Weitere Turbulenzen

Gazprom-Aktie: Gas-Branche erwartet weitere Preisturbulenzen und hofft auf Nord Stream 2

09.02.22 13:27 Uhr

Gazprom-Aktie: Gas-Branche erwartet weitere Preisturbulenzen und hofft auf Nord Stream 2 | finanzen.net

Die Gasbranche in Deutschland rechnet nach drastischen Preissteigerungen im vergangenen Jahr mit weiteren Turbulenzen.

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"Das kann durchaus auch ein Blick in die Zukunft unserer Energieversorgung sein", sagte Timm Kehler, Geschäftsführer des Verbandes "Zukunft Gas", am Mittwoch zur Bilanz 2021. Extremes Wetter und die geopolitische Lage trügen dazu bei. Die umstrittene Gas-Pipeline Nord Stream 2 sei allein von der Kapazität vielleicht nicht nötig für die Versorgung Europas. "Wir erwarten aber durchaus, dass diese neue Importroute schon preisdämpfend wirken kann", sagte Kehler. Dem Verband zufolge ist zudem klar, dass die derzeitigen Lieferungen mit Blick auf den nächsten Winter nicht ausreichten: "Wir brauchen einfach mehr Gas als aktuell verfügbar, um die Speicher aufzufüllen", sagte Handels-Experte Gregor Pett.

Die Gaspreise an den Börsen hatten sich 2021 zeitweise mehr als verzehnfacht und liegen immer noch um ein mehrfaches über dem Niveau von vor einem Jahr. Neben einem weltweit strengen Winter machte sich dabei auch bemerkbar, dass aus Russland trotz der hohen Preise kein zusätzliches Gas über bestehende Verträge hinaus geliefert wurde. Unter anderem die EU-Kommission vermutet, dass Russland Gas als Druckmittel vor dem Hintergrund des Ukraine-Konflikts einsetzen will.

Deutschland importiert mehr als die Hälfte seines Gases per Pipeline aus Russland, die EU insgesamt rund 40 Prozent. Importe werden zunehmend wichtig, da Norwegen und die Niederlande immer weniger fördern. Da Deutschland bis 2030 die Kohle-Verstromung beenden will, werden neue Kraftwerke und das Gas gebraucht.

Zuletzt hatte Deutschland verstärkt Flüssiggas (LNG) importiert, was aber schon wegen der Transportkosten normalerweise teurer als Pipeline-Gas ist. Dieses kann laut Gas-Verband auch durch LNG in Deutschland nicht komplett ersetzt werden. Wirtschaftsminister Robert Habeck will mit staatlichen Anreizen den Bau von LNG-Häfen auch in Deutschland anstoßen.

Zudem will er für die Versorgungssicherheit dafür sorgen, dass die Speicher künftig besser gefüllt sind als vor diesem Winter. Dafür erwägt er entweder eine staatliche Reserve oder Vorgaben an die Wirtschaft für Mindestfüllstände. Beim Verband Zukunft Gas trifft dies auf Skepsis: "Ich warne deutlich davor, dass wir hier zu tiefe Eingriffe in ein etabliertes Marktsystem vornehmen", sagte Kehler.

Berlin (Reuters)

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