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12.07.2019 14:59
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Gefallene Engel fürs Depot

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In unsicheren Börsenzeiten bevorzugen Investoren Anlagen mit fixen Ausschüttungen. Anleihen von Unternehmen mit schwacher Bonität locken mit besonders hohen Zinsen. Wie Finanzexperten das aktuelle Umfeld für Hochzinsanleihen beurteilen, was die Titel mit Pilzen gemein haben – und was für Ratingverlierer spricht.

An den Kapitalmärkten stehen die Zeichen auf Sturm: Handelskrieg, Brexit und eine sich abkühlende Weltkonjunktur schüren bei Anlegern die Angst vor fallenden Kursen. Am Donnerstag haben Wirtschaftsexperten der EU-Kommission ihre Wachstumsprognose für das Jahr 2020 gesenkt. Noch im Frühjahr hatte die Brüsseler Behörde ein Plus von 1,7 Prozent beim Bruttoinlandsprodukt (BIP) prognostiziert. Nun erwartet EU-Finanzkommissar Valdis Dombrovskis nur noch rund 1,6 Prozent Zuwachs.

Viele Investoren spielen mit dem Gedanken, das Risiko in ihrem Portfolio zu reduzieren. Die Suche nach lukrativen Alternativen gestaltet sich jedoch zäh: Anleihen guter Bonität gelten zwar als sehr sicher. Die Rendite ist aber derart mickrig, dass die Erträge in der Regel nicht einmal die Inflation ausgleichen. Höhere Renditen versprechen Hochzinsanleihen, also Anteilsscheine von Unternehmen mit schwacher Bonität. Hier aber müssen Anleger häufiger mit Zahlungsausfällen rechnen, gerade wenn es tatsächlich zu einer Rezession kommen sollte. Die Sorge vor Pleiten ist grundsätzlich berechtigt, sagt Ulrich Gerhard, Anlagestratege beim Finanzdienstleister BNY Mellon. Es komme aber auf den Einzelfall an. Gerhard vergleicht Hochzinsanleihen mit Pilzen: Manche sind giftig, manche harmlos. Die Kunst bestehe darin, die genießbaren auszuwählen.

Ein schwächelndes Wirtschaftswachstum kann für High Yields sogar positiv sein: „Wir mögen es, wenn die Wirtschaft langsamer wächst, denn das hält die Manager von schlechten Entscheidungen ab“, sagt Gerhard. Ein sich abkühlendes Wirtschaftsklima sorge eben oft dafür, dass Manager vorsichtiger würden bei der Kreditaufnahme, und ihre Kosten niedrig hielten, sagt der Manager.

Ein Wirtschaftsabschwung hat noch einen weiteren Effekt auf den High-Yield-Markt: Er erhöht normalerweise die Anzahl der Anbieter auf dem Markt. Das liegt daran, dass Ratingagenturen regelmäßig die Fundamentaldaten von Unternehmen bewerten, und wenn sich diese verändern, die Bonität absenken. Unternehmen, die durch eine Ratingherabstufung von einem Investment Grade in das High-Yield-Segment absteigen, heißen im Finanzjargon „Fallen Angels“, also gefallene Engel. An solchen Titeln sind Profis oft besonders interessiert: „Fallen Angels weisen im Vergleich zum breiten High-Yield-Markt einen Rating-Puffer auf“, erklärt Adam Choragwicki, Leiter der Anleihe-Sparte bei Starcapital.

Spreads weiten sich aus

Das wiederum hat mit den breiten Käufermassen auf dem Anleihemarkt zu tun. Große Anleihe-Investoren wie Pensionskassen oder Versicherungen dürfen nämlich oft nicht in Anleihen unterhalb des Investmentstatus investieren. Sinkt das Rating eines Unternehmens unter die magische Note von BBB-, dann müssen sie die Papiere verkaufen – egal, ob sie an die Zukunft des Unternehmens glauben oder nicht. Meist trennen Investoren sich sogar schon kurz vor der Herabstufung von den Titeln, um nicht unter Rechtfertigungszwang zu geraten.

Konsequenz: Die Spreads von „Fallen Angels“ weiten sich über ihren fairen Wert aus, und genau das bietet risikoorientieren Anlegern dann zusätzliche Renditechancen. Nach der tatsächlichen Herabstufung eines Emittenten erholen sich die Kurse häufig wieder. „Wir sagen nicht, dass ein solches Investment ohne Risiken ist“, sagt Choragwicki. Bei einem Anlagehorizont von zwei oder drei Jahren habe sich die Investition in gefallene Engel aber stets überproportional gelohnt. Seit dem Jahr 2008 stieg der Global-Fallen-Angels-HY-Index um gut 182 Prozent an – deutlich mehr als der Global-High-Yield-Index. Er kommt im selben Zeitraum auf ein Plus von nur 110 Prozent.

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