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aktualisiert: 04.10.2012 18:44

Berentzen: Aus Deutschland in die Welt

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Berentzen vertreibt seit über 250 Jahren Spirituosen und will nun über eine Unternehmensanleihe den Kapitalmarkt anzapfen. Finanzen.net sprach mit Unternehmenschef Stefan Blaschak über die Expansionspläne der Firma.
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finanzen.net: Von der Eurokrise scheint der europäische Spirituosenmarkt nicht zu profitieren – die Umsätze bewegen sich bestenfalls seitwärts. Worin sehen Sie die Hauptgründe in der zunehmenden Abstinenz der Europäer mit Blick auf das überwiegend hochprozentige Angebot Ihrer Traditionsfirma?
Stefan Blaschak:
Europa ist generell ein eher saturierter Markt, der für viele Produktkategorien nur noch begrenzte Wachstumsmöglichkeiten bietet. Wobei Europa und speziell Deutschland für uns immer von großer Bedeutung bleiben werden. Das stabile deutsche Geschäft ist ein solides Fundament für Berentzen. Wir sehen die größeren Wachstumschancen jedoch im Ausland. In Asien entsteht eine riesige Mittelschicht, deren Konsum- und Trinkgewohnheiten auch von Offenheit für westliche Produkte geprägt sind. Das ist eine große Chance für Berentzen. Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, sich in Asien fest zu etablieren.

In Schwellenländern wie China, Indien und der Türkei sind Sie in den vergangenen 12 Monaten aktiv geworden. Wie verläuft die Expansion in den relativ fremden Kulturkreisen? Worin sehen Sie die größten Herausforderungen für die Gesellschaft? Die Expansion verläuft in allen drei Märkten ausgesprochen gut. Als Mittelständler müssen wir sorgsam haushalten und haben uns daher zunächst auf drei vielversprechende Märkte fokussiert. Das ist im Interesse unserer Aktionäre. In China haben wir dieses Jahr bereits 215.000 0,7-l-Flaschen verkauft und innerhalb von 12 Monaten eine Landesgesellschaft mit 22 Mitarbeitern aufgebaut. Wer die bürokratischen Herausforderungen im Ausland kennt, weiß, was für eine Leistung das ist. In der Türkei haben wir ebenfalls eine Tochtergesellschaft gegründet, die nun mit Hochdruck den Markt bearbeitet. Dabei setzten wir sehr stark auf einheimische Mitarbeiter mit Vertriebs- und Branchenerfahrung. Nur so können wir die lokalen Märkte nachhaltig bearbeiten und Erfolg haben. Sie zeigen vor Ort Präsenz, knüpfen Kontakte und bauen Vertriebsnetze auf. Das setzen wir mit großem Elan um. Übrigens tut der Gang ins Ausland uns allen bei Berentzen gut. Wir werden als Unternehmen offener und internationaler, was für alle Mitarbeiter motivierend ist.

Ist Berentzen nicht zu klein, um sich im internationalen Wettbewerb mit den Global Playern zu behaupten?
Zahlreiche Mittelständler haben bewiesen, dass sie auf den Weltmärkten erfolgreich sein können. Wir haben einige Trümpfe vorzuweisen: Ein ausgewogenes Produktportfolio, eine hochmoderne und effiziente Produktion, eine hochmotivierte Belegschaft. Und wir sollten nicht vergessen: Made in Germany gilt im Ausland immer noch sehr viel. Hinzu kommt, dass wir mit unserem Private Label-Geschäft schnell und flexibel auf Kundenwünsche reagieren können – weltweit. Diese Form der Kundenorientierung bietet ein Global Player mit Sicherheit nicht.

Welche Marken bzw. Spirituosen möchten Sie im Ausland besonders pushen?
Wir sehen großes Potenzial für John Medley’s Kentucky Bourbon, aber auch für Puschkin Wodka, Berentzen Fruchtige und Turoa Rum. Hier ist unsere breite Produktpalette von Vorteil. Weltweit sind sowohl Whiskey als auch Wodka Segmente, die international nachhaltig wachsen. An diesem Aufschwung wollen wir teilhaben. Ein weiterer Vorteil: im Ausland können wir unsere Produkte im Premiumsegment positionieren, verdienen also deutlich mehr an jeder verkauften Flasche als in Deutschland.

Die geplante Expansion ins Ausland dürfte in der Anfangsphase noch keine großen Früchte tragen. Welche Durststrecke kalkulieren Sie ein und können Sie einen neuerlichen Rutsch in die Verlustzone ausschließen?
Wir haben bereits große Fortschritte gemacht. Unsere Tochtergesellschaften in der Türkei und in China faktorieren bereits und haben schon mehrere hunderttausend Flaschen ausgeliefert. Daher bin ich sehr zuversichtlich, dass die Türkei und China schon im zweiten Jahr einen positiven Beitrag leisten werden. Die Dynamik in Asien können wir uns in Deutschland kaum vorstellen. Dort liegen die Märkte der Zukunft. Wenn Berentzen wachsen will – und das wollen wir – muss das Unternehmen dort präsent sein. Dafür sind wir bereit, Zeit und Geld zu investieren.

Mit welchen Konditionen ist die Anleihe ausgestattet?
Die Anleihe hat eine Laufzeit von fünf Jahren, eine festen Verzinsung von 6,5 Prozent pro Jahr sowie eine Mindestanlage von 1.000 Euro. Sie ist für private wie auch für institutionelle Anleger konzipiert. Die auf den Inhaber lautenden Schuldverschreibungen (Anmerkung der Redaktion: ISIN: DE000A1RE1V3, WKN: A1RE1V) können während des Angebotszeitraums voraussichtlich vom 8. Oktober 2012 bis zum 16. Oktober 2012 gezeichnet werden, wobei eine vorzeitige Schließung durchaus möglich ist. Ab voraussichtlich 18. Oktober 2012 ist eine Notierungsaufnahme der Schuldverschreibungen im Open Market der Deutsche Börse AG im Segment Entry Standard für Anleihen vorgesehen. Institutionelle Investoren können über Close Brothers Seydler Bank AG, Frankfurt am Main, zeichnen. Privatanleger können die Anleihe bei ihrer Depotbank zeichnen, indem sie eine Zeichnungsorder am Börsenplatz Frankfurt aufgeben. Ich kann nur raten: wer interessiert ist, sollte schnell sein.

Mit 6,5 Prozent gehört der Kupon im Segment Mittelstandsanleihen nicht gerade zu den Hochprozentern. Welche Aspekte sprechen dafür, dass der Bond im Gegenzug ein geringeres Maß an Risiko beinhaltet?
6,5 Prozent sind im Vergleich zu anderen Anlageklassen wie z. B. Staatsanleihen eine sehr auskömmliche Rendite. Aus Sicht eines Anlegers zeichnet sich Berentzen als Emittent durch ein hohes Maß an Transparenz und Professionalität aus. Wir sind börsennotiert, wir veröffentlichen regelmäßig unsere Zahlen, wir verfügen über ein ausgefeiltes Risikomanagement, wir sind weitgehend schuldenfrei. Für den Anleger bedeutet dies ein geringeres Ausfallrisiko als bei manch anderer Anleihe. Hinzu kommt: Wir wollen die Mittel für Wachstum nutzen, das sich mittelfristig – also innerhalb der Laufzeit der Anleihe - rechnen soll. Aus meiner Sicht rechtfertigt dies unseren Kupon. Ein höherer Kupon bedeutet schließlich mehr Risiko, das müssen Anleger bedenken. Ich halte unsere Balance zwischen Rendite und Risiko für ausgewogen.

Wofür soll der eingeplante Emissionserlös von bis zu 50 Millionen Euro konkret verwendet werden. Welche bislang noch weißen Stellen auf der Weltkarte würden Sie ebenfalls reizen?
Wir wollen die eingeworbenen Mittel für die Finanzierung unserer Wachstumsstrategie verwenden. Dazu könnten auch Akquisitionen zählen, wenn der Preis und die strategische Logik passen. Berentzen ist schon jetzt erfolgreich im Ausland. Mit frischen Mitteln können wir die Umsetzung unserer Pläne noch schneller vorantreiben. Da wir praktisch schuldenfrei sind und keinen Refinanzierungsbedarf haben, dient die Anleihe in erster Linie der Wachstumsfinanzierung. Das unterscheidet uns positiv von manchem Wettbewerber. Dabei möchte ich eines betonen: Als Mittelständler werden wir weiterhin umsichtig investieren. Darauf können sich unsere Aktionäre wie auch unsere Gläubiger verlassen. Eine Historie von über 250 Jahren stellt eine Verpflichtung dar, die wir alle bei Berentzen ernst nehmen.

Vielen Dank für das Gespräch, Herr Blaschak.

Zur Person:

Stefan Blaschak wurde bei Berentzen im September 2008 zum Vorsitzenden des Vorstands berufen und verantwortet die Ressorts Marketing, Vertrieb, F&E, Technik, Einkauf. Er verfügt über weitreichende Erfahrungen im Bereich Konsumgüter.
Berentzen kann auf eine Historie von über 250 Jahre zurückblicken. Der Fokus der Aktivitäten liegt auf den Kernmarken Berentzen und Puschkin in Volumensegmenten des Spirituosenmarktes sowie der Marke Vivaris im Erfrischungsgetränkemarkt.

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12.08.2009Berentzen VZ Turn-around-SpekulationNebenwerte Journal
11.10.2007Berentzen Bodenbildung abwartenDer Aktionär
12.04.2007Berentzen chancenreichDer Aktionär
06.02.2007Berentzen kaufenSmall Cap Scout
06.10.2006Berentzen Kursziel 7,80 EuroPrior Börse
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06.02.2007Berentzen kaufenSmall Cap Scout
06.10.2006Berentzen Kursziel 7,80 EuroPrior Börse
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