionen als auch direkte Short-Positionen aktuell mit hohen Kosten und erheblichen Risiken verbunden, weshalb Leerverkäufe für die meisten Investoren keine praktikable Strategie seien.

Stattdessen empfiehlt Burry in einem Beitrag auf der Plattform Substack einen defensiveren Ansatz. Anleger könnten ihr Aktienengagement schrittweise zurückfahren - insbesondere bei Technologieaktien oder Titeln mit stark beschleunigten Kursanstiegen. Im Mittelpunkt stehe dabei der Aufbau von Liquidität. Ziel sei es, Kapital bereitzuhalten, um es zu einem späteren Zeitpunkt unter aus seiner Sicht attraktiveren wirtschaftlichen Bedingungen wieder investieren zu können. Burry verweist dabei auf historische Marktphasen, in denen starke Rallys letztlich wieder in deutlich niedrigere Kursniveaus übergingen.

Hier könnten sich Chancen für Anleger bieten

Während er der KI-Euphorie weiter kritisch gegenübersteht, hat Burry laut CNBC kürzlich eine neue Position bei Microsoft eröffnet und seine Anteile an MSCI, PayPal und Adobe aufgestockt. "Software-Aktien wurden heute aufgrund einiger Quartalszahlen von IBM und ServiceNow, die Investoren als Indiz für eine Bedrohung durch KI werteten, massiv abverkauft", schrieb Burry in einem Beitrag auf Substack. "Ich habe keine Software-Aktien verkauft."

Microsoft passt in das typische Beuteschema von Michael Burry: Der Investor setzt bevorzugt auf Unternehmen mit hoher Cashflow-Stärke, die infolge starker Marktängste unter Druck geraten sind und dadurch aus seiner Sicht unterbewertet erscheinen. Der jüngste Kursrückgang bei Microsoft könnte laut 24/7 WALL ST. ein solcher Fall sein - ein qualitativ hochwertiges Unternehmen, dessen Bewertung vorübergehend stärker von der Marktstimmung als von einer tatsächlichen Verschlechterung des Geschäfts belastet wurde.

Zwar bleibe Microsoft weiterhin eng mit den Investitionszyklen rund um Künstliche Intelligenz verbunden, die fundamentale Ausgangslage gelte jedoch weiterhin als robust. Die deutliche Erholung nach dem vorherigen Kursrutsch werde daher eher als Zeichen einer Stimmungsänderung am Markt interpretiert und weniger als Hinweis auf operative Schwächen.

Burrys Einstieg werde zwar nicht automatisch als Signal für das Ende der Kurskorrektur gewertet. Er dürfte aber die Ansicht unterstreichen, dass erfahrene Investoren häufig dann aktiv werden, wenn starke Unternehmen aufgrund kurzfristiger Unsicherheit günstiger bewertet werden. Für Anleger dürfte sich damit die Frage stellen, ob der jüngste Bewertungsabschlag bei Microsoft nun groß genug ist, um einzusteigen.

Julia Walter, Redaktion finanzen.net

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Bildquellen: Jim Spellman/WireImage/Getty Images

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