QIAGEN-Aktie auf Mehrjahrestief: Konzern senkt Jahresprognose - gebremste Nachfrage belastet

QIAGEN senkt wegen schwächerer Nachfrage, vorsichtiger US-Kundschaft und geopolitischer Unsicherheiten seine Prognose für 2026 deutlich.
Der Diagnostikspezialist und Laborzulieferer QIAGEN senkt nach einem durchwachsenen ersten Quartal seine Jahresziele. Wegen einer rückläufigen Nachfrage nach dem wichtigen Tuberkulosetest Quantiferon und anderer negativer Einflussfaktoren in den USA sowie aufgrund der zunehmenden geopolitischen Unsicherheiten dürften das Umsatzwachstum und das Ergebnis im laufenden Jahr niedriger ausfallen als bisher gedacht, teilte der DAX-Konzern am Montagabend mit.
QIAGEN habe im ersten Quartal die Markterwartungen verfehlt, schrieb Jefferies-Analyst Tycho Peterson in einer ersten Reaktion auf die Zahlen und die gesenkte Prognose. Dabei sei Quantiferon der größte Belastungsfaktor gewesen, während die Ziele für alle anderen wichtigen Wachstumsträger beibehalten worden seien, notierte er. Für Barclays-Experte Luke Sergott enthalten die neuen Ziele zwar immer noch Risiken, sie erscheinen ihm aber deutlich besser erreichbar.
QIAGEN rechnet in diesem Jahr lediglich noch mit einem Umsatzplus zu konstanten Wechselkurse von ein bis zwei Prozent, wie der Konzern mitteilte. Bisher hatte Unternehmenslenker Thierry Bernard mindestens fünf Prozent Wachstum für 2026 angestrebt, auch Analysten waren von einem ähnlich starken Zuwachs ausgegangen. Der um Sondereffekte bereinigte Gewinn je Aktie (EPS) soll nun auf mindestens 2,43 US-Dollar steigen, statt wie bisher auf mindestens 2,50 Dollar. Hier waren zuletzt am Markt im Schnitt sogar 2,51 Dollar für möglich gehalten worden. 2025 hatte QIAGEN 2,38 Dollar erzielt.
Im ersten Quartal war der Umsatz nach vorläufigen Berechnungen des Konzerns nominal zwar um zwei Prozent auf 492 Millionen Dollar (419 Mio Euro) gestiegen, währungsbereinigt aber um ein Prozent gesunken. Damit verfehlte QIAGEN die eigene Prognose und die Erwartungen am Markt. Während das Unternehmen in Wachstumsbereichen wie Proben- und digitale PCR-Technologien, klinische Bioinformatik und Verbrauchsmaterialien zulegen konnten, wirkten sich den Angaben zufolge rückläufige Erlöse beim Tuberkulosetest Quantiferon ebenso dämpfend aus, wie eine verhaltene Nachfrage von Biotech-Kunden in den USA.
Vor allem Quantiferon war in den vergangenen Jahren ein stetiger Wachstumstreiber für das Unternehmen gewesen, nun ging der Umsatz mit dem Tuberkulosetest im ersten Quartal zu konstanten Wechselkursen um 5 Prozent zurück. Grund sei der deutliche Nachfragerückgang nach Testungen für Einwanderer in den USA und im Nahen Osten gewesen, hieß es. In den Vereinigten Staaten war durch die verschärfte Einwanderungspolitik der Trump-Regierung die Immigration zuletzt deutlich zurückgegangen.
Das Unternehmen rechnet in diesem Jahr nun lediglich noch mit einem im Vergleich zu 2025 stabilen Quantiferon-Umsatz. Ursprünglich hatte sich QIAGEN hier einen Erlöszuwachs erhofft. "Wir betrachten dies jedoch als Neubewertung der Nachfrage innerhalb dieser Zielgruppe im Jahr 2026 und nicht als eine Veränderung des langfristigen Gesamtpotenzials für Tests auf latente Tuberkulose", betonte Bernard.
Der bereinigte Gewinn je Aktie lag zum Jahresstart bei 54 US-Cent gegenüber 55 Cent im Vorjahr, womit QIAGEN die eigenen Prognosen traf. Auch Experten hatten mit einem Ergebnis in etwa dieser Größenordnung gerechnet, da QIAGEN wegen Zöllen und Übernahme des Zellanalyse-Spezialisten Parse auf einen leichten Rückgang vorbereitet hatte.
Im zweiten Quartal geht QIAGEN im Vergleich zum Vorjahreszeitraum von einem Umsatzminus in Höhe von zwei Prozent aus. Im zweiten Jahresviertel 2025 hatten die Erlöse bei 534 Millionen Dollar gelegen. Das bereinigte Ergebnis je Anteil soll auf dem Vorjahreswert von 60 US-Cent herauskommen. Beim Erlös hatten die Analysten bisher mit einem höheren Wert gerechnet.
Unternehmenschef Bernard sieht dennoch Fortschritte in wichtigen Geschäftsbereichen und erwartet eine Belebung in der zweiten Jahreshälfte. Diese soll unter anderem durch neue Produkte und Beiträge aus der Parse-Übernahme kommen. Auch verwies QIAGEN hier auf den Wegfall negativer Sondereffekte im Zusammenhang mit der jüngsten Umstrukturierung im Konzern.
Seine endgültigen Zahlen für das erste Quartal will das Unternehmen am 6. Mai vorlegen.
Gesenkte Jahresziele drücken QIAGEN auf Mehrjahrestief
Gesenkte Jahresziele haben der Aktie von QIAGEN am Dienstag einen neuen, kräftigen Dämpfer versetzt. Am Dienstag verlor das Papier des Labordienstleisters und Diagnostikspezialisten im XETRA-Handel 10,76 Prozent auf 29,13 Euro und belegte den letzten Platz im DAX. Kurz nach dem Handelsstart war es sogar bei nur wenig über 30 Euro auf den tiefsten Stand seit Winter 2019 gesackt. Das Minus im bisherigen Jahresverlauf beträgt fast 21 Prozent.
Im Januar dagegen hatten noch Übernahmefantasien die Aktie angetrieben. Nachdem es da bis auf knapp 47,60 Euro nach oben gegangen war, auf den höchsten Stand seit Februar 2023, wurden die Hoffnungen schließlich bis Mitte März wieder vollständig ausgepreist.
Am späten Montagabend hatte QIAGEN vorläufige Eckzahlen zum ersten Quartal vorgelegt und dabei die Prognosen für das Umsatzwachstum und das Ergebnis je Aktie (EPS) im laufenden Jahr nach unten geschraubt. Dass die Aktie nach ihrer Stabilisierung seit der Kurskorrektur zwischen Ende Januar und Ende März jetzt wieder auf Talfahrt ging, überraschte daher weder Händler noch Analysten besonders.
So rechnet Deutsche-Bank-Analyst Jan Koch nach dem vorgelegten Bericht mit einer Abwärtskorrektur der Konsensschätzung für das Jahres-EPS um rund 3 Prozent. "Trotz eines bereits schwach erwarteten Jahresstarts, im Einklang mit der allgemeinen Quartalsberichtssaison im Diagnostiksektor und der jüngsten Gewinnwarnung von bioMerieux fiel das Ergebnis schlechter aus als erwartet", schrieb er. Koch hatte erwartet, dass sich QIAGEN "besser gegen geopolitische Unsicherheiten gewappnet" haben würde.
Mit Blick auf die wichtigsten Kennziffern des ersten Quartals schrieb Koch, dass zwar das bereinigte EPS wie erwartet ausgefallen, der Umsatz aber 2 Prozent unter der durchschnittlichen Analystenschätzung (Konsens) herausgekommen sei. Dabei sei die Entwicklung in den einzelnen Bereichen unterschiedlich verlaufen. Geringere Umsätze mit dem Tuberkulose-Bluttest Quantiferon und dem Krankheitserreger-Schnelltest Qiastat sowie eine verhaltene Nachfrage von US-amerikanischen Life-Sciences-Kunden haben das laut Koch "solide Wachstum in anderen Bereichen des Portfolios" konterkariert.
Er wies zudem auf die Prognose von QIAGEN zum angelaufenen zweiten Quartal hin, die beim Umsatz 5 Prozent und beim bereinigten EPS 3 Prozent unter den entsprechenden Konsensschätzungen liegt.
Barclays-Analyst Luke Sergott war unterdessen bereits von einem durchwachsenen Zahlenwerk ausgegangen, hatte allerdings andere Gründe dafür gesehen, - etwa die Bedrohung durch den Markteintritt des Schweizer Pharmakonzerns Roche in den Bereich für latente Tuberkulose und syndromische Testungen.
Dass nach den verfehlten Quartalszahlen QIAGEN die Jahresziele gesenkt hat, wundert ihn nicht. Die vorherigen Prognosen habe er als "aggressiv" angesehen, die neuen nähmen nun etwas Druck raus, schrieb Sergott. "Allerdings ist das Risiko damit noch nicht gebannt", da von einer deutlichen Verbesserung in der zweiten Jahreshälfte ausgegangen werde. "Wir sagen nicht, dass das Management die Ziele im Jahresverlauf erneut senken muss, aber wir glauben keineswegs, dass die Verbesserung in der zweiten Jahreshälfte ein Selbstläufer ist." Daher stehe nun die Telefonkonferenz an diesem Nachmittag im Fokus.
VENLO / FRANKFURT (dpa-AFX)
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