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06.08.2014 16:00
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Auf der sicheren Seite: Wie Trader Risiken bei CFDs begrenzen

CFDs unter der Lupe: Auf der sicheren Seite: Wie Trader Risiken bei CFDs begrenzen | Nachricht | finanzen.net
CFDs unter der Lupe
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Differenzkontrakte: Wie Anleger mit Orderzusätzen Verluste minimieren und erzielte Gewinne sichern können.
€uro am Sonntag
von Gian Hessami, Euro am Sonntag

Hebelprodukte sind etwas für mutige Anleger. Mit ihnen setzen sie häufig ­ihren kompletten Kapitaleinsatz aufs Spiel. Das gilt auch für Differenzkontrakte, die in Großbritannien vor mehr als zwei Jahr­zehnten erfunden wurden und auch CFDs (Contracts for Difference) genannt werden. Mit ihnen spekulieren Trader je nach Markterwartung auf steigende (Long-Position) oder fallende (Short-Position) Basiswerte wie Aktien, Indizes, Devisen und Rohstoffe. Der beliebteste Basiswert hierzulande ist der DAX.

Anleger können mit Differenzkontrakten von Kursbewegungen gehebelt, also überproportional, profitieren. Ein Hebel von zehn bedeutet beispielsweise, dass ein CFD-Investor, der auf steigende Kurse spekuliert, bei einem Kursanstieg des Basiswerts von einem Prozent ein Plus von zehn Prozent macht. Jedoch wirkt der Hebel auch in die andere Richtung: Erfüllt sich die Markt­erwartung nicht, werden auch die Verluste entsprechend gehobelt.

Bei CFDs sind hochriskante Hebelgrößen von 50 oder 100 durchaus üblich. Für ein Investment empfiehlt es sich daher, die Funktionsweise des Hebelmechanismus zu verstehen. CFDs werden in der Regel über einen Anbieter (Broker) gehandelt. Bei ihm müssen Anleger ein Depot eröffnen. Wie groß der Hebel bei den CFDs ist, bestimmt sich durch die beim Broker zu hinterlegende Sicherheitsleistung, auch Margin genannt.

Beispiel: Ein Anleger setzt mit einem Long-CFD auf einen steigenden DAX. Die Höhe der Margin beträgt ein Prozent des gehandelten Werts. Angenommen, der Index notiert bei 9.600 Punkten, dann liegt die Margin bei 96 Euro. Steigt nun der DAX um ein Prozent auf 9.696 Punkte, so ergibt sich für den Anleger ein Gewinn von 96 Euro. Während der Basiswert um ein Prozent zulegt, erhöht sich der CFD-Wert um 100 Prozent, da der Hebel bei 100 liegt. Sollte jedoch der DAX um ein Prozent fallen, ist die komplette Margin verloren.

Stop-Loss-Order ist gefragt
Um Risiken beim Handel zu minimieren, können Anleger Aufträge mit Orderzusätzen versehen, die in der Regel beim CFD-Handel kostenfrei sind. Dies ist über die vom Broker bereitgestellte Software möglich. Eine beliebte Variante ist die Stop-Loss-Order, die Verluste begrenzen soll. Mit diesem Handelsauftrag legen Investoren bei Long-CFDs eine Kursuntergrenze und bei Short-CFDs eine Kursobergrenze fest. Erreicht der Basiswert diese Marke, wird die Position zum nächsten handelbaren Kurs verkauft.

Angenommen, der CFD-Käufer setzt beim Indexstand von 9.600 Punkten auf einen steigenden DAX. Er gibt zugleich eine Stop-Loss-Order bei 9.550 Punkten auf - rund 0,5 Prozent unter dem aktuellen Indexstand. Geht es nach unten und berührt der DAX diese Marke, wird die Position automatisch aufgelöst und der Restwert der Margin ins Konto gebucht. Bei einem Hebel von 100 könnte er dabei bereits 50 Prozent des Einsatzes verloren haben.

CFD-Anleger können die Stop-Loss-Order während des Handels verändern. Etwa, indem sie an ihrem PC mit der Maus die Stop-Loss-Linie in der Chart-Grafik verschieben. Dies bietet sich zum Beispiel an, wenn der Basiswert in die gewünschte Richtung läuft. Auf den obigen Fall bezogen: Der Anleger erwartet einen anziehenden DAX, kauft bei 9.600 Punkten und setzt den Stop bei 9.550 Zählern. Nachdem der Index auf 9.700 Punkte geklettert ist, zieht er die Stop-Linie auf 9650 Punkte nach oben. Somit kann er einen Teil des bisherigen Gewinns sichern und von weiterhin steigenden Kursen profitieren.

Anleger, die nicht ständig vor dem Bildschirm sitzen und den Performanceverlauf des Basiswerts beobachten wollen, können eine dynamische Stop-Loss-Order aufgeben. Bei diesem sogenannten Trailing Stop bleibt der zu Handelsbeginn festgelegte Abstand zwischen Basiswertkurs und Stop-Loss-Schwelle immer gleich. Das heißt, die Stop-Linie wird automatisch nachgezogen - bei Long-CFDs nach oben und bei Short-CFDs nach unten.

Stop-Loss-Zusätze gelten beim Handel mit Differenzkontrakten nicht nur als "Nice to have", sondern als "Must". "Da das Trading mit CFDs durch die Wirkung eines Hebels mit hohen Verlustrisiken verbunden ist, sollte man grundsätzlich bei jeder Order auch gleich eine Stop-Loss-Order zur Minimierung des Risikos aufgeben", sagt Torsten Gellert vom Broker FXCM.

Eine Stop-Order kann aber auch dazu dienen, den Einstiegszeitpunkt zu optimieren. Dies ist mit dem Zusatz Stop-Buy möglich. Beispiel: Der DAX notiert bei 9.600 Punkten. Ein Anleger will auf einen Trend mit steigenden DAX-Kursen aufspringen und gibt eine Stop-Buy-Order bei 9.630 Punkten auf. Erst wenn der Index diese Marke erreicht, wird der Kauf unlimitiert, also billigst aus­geführt.

Die OCO-Strategie
Eine andere beliebte Ordervariante nennt sich OCO (One Cancels the Other). In ihr sind quasi zwei Orders enthalten. Bei der Ausführung der einen wird die andere gelöscht. So können Anleger eine Stop-Loss- und zugleich eine Verkaufsorder (Limit-Order, siehe Investor-Info) auf­geben. Angenommen, der Anleger setzt auf einen steigenden DAX. Er eröffnet seine Position bei 9.600 Punkten und platziert einen Stop-Loss bei 9.550 Punkten sowie ein Verkaufslimit bei 9.750 Punkten. Wenn der DAX nach unten läuft, steigt der Anleger automatisch bei 9.550 Punkten aus. Sollte der Index hingegen nach oben klettern und tatsächlich die 9.750 Punkte erreichen, wird die Position automatisch glattgestellt, und der Gewinn wird realisiert.

Mit der Kombination der beiden Verkaufsorders sichert man sich also gegen fallende Kurse ab und kann zugleich bei steigenden Kursen Gewinne erzielen. Mit der OCO-Funktion halten Anleger die Differenzkontrakte, solange sich der Basiswert innerhalb des Korridors zwischen dem gewählten Stop-Loss und dem Verkaufslimit bewegt. Sollte der Kurs aus dem festgelegten Korridor ausbrechen, wird die eine Verkaufsorder aktiviert und die andere zugleich storniert. Eine OCO-Order bietet sich zum Beispiel dann an, wenn Investoren keine Lust oder keine Zeit haben, den gesamten Tag am Rechner zu sitzen.

Wer noch keine Erfahrung mit Differenzkontrakten hat, kann sich auf einem Demo-Konto mit der Funktionsweise der verschiedenen Orderarten vertraut machen. "Danach ist der Einsatz im realen Handel dank der technologisch ausgereiften und einfach bedienbaren Plattformen kein Problem", sagt FXCM-Experte Gellert. Orderzusätze bieten zwar keine Gewinngarantien, doch sie können das Depot und somit die Nerven der Anleger beruhigen.

Investor-Info

Ordertypen
Market- und Limit-Orders

Prinzipiell gibt es zwei Ordertypen: Market- und ­Limit-Orders. Market-Orders werden zum bestmöglichen Kurs ausgeführt, also billigst ge- und bestens verkauft. Diese unlimitierten Orders werden sofort ausgeführt - zu welchem Kurs genau, steht vorher noch nicht fest. Mit Limit-Orders dagegen geben Anleger eine Preisober- oder -untergrenze an, bis zu der ein Auftrag ausgeführt werden soll. Wird der gewünschte Kurs nicht erreicht, erfolgt kein Handel.

Stop-Loss
Aussteigen

Mit dem Zusatz Stop-Loss legen Investoren eine Kursgrenze fest, ab der die CFDs zum nächsten handelbaren Kurs verkauft werden. Zusätzlich können ­Anleger gegen Gebühr auch garantierte Stop-Orders platzieren und sich damit eine Kursuntergrenze sichern. Dies kann bei "Overnight-Gaps" sinnvoll sein. So eine "Übernacht-Lücke" entsteht, wenn etwa der DAX am nächsten Handelstag - wegen schlechter Börsen-News aus den USA oder Asien - unter dem Schlusskurs des Vortags eröffnet.

Dynamischer Stop-Loss
Gewinne sichern

Anleger, die mit CFDs auf einen steigenden DAX setzen, begrenzen mit einem Stop-Loss mögliche Verluste. Notiert etwa der DAX bei 9600 Punkten, wäre ein Stop-Loss bei 9550 Punkten denkbar. Sollte der Index steigen, können Anleger die Stop-Loss- Linie nach oben, etwa auf 9650 Punkte, nachziehen. Dies ist manuell oder automatisch möglich.

Stop-Buy
Aufspringen

Mit dem Auftragszusatz Stop-Buy legen Anleger eine Kursgrenze fest. Erreicht der Basiswert diese Marke, wird der Kauf unlimitiert, also billigst, ausgeführt. Anleger können mit dieser Strategie abwarten, in welche Richtung der Basiswert läuft, und dann gegebenenfalls auf den Zug aufspringen.

OCO (One Cancels the Other)
Gewinne realisieren

Die OCO-Order mischt die beiden Verkaufsorders Stop-Loss und Limit. Für Long-CFDs auf den DAX heißt das: Sollte der DAX auf die gesetzte Stop-Mar- ke fallen, werden die Kontrakte mit Verlust verkauft. Sollte hingegen der Index steigen, wird zum vorab gewählten Preis über dem aktuellen Stand verkauft und der Gewinn realisiert. Wird eine der beiden Orders ausgeführt, wird die jeweils andere gelöscht.

Bildquellen: svilen mitkov / Shutterstock.com, Kostsov / Shutterstock.com, StockThings / Shutterstock.com, Andy Dean Photography / Shutterstock.com

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