07.09.2021 14:22

Volkswagen-Chef setzt auf Kapitalmarkt für Batteriezell-Fabriken - AR-Chef hält weiteren Finanzbedarf für möglich

Zukunft im Blick: Volkswagen-Chef setzt auf Kapitalmarkt für Batteriezell-Fabriken -  AR-Chef hält weiteren Finanzbedarf für möglich | Nachricht | finanzen.net
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Volkswagen sieht gute Voraussetzungen zur Finanzierung der benötigten Batteriezellfabriken.
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"Das Kapital dafür gibt es im Markt", sagte Konzernchef Herbert Diess im Gespräch mit Reuters und der "Süddeutschen Zeitung" am Rande der Automobilmesse IAA Mobility in München. "Das hat man bei Northvolt gesehen." Der schwedische Akku-Hersteller, der mit VW zusammenarbeitet, hatte sich für den Ausbau seiner Produktionskapazitäten in Europa in großem Stil Mittel bei Investoren beschafft. Die Renditen, die mit Batteriefertigung erzielt würden, seien hoch, sagte Diess. "Es ist ein Nachfragemarkt und es bleibt ein Nachfragemarkt auf absehbare Zeit."

Diess hatte unlängst die Möglichkeit eines Börsengangs für die Batteriezellaktivitäten ins Spiel gebracht. Neben Partnerschaften wäre dies eine der Möglichkeiten zur Finanzierung. Der Wolfsburger Konzern will bis 2030 allein in Europa sechs Akku-Fabriken hochziehen, um den Bedarf für die rasch steigende Zahl an Elektroautos zu decken. Bis dahin sollen weltweit sechs von zehn Autos im Konzern mit Batterieantrieb verkauft werden. Insider gehen davon aus, dass dafür jedes Jahr eine neue Zellfabrik in Betrieb genommen werden müsste. Experten schätzen den für die Fabriken nötigen Finanzbedarf auf mindestens zwölf Milliarden Euro. Einen Teil davon will VW selbst stemmen. Die größere Summe müssten sich die Niedersachsen entweder bei Partnern oder am Kapitalmarkt beschaffen. "Man muss sich überlegen, in welchen Schritten man das macht", sagte Diess, ohne näher ins Detail zu gehen.

Als Standorte für Zellfabriken stehen bereits Schweden, wo VW mit Northvolt zusammenarbeitet, und Salzgitter in Niedersachsen fest. Für Salzgitter hat sich VW mit dem chinesischen Partner Gotion zusammengetan. Dort soll 2025 die Produktion der Einheitszelle für das Volumensegment starten, von der sich Europas größter Autobauer deutliche Kostensenkungen verspricht. Als dritter Standort kristallisiert sich Spanien heraus. Für die weiteren kommen Portugal, Frankreich und mehrere osteuropäische Länder infrage, darunter Tschechien, wo die VW-Tochter Skoda ihren Sitz hat. Für den Aufbau der Fabriken müssen in großem Stil Maschinen und Rohstoffe beschafft werden.

EUROPCAR IN DREI JAHREN NICHT MEHR NUR AUTOVERLEIHER

Mit Blick auf die Übernahme des Autovermieters Europcar sagte Diess, er hoffe, den Deal bis zum Jahresende beziehungsweise Anfang nächsten Jahres unter Dach und Fach zu bekommen. Ein Konsortium unter Führung der Wolfsburger hatte sich Ende Juli mit dem französischen Unternehmen auf den Kauf verständigt. Die Offerte, die Europcar einschließlich Schulden und Pensionsverpflichtungen mit 2,9 Milliarden Euro bewertet, soll bis Ende September bei der französischen Börsenaufsicht eingereicht werden.

Volkswagen will mit Europcar zu einem führenden Mobilitätsanbieter aufsteigen, der neben der Autovermietung auch Car-Sharing und Abo-Modelle im Angebot hat. Diess sagte, bis die dafür nötige Software entwickelt sei, werde sicherlich eine gewisse Zeit vergehen. "In zwei, drei Jahren sollte man merken, dass Europcar nicht mehr nur ein Autoverleiher ist."

AR-Chef hält weiteren Finanzbedarf für möglich

Volkswagen schließt angesichts der hohen Investitionen in neue Batteriezellwerke und selbstfahrende Autos einen weiteren Finanzbedarf nicht aus. Der Wolfsburger Konzern sei wegen gut laufender Geschäfte derzeit zwar in der Lage, die Kosten der Transformation aus dem freien Mittelzufluss zu stemmen, sagte Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch der Nachrichtenagentur Reuters in einem am Dienstag veröffentlichten Interview. "Wir können also sowohl gute Dividenden rausbezahlen als auch unser Geschäft problemlos nach vorne finanzieren", sagte Pötsch. "Aber natürlich bewegen wir uns in einem Umfeld, in dem wir nicht ausschließen, dass nochmal größere Beträge, etwa für das Thema autonomes Fahren zu investieren sind." Da sei es "empfehlenswert, ein, zwei Schritte weiterzudenken".

Pötsch äußerte sich nicht über einen möglichen Börsengang der Porsche AG. Aus der heutigen Sicht sehe die Finanzsituation des Konzerns relativ komfortabel aus. "Und im Zuge der großen Planungsrunden, die wir ja jedes Jahr vollziehen, überprüfen wir regelmäßig, wo es Bedarf gibt." Möglichkeiten zur Finanzierung von Vorhaben nannte Pötsch nicht und sagte auch nicht, um welche es sich dabei handeln könnte. Der Chefaufseher sagte lediglich: "Der gewiefte Finanzer wird immer eine Liste von Möglichkeiten mit sich führen, was man tun könnte, um dem Konzern erweiterte finanzielle Flexibilität zu geben."

Konzernchef Herbert Diess hatte unlängst gesagt, er räume einem möglichen Teil-Börsengang der Stuttgarter Sportwagentochter keine Priorität ein. Dennoch hoffen Investoren darauf, dass Volkswagen einem solchen Schritt nicht abgeneigt wäre. Reuters hatte im Mai unter Berufung auf Insider berichtet, dass die Familieneigner Porsche und Piech Szenarien für einen Porsche-Börsengang durchgespielt hätten.

Pötsch sagte weiter, der Konzernumbau von Volkswagen sei weitgehend abgeschlossen. "Um Audi haben wir eine Gruppe an Premium-Marken gebildet. Dazu gehören Bentley, Lamborghini und Ducati. Und daran soll sich nichts ändern." Über einen möglichen Verkauf der Luxussportwagenmarke Lamborghini und des italienischen Motorradherstellers Ducati hatten Investoren lange spekuliert.

Pötsch, der lange Finanzvorstand des Konzerns war, bevor er im Zuge des Dieselskandals 2015 an die Spitze des Aufsichtsrats wechselte, ist zugleich Vorstandschef der Porsche SE. Über diese Holding halten die Familien Porsche und Piech die Mehrheit an dem Wolfsburger Autokonzern.

- von Jan Schwartz und Christoph Steitz

München (Reuters)

Bildquellen: Denis Doyle/Getty Images

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