10.06.2017 16:00
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CFD-Handel: Nachschuss verboten

Euro am Sonntag-CFD-Spezial: CFD-Handel: Nachschuss verboten | Nachricht | finanzen.net
Euro am Sonntag-CFD-Spezial
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In wenigen Wochen gibt es bei Differenzkontrakten, den CFDs, keine Nachschusspflicht mehr. Broker müssen neue Modelle anbieten.
€uro am Sonntag
von Gian Hessami, Euro am Sonntag

Mit Differenzkontrakten können Anleger ein Vielfaches ihres Kapitaleinsatzes gewinnen - aber eben auch mehr verlieren, als sie eingesetzt haben. Erfüllt sich ihre Markterwartung nicht, kann es zur Nachschusspflicht kommen. Welche dramatischen Folgen dies bei CFDs (Contracts for Difference) haben kann, zeigte der Franken-Crash im Jahr 2015.


Schuld sind riskante Hebel von 100 oder mehr. Diese kommen zustande, da Anleger nur einen geringen Teil des gehandelten Basiswerts als Sicherheitsleistung (Margin) hinterlegen. Mit Long-Positionen setzen Anleger auf steigende Kurse und mit Short-Positionen auf fallen- de Kurse eines Basiswerts - etwa ein Index, eine Aktie, eine Währung oder ein Rohstoff.


In der Regel lösen die CFD-Anbieter das Handelskonto automatisch auf, bevor es ins Minus rutscht, um die Nachschusspflicht zu verhindern. Bei sehr heftigen und schnellen Kurseinbrüchen funktioniert dies allerdings nicht unbedingt. Wegen der fehlenden Liquidität an den Märkten können dann sogar Stoppkurse die Anleger nicht mehr schützen.

Umstellung am 10. August

Um solche Szenarien künftig zu vermeiden, hat die Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) nun den Brokern hierzulande verboten, Privatanlegern CFDs mit Nachschusspflicht anzubieten. Die CFD-Anbieter haben bis zum 10. August Zeit, ihre Geschäftsmodelle umzustellen.



Der größte CFD-Anbieter am deutschen Markt ist CMC Markets. Derzeit ist es den Kunden nach wie vor möglich, mit großen Hebeln zu agieren. Beispielsweise hinterlegt man bei DAX-CFDs lediglich eine Margin von 0,20 Prozent, was einem Hebel von 500 entspricht. "Erfahrene Anleger wissen, wie man bei Differenzkontrakten das Verlustrisiko deutlich reduzieren kann", sagt Craig Inglis, Head of Germany & Austria bei CMC Markets. "Die einen arbeiten mit garantierten Stop-Loss-Orders, andere wiederum lassen sich in unserem Service ihr Konto für den sogenannten Schutzschildmodus freischalten", erläutert der Experte.

Dieser garantiere, dass das Konto nicht ins Minus rutscht, da alle Transaktionen automatisch mit garantierten Stop-Loss-Orders versehen werden. Jetzt und auch künftig gilt: Dafür, dass CMC Markets als Anbieter ein höheres Risiko trägt, müssen Kunden bei einem garantierten Stop-Loss-Auftrag eine Art Versicherungsgebühr zahlen.

Der zweite große Anbieter am deutschen Markt, IG, bietet Neukunden jetzt nur noch Differenzkontrakte an, bei denen Anleger keine Nachschussverpflichtungen eingehen. Die Hebelstärke ist derzeit aber noch nicht beschränkt. Nach wie vor hinterlegen Anleger zum Beispiel bei DAX-CFDs eine Margin von 0,5 Prozent, was einem Hebel von 200 entspricht. Eingebaute garantierte Stopps sollen dafür sorgen, dass die Handelskonten bei Bedarf rechtzeitig glattgestellt werden. Welche Regelung für Altkunden getroffen wird, entscheidet sich bis zum Umstellungsstichtag im August.

Beim Onlinebroker der Sparkassen, S-Broker, sind im Hinblick auf den Bafin-Entscheid keine Änderungen erforderlich. Das CFD-Angebot gibt es bereits seit September 2015 nur ohne Nachschusspflicht für Kunden, der maximale Hebel ist auf 50 limitiert. "Es kann nicht dazu kommen, dass Anleger Geld nachschießen müssten, auch nicht bei besonders volatilen Märkten", sagt ein Sprecher von S-Broker auf Nachfrage von €uro am Sonntag.

Wenn das Kapital des Kunden bedingt durch Kursschwankungen unter null Euro fällt, verpflichtet sich der Market Maker, der für die Stellung der Preise zuständig ist, diesen negativen Betrag so weit auszugleichen. "Im Vorfeld von besonderen Ereignissen behalten es sich der Market Maker und wir vor, die Marginanforderung kurzfristig zu erhöhen und damit den Hebel zu verkleinern, um das Risiko für die Kunden minimieren zu können", ergänzt der Sprecher. Der Market Maker bei S-Broker ist die Commerzbank.

Zwei Varianten

Die Commerzbank-Tochter Comdirect bietet derzeit zwei CFD-Kontomodelle zur Auswahl an: eines mit und eines ohne Risikobegrenzung. Beim Konto mit Risikobegrenzung beträgt die Margin 20 Prozent, das entspricht dem Hebel von fünf. Eine Nachschusspflicht entfällt. Das Modell mit Nachschusspflicht hingegen hat einen Hebel von bis zu 100.

"Ab August stellen wir das CFD-Konto ohne Risikobegrenzung um auf ein angepasstes Kontomodell mit Risikobegrenzung", erklärt eine Sprecherin auf Nachfrage von €uro am Sonntag. Hier gebe es intraday weiterhin einen Hebel bis zu 100, wie bisher bei dem Konto mit Nachschusspflicht - aber ohne das Risiko für Anleger, mehr als maximal den Einsatz zu verlieren.

Hebel
AGB genau ansehen

Der große Hebel entsteht bei Differenzkontrakten, weil Anleger nur einen geringen Teil des Basiswerts als Sicherheitsleistung hinterlegen. Das Prinzip: je kleiner diese Margin, desto größer der Hebel. Der direkte Hebel ergibt sich, indem man die Positionsgröße durch die Margin teilt. Bei einem Hebel von 100 partizipieren Anleger 100-fach an der prozentualen Kursentwicklung des Basiswerts.
Spekuliert man auf einen steigenden DAX und der Index steigt um ein Prozent, beträgt der Kursgewinn des CFDs 100 Prozent. Läuft der Basiswert in die falsche Richtung, werden allerdings auch die Kursverluste gehebelt.
Ein DAX-Kursverlust von einem Prozent würde in diesem Fall bereits zu einem Verlust von 100 Prozent führen.

Bildquellen: svilen mitkov / Shutterstock.com, Lim Yong Hian / Shutterstock.com, svilen_mitkov / Shutterstock.com

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