05.05.2008 13:59

Susan Levermann: "Ich wollte immer die Nummer 1 sein"

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Fondsmanagerin Susan Levermann hat die DWS verlassen. Jetzt will sie ihr Börsenwissen in einem Buch verarbeiten. Ein Gespräch über ihre Beweggründe.
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Von der Fondsmanagerin zur Buchautorin

"Manchmal wünscht man sich an solchen Tagen, nicht Fondsmanager geworden zu sein, sondern Schreiner oder Bäcker oder etwas anderes handwerklich Solides." Das schrieb DWS-Fondsmanagerin Susan Levermann (34) ihren Anlegern am 16. Januar angesichts der Börseneinbrüche.

Vergangene Woche hat die Vorzeigemanagerin das Unternehmen verlassen und ihre drei Aktienfonds abgegeben. Den DWS Zürich Invest Aktien Deutschland (ISIN: DE0008490004) verwaltet nun Christoph Ohme. Für den DWS Europa Innovation (DE0005152409) ist Raik Hoffmann verantwortlich und für den DWS Provesta (DE0008474156) Petra Pflaum.

Levermann plant derzeit nicht, wieder als Fondsmanagerin zu arbeiten. Sie will einen Börsenratgeber für Einsteiger schreiben.



"Ich habe mich etwa ein Jahr lang mit meinem Ausstieg beschäftigt"

? Frau Levermann, böse Zungen könnten behaupten, Sie werfen das Handtuch gerade jetzt, da das Börsenumfeld schwieriger geworden ist.

Susan Levermann: So ist das nicht. Ich habe mich etwa ein Jahr lang mit meinem Ausstieg beschäftigt. Da wusste ich ja noch nicht, wie sich die Märkte entwickeln würden.

? Müssen sich Anleger Ihrer ehemaligen Fonds nun auf Strategiewechsel einstellen?

Levermann: Natürlich werden meine Nachfolger ihre persönlichen Ideen einbringen. Aber letztlich ist man als Fondsmanager ersetzbarer, als viele meinen.

"Ich wollte immer die Nummer 1 sein"

? Trotz Ihrer Auszeichnungen und Preise sagen Sie, der Beruf habe Ihnen Bitterkeit beschert. Das ist schwer zu verstehen.

Levermann: Was ich damit meine, ist: Ich wollte immer die Nummer 1 sein. Dafür bin ich mitunter hohe Investitionsrisiken eingegangen, die teils zu großen Kursschwankungen führten. Heute weiß ich, dass nicht jeder Anleger damit umgehen kann. Diese Erkenntnis ist bitter.

? Zur Wiedergutmachung möchten Sie Ihr Börsenwissen weitergeben. Sie wollen Anlegern zeigen, wie man erfolgreich investiert. Was sind die wichtigsten Regeln dabei?

Levermann: Erstens: Man muss eine passende Anlagestrategie finden, an der man immer festhält – auch in Krisenzeiten. Zweitens: Man darf keinen Zielrenditen hinterherjagen. Drittens müssen Anleger wissen, dass sie Verluste etwa zweieinhalb Mal stärker empfinden als Gewinne. Das zeigen Forschungsergebnisse aus der Finanzwissenschaft. Nur wenn man das beherzigt, macht Investieren Spaß.

"Im Moment fühle ich mich wie ein Hochleistungssportler, der erst mal abtrainieren muss"

? Außerdem wollen Sie darüber aufklären, welchen Preis man für erfolgreiches Investieren zahlt. Was meinen Sie damit?

Levermann: Neuroökonomen sagen: Finanzielle Gewinne und Verluste haben auf den Körper ähnliche Auswirkungen wie Kokain oder Morphium. Dieses Suchtpotenzial habe ich teilweise auch bei mir selbst gespürt. Anleger sollten sich daher nicht täglich mit ihren Aktiendepots beschäftigen. Alle zwei Wochen reicht da völlig aus.

? Ist Ihre Karriere als Fondsmanagerin endgültig aus?

Levermann: Das kann ich noch nicht sagen. Im Moment fühle ich mich wie ein Hochleistungssportler, der erst mal abtrainieren muss. Aber der Bereich ethische Investments interessiert mich sehr.


Homepage von Susan Levermann: http://susanlevermann.com



Quelle: €uro am Sonntag

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