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28.09.2016 20:10
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Vermögen aufbauen: Zwei Profis sagen, wie es geht

Euro am Sonntag-Service: Vermögen aufbauen: Zwei Profis sagen, wie es geht | Nachricht | finanzen.net
Holger Kaptein und Altan Aslan (v.l.n.r.), Experten vom Bundesverband deutscher Banken
Euro am Sonntag-Service
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Wie baue ich ein Vermögen auf, welche Strategien sind empfehlenswert? Die wichtigsten Fragen und Antworten aus der Euro-am-Sonntag-Telefonaktion.
€uro am Sonntag
Aufgezeichnet von P. Gewalt und S. Bauer, Euro am Sonntag

Zinsen auf Rekordtief, Börsen im Seitwärtstrend - so lege ich mein Geld richtig an. Viele €uro am Sonntag-Leser nutzten unsere Telefonaktion vor wenigen Tagen, um ihre drängendsten Fragen zu den Themen Börse, Vermögensaufbau und Gold zu stellen. Kompetent beantwortet wurden diese von den Experten Holger ­Kaptein und Altan Aslan vom Bundesverband deutscher Banken.

Börse und Aktien

Droht ein Crash an der Börse, wenn die Leitzinsen in den USA steigen?
Holger Kaptein: Crashgefahr besteht immer dann, wenn es zuvor euphorische Stimmung an der Börse gab. Davon kann derzeit wirklich nicht die Rede sein. Auf mittlere Sicht gehe ich davon aus, dass es an der Börse moderat aufwärtsgeht. Große institutionelle Anleger wie Versicherungen oder Pensionsfonds erhöhen ihre Aktienquoten tendenziell, die Nachfrage nach Aktien nimmt hierdurch insgesamt zu.


In meinem Aktiendepot habe ich vor allem deutsche Werte und einige Schweizer Papiere. Zu rund 50 Prozent bin ich in Versicherungen investiert, daneben halte ich als Schwerpunkt ­industrienahe Werte wie Kuka oder Daimler. Muss ich umschichten? Kaptein: Grundsätzlich sollten Sie Ihre Aktieninvestments breiter streuen. Ein Anteil von 50 Prozent in Versicherungen ist bei Weitem zu hoch, zumal die Versicherungsbranche mit Problemen wie dem niedrigen Zinsniveau kämpft. Ich kenne Ihre Einzelpositionen zwar nicht, aber sie sollten im Depot nicht schwerer wiegen als zehn Prozent. Auch Ihre regionale Aufstellung sollten Sie überdenken. Viele Investoren haben eine Neigung zu heimischen Anlagen. Es fehlt ihnen an ausländischen Titeln, insbesondere an US-Aktien und Anlagen aus den Emerging Markets. Breit streuende Fonds wären hier für Sie interessant. Zum Branchenmix rate ich Ihnen, auch konjunkturunabhängigere Konsumtitel mit geringerer Schwankungsintensität beizumischen. Diese bieten oft attraktive Dividendenrenditen.


Aktien deutscher Banken sind sehr günstig. Würden Sie daher zu Bank­titeln raten?
Kaptein:
Auch wenn rechtliche Unsicherheiten bleiben, haben viele deutsche Institute - anders etwa als viele ­italienische Banken - die Risiken in ­ihren Bilanzen schon weitgehend abgearbeitet. Dennoch raten wir trotz der günstigen Bewertungen bei Banken generell zur Vorsicht. Die Erlössituation ist insgesamt schwierig, das Niedrigzinsumfeld begrenzt die Perspektiven der Häuser. Hinzu kommen regulatorische Auflagen. Viele Banken versuchen, gestiegene Eigenkapitalauflagen durch die Ausweitung von Gewinnrücklagen zu erfüllen. Aber wo das nicht gelingt, bleibt im Zweifel nichts anderes als eine Kapitalerhöhung - was die Kurse in aller Regel belastet.

Vermögensaufbau und Fonds

Ich bin 53 Jahre und zahle rund 800  Euro monatlich in verschiedene Fonds ein. Soll ich diese monatlich besparen, oder sollte ich das Geld besser ein- bis zweimal im Jahr anlegen?
Altan Aslan: Grundsätzlich bestehen keine allzu großen Unterschiede zwischen Ihren beiden genannten Spar­methoden. Bei einer monatlichen Besparung greift zusätzlich noch verstärkt der Cost-Average-Effekt. Dieser besagt, dass durch die regelmäßige Besparung eines gleichbleibenden Geldanteils die Kursschwankungen geglättet werden. In schwachen Marktphasen kaufen Sie somit mehr Anteile, während in hohen Marktphasen nur wenige "teure" Anteile gekauft werden.

Ich möchte künftig 400 Euro im Monat in Fonds sparen. Soll ich dann in ­mehrere Fonds zu jeweils 25 Euro einzahlen. Oder doch eher weniger Fonds mit höherer Sparsumme auswählen?
Aslan:
Ich empfehle Ihnen, sich zunächst einmal einen Überblick über alle Fonds zu verschaffen, die für Ihre Anlage in Betracht kommen könnten. Bei einer Besparung von jeweils 25 Euro je Fonds entspricht das bei einer Gesamtsumme von 400 Euro insgesamt einer Anzahl von 16 Fonds. Benötigen Sie so viele Fonds, um Ihr gewünschtes An­lageuniversum abzudecken? Die Fonds sind ja auch in sich diversifiziert, sodass Sie auch darauf achten sollten, wie stark die gewünschten Fonds miteinander korrelieren. Vermeiden Sie diesbezüglich Doppelinvestments und erhöhen Sie stattdessen bei ausreichender Diversifizierung die Sparrate pro Fonds.


Ich bin 30 Jahre alt und würde gern 50.000 Euro in einen Fonds inves­tieren, und zwar über einen Zeitraum von 20 bis 30 Jahren. Ich möchte dabei kein größeres ­Risiko eingehen, aber auch etwas ­Rendite bekommen. Was empfehlen Sie mir?
Aslan: Wichtig für die Anlageempfehlung ist Ihre persönliche Risikopräferenz in Verbindung mit dem Anlageziel, das Sie mit der Fondsanlage verfolgen. Bezogen auf Ihre Renditeerwartung ist allerdings Folgendes zu beachten: Vor der Finanzkrise lieferten auch risiko­arme Anlagen eine gute Rendite, heute können diese in der Regel nicht mal mehr die Kaufkraft erhalten oder rentieren gegen null. Wenn Sie sich einen moderaten Vermögenszuwachs wünschen, so kommen Sie nicht umhin, ­zumindest teilweise in risikoreichere Anlageklassen zu investieren. Um die Kursschwankungen zu reduzieren, empfiehlt es sich, das Investitionsportfolio breit zu streuen. Dabei hilft Ihnen auch Ihr langer Anlagehorizont, da dieser erfahrungsgemäß zu einer weiteren Glättung von Schwankungen führt. Wenn Sie diese Kurschwankungen in Kauf nehmen möchten, empfehle ich Ihnen ein Portfolio bestehend aus mehreren ETF-Fonds, die weltweit gestreut in Aktien-, Renten- und Rohstoffmärkte investieren. Die Aufteilung zwischen den einzelnen Assetklassen sollte durch Ihre Risikopräferenz festgelegt sein. Wenn Sie kein größeres Risiko eingehen möchten, so sollte ein Großteil des Portfolios aus Rentenfonds bestehen. Sollten Sie sich nicht selbst ein Portfolio erstellen wollen, so können Sie auch in Mischfonds investieren, die diese Aufgaben für Sie erledigen.

Sollte ich mein Vermögen in Fonds der 500 Top-US-Werte oder besser in einen weltweiten Fonds anlegen?
Aslan: Wichtig ist immer, dass die Fonds transparent und für Sie nachvollziehbar sind und Sie sich wohl damit fühlen. Grundsätzlich sollten Sie Ihr Vermögen 360 Grad weit streuen. Legen Sie nicht nur in Aktien an, selbst wenn der Fonds weltweit investiert. Denken Sie an weitere Anlageklassen: Renten, Rohstoffe, Immobilien.

Ich habe ein Depot von knapp 100.000 Euro, breit gestreut in ­Investmentfonds. Ist das richtig?
Aslan:
Mit Fonds haben Sie grundsätzlich eine breite Streuung. Das geht ­sowohl mit ETFs als auch mit aktiv gemanagten Fonds. Beide haben ihre Berechtigung. ETFs sind kostengünstiger, gemanagte Fonds können aber zum Beispiel schlecht laufende Branchen oder Werte abstoßen und sich auf neue Marktgegebenheiten einstellen.

Ich habe einen "geschlossenen" Offenen Immobilienfonds. Die Gesellschaft will ihn bis Ende 2016 auflösen. Das ist aber nicht sicher. Soll ich die Fondsanteile nun besser über die Börse verkaufen?
Kaptein:
Die Preise an der Börse sind oft schlechter als der Nettoinventarwert, das heißt der vom Fonds festgestellte Wert. Wenn Sie Zeit haben und keinen dringenden Kapitalbedarf, dann dürfte sich das Abwarten lohnen.

Gold

Soll man jetzt Gold kaufen?
Kaptein: Der Goldpreis ist spekulationsgetrieben. In Krisenzeiten gehen viele Anleger in Gold und treiben damit den Preis in die Höhe. So unterliegt der Goldpreis großen Schwankungen. Gold als Beimischung zur Streuung ist richtig, aber nicht als Renditebringer. Zwar hat sich der Goldpreis seit Jahresbeginn gut entwickelt, aber niemand weiß, wie es mit dem Goldpreis weitergeht.
Bildquellen: Julian Mezger/Finanzen Verlag, TijanaM / Shutterstock.com
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