10.12.2012 14:38
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Im Osten geht die Sonne auf

Türkei Anleihen: Im Osten geht die Sonne auf | Nachricht | finanzen.net
Türkei Anleihen
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Das Prozedere folgt – zumindest in der Regel – immer den gleichen Regeln. Bevor die Bonität eines Schuldners hoch- oder runtergestuft wird, vergibt die entsprechende Ratingagentur zunächst einen positiven beziehungsweise negativen Ausblick.
Dass es auch anders funktioniert, bewiesen Anfang November die US-Bonitätsprüfer von Fitch. Ohne vorab einen positiven Ausblick vergeben zu haben, stufte die Ratingagentur die Kreditwürdigkeit der Türkei von "BB+" auf BBB-" herauf.

Nach Argumenten, weshalb der Halbmondstaat nun erstmals seit 1994 wieder ein Rating im Investment-Grade erhalten hat, muss nicht lange gesucht werden. Zum einen überzeugt die Türkei – nach einer Delle in 2012 – mit hohen Wachstumsraten. Der aktuellen Regierungsprognose zufolge wird das BIP 2012 um 3,2 Prozent zulegen, während 2013 ein Wachstum von 4 Prozent und 2014 sowie 2015 jeweils ein BIP-Plus von 5 Prozent erwartet wird.

Verschuldung, Inflation...

Auch der kräftige Rückgang der Inflation kann sich sehen lassen. Stiegen die Preise im April noch um über 11 Prozent, lag die Inflationsrate im Oktober "nur" noch bei 7,8 Prozent. Geht es nach dem Willen der Regierung, werden die Preise weiter sinken und 2014 im Schnitt lediglich um 5 Prozent zulegen. Bergab ging es in den vergangenen Jahren auch mit der öffentlichen Verschuldung. Mittlerweile steht Ankara nur noch mit rund 40 Prozent der Wirtschaftskraft in der Kreide – Tendenz fallend. Bereits 2015 soll die Verschuldung nur noch etwa 30 Prozent des BIPs betragen.

...und Defizit auf dem Rückzug

Das Leistungsbilanzdefizit ist hingegen noch die große Schwachstelle der türkischen Wirtschaft, wenngleich auch hier große Fortschritte zu verzeichnen sind. Schließlich konnte das Defizit von 10,0 Prozent in 2011 auf 7,7 Prozent per Ende August reduziert werden. Und: Die Chancen, dass das Defizit – wie von der Regierung angestrebt – bis 2015 auf 6,5 Prozent sinken wird, stehen nicht schlecht. Vor allem die anhaltende Diversifizierung des türkischen Exports soll helfen, dieses Ziel zu erreichen. Dies bedeutet: Statt auf die langsam wachsenden Staaten in der Europäischen Union zu setzen, richtet die Türkei ihren Blick zunehmend auf die aufstrebenden Schwellenländer im Mittleren Osten und in Afrika. So legte der Anteil der MENA-Staaten (Mittlerer Osten und Nordafrika) am Export auf Jahressicht von 28 auf 38 Prozent zu. Der Anteil der gesamten Ausfuhren in die Staaten der Europäischen Union schrumpfte im gleichen Zeitraum hingegen von 47 auf 38 Prozent.

Hohe Renditechancen

Die Fortschritte und Aussichten der türkischen Wirtschaft sollten auch die Lira stützen, die seit Jahresbeginn zum Euro bereits um rund 5 Prozent aufwertete. Doch selbst wenn die Lira zum Euro nur seitwärts verläuft oder sogar leicht abwertet, könnte sich für risikofreudige Anleger ein Blick auf türkische Lira-Bonds lohnen. Zwar sind in türkische Lira denominierte Anleihen zuletzt recht gut gelaufen. Dennoch locken sie weiterhin mit vergleichsweise lukrativen Renditen. So rentieren etwa einjährige Lira-Anleihe mit knapp 6 Prozent, während Bundesanleihen mit vergleichbarer Laufzeit gerade mal eine Rendite von 0,02 Prozent bieten.

Interessant sind türkische Staatsanleihen auch aufgrund möglicher Kursgewinne, die vor allem im Zuge einer weiteren Hochstufung der Bonität durch eine andere Ratingagentur wahrscheinlich sind. "Denn damit wäre die Voraussetzung für die Aufnahme in viele Benchmark-Indizes gewährleistet", schreiben die Experten von M.M. Warburg in ihrem Rentenmonitor. Nach Fitch könnte am ehesten die US-Ratingagentur Moody´s die Kreditwürdigkeit der Türkei in den Investment-Grade-Bereich anheben. Schließlich hat Moody´s bereits im Sommer die Note BB+ mit positiv Ausblick versehen.

Franz von den Driesch ist Chefredakteur der Webmagazine AnleihenMonitor, Ruhestandsmonitor und econoafrica. Die Portale sind redaktionell unabhängig und werden von Wirtschaftsjournalisten mit langjähriger Berufserfahrung betreut. Für die monatlich kostenlosen Newsletter der Webmagazine können sich Anleger auf www.anleihenmonitor.de, www.ruhestandsmonitor.de und www.econoafrica.de anmelden.

Der obige Text spiegelt die Meinung des jeweiligen Kolumnisten wider. Die finanzen.net GmbH übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schließt jegliche Regressansprüche aus.

Bildquellen: Luciano Mortula / Shutterstock.com

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