19.08.2019 07:37

Handelskrieg macht Chinesen Appetit auf Kryptowährungen

Auswirkungen der Zölle: Handelskrieg macht Chinesen Appetit auf Kryptowährungen | Nachricht | finanzen.net
Auswirkungen der Zölle
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In China wächst die Nachfrage nach Kryptowährungen rasant.
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Der Handelsstreit mit den USA und eine schwächere Landeswährung treiben immer mehr Investoren aus dem Reich der Mitte in digitale Zahlungsmittel, sagen Marktteilnehmer von Asien bis New York. Genaue Zahlen über Volumina im Kryptohandel sind zwar äußerst schwer zu bekommen, doch von Chinesen genutzte Krypto-Handelsplätze verzeichnen Börsenbetreibern und Brokern zufolge deutliche Zuwächse.

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Die Auswirkungen der US-Zölle auf die chinesische Wirtschaft und ein sinkender Yuan veranlassten einige größere Investoren, Geld in Kryptowährungen umzuschichten, sagt Andy Cheung, Leiter der bei Chinesen beliebten Plattform OKEx in Malta. Die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt befindet sich durch den Showdown mit Donald Trump in schwerem Fahrwasser. Die Industrieproduktion wuchs zuletzt so langsam wie seit 17 Jahren nicht mehr, gleichzeitig fällt der chinesische Yuan seit Wochen. Im Gegenzug übersprang der Dollar Anfang August erstmals seit 2008 die psychologisch wichtige Marke von sieben Yuan, weswegen aus Washington schnell der Vorwurf der Währungsmanipulation an Peking laut wurde.

Während der Yuan-Talfahrt konnte die älteste und wichtigste Cyberdevise Bitcoin hingegen sieben Prozent zulegen. Die Marktkapitalisierung von Kryptowährungen wuchs gleichzeitig um neun Prozent. Das ließ Experten spekulieren, ob einige chinesische Investoren sich vom Yuan trennten und digitale Währungen kauften. Mati Greenspan, Analyst bei der Börse eToro, stellt einen sprunghaften Anstieg beim Volumen aller Kryptowährungen auf der Handelsplattform von eToro fest, sowohl weltweit als auch in China und Hongkong.

KRYPTO-ZOCKER SEGELN IN CHINA UNTER DEM RADAR

Ob die Käufe wirklich von chinesischen Investoren stammen, kann Greenspan trotz der sich verdichtenden Hinweise nicht belegen. Digitale Brieftaschen können mit der Blockchain-Technologie zwar verfolgt werden, der geografische Standort von Sendern und Empfängern bleibt aber ein blinder Fleck. In China kommt hinzu, dass Kryptoplattformen 2017 von der chinesischen Regierung verboten wurden, weswegen es so gut wie keine Datenerhebungen zu dem Sektor gibt. Überhaupt gibt es strenge Kapitalkontrollen, so dass Chinesen nur noch wenige Optionen haben, um Geld ins Ausland zu schaffen.

Auch das macht Kryptowährungen attraktiv. Das Börsenverbot für Cyberdevisen hat die chinesischen Marktteilnehmer jedenfalls nicht von ihnen ferngehalten, sondern den Handel lediglich verlagert. Der größte Teil des chinesischen Kryptohandels habe sich seitdem auf alternative Handelsplätze sowie auf Chatgruppen des Messengerdienstes WeChat verlagert, sagen Marktteilnehmer. "Wir wissen nur, dass es eine Menge Aktivität gibt, und aus regulatorischen Gründen läuft das ein bisschen unter dem Radar", sagt Garrick Hileman, Leiter der Forschung bei Blockchain.

ARBITRAGE MIT STABLECOINS LOCKT ZOCKER

Laut Jehan Chu, einem der verantwortlichen Manager des in Hongkong ansässigen Kryptofonds Kenetic, hat sich das chinesische Handelsvolumen in den letzten drei Monaten mehr als verdoppelt. Aus Anlegersicht spannend ist auch die Möglichkeit, mit Arbitrage-Handel zwischen dem Yuan, dem Hongkong-Dollar und der Kryptowährung Tether Geld zu verdienen. Dabei werden Kursunterschiede an verschiedenen Börsen oder Märkten ausgenutzt. Tether ist ein sogenannter Stablecoin, dessen Kurs an den US-Dollar gebunden ist. "Viele Menschen, die Kapital innerhalb und außerhalb der Grenzen bewegen wollen, versuchen es mittels Tether", sagt Anthony Wong von der in Hongkong ansässigen Krypto-Investmentfirma Orichal Partners. Bis Juni diesen Jahres tätigten chinesische Börsenhändler mit Tether bereits Transaktionen in Höhe von zehn Milliarden Dollar im Vergleich zu achtzehn Milliarden Dollar im gesamten Vorjahr, wie aus Daten der Analysefirma Diar hervorgeht.

London/New York (Reuters)

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Bildquellen: Wit Olszewski / Shutterstock.com, r.classen / Shutterstock.com
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