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14.01.2020 14:36
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Engel, die vom Himmel fallen

Niedrige Zinsen verleiten viele Unternehmen dazu, sich immer weiter zu verschulden. Die Zahl der mit BBB gerade noch so im Investment-Grade-Bereich angesiedelten Anleihen steigt. Marktbeobachter warnen vor einer gefährlichen Kettenreaktion.

Wenn Anleihen von Unternehmen mit Investment-Grade-Rating auf Ramschniveau fallen, spricht man von gefallenen Engeln. Ab einem Rating von BB+ und schlechter gelten Bonds als hochspekulativ, eine Pleite des Emittenten ist dann nicht nur möglich, sondern wahrscheinlich. Zwei Forscherinnen der New Yorker Notenbank haben nun die Qualität von Firmenanleihen untersucht und zum eigenen Erschrecken festgestellt: Die Zahl der Firmen, die mit BBB an der Schwelle zum Hochrisiko stehen, ist in den vergangenen Jahren dramatisch gestiegen. Sollte sich die Konjunktur verschlechtern, droht am Anleihemarkt eine gefährliche Kettenreaktion, warnen die Expertinnen.

In einem schwierigeren konjunkturellen Umfeld könnte es zu einer Welle von Ratingherabstufungen kommen. Die Kurse der frisch gefallenen Engel dürften durch die schlechteren Bonitätsbewertungen unter Druck geraten. Hinzu kommt: Viele institutionelle Investoren wie Pensionskassen oder Versicherungen dürfen Junkbonds nicht im Portfolio haben. Sie müssten die Papiere schlagartig verkaufen – egal, ob sie noch an das Unternehmen glauben oder nicht. Das würde die Kurse zusätzlich belasten. Ein solcher Liquiditätsengpass könnte sogar die Finanzmarktstabilität gefährden, fürchten die Autorinnen.

Sollte es tatsächlich eine Welle von Herabstufungen am Unternehmensanleihemarkt geben, würden Investoren mit BBB-Anleihen, die im vergangenen Jahr in den USA noch satte 16 Prozent abgeworfen haben, viel Geld verlieren. Doch auch wenn der große Knall ausbleibt, sind BBB-Bonds riskanter, als ihr Rating vermuten lässt. Das zeigt der Blick auf die Nettoverschuldung: Sie liegt im Durchschnitt sogar höher als bei Ramschanleihen.

Düstere Aussichten für die Finanzstabilität

Mit ihren Sorgen sind die New Yorker Forscherinnen nicht allein. Im Oktober warnte auch der Internationale Währungsfonds (IWF) vor einem Dominoeffekt im Anleihesegment. Die niedrigen Renditen sicherer Staatsanleihen hätten viele Rentenfondsmanager dazu gebracht, auf riskantere Papiere auszuweichen, um ihre Ertragsziele zu erreichen, schreiben die IWF-Experten in einem Bericht. Auch sie zweifeln daran, dass die Fonds Anleger auszahlen können, wenn diese massenhaft Anteile verkaufen.

In ihrer Studie haben die Währungshüter rund 1.760 Anleihefonds auf ihre Stressresistenz untersucht. Das Ergebnis: Fast ein Sechstel der Produkte wäre nicht in der Lage, Anlegern ihr Kapital zurückzuzahlen. Besonders dramatisch war der Liquiditätsengpass bei High-Yield-Fonds, die in bonitätsschwache Unternehmensanleihen investieren. Fast die Hälfte von ihnen hätte Anleger nicht auszahlen können.

Sollte es in Folge einer Rezession zu Notverkäufen kommen, könnten Fondsmanager gezwungen sein, andere Wertpapiere im Portfolio zu liquidieren, um Anleger auszuzahlen, fürchten die Autoren. Das wiederum würde auch dort die Kurse unter Druck setzen – und die Krise auf den gesamten Anleihemarkt übergreifen. Der IWF schreibt von „düsteren Aussichten für die Finanzstabilität“. Berater sollten daher genau hinschauen, mit Hilfe welcher Produkte die Rentenfondsmanager ihre Renditeversprechen einlösen wollen. Und Kunden im Zweifel zu einem anderen Investment raten.

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