11.03.2022 23:28

Steuererklärung für Rentner - Diese Ausgaben können abgesetzt werden

Steuerlast reduzieren: Steuererklärung für Rentner - Diese Ausgaben können abgesetzt werden | Nachricht | finanzen.net
Steuerlast reduzieren
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Ein Arbeitsleben lang wird in Kranken- und Rentenversicherung eingezahlt. Jahr für Jahr steht die Steuererklärung an. Ist mit Renteneintritt damit endlich Schluss? Weit gefehlt! Auch während der Rente ist eine Steuererklärung fällig, sofern sie einen bestimmten Betrag überschreitet. Hier können allerdings bestimmte Ausgaben steuerlich geltend gemacht werden.
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Die Pflicht zur Steuererklärung muss nicht automatisch bedeuten, dass unterm Strich Steuern gezahlt werden müssen. Diesbezüglich haben Rentner steuerlich dieselben Rechte wie alle anderen Steuerzahler. Das heißt, es dürfen dem Finanzamt sämtliche Ausgaben vorgelegt werden, mit denen die Steuerlast reduziert werden kann.

Wann die Steuererklärung zur Pflicht wird

Zwar müssen prinzipiell alle Rentner Steuern zahlen und eine Steuererklärung einreichen, allerdings sind viele Renten davon befreit. Grund hierfür ist der Rentenfreibetrag sowie der Grundfreibetrag.

Grundsätzlich gilt: Übersteigt die Jahresbruttorente den Grundfreibetrag, so sind Rentner zur Abgabe einer Steuererklärung verpflichtet. Der Grundfreibetrag liegt für Alleinstehende im Jahr 2022 bei 9.984 Euro, für Ehepaare gilt der doppelte Wert. Nun kommt der Rentenfreibetrag ins Spiel, der durch das Jahr des Renteneintritts bestimmt wird. Dieser Freibetrag liegt bei Renteneintritt im Jahr 2022 bei 18 Prozent und wird mit jedem späteren Renteneintrittsjahr um einen Prozentpunkt nach unten korrigiert. Ein Rentenfreibetrag von 18 Prozent bedeutet, dass 82 Prozent der Rente steuerpflichtig sind - oder anders ausgedrückt: 18 Prozent der Rente sind steuerfrei. Gehen Sie im Jahr 2040 oder später in Rente, so sind auf den vollen Rentenbetrag Steuern zu entrichten.

Im letzten, entscheidenden Schritt wird der Betrag der Jahresbruttorente um den Rentenfreibetrag angepasst. Fällt der steuerpflichtige Teil der Rente unter den Grundfreibetrag, so ist man von der Steuererklärung befreit. Liegt er nach wie vor darüber, müssen auf die Differenz zwischen Rentenfreibetrag und Grundfreibetrag Steuern gezahlt werden und eine Steuererklärung ist fällig. Während der Grundfreibetrag sich jedes Jahr ein wenig verändert, bleibt der Rentenfreibetrag über die gesamte Rente gleich.

Beispiel: Person X geht zum 01.01.2022 in Rente und bezieht eine Jahresbruttorente von 20.000 Euro. Durch den Rentenfreibetrag von 18 Prozent sind 3.600 Euro der Rente steuerfrei und 16.400 Euro der Rente steuerpflichtig. Da der steuerpflichtige Teil hier 6.416 Euro über dem Grundfreibetrag von 9.984 Euro liegt, müssen auf jene 6.416 Euro Steuern gezahlt werden.

Fordert das Finanzamt aller Umstände zum Trotz dennoch die Einreichung einer Steuererklärung, sollte man dieser Aufforderung schnellstmöglich nachkommen. Andernfalls vollzieht das Finanzamt eine Schätzung der steuerlichen Situation, was zu erheblichen Steuernachzahlungen führen kann.

Rentenanpassung und somit steuerpflichtig: Was nun?

Jedes Jahr werden in der Regel zum 1. Juli in Deutschland die Renten erhöht. Beispielsweise wurde 2020 die Rente in Westdeutschland um 3,45 Prozent und in Ostdeutschland um 4,20 Prozent angehoben. Im Jahr 2021 wurde lediglich die Rente in den "neuen Bundesländern" um 0,72 Prozent erhöht, im Westen blieb sie gleich. Jene Erhöhungen können dazu führen, dass man nun ebenfalls in den steuerpflichtigen Bereich fällt. Doch auch hier ist Entwarnung zu geben. Zum einen fallen die Veränderungen im Normalfall derart klein aus, sodass der steuerpflichtige Teil den Grundfreibetrag lediglich geringfügig übersteigt. Zum anderen bedeutet die Verpflichtung zur Abgabe einer Steuererklärung nicht zwangsläufig, dass man nun auch Steuern bezahlen muss. Schließlich können bestimmte Ausgaben das zu versteuernde Jahreseinkommen mindern.

Was als Rentner von der Steuer absetzbar ist

Bei einer Steuererklärung können folgende Ausgaben geltend gemacht und somit vom Jahreseinkommen abgezogen werden:

• Sonderausgaben: Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung, sowie Spenden und die private Haftpflichtversicherung fallen unter Sonderausgaben
• Außergewöhnliche Belastungen: Hier können beispielsweise Krankheitskosten für Ärzte oder Medikamente, Ausgaben für ein Pflegeheim oder Beerdigungskosten geltend gemacht werden. Sollte eine Behinderung vorliegen, kann der Behinderten-Pauschbetrag geltend gemacht werden, wodurch die aufgrund der Behinderung regelmäßig anfallenden Kosten übernommen werden.
• Haushaltsnahe Dienstleistungen: Dazu gehören unter anderem die Kosten für eine Reinigungskraft, den Schornsteinfeger, Handwerker, Hausmeister oder Winterdienste.
Werbungskosten: Rentner haben ebenso einen Freibetrag für Werbungskosten in Form eines Steuerberaters oder Rechtsanwalts in Höhe von 102 Euro im Jahr.

Darüber hinaus müssen auf Renten aus der gesetzlichen Unfallversicherung sowie auf Kriegs- oder Schwerbeschädigtenrenten keine Steuern gezahlt werden. Sollte der Rentenbezieher das 64. Lebensjahr vollendet haben und weiterhin einen Lohn beziehen oder Einkünfte aus Kapitalerträgen und/oder Vermietung haben, kann der Altersentlastungsbetrag in Anspruch genommen werden. Dieser ist vom Geburtsjahr abhängig und kann das zu versteuernde Einkommen um bis zu 1.900 Euro pro Jahr korrigieren.

Das muss bei der Steuererklärung beachtet werden

Stichtag für die Abgabe der Steuererklärung ist der 31. Juli. Dabei müssen neben dem Mantelbogen die Anlage R für Renten bzw. die Anlage N für Pensionen ausgefüllt werden. Bei Kapitalerträgen ist die Anlage KAP relevant, bei Einkünften aus Vermietung die Anlage V. Sollen Sonderausgaben geltend gemacht werden, so müssen diese in der Anlage Vorsorgeaufwand angegeben werden. Darüber hinaus sollten der jährliche Anpassungsbetrag angegeben werden, also der Betrag, um den die Rente im Vergleich zum Vorjahr gestiegen ist. Jener Betrag kann durch die sogenannten "Rentenbezugsmitteilung zur Vorlage beim Finanzamt" bei der Deutschen Rentenversicherung angefordert werden.

Redaktion finanzen.net

Bildquellen: Birgit Reitz-Hofmann / Shutterstock.com, Daniela Staerk / Shutterstock.com
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