06.12.2021 12:20

Grüne Anleihen sind nicht alle gleich gru?n

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von Pilar Gomez-Bravo, CFA Director of Fixed Income - Europe und Robert M. Hall Institutional Fixed Income Portfolio Manager, MFS Investment Management
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Die meisten Dinge im Leben sind nicht schwarz oder weiß. Sie sind irgendetwas dazwischen. Das gilt auch fu?r gru?ne Anleihen (Green Bonds): Sie sind unterschiedlich gru?n. Einige erfu?llen höchste Standards, andere nicht. Wegen der hohen Nachfrage ist der Markt fu?r Green Bonds erheblich gewachsen. Gru?ne Anleihen fördern den grundlegenden Wandel, der nötig ist, um den Klimawandel aufzuhalten Das Anlegerinteresse an der Assetklasse ist groß – so groß, dass häufig Aufschläge fu?r gru?ne Anleihen gezahlt werden. Tatsächlich sind Investoren nach einer aktuellen Schätzung von Morgan Stanley bereit, auf fu?nf bis zehn Basispunkte Rendite gegenu?ber vergleichbaren traditionellen Papieren zu verzichten. Das klingt nach einer Win-win-Situation. Unternehmen und andere Emittenten haben gu?nstigen Zugang zu Kapital, das sie so einsetzen, dass wir Menschen unseren Planeten länger nutzen können. Dazu finanzieren sie Projekte, die Umweltschäden verringern oder beseitigen. Gru?ne Anleihen sind eine großartige Innovation, aber nicht immer halten sie, was sie versprechen. Nicht allen Emittenten ist Nachhaltigkeit gleich wichtig, und nicht alle haben strenge Richtlinien oder eine klare Dokumentation.

Einige Anleihen sind gru?ner als andere

Grundsätzlich sollen Green Bonds die Finanzierung klimafreundlicher Projekte unterstu?tzen, aber manche Emittenten haben selbst eine schlechte Umweltbilanz. Die Platzierung einer gru?nen Anleihe macht ein Unternehmen nicht automatisch nachhaltig. Deshalb ist es wichtig, vor einer Anlageentscheidung auch die Nachhaltigkeitsrichtlinien des Emittenten und seine Berichterstattung u?ber wesentliche ESG-Risiken zu betrachten. Aber auch sie sind nur Teile des großen Ganzen und mu?ssen im Zusammenhang mit eingehenden fundamentalen, bewertungsbezogenen und technischen Analysen gesehen werden.

Der Teufel steckt im Detail

Deshalb pru?fen unsere Analysten die Anleihedokumentation sehr genau. Hier gibt es zum Teil erhebliche Unterschiede zwischen den Emittenten, beispielsweise bei der Verwendung der Erlöse oder der Qualität der Berichterstattung u?ber die Wirkung gru?ner Anleihen. Unsere internationalen Analysten tauschen sich daru?ber aus, welche Emittenten höchste Dokumentationsstandards einhalten, beispielsweise zur Zweckbindung der Erlöse. Als besonders gut gelten Emittenten, die eindeutig beschreiben, fu?r was die Anleihenerlöse keinesfalls genutzt werden. Die „Caveat emptor“-Rhetorik mag ähnlich sein, aber es gibt erhebliche Unterschiede zwischen Green-Bond-Emittenten. Sie haben verschiedene Richtlinien, und vor allem sind nicht alle bereit, umfassend zu berichten, wie sie die von ihnen finanzierten Projekte kontrollieren, und ihre Kontrollergebnisse offenzulegen. Unsere Analysten pru?fen die Richtlinien und die damit verbundenen Kontrollverpflichtungen und engagieren sich bei Emittenten, um Entwicklung und Umsetzung klarer Nachhaltigkeitsvorgaben zu fördern.

Werden die richtigen Anreize gesetzt?

Nachhaltige Anleihen sind noch sehr neue Themenanleihen. Sie sollen den Emittenten helfen, Nachhaltigkeit zu fördern und wichtige ESG-Risiken in ihren Sektoren anzugehen. Wer sie begibt, muss bestimmte ESGZiele in einem vorab festgelegten Zeitraum erfu?llen oder seinen Gläubigern einen höheren Coupon zahlen. Die Bedingungen sind unterschiedlich streng, aber die Emittenten werden zur Kasse gebeten, wenn es ihnen beispielsweise nicht gelingt, Treibhausgasemissionen zu reduzieren oder die Diversität zu verbessern. In manchen Fällen sind die Anforderungen zu gering oder werden an schwer messbaren Kennziffern festgemacht. Auch hier ist es fu?r unsere Analysten wichtig, sich bei Emittenten zu engagieren, damit die Ziele klar definiert, ehrgeizig und objektiv zu u?berpru?fen sind. Statt den Gläubigern höhere Coupons zahlen zu mu?ssen, wenn das Unternehmen seine Nachhaltigkeitsziele nicht erreicht, wäre es vielleicht angemessener, die Coupons zu senken, wenn besonders ehrgeizige Nachhaltigkeitsziele erreicht werden: Belohnung statt Bestrafung. Der Emittent wu?rde fu?r die Erreichung seiner Ziele mit niedrigeren Finanzierungskosten belohnt, und die Anleger könnten sicher sein, in einen besonders nachhaltigen Emittenten investiert zu haben.

Nicht von gru?nen Labels blenden lassen

Auch bei Anleihen mit einem „gru?nen Label“ halten wir eingehende Analysen fu?r sinnvoll: Welchen ESG Risiken ist der Emittent ausgesetzt, wie relevant sind diese Risiken, und erhält der Investor fu?r sie einen angemessenen Ausgleich? Wir bei MFS sind u?berzeugt, dass ein integrierter, auf Engagement ausgerichteter ESG-Ansatz einen zeitnahen Wandel hin zu einer nachhaltigeren Welt fördert. Das spricht auch fu?r einen aktiven langfristigen Ansatz, der nicht nur auf Ausschlu?ssen oder passiven Anlagen in Green Bonds beruht, sondern auch die fundamentale Kreditwu?rdigkeit eines Emittenten sowie dessen ESG-Gesamtkonzept beru?cksichtigt. Da viele Emittenten jetzt möglichst schnell als nachhaltig gelten wollen und deshalb „Emittenten-Latein“ droht, sollte man aus unserer Sicht einen umsichtigen, disziplinierten Prozess verfolgen, der zu einer verantwortungsvollen Kapitalallokation fu?hrt.

https://www.green-bonds.com/
Foto: Pilar Gomez-Bravo
© MFS Investment Management




Quelle: fixed-income.org - Die Plattform für Investoren und Emittenten am Anleihenmarkt.
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