Zahlenvorlage

Munich Re-Aktie dennoch tiefrot: Rückversicherer sieht sich nach starkem Quartal auf Kurs

12.05.26 19:56 Uhr

Munich Re-Aktie gibt dennoch kräftig ab: Gewinnziel bestätigt trotz rückläufiger Preise | finanzen.net

Der Rückversicherer Munich Re hat ein Jahr nach den verheerenden Waldbränden in Los Angeles wieder deutlich mehr Gewinn eingefahren.

Allerdings musste der DAX-Konzern im Geschäft mit Erstversicherern zum 1. April weitere Preisrückgänge hinnehmen und fuhr sein Neugeschäft deshalb deutlich zurück - ganz anders als seine Konkurrentin Hannover Rück. Finanzvorstand Andrew Buchanan fand die Preise jedoch immer noch "gut" und sieht die Munich Re auf Kurs zu dem angepeilten Jahresgewinn von 6,3 Milliarden Euro.

Im ersten Quartal verdiente die Munich Re unter dem Strich gut 1,7 Milliarden Euro - rund 57 Prozent mehr als ein Jahr zuvor und etwa so viel wie von Analysten im Schnitt erwartet. Dies lag vor allem an deutlich geringeren Schäden durch Naturkatastrophen. In der Schaden- und Unfall-Rückversicherung lagen die Großschäden diesmal nur bei 130 Millionen Euro, nachdem die Waldbrände in Kalifornien die Summe Anfang 2025 auf mehr als eine Milliarde Euro nach oben getrieben hatten. Für die Versicherungsbranche war das Ereignis mit versicherten Schäden von rund 40 Milliarden US-Dollar (rund 34 Mrd Euro) die teuerste Waldbrandkatastrophe der Geschichte.

Derart zerstörerische Naturereignisse gab es im Jahr 2026 bisher nicht. Auch die Belastungen durch den Krieg am Persischen Golf fallen bei der Munich Re im Vergleich dazu gering aus. Sie bezifferte die bisherigen Schäden auf insgesamt rund 90 Millionen Euro. Rund zwei Drittel der Summe entfällt den Schätzungen zufolge auf die Sparte Global Specialty Insurance, das Direktgeschäft des Rückversicherers mit Industrieunternehmen.

Wie der weltweit drittgrößte Rückversicherer Hannover Rück musste auch die deutlich größere Munich Re zum Jahresstart einen überraschenden Rückgang der Einnahmen hinnehmen. Der Versicherungsumsatz sank um fünf Prozent auf 15 Milliarden Euro, während Analysten einen Anstieg erwartet hatten. Das Management erklärte dies vor allem mit negativen Währungseffekten. So hatte der US-Dollar im Verhältnis zum Euro zuletzt deutlich an Wert verloren.

Die Rückversicherungssparte konnte ihren Gewinn dank der deutlich gesunkenen Großschäden um fast drei Viertel auf nahezu 1,5 Milliarden Euro steigern. Die deutlich kleinere Erstversicherungstochter Ergo aus Düsseldorf verbuchte hingegen einen leichten Gewinnrückgang auf 235 Millionen Euro.

Alles in allem sieht Finanzvorstand Buchanan die Munich Re damit "voll auf Kurs" zu ihrem Ziel, den Gewinn von 6,1 Milliarden im Vorjahr auf diesmal 6,3 Milliarden Euro nach oben zu treiben. Auch der Versicherungsumsatz soll mit 64 Milliarden Euro das bisher angepeilte Niveau erreichen - trotz des dollarbedingten Rückgangs im ersten Quartal.

Daran soll auch der anhaltende Preisrückgang im Rückversicherungsgeschäft nichts ändern. Nachdem die Munich Re wegen der schlechteren Konditionen schon bei der wichtigsten Erneuerungsrunde zum 1. Januar auf Verträge verzichtet hatte, dampfte sie ihr Neugeschäft zum 1. April sogar um 18,5 Prozent ein. Selbst dabei musste sie bereinigt um Inflation und veränderte Risiken noch einen Preisrückgang um 3,1 Prozent hinnehmen.

Die kleinere Konkurrentin Hannover Rück hatte ihr Geschäft trotz einer ähnlichen Preisentwicklung hingegen kräftig ausgeweitet. Munich-Re-Finanzchef Buchanan sprach trotz der Abschläge von einem weiterhin guten Preisniveau. Dieses dürfte auch bei der nächsten Erneuerungsrunde im Juli "weitgehend gehalten werden".

Damit die Gewinne in den nächsten Jahren weiter sprudeln, will die Munich Re ihre Kosten bis zum Jahr 2030 um rund 600 Millionen Euro drücken. Dazu sollen bei der Tochter Ergo rund 1.000 Arbeitsplätze wegfallen, wie das Unternehmen bereits im Februar mitgeteilt hatte. Im Rückversicherungsgeschäft geht es nach früheren Aussagen von Munich-Re-Chef Christoph Jurecka vor allem darum, Dinge anders und besser zu machen.

So reagiert die Aktie

Nach der Veröffentlichung der Quartalsbilanz durch die Munich Re sind deren Aktien am Dienstag den tiefsten Stand seit November 2024 gefallen. Im Tief ging es um gut fünf Prozent auf 473,70 Euro abwärts. Letztlich betrug der Abschlag via XETRA noch 6,09 Prozent bei 468,90 Euro. Vom jüngsten Zwischenhoch Mitte April bei über 570 Euro beträgt der Verlust mittlerweile 16 Prozent.

Zwar haben die Münchner im ersten Quartal deutlich mehr verdient als im Vorjahreszeitraum. Allerdings mussten sie bei der Vertragserneuerung im Schaden- und Unfallgeschäft zum 1. April wie andere Rückversicherer weitere Preisrückgänge hinnehmen. Bereinigt um Inflation und veränderte Risiken gingen die Preise bei der Munich Re um 3,1 Prozent zurück.

Dieser Rückgang liege zwar am besseren Ende seiner eigenen Schätzung von 3 bis 3,5 Prozent, schrieb Analyst Ivan Bokhmat von der Barclays Bank. Der Rückgang des Geschäftsvolumens sei mit 18,5 Prozent aber sehr viel deutlicher ausgefallen. Damit habe die Munich Re ihr Geschäftsvolumen bei den bisherigen Vertragserneuerungen seit dem Jahreswechsel um neun Prozent verringert. Bei der Swiss Re liege der Rückgang hingegen nur bei zwei Prozent, und die Hannover Rück und die französische SCOR hätten ihr Volumen sogar ausgeweitet.

Der Quartalsumsatz habe die durchschnittliche Markterwartung um sechs Prozent verfehlt, so der Experte. Dies dürfte seiner Ansicht nach am Markt im Fokus stehen. Der Return on Investment, der die Rentabilität einer Investition misst, sei ebenfalls schwächer als angenommen. Die Rückversicherungssegmente Schaden/Unfall, Lebens- und Krankenversicherung sowie die Tochter Ergo seien mit ihren operativen Ergebnissen hinter den Erwartungen zurückgeblieben.

dpa-AFX

Bildquellen: Casimiro PT / Shutterstock.com

Nachrichten zu Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft AG (Munich Re)

Analysen zu Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft AG (Munich Re)

DatumRatingAnalyst
26.05.2026Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft OverweightBarclays Capital
18.05.2026Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft OverweightJP Morgan Chase & Co.
13.05.2026Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft NeutralGoldman Sachs Group Inc.
13.05.2026Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft Sector PerformRBC Capital Markets
13.05.2026Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft HoldJoh. Berenberg, Gossler & Co. KG (Berenberg Bank)
DatumRatingAnalyst
13.05.2026Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft NeutralGoldman Sachs Group Inc.
13.05.2026Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft Sector PerformRBC Capital Markets
13.05.2026Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft HoldJoh. Berenberg, Gossler & Co. KG (Berenberg Bank)
12.05.2026Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft HoldJefferies & Company Inc.
12.05.2026Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft Sector PerformRBC Capital Markets

Um die Übersicht zu verbessern, haben Sie die Möglichkeit, die Analysen für Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft AG (Munich Re) nach folgenden Kriterien zu filtern.

Alle: Alle Empfehlungen

Buy: Kaufempfehlungen wie z.B. "kaufen" oder "buy"
Hold: Halten-Empfehlungen wie z.B. "halten" oder "neutral"
Sell: Verkaufsempfehlungn wie z.B. "verkaufen" oder "reduce"
mehr Analysen