NEL-Aktie setzt Aufwärtsbewegung fort: Technologieversprechen stößt auf operative Realität

Die NEL ASA-Aktie befand sich zuletzt in einer Aufwärtsbewegung, angetrieben von Zukunftserwartungen. Nun scheinen Anleger aber wieder in der Realität anzukommen.
Werte in diesem Artikel
• NEL-Aktie pausiert Aufwärtsbewegung
• Fantasie durch neue Elektrolyse-Plattform
• Analysten bleiben wegen Verlusten und schwacher Auftragslage skeptisch
Um satte 6,45 Prozent auf 3,22 NOK hat die Aktie von NEL ASA am Freitag an der Börse in Oslo zugelegt. Am Montag setzte sich der Trend, der die NEL-Aktie innerhalb der letzten vier Wochen um rund 40 Prozent nach oben getrieben hat, weiter fort: Das Papier gewann in Oslo letztlich 5,9 Prozent auf 3,41 NOK.
Für Fantasie unter Anlegern sorgte zuletzt wohl vor allem die Markteinführung der neuen Plattform für alkalische Elektrolyse, die die Produktionskosten für grünen Wasserstoff signifikant senken könnte. Nach Angaben des Unternehmens soll die Plattform schlüsselfertige Gesamtkosten von unter 1.450 US-Dollar pro Kilowatt für eine 25-Megawatt-Anlage ermöglichen. Damit positioniert sich NEL deutlich unter den derzeit branchenüblichen Kosten vieler Elektrolyse-Projekte. Allmählich scheint die Fantasie unter den Anlegern aber der Realität zu weichen, auf die Experten bereits seit längerem hinweisen.
NEL ASA zwischen Technologieversprechen und Realität
Während Anleger die NEL-Aktie in den vergangenen Wochen nach oben trieben, warnten Research-Häuser, dass technologische Fortschritte allein nicht ausreichen. Entscheidend sei die Fähigkeit, diese Innovationen in profitable Projekte umzusetzen. Genau hier sehen viele Marktbeobachter bislang die größte Schwäche von NEL: Die kommerzielle Skalierung bleibt bislang hinter den Erwartungen zurück.
So verzeichnete NEL ASA im jüngsten Berichtsquartal erneut Verluste und musste auch einen Umsatzrückgang hinnehmen. Experten kritisieren zudem die schwache Auftragsentwicklung. Rückgänge im Auftragseingang und eine insgesamt volatile Nachfrage nach Elektrolyseuren hätten die Sichtbarkeit künftiger Umsätze deutlich eingeschränkt. Gleichzeitig bleibt auch die Abhängigkeit von staatlichen Förderprogrammen ein strukturelles Risiko, das in vielen Analystenmodellen kritisch berücksichtigt wird.
Analysten bleiben zurückhaltend
Der aktuelle Analystenkonsens zu NEL ASA bewegt sich momentan überwiegend im neutralen Bereich, Kaufempfehlungen gab es in den letzten 12 Monaten nicht. Die jüngste Analystenstimme stammt von der kanadischen Bank RBC, die den Wasserstoffkonzern auf "Sector Perform" beließ. Analyst Colin Moody bemängelte die schwache Auftrags- und Umsatzentwicklung im jüngsten Quartal und schrieb, dass die Markterholung weiter auf sich warten lasse. Aufwärtspotenzial sieht er daher für die NEL-Aktie nicht mehr, sein Kursziel von 3 NOK liegt unterhalb des aktuellen Niveaus des Anteilsscheins.
Die RBC-Analyse steht exemplarisch für den Konsens unter vielen Experten: Viele Analysten sehen derzeit keine ausreichende Dynamik im Auftragseingang, um die ambitionierten Wachstumserwartungen des Marktes zu stützen und das aktuelle Kursniveau zu rechtfertigen. Die NEL-Aktie bleibt somit ein klassisches Beispiel für einen Zukunftswert, dessen Bewertung stark von Hoffnung und politischen Rahmenbedingungen abhängt - und weniger vom aktuellen operativen Geschäft.
Carolin Ludwig, Martina Köhler, Redaktion finanzen.net
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