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10.10.2019 13:00
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Milliarden für mehr Grün

Mit dem Klimapaket der Bundesregierung kommen Investitionen in Klimaschutz und Treibhausgasreduzierung erst langsam in Fahrt. Vor allem Bahn und grüne Energien werden profitieren.

Greta Thunberg war von Angela Merkels Klimapaket nicht begeistert. Viel zu wenig täten die Industriestaaten dafür, die Erderwärmung aufzuhalten. So klagte sie auf der Klimakonferenz in New York, wo sie sich mit der Kanzlerin traf. Auch bei Wirtschaftswissenschaftlern und Banken fiel das Paket durch. Mutlos, umständlich, zu unkonkret - so das Gros der Vorwürfe.

Selbst für die Konjunktur bringe das 54-Milliarden-Paket wenig. "Pro Jahr dürfte der Effekt auf das Bruttoinlands­produkt kaum mehr als 0,1 Prozent betragen", sagt Martin Moryson, Chefvolkswirt Europa der DWS. Gesamtwirtschaftliche Impulse sehen anders aus.

Zunächst kaum Belastungen

Vor allem die zögerliche Einführung eines CO2-Preises auf alle fossilen Energien in Industrie, Verkehr und Gebäuden verhindere die zügige technologische Umstellung auf energiesparende und grüne Technologien. Bisher unterliegen nur die Energieerzeuger und große Industrieanlagen dem Emissionshandel. Sie müssen bei zu hohem Ausstoß rund 25 Euro je Tonne Kohlendioxid (CO2) bezahlen. Alle anderen sollen 2021 mit nur zehn Euro je Tonne starten. Das mache am Beispiel Benzin und Diesel gerade einmal drei Cent pro Liter aus, monieren die Experten. Viele hatten gefordert, sofort mit mindestens 30 Euro je Tonne zu starten, damit Deutschland seine internationalen Verpflichtungen zur CO2-Minderung bis 2030 erfüllen kann. Dieser Preis wird laut Klimapaket nun erst 2024 gelten.

Weil sie am Anfang kaum etwas in ­zusätzlichen Klimaschutz investieren müssen, werden auf die deutschen Unternehmen zunächst auch kaum Belastungen zukommen, sagt Henrik Pontzen, Leiter Nachhaltigkeit im Portfoliomanagement von Union Investment.

Das ändert sich, wenn die Preise steigen. Bei 30 Euro je Tonne CO2 beliefen sich die Extrakosten laut einer Union- Invest-Studie im gesamten DAX auf 5,2 Milliarden Euro im Jahr. Die fallen an, wenn die Firmen Abgase und den fossilen Energieverbrauch nicht konsequent minderten. Mittelfristig stehen vor allem die Unternehmen der Chemiebranche (BASF, Covestro, Linde), der metallverarbeitenden Industrie (Thyssenkrupp), des Fahrzeugbaus (BMW, Continental, Daimler, VW) und des Baugewerbes (HeidelbergCement) unter Handlungsdruck. Sie setzen besonders viel Treibhausgase im Produktionsprozess frei.

Continental, Infineon, Fresenius, Fresenius Medical Care und die Deutsche Telekom könnten dagegen in der Lage sein, schnell Emissionen zu senken und sogar von Entlastungen zu profitieren. Laut der Schweizer Großbank UBS dürfte im DAX speziell Siemens die steigende Nachfrage nach klimafreundlichen Technologien spüren.

Neben der Industrie sollen auch Deutschlands Gebäude klimafreundlich werden. Dort entfällt das Gros des Energiebedarfs auf die Wärme- und Kälte­erzeugung. Weil es keine direkten Auflagen gibt, sind große Wohnungsgesellschaften wie Deutsche Wohnen durch das Klimapaket nicht negativ betroffen, schätzt Pontzen. Für Wärmedämmung gibt es üppige Investitionsanreize. Anbieter CO2-sparender Baustoffe wie die badische Sto oder die irische Kingspan können so auf zusätzliche Geschäfte hoffen.

Alternativen zu Ölheizungen

Unter den fossilen Wärmeträgern legt die Regierung den Fokus vor allem auf Heizöl. Neue Ölheizungen dürfen ab 2026 nur noch in Ausnahmefällen eingebaut, alte sollen mit finanzieller Hilfe ausgemistet werden. Stattdessen werden erneuerbare Wärmequellen wie Holz und Gasheizungen unterstützt, die mit sauberen Energien wie Biogas, Wasserstoff und Solarthermie kombinierbar sind. Zu den Profiteuren könnten Anbieter von großen Solarwärmeanlagen wie die finnische Savosolar zählen. Brennstoffzellenheizungen und Wärmepumpen werden ebenfalls gefragt sein - gut für Hersteller wie Ballard, Ceres Power und SFC Energy.

Für einen CO2-armen Verkehr will die Bundesregierung die Infrastruktur an Ladesäulen weiter ausbauen und Kauf­anreize für Hybrid-, Elektro- und Wasserstoffautos ausweiten. Der deutschen Automobilindustrie hilft das erst einmal wenig, weil sie bei diesen Technologien selbst Nachholbedarf hat.

Goldene Zeiten für Bahnausrüster

Großer Gewinner des Klimapakets ist die Bahn. 86 Milliarden Euro sollen Bund und Bahn bis 2030 in die Modernisierung des Streckennetzes und des Wagenparks investieren. Zusätzlich gibt der Bund jährlich eine Milliarde Euro an Eigenkapital dazu. So muss die Deutsche Bahn die Investitionen nicht mehr komplett aus dem operativen Gewinn tätigen und ständig die Ticketpreise erhöhen. Zusammen mit einer Stärkung des öffentlichen Nahverkehrs sowie der Reduzierung der Mehrwertsteuer auf Tickets könnte der Bahnverkehr in Deutschland vor einem neuen Boom stehen. Ausrüster wie Alstom oder Knorr-Bremse rollen goldenen Zeiten entgegen.

Bei der Stromerzeugung können sich insbesondere die Solartechnik­anbieter und Kraftwerksbetreiber wie SMA und Encavis über sonnige Aussichten freuen. Denn das Klimapaket hat Beschränkungen für die Förderung von Solarstrom gestrichen. Neue Solarprojekte bleiben damit auf absehbare Zeit attraktiv. Zugleich werden Batterien als Stromspeicher bessergestellt. Das nützt Herstellern wie Varta.

Je mehr in Klimaschutz investiert wird, desto größer werden auch die Möglichkeiten für Anleger. Große Pensionskassen und Versicherer wie die Allianz haben auf dem Klimagipfel in New York angekündigt, Portfolios im Wert von zwei Billionen Euro CO2-neutral zu stellen. Allerdings erst bis 2050. Die Kritik von Greta Thunberg für das langsa­me Facelift wird ihnen sicher sein.

Investor-info

Greeneffects NaI-WerteFONDS - Breites Natur-Portfolio

Anleger, die direkt in Branchen investieren wollen, die vom Klimapaket profitieren, können den Greeneffects-Aktienfonds wählen. Der orientiert sich am Naturaktienindex NAI, in dem 30 Werte nach strengen Nachhaltigkeitskriterien ausgewählt sind. Der Schwerpunkt liegt auf europäischen Aktien, darunter Spezialisten wie Tomra (Recycling), Mayr- Melnhof (Kartonagen aus Re­cyclingpapier) und Vestas (Windkraft).

LBBW Global Warming - Konkrete Gegenmaßnahmen

Der LBBW Global Warming richtet sich an Investoren, die breit und branchenübergreifend in europäische Unternehmen investieren, die sich des Problems der Erderwärmung bewusst sind. Fondsmanager Christoph Keidel investiert in Firmen, deren Lösungen helfen, den CO2-Ausstoß zu mindern sowie mit den Folgen umzugehen. Der LBBW Global Warming zählte in den vergangenen zehn Jahren zu den erfolg­reichsten Fonds in der Kategorie Ökologie.

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