19.10.2012 15:28
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SAF-HOLLAND: Sicher unterwegs

Interview: SAF-HOLLAND: Sicher unterwegs | Nachricht | finanzen.net
SAF-HOLLAND begibt Unternehmensanleihe
Interview
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Die seit etwas mehr als fünf Jahren börsennotierte SAF-HOLLAND bietet Anlegern aktuell eine Unternehmensanleihe zur Zeichnung an. finanzen.net führte mit Wilfried Trepels, dem CFO des Unternehmens, ein Interview.
finanzen.net: Wie hoch stufen Sie die Wahrscheinlichkeit ein, dass die Weltwirtschaft einen ähnlichen Einbruch erleiden könnte wie nach Lehman Brothers?
Wilfried Trepels:
Wir sehen die Wahrscheinlichkeit, dass sich so etwas wiederholt als nicht gegeben an. Man kann derzeit gut an der aktuellen politischen Kommunikation sehen, dass alle Beteiligten daran arbeiten, eine Situation wie 2008 zu vermeiden und klare Wege aus der Krise zu definieren. Zugegebenermaßen ist Politik deutlich langsamer als die Wirtschaft. Wir bei SAF-HOLLAND sind grundsätzlich auf etwaige Marktveränderungen gut vorbereitet. Wir sind jederzeit in der Lage, Schwankungen im Markt von 20 bis 30 % flexibel zu managen und haben Instrumente zur nachhaltigen Steuerung unseres Net Working Capital installiert.

Als Zulieferer für die Nutzfahrzeugbranche ist SAF-HOLLAND darauf angewiesen, dass der Welthandel nicht ins Stocken gerät. Warum sollten Transportunternehmen ihre Fahrzeugflotte trotz der vorhandenen Unsicherheiten modernisieren?
Fahrzeugflotten müssen ständig auf dem aktuellen Stand der Technik und den geltenden Sicherheitsbestimmungen gehalten werden, egal wie die makroökonomische Situation aussieht. Ein Beispiel hierfür ist die Neuregelung in den USA zur Verkürzung des Bremsweges. Hier werden wir für den Fall eines Technologietransfers von Trommel- auf Scheibenbremse für schwere Trucks und Trailer überproportional partizipieren. In Europa ist diese Technologie schon lang Standard, und wir sind mit unseren Produkten hier im Markt fest etabliert. Zusätzlich spielen wirtschaftliche Überlegungen bei der Modernisierung von Flotten neben dem Sicherheitsaspekt eine wichtige Rolle. Einer der Hauptkostentreiber in unserer Industrie ist das Gewicht. Je weniger ein Anhänger oder Auflieger wiegt, desto weniger Kosten fallen für den Betreiber an. Der Flottenbetreiber hat so die Möglichkeit, Dieselkosten zu senken oder mehr zu transportieren und damit zusätzlichen Umsatz zu generieren.

SAF-HOLLAND erzielt vor allem in Europa und in den USA hohe Umsätze. Wie stark sind Sie in den besonders gefährdeten Krisenländern Portugal, Griechenland und Spanien engagiert?
Die genannten Länder haben bereits seit der Krise 2008 einen relativ niedrigen Anteil am Gesamtumsatz für Europa. Daher sind wir im Gesamtergebnis bei SAF-HOLLAND nicht signifikant betroffen. Wir werden auch oft gefragt, wie abhängig wir von den Konjunkturzyklen der LKW-Hersteller sind. Hierzu möchte ich sagen, dass wir von den Konjunkturzyklen der Truckindustrie nicht so abhängig sind, wie es allgemein wahrgenommen wird. Nur ca. 4% des Gesamtumsatzes der SAF-HOLLAND in Europa wird durch die Truckindustrie generiert. Weltweit sind es unter 20% des Gesamtumsatzes.

Und wie sieht ihre Geschäftsstrategie hinsichtlich der wachstumsstarken Schwellenländer Asiens und Lateinamerikas aus?
In den aufstrebenden BRIC-Ländern ist SAF-HOLLAND mit einem Umsatzanstieg von gut 47% im 1. Halbjahr 2012 rasant gewachsen, jedoch mit einem Gesamtanteil von ca. 6% am Gesamtumsatz noch stark ausbaufähig. Hier planen wir das Wachstum auch in den kommenden Jahren weiter voranzutreiben. Dies geschieht zum einen durch speziell abgestimmte Produkte wie z.B. die mechanische Federung und sonstige regional angepasste Aktivitäten. Darüber hinaus sind wir bereits heute in diesen Regionen vollständig investiert. Zu diesem Punkt haben wir unsere Hausaufgaben gemacht, jetzt arbeiten wir am Markterfolg.

Das dritte Quartal ist seit zwei Wochen Geschichte. Waren Sie mit der Geschäftsentwicklung zufrieden und was erwarten Sie mit Blick auf das Gesamtjahr?
Zum dritten Quartal möchte ich mich im Moment nicht äußern, da wir uns derzeit in der sogenannten ‚quiet period‘ befinden. Wir werden unsere Quartalsergebnisse am 8. November 2012 veröffentlichen. Ich bitte hier um Ihr Verständnis. Für das Geschäftsjahr 2012 erwarten wir, wie bereits auch schon im Jahresverlauf genannt, ein Wachstum des Konzernumsatzes auf rund 850 Millionen Euro bei stabiler Ergebnisentwicklung.

2011 haben Sie eine größere Kapitalerhöhung durchgeführt. Was gab den Ausschlag, sich nun über eine Unternehmensanleihe und nicht via Bankkredite oder eine Kapitalerhöhung frisches Kapital zu besorgen?
Wir haben kürzlich am 5. Oktober 2012 eine neue Konzernfinanzierung mit einem Bankenkonsortium über ein Volumen von 260 Mio. € und eine fünfjährige Laufzeit abgeschlossen. Wir fanden den Anleihemarkt schon immer interessant und haben ihn seit einiger Zeit als möglichen zusätzlichen Finanzierungsbaustein neben Eigenkapital und Bankkrediten ins Auge gefasst. Mit dieser Anleihe können wir nun unsere Finanzierungsstruktur weiter diversifizieren und unseren Wachstumskurs langfristig und flexibel absichern.

Mit welchen Konditionen ist die Anleihe ausgestattet?
Die Anleihe hat eine fünfeinhalbjährige Laufzeit und ist mit einem Volumen von bis zu 75 Millionen Euro und einem Zins von 7,000% ausgestattet. Der Zins wird jährlich gezahlt. Darüber hinaus hat die SAF-HOLLAND ein Rating von Euler Hermes im Investmentgrade Bereich, BBB-, Ausblick stabil erhalten.

Wofür soll der eingeplante Emissionserlös von bis zu 75 Millionen Euro konkret verwendet werden?
Einen Großteil des Emissionserlöses, möchten wir dafür einsetzen, unsere bisherigen Bankverbindlichkeiten zu tilgen, um unsere Finanzierungsstruktur um einen weiteren Baustein zu ergänzen und zu diversifizieren. Der übrige Anteil des Emissionserlöses verbleibt im Unternehmen. Der gesamte Finanzierungsmix dient selbstverständlich der Absicherung und dem weiteren Wachstum. Auf folgende drei Bereiche legen wir dabei einen ganz besonderen Fokus: Erweitertes Angebot von Trailersystemen im nordamerikanischen Markt, Ausbau des Aftermarket-Geschäfts weltweit und die Erschließung neuer Märkte in den BRIC-Staaten.

Gibt es bei der Anleihe von SAF-HOLLAND Ausstattungsmerkmale, die sie gegenüber der Konkurrenz positiv abheben?
An dieser Stelle möchten wir noch einmal betonen, dass wir keine klassische Mittelstandsanleihe begeben. Als SDAX-Unternehmen sind wir einer der First Mover, die ihre Unternehmensanleihe im neu geschaffenen Prime Standard Segment für Anleihen der Deutschen Börse emittiert. Dieses Segment ist unserer Meinung nach genau der richtige Platz für unsere Anleihe, da wir als SDAX-Unternehmen ohnehin sehr strengen Berichtspflichten unterliegen. Darüber hinaus gehen wir davon aus, dass aufgrund der höheren Volumina in diesem Segment auch eine bessere Handelbarkeit der Anleihen gewährleistet wird.

Vielen Dank für das Gespräch, Herr Trepels.

Zur Person:

Wilfried Trepels ist seit dem 20. Juni 2007 Chief Financial Officer (CFO) der SAF-HOLLAND Gruppe. Er kam bereits 2005 als Chief Financial Officer zur früheren SAF-Gruppe. Zuvor war Trepels von 2001 bis 2005 Geschäftsführer der Dürr Systems GmbH, einer Tochter der Dürr AG, und von 1998 bis 2001 Geschäftsführer der Schenck Process GmbH, ebenfalls eine Tochter der Dürr AG. Davor war er als Finanzchef für die Dürkopp Adler AG in Bielefeld tätig. Herr Trepels ist Diplom Kaufmann und studierte Betriebswirtschaftslehre an der Universität Aachen.

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