29.02.2012 18:00

Investmentfonds: Ohne Vertrauen geht es nicht

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Im vergangenen Jahr kehrten private Anleger den Fondsgesellschaften auf breiter Front den Rücken. Der Mittelabfluss in zweistelliger Milliardenhöhe ist nicht nur durch die schlechte Entwicklung an den Börsen begründet.
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€uro am Sonntag
von Ralf Schmücker, Gastautor von Euro am Sonntag

Für die Asset-Management-Branche war das Jahr 2011 kein leichtes, man möchte fast sagen, ein schwieriges Jahr. So haben zum Beispiel in Deutschland private Anleger auf breiter Front dem Anlagevehikel Investmentfonds ihr Vertrauen entzogen. Der Branchenverband BVI verzeichnete für 2011 Mittelabflüsse von privaten Anlegern im zweistelligen Milliardenbereich. Dank der Mittelzuflüsse von institutionellen Anlegern fällt die Gesamtbilanz für 2011 dennoch leicht ­positiv aus.

Wie die Erfahrungen aus den letzten ­Jahren der Finanz-, Schulden- und Eurokrise zeigen, ist das Vertrauen als notwendiges „Schmiermittel“ der Finanzbranche an ganz verschiedenen Stellen erodiert: Nach der Lehman-Pleite wollte keine Bank der anderen mehr Geld leihen, und auch heute muss die EZB als „Lender of Last Resort“ wieder einspringen, um den Geschäftsbanken kurzfristig Liquidität zur Verfügung zu stellen. Ohne die „Merkel-Garantie“ 2008 auf private Spareinlagen hätten seinerzeit womöglich auch die privaten Kunden ihr Vertrauen verloren, und es wäre zu einem bisher nicht für möglich gehaltenen Banken-Run gekommen.

Den Kunden ist das Image der
Fondsgesellschaften wichtig

War und ist man nun schon seit Jahren mit der Umsetzung von immer neuen regulatorischen Themen beschäftigt und hat den Fokus eher auf operative Effizienz gelegt, rücken bei den Akteuren der Finanzindustrie nun ­zunehmend auch „weiche Themen“ wie Vertrauen und Reputation in das Zentrum der Wahrnehmung. Die Relevanz dieser Themen wird nun auch durch aktuelle Studien belegt.

Das Image von Fondsgesellschaften und Depotbanken wurde 2011 untersucht, hierfür hat man rund 150 Entscheider aus dem institutionellen Kapitalmarkt befragt. Die Befragten bewerteten die einzelnen Häuser nach Kriterien wie Kundenorientierung, Flexibilität und Erkennbarkeit der Kernkompetenzen. Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass das Image der Häuser und Marken bei 74 Prozent der Befragten ein wichtiges Auswahlkriterium ist. Dieses Ergebnis ist umso brisanter, als die Studie auch aufzeigt, dass die Eigenwahrnehmung in puncto Image deutlich vom Fremdbild abweicht. Insgesamt schätzen die Fondsgesellschaften und Depotbanken die Relevanz des Gesamtimages zur Kundengewinnung als deutlich zu gering ein.

Die Umfrage von Ernst & Young, an der 31 Gesellschaften aus dem traditionellen und alternativen Anlagebereich teilnahmen, untersuchte das Risikomanagement im Asset-Management. „Das Reputationsrisiko ist ganz nach vorn gerückt, denn man hat erkannt, wie rasch man die gute Reputation verlieren kann. Viele bekannte Namen sah man in den letzten Jahren untergehen“, wie es Gerhard Grabner, Partner bei Ernst & Young in Wien formuliert. Ein zentrales Resultat der Studie beschreibt das Reputationsrisiko als „nichts anderes als ein Sammelsurium aller anderen Risiken, die man übersehen hat und die zu ­einer öffentlichen Debatte über das Unternehmen führen.“

Die Fondsbranche muss ihre
Transparenz erhöhen

Zu ähnlichen Ergebnissen kommt ein White ­Paper des SimCorp StrategyLab, einer un­abhängigen Forschungsinstitution, die vom Softwarehaus SimCorp getragen wird. Auf ­einem Expertengipfel in Kopenhagen hat eine Gruppe von neun Asset-Management-Fachleuten aus der ganzen Welt spezifische Fragen in Bezug auf Risiko, Kosten und Wachstum angesichts der weltweiten Finanzkrise diskutiert und ein Bündel von Ursachen und Maßnahmen erarbeitet.

Dies sind die vier wichtigsten Herausforderungen: Von höchster Wichtigkeit ist der ­Wiederaufbau des Vertrauens der Investoren. Die Erhöhung der Transparenz — auf allen Ebenen — ist das wesentliche Mittel, dieses Ziel zu erreichen. Zugleich gilt es, den Heraus­forderungen durch zunehmenden Wettbewerb mit Billiganbietern zu begegnen. Und: Die erfolgskritischen Faktoren Risiko, Kosten und Wachstum müssen dynamisch gesteuert werden.

Der Wiederaufbau des durch die globale ­Finanzkrise zerstörten Vertrauens wurde als die größte Herausforderung betrachtet, die Aufsichtsbehörden sind in Alarmbereitschaft, und es gibt eine wachsende Grundströmung, die Finanzindustrie noch stärker zu regulieren. Letztendlich sind die Kunden betroffen, und die Industrie muss Verfahren und Techniken entwickeln, mit dieser Krise vertrauensvoll umzugehen.

Der effektivste Weg für Asset-Manager, das erodierte Vertrauen wieder aufzubauen, ist unserer Meinung nach, sicherzustellen, dass sie mit ihren Investitionen in Softwaresysteme Transparenz auf allen Ebenen ermög­lichen. Zum einen um ein detailliertes Verständnis und Einblick in die eigenen Kostenstrukturen zu schaffen, zum anderen um die Geschäftsprozesse und die zu verkaufenden Produkte zu verbessern.

Die Vertrauenskrise ist auch verbunden mit zunehmender Konkurrenz durch Billiganbieter sowie höhere staatliche Regulierung und den damit verbundenen Herausforderungen. Die Chance für Wachstum liegt bei den Unternehmen, die am besten in der Lage sind, diese Herausforderungen zu meistern — durch Transparenz für ihre Kunden, die verschiedenen Interessengruppen und insbesondere für die Regulierungsbehörden.

In den letzten Jahren ist zunehmend zu beobachten, wie der Investor unnachgiebig erwartet, dass die ihm angebotenen Produkte und Dienstleistungen auch erfüllen, was sie versprechen. Früher hätte man dies mit der alten Kaufmannsregel von Produktklarheit und Produktwahrheit bezeichnet. „Wir haben hierfür den Begriff der Erwartungstreue geprägt“ sagt Wolfgang Richter, Partner von DLA Piper, einer der größten Anwaltskanzleien weltweit.

Keine falschen Versprechen
gegenüber den Anlegern

Die Erwartungstreue geht weiter, es handelt sich um einen gestaffelten, mehrstufigen Prozess: Der Kunde bekommt ein Produkt oder eine Dienstleistung angeboten, das bzw. die ihm spezielle Eigenschaften und Vorteile verspricht. Diese Versprechen werden in verschiedenen Phasen und Schritten überprüft und bewertet. Ein wesentlicher, entscheidender dieser Prüfschritte ist: „Wie verhält sich das Produkt in Marktturbulenzen?“ Und ­spätestens hier ist die Enttäuschung auf Kundenseite wegen mangelhafter Produkt- und Service-Eigenschaften oft programmiert.

Diese Faktoren sind alle miteinander verbunden, und es gibt eine gemeinsame Klammer: Die globale Finanzkrise als größte He­rausforderung, mit der die Branche je konfrontiert war. Sie ist die zentrale Ursache für die Vertrauenskrise. Größtmögliche Sorgfalt sowie Transparenz bei allen operationalen Prozessen sind ein notwendiger erster Schritt, um das verlorene Vertrauen der Anleger zurückzugewinnen.

Zur Person:

Ralf Schmücker, Mitglied der
Geschäftsführung, SimCorp


Ralf Schmücker, SimCorp
Schmücker, Doktor der Mathematik, ist seit 1999 bei SimCorp und war für verschiedene Implementierungsprojekte zuständig. 2004 wurde er Leiter des Market Supports, ­bevor er dann 2007 in die USA wechselte und die Implementierungs­abteilung aufbaute. Seit 2009 ist er in die Geschäftsführung der neu gegründeten ­SimCorp Central Europe ­aufgerückt.
Das weltweit tätige Softwareunternehmen ­SimCorp bietet Standard-Softwaresysteme für Fondsgesellschaften, Versicherungen, Banken und Sparkassen an. ­SimCorp ist international ausgerichtet mit Standorten auf vier Kontinenten.

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