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16.02.2019 16:00
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Investieren in China: Alles andere als rosig

Euro am Sonntag-Ausland: Investieren in China: Alles andere als rosig | Nachricht | finanzen.net
Euro am Sonntag-Ausland
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Aktien aus dem Reich der Mitte sind günstig bewertet. Sinkende Wachstumsraten, ­verunsicherte Konsumenten und der ungelöste Handelskonflikt mahnen Anleger aber zur Vorsicht.
€uro am Sonntag
von Jörg Billina, Euro am Sonntag


Am 5. Februar begann in China das Jahr des Schweins. Es steht für Wohlstand, Glück und Zufriedenheit. Für Individuen mag die Deutung zutreffen. Für das Reich der Mitte, aber auch für die Länder und Unternehmen, die China als Absatzmarkt benötigen, fallen die Prognosen eher düster aus. Investoren rund um den Globus sind alarmiert: Setzt Chinas Wirtschaft zur befürchteten harten Landung an? Im vergangenen Jahr legte die wirtschaftliche Gesamtleistung den offiziellen Angaben zufolge um 6,6 Prozent zu. Es war die niedrigste Zuwachsrate seit 28 Jahren.


Möglicherweise hat sich die konjunkturelle Dynamik in der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt in Wirklichkeit jedoch noch stärker abgeschwächt. ­Xiang Songzuo, Professor an der Renmin University School of Finance in Peking, zweifelt die Verlässlichkeit der Daten der nationalen Statistikbehörde an. Der ehemalige stellvertretende Direktor der People’s Bank of China, der chinesischen Zentralbank, will nicht ausschließen, dass der tatsächliche Anstieg der wirtschaftlichen Gesamtleistung unter zwei Prozent lag.

Xiang geht mit Chinas Führung hart ins Gericht. Sie unterschätze insbesondere die Folgen des Handelskriegs mit den USA. An Parolen, die derzeit in den von der Kommunistischen Partei Chinas kontrollierten Massenmedien ständig wiederholt werden, wie "Amerika schadet sich selbst" oder "Chinas Sieg ist ­sicher" zeige sich die Ignoranz der Regierung. Dabei stehe der für Chinas Zukunft so wichtige Zugang zu Technologie und Kapital auf dem Spiel.


Die USA haben bereits Sonderzölle auf Waren aus China in Milliardenhöhe erhoben. Ergeben die diese Woche wieder aufgenommenen Handelsgespräche keine Lösung, will US-Präsident Donald Trump Anfang März die Strafzölle auf chinesische Waren weiter drastisch verschärfen. Trumps Twitter-Nachrichten weckten zuletzt zwar Hoffnungen auf einen Durchbruch, doch der Dialog der beiden Länder wird durch die jüngst in den Vereinigten Staaten erhobene Klage gegen den chinesischen Konzern Huawei belastet. Die USA werfen dem weltweit größten Hersteller von Telekom-­Hardware unter anderem den Bruch der von Washington gegen den Iran verhängten Sanktionen vor.

Können Chinas Verbraucher, deren Löhne und Gehälter in den vergangenen sechs Jahren pro Jahr um zehn Prozent gestiegen sind, mögliche Exportausfälle kompensieren? Derzeit offenbar eher nicht. Die Einzelhandelsumsätze ziehen weit weniger an als noch vor einem Jahr. Der Automobilsektor meldet den fünften Monat in Folge sogar Rückgänge. Im November 2018 sanken die Absatzzahlen gegenüber dem Vorjahresmonat um 19 Prozent. Insbesondere die 400 Millionen wohlhabenden Stadtbewohner haben Schulden angehäuft, leiden unter hohen Hypothekendarlehen und sorgen sich um ihre Jobs.

Private Unternehmen benachteiligt

Die Investmentbank UBS schätzt, dass allein in Chinas exportorientierten Unternehmen 1,6 Millionen Arbeitsplätze gefährdet sind. Vor allem privat geführte Unternehmen kündigen ihren Mitarbeitern. Im Vergleich zu Staatsunternehmen haben sie deutlich schlechtere Zugänge zu Krediten. Ökonom ­Xiang wirft der Regierung zudem vor, der privaten Wirtschaft durch staatliche Eingriffe zu schaden. Die nachlassende Dynamik spiegelt sich am Aktienmarkt wider. Der MSCI China verlor im Jahr 2018 auf Dollarbasis über 20 Prozent. Mit einem durchschnittlichen Kurs-Gewinn-Verhältnis um die zehn sind die Titel mittlerweile günstig bewertet. Das lockt Investoren zum Einstieg, die darauf setzen, dass Chinas Regierung wie schon zwischen 2008 und 2009 die Wirtschaft zum Laufen bringen wird.

Seinerzeit hatte Peking ein Konjunkturprogramm von umgerechnet 517 Milliarden Euro aufgelegt. Die beabsichtigte Wirkung wurde nicht verfehlt, die Wirtschaft sprang an, doch gleichzeitig stiegen die Schulden. Das Institute of International Finance schätzt die Quote auf 300 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Über allzu viel finanziellen Spielraum verfüge die Regierung in Peking daher nicht mehr, ansonsten nähere sich das Land der Gefahrenzone, warnt Philip Lowe, Gouverneur der australischen Notenbank.

Trotz der wohlstandsmehrenden Attribute des Schweins: Für China-Investoren zeichnen sich rosige Zeiten bislang nicht ab. Wer dennoch einsteigt, muss risikofreudig sein und einen langen Anlagehorizont mitbringen.

Investor-Info

Xtrackers MSCI China ETF
Mut erforderlich

Der ETF bildet die Wertentwicklung des MSCI China physisch ab. Im Index notieren derzeit 460 Unternehmen. Diese sind an den Börsen in Shenzhen und Shanghai sowie in Form von H-Aktien am Finanzplatz Hongkong gelistet. Unter den Top-Ten-Positionen finden sich die drei Internetkonzerne Tencent Holdings, Baidu und Alibaba sowie die China Construction Bank und China Mobil. Finanz-, Tech- und Konsumwerte sind jeweils mit rund 24 Prozent gewichtet. Im vergangenen Jahr verlor der ETF auf Eurobasis rund 17 Prozent. Seit Jahresanfang geht es zwar wieder nach oben, ­erneute und heftige Rückschläge sind jedoch nicht auszuschließen.






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Bildquellen: Designed by Freepik, Yan Jingfeng/iStock

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