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30.06.2020 12:33

Morgan Stanley: Neuaufstellung für die Zukunft – die Welt nach COVID-19

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Unsere globalen Strategien setzen auf Widerstandsfähigkeit. Wir sind ein belastbares Team, das sehr effektiv auch von zu Hause aus arbeitet.

Außerdem verfügen wir über einen widerstandsfähigen Anlageprozess, mit dem wir sicherstellen, dass die Unternehmen in unserem Portfolio weiterhin in der Lage sind, Wachstum zu erzielen, anstatt konstant Kapital zu vernichten, und – vielleicht der wichtigste Punkt – wir haben ein widerstandsfähiges Portfolio, das in schwierigen Zeiten erneut eine geringere Abwärtspartizipation gezeigt hat.

Widerstandsfähigkeit bedeutet in diesem Sinn nicht, dass sich in unseren Portfolios 2020 nichts geändert hat. Unsere Herangehensweise an COVID-19 haben wir in unserer März-Ausgabe erläutert. Darin haben wir die Auswirkungen der Pandemie in drei Kategorien zusammengefasst:

  • Die erste Kategorie umfasste die direkten Auswirkungen des Virus bzw. der Maßnahmen zu dessen Eindämmung.
  • Zur zweiten Kategorie gehörten die indirekten Folgen des dadurch ausgelösten weltweiten und abrupten Konjunktureinbruchs.
  • Und in der dritten Kategorie ging es um die Veränderungen, die die Welt nach Überwindung dieser Krise wohl durchlaufen haben wird, sowie um Änderungen betreffend Sektoren und einzelne Unternehmen.


Da die Industrieländer ihre Lockdown-Maßnahmen zurücknehmen, verlagert sich unser Fokus nun von der ersten auf die zweite Kategorie, wobei es nach wie vor alles andere als sicher ist, dass Gewinnerwartungen oder Bewertungen die bevorstehenden Herausforderungen widerspiegeln. Auch mit der dritten Kategorie müssen wir uns nach wie vor umfassend auseinandersetzen. Eine Differenzierung wird hier zweifellos anhand der Fähigkeit von Unternehmen stattfinden, die Digitalisierung erfolgreich zu vollziehen.

„Eine Differenzierung wird hier zweifellos anhand der Fähigkeit von Unternehmen stattfinden, die Digitalisierung erfolgreich zu vollziehen“

1. Kategorie: Direkte Auswirkungen

Unser Basisszenario ist und bleibt der rigorose Lockdown über ungefähr ein Quartal, gefolgt von einem Zeitraum der Beeinträchtigung aufgrund der sozialen Distanzierungsmaßnahmen. Es steht außer Frage, dass einige Sektoren schwer getroffen wurden, wie Reisen und Bewirtung; nicht dringende Operationen in Krankenhäusern wurden aufgeschoben. Die Liste der Sektoren, auf die sich die Pandemie positiv auswirkte, ist um einiges kürzer: Lebensmittel, Einzelhandel, Hygieneprodukte und Software. Wie bereits in früheren Ausgaben erwähnt, haben wir unser Engagement in Getränke reduziert. Grund dafür waren Befürchtungen, dass der Verkauf in lizenzierten Verkaufsstätten – also in Bars und Restaurants – durch den rund die Hälfte der Erträge erzielt werden, könnte nachhaltig in Mitleidenschaft gezogen sein. Nachdem die Industrieländer jedoch wieder langsam aus dem Lockdown erwachen, bewegt sich unser Fokus weg von unmittelbaren Auswirkungen hin zu den daraus resultierenden Rückgängen.

„Die Erholung mag zwar steil verlaufen. Wahrscheinlich ist jedoch, dass die Krise viele Narben hinterlässt“

2. Kategorie: Der Abschwung

Ein kleiner Teil unserer Branche stellt derzeit Spekulationen darüber an, wie wohl der Verlauf der Erholung aussehen wird – wie ein V, ein U, ein W, ein Swoosh oder eine umgedrehte Quadratwurzel? Das Wort „beispiellos“ wurde auch schon oft verwendet, doch in diesem Fall, weil ein noch nie dagewesener Nachfrageeinbruch mit einer beispiellosen staatlichen Intervention einhergeht. Die Erholung mag mit einem Senkrechtstart beginnen, während Lockdown-Maßnahmen gelockert werden und der Konsum mit der Wiederöffnung von Geschäften neu einsetzt. Doch die Krise wird wahrscheinlich zahlreiche Narben hinterlassen, wie die 40 Mio. Anträge auf Arbeitslosenunterstützung in den letzten 10 Wochen in den USA zeigen, noch bevor eine zweite Welle überhaupt Anlass zu Sorge gibt. Wir sind zugegebenermaßen keine makroökonomischen Analysten und räumen ein, tendenziell eine konservative Haltung zu vertreten – auch in Anbetracht unseres Schwerpunkts auf Qualitätstitel. Doch es fällt uns schwer zu glauben, dass 2021 die Gewinne des MSCI World Index nur 2 % ggü. 2019 zurückbleiben werden, wie es der Konsens vertritt.

Sollten wir tatsächlich übervorsichtig sein, und 2021-Gewinne erreichen wirklich in etwa den Wert von 2019, bedeutet dies dennoch, dass COVID-19 zwei Jahre verlorenes Gewinnwachstum verursacht hat, auch wenn der MSCI World Index seit Jahresbeginn nur 8 % eingebüßt hat. Dieser geringe Rückgang wird berechnet auf Grundlage eines Marktniveaus, das bereits zu Jahresbeginn teuer war, als der MSCI World Index das 17-fache der Konsenserwartungen für den Gewinn 2020 betrug. Das bedeutet, dass wir nun über dem 17-fachen des potenziell optimistischen 2021-Konsens liegen. Es gibt unserer Ansicht nach nur zwei Möglichkeiten, mit Aktien Geld zu verlieren: Entweder bleiben die Gewinne aus oder die Bewertungen brechen ein. Jetzt nach einem Anstieg des MSCI World Index um 35% seit Ende März, bereiten uns beide Möglichkeiten Sorgen.

Die gute Nachricht ist, dass unsere Portfolios nicht in den Index investiert sind. Stattdessen sind sie investiert in erstklassige Unternehmen, die in der Lage sind, nachhaltig hohe Renditen auf das Betriebskapital zu erwirtschaften (wir nennen diese Unternehmen bevorzugt „Kapitalvermehrer“). Diese stellen einmal mehr ihre relative Stärke unter Beweis. Der Lockdown konnte ihnen nichts anhaben. Diese Kapitalvermehrer sind generell in einigen bestimmten Segmenten des Aktienmarktes zu finden: Basiskonsumgüter, Software und IT-Dienstleistungen sowie im Gesundheitssektor. Über 80% unseres Portfolios sind auf diese Segmente konzentriert, die von schwer zu replizierenden immateriellen Vermögenswerten wie Markennamen, Netzwerken, Patenten und Lizenzen profitieren, die ihnen Preissetzungsmacht und dementsprechend hohe Bruttomargen sichern. Diese widerstandskräftigen Merkmale haben zu ihrer relativen Outperformance dieses Jahr im Vergleich zum Gesamtmarkt beigetragen.

Doch diese Kapitalvermehrer verfügen noch über einen weiteren Vorteil: Sie sind auch in einem schwierigen Umfeld wie jetzt gefragt, dies dank ihrer wiederkehrenden Gewinne; so benötigen Patienten nach wie vor Dialyse, die Menschen kaufen immer noch alltägliche Bedarfsartikel von Putzmitteln bis Windeln, und Geschäfte sind für ihren Betrieb und die Kommunikation abhängig von IT-Systemen. Das Gewinnwachstum mag bei einem starken Konjunkturabschwung auch hier geringer werden, doch es fällt nicht so dramatisch wie bei Unternehmen, bei denen Aufträge für Motoren gänzlich gestoppt werden, Kredite ausfallen oder Rohstoffpreise sinken, wobei all diese Probleme noch verschärft werden, wenn diese Unternehmen bei hohen Fixkosten stark fremdfinanziert sind.

„COVID-19 hat gezeigt, wie wichtig es ist, relevant zu bleiben, den richtigen Zugang zum Markt zu haben, dynamisch und flexibel zu sein”

3. Kategorie: Die Welt nach COVID-19

Bisher hat sich unser Team vorrangig mit der ersten und zweiten Kategorie, welche die Auswirkungen von den Gesundheitsrisiken und der wahrscheinlichen Wirtschaftskrise abbilden, auseinandergesetzt und gleichzeitig versucht, noch negativere Szenarien einem Stresstest zu unterziehen. Mittlerweile wendet sich unser Team verstärkt der dritten Kategorie der langfristigen Folgen zu. COVID-19 und die Anstrengungen zu seiner Bekämpfung haben gezeigt, wie wichtig es ist, relevant zu bleiben, den richtigen Zugang zum Markt zu haben, dynamisch und flexibel zu sein.  Wie in der April-Ausgabe erläutert, wirkt das Virus wie ein Beschleuniger, insbesondere hinsichtlich der Digitalisierung der Wirtschaft. Diejenigen, die die Weitsicht hatten, in die Digitalisierung zu investieren, um Ihre Geschäfte in den Online-Markt zu bringen, profitieren nun. Sie können heute Laufschuhe entwerfen und bestellen, die genau auf Sie zugeschnitten sind, Sie können Produkte aus der ganzen Welt von Ihrem Zuhause aus bestellen, Ihre Handy-Kamera verwenden, um festzustellen, welchen Hautton Sie haben und so Make-up für genau Ihren Teint passend per Handy bestellen, mit anderen via Teams, Zoom oder ähnlichen Anwendungen zusammenarbeiten, Geld anlegen oder sparen, bezahlen – und das alles online. Die Art, wie wir arbeiten, einkaufen, lernen, uns mit anderen treffen, unterhalten werden und trainieren – die Digitalisierung hat unseren Gewohnheiten in all diesen Bereichen einen neuen Kanal zur Verfügung gestellt, an den sich nunmehr Millionen von Menschen in einer vor kurzem noch unvorstellbaren Geschwindigkeit gewöhnt haben.

„Erstklassige Kapitalvermehrer zeichnen sich zunehmend durch ihre Fähigkeit aus, digitale Gräben auszuheben“ 

Ob Sie nun im B2B oder im B2C-Bereich tätig sind, wenn Sie nicht in das Neue investiert haben, wenn Ihre Produkte und Dienstleistungen niemanden erreichen und weder gesehen noch erworben oder nicht einmal an Sie geliefert werden können, aber ein Mitbewerber dies alles leisten kann, dann haben Sie es verabsäumt, für Ihre Verbraucher oder Kunden relevant zu bleiben. Als Investor bzw. Portfoliomanager mit dem Anspruch, langfristige Risiken und Gelegenheiten zu erfassen, war uns schon immer klar, dass Unternehmen investieren müssen, um relevant zu bleiben und nachhaltige Gewinne zu erzielen. Wir haben stets in erstklassige Kapitalvermehrer investiert – darin besteht seit über 25 Jahren unsere Philosophie – doch wo wir diese Unternehmen finden und worüber wir uns in Bezug auf diese Gedanken machen, hat sich im Laufe des letzten Vierteljahrhunderts geändert. Erstklassige Kapitalvermehrer zeichnen sich heute zunehmend durch ihre Fähigkeit aus, in relevanten Bereichen digitale Gräben auszuheben, um ihr Geschäft zu verteidigen und zu stärken.

Die Autoren

William Lock
Head of International Equity Team
International Equity Team

Bruno Paulson
Managing Director
International Equity Team


Den gesamten Artikel finden Sie hier.




RISIKOHINWEISE

Es besteht keine Garantie, dass ein Portfolio sein Anlageziel erreichen wird. Portfolios sind Marktrisiken ausgesetzt, d.h. es besteht die Möglichkeit, dass der Marktwert der Wertpapiere im Portfolio zurückgeht. Marktwerte können sich aufgrund wirtschaftlicher und anderer Ereignisse (z. B. Naturkatastrophen, Gesundheitskrisen, Terrorismus, Konflikte und soziale Unruhen), die Märkte, Länder, Unternehmen oder Regierungen betreffen, täglich ändern. Der Zeitpunkt, die Dauer und mögliche negative Auswirkungen (z. B. Portfolio-Liquidität) von Ereignissen lassen sich nur schwer vorhersehen. Anleger können deshalb durch die Anlage in diese Strategie Verluste verzeichnen. Anleger sollten beachten, dass diese Strategie bestimmten zusätzlichen Risiken ausgesetzt sein kann. Veränderungen der globalen Konjunktur, der Verbraucherausgaben, des Wettbewerbs, der demografischen Entwicklung, der Verbrauchernachfrage, der gesetzlichen Regelungen und der Wirtschaftsbedingungen können sich negativ auf global operierende Unternehmen auswirken und das Portfolio stärker belasten als bei einer Investition des Portfolios in eine größere Vielfalt von Unternehmen. Aktienkurse reagieren im Allgemeinen auch auf unternehmensspezifische Aktivitäten. Anlagen an ausländischen Märkten sind mit besonderen Risiken verbunden. Dazu zählen politische und wirtschaftliche Risiken sowie Währungs- und Marktrisiken. Die Aktien kleiner Unternehmen weisen besondere Risiken wie begrenzte Produktlinien, Märkte und Finanzressourcen auf. Darüber hinaus sind sie einer stärkeren Marktvolatilität ausgesetzt als die Wertpapiere größerer, etablierter Unternehmen. Die Risiken einer Anlage in Schwellenländern übersteigen jene Risiken, die mit Investitionen in ausländischen Industrieländern einhergehen. Nicht diversifizierte Portfolios investieren oftmals in eine beschränkte Anzahl von Emittenten. Aus diesem Grund können Veränderungen der finanziellen Situation und des Marktwerts einzelner Emittenten zu einer höheren Volatilität führen. Overwriting-Strategie. Der Verkauf von Call-Optionen ist mit dem Risiko verbunden, dass bei Ausübung der Basiswert zu einem ungünstigen Kurs oder unter dem Marktpreis verkauft werden muss oder entsprechende Barmittel aufzuwenden sind. Durch den Verkauf von Call-Optionen wird darauf verzichtet, während der Laufzeit der Option von Kursgewinnen des Basiswerts zu profitieren, die über die Summe aus Verkaufsprämie und Ausübungspreis hinausgehen. Jedoch bleibt das Verlustrisiko bestehen, wenn der Kurs des Basiswerts fällt. Darüber hinaus ist das Portfolio durch die Overwriting-Strategie unter Umständen nicht vollständig gegen einen rückläufigen Marktwert abgesichert. Der Verkauf ungedeckter Optionen ist mit besonderen Risiken verbunden, die zu erheblichen Verlusten im Portfolio führen können.

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