12.09.2015 11:00
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Umstrittener Klassiker: Die besten Bausparkassen

Euro am Sonntag: Umstrittener Klassiker: Die besten Bausparkassen | Nachricht | finanzen.net
Euro am Sonntag
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Weil sie die hohen Zinsen nicht mehr zahlen können, kündigen Bausparkassen Tausenden Altkunden. ­Dabei kann sich Bausparen in manchen Fällen durchaus ­lohnen. €uro am Sonntag hat die Branche getestet.
€uro am Sonntag
von Markus Hinterberger, Euro am Sonntag

Die Bausparkassen räumen auf. Über 200.000 Bausparer haben dies schon zu spüren bekommen. Sie sind Inhaber von Verträgen, die seit mehr als zehn Jahren zuteilungsreif sind, aber sie haben das Darlehen bislang nicht abgerufen, sondern weitergespart. Schließlich bekommen sie Zinsen von vier Prozent, in einigen Fällen sogar noch mehr.

Den Bausparkassen bereiten diese Altverträge Probleme: Die Institute verdienen nur dann gut, wenn sie den Kunden, die Geld ansparen, vergleichsweise niedrige Zinsen zahlen, und von Darlehensnehmern hohe Zinsen kassieren. Doch viele Bausparkassen haben einen Fehler gemacht: Mit sogenannten Renditeverträgen lockten sie Zigtausende Kunden an, die gar nicht bauen, sondern ihr Geld gut verzinst anlegen wollten. Einige Anbieter, etwa die BHW, warben sogar mit Bonuszinsen, wenn der Kunde auf sein Darlehen verzichtete.

Das war vor zehn und mehr Jahren. Heute können Bausparkassen das Geld ihrer Sparer nicht mehr hoch verzinst anlegen und werden auch die einst so attraktiven Darlehen nicht mehr los. Ein vor zehn Jahren günstiges Bauspardarlehen mit 3,5 Prozent Zinsen erscheint heute überteuert. Vergleichbare Dar­lehen gibt es anderswo schon für zwei Prozent. Und so holen sich bauwillige Bausparer anderswo günstigere Kredite.

Die Finanzaufsicht Bafin hat, wie ihr Chef ­Felix Hufeld es flapsig formuliert, die ­Bausparkassen vorsorglich in "Mann­deckung" genommen, wenn seine Leute genau hinsehen. Immerhin gibt es bundesweit über 30 Millionen Verträge mit einem Gesamtvolumen von mehr als 700 Milliarden Euro. Auch die Bundesregierung prüft, wie sie den Bausparkassen helfen kann. So könnten die Institute, um mehr Geld zu verdienen, Baudarlehen beispielsweise auch an solche Kunden ausreichen, die keinen Bausparvertrag haben.

Welchen Kunden gekündigt wird

Dabei haben die Bausparkassen bereits Beistand seitens der Justiz bekommen: Wer als Bausparer länger als zehn Jahre auf sein Darlehen verzichtet, hat offensichtlich gar nicht die Absicht, ein solches aufzunehmen. So deuteten die Richter des Landgerichts Mainz den Paragrafen 489 Abs. 1 Nr. 2 des Bürger­lichen Gesetzbuchs (Az. 5 O 1/14). Seit dem Urteil im Jahr 2014 haben die meisten Bausparkassen begonnen, den betreffenden Kunden Kündigungsschreiben zuzustellen. Nur die LBS Saar und die Deutsche Bank Bauspar AG halten sich bislang zurück.

Susanne Götz glaubt nicht, dass die Bausparkassen im Recht sind. "Die Rechtsauffassung, wie sie das Land­gericht Mainz vertreten hat, ändert das Wesen der Bausparverträge", sagt die Rechtsexpertin der Verbraucherzen­trale Bayern. Es sei gerade der Gedanke des Bausparens, ein Darlehen auf Vorrat zu haben. "Man kann einem Kunden nicht vorschreiben, wann er sein Darlehen zu nehmen hat", findet auch der Bankrechtler Andreas Lang von der Kanzlei Nieding + Barth. Das Mainzer Urteil ist zwar rechtskräftig, doch Lang rechnet fest damit, dass die Kündigungen noch den Bundesgerichtshof (BGH) beschäftigen werden. Erst dann herrsche Rechtssicherheit. "Es wird aber Jahre dauern, bis die höchsten Zivilrichter entschieden haben", sagt Lang. Er rät Bausparern, deren Darlehen schon lang zuteilungsreif ist, die Bausparsumme vorsorglich zu erhöhen. Die meisten Verträge bieten diese Option. Der Grund für diese Vorsichtsmaßnahme: Nur wenn die Bausparsumme erreicht ist, kann eine Bausparkasse problemlos kündigen.

Bislang gibt es eine ganze Reihe von Urteilen von Landgerichten. Laut dem Verband der Privaten Bausparkassen, der alle Institute außer den Landesbausparkassen (LBS) repräsentiert, ist die Tendenz sehr deutlich: 19 Richter­sprüche zugunsten der Bausparkassen, nur zwei zugunsten der Bausparer. Auch bei der Ombudsstelle des Verbandes der öffentlichen Banken, der für die Bausparkassen zuständig ist, wurden die meisten der 850 Beschwerden, die es seit Anfang 2014 gab, als unbegründet abgelehnt. Doch je mehr Verträge gekündigt werden, desto größer wird der Widerstand.

Den Bausparkassen ist diese schlechte Presse offenbar nicht recht. "Unsere Berater vor Ort berichten, dass einige In­stitute bereits einlenken und zwar kündigen, aber den Kunden noch ein Jahr weitersparen lassen", berichtet Verbraucherschützerin Götz. Wem die Bausparkasse nicht entgegenkommt, der sollte nur dann klagen, wenn er eine Rechtsschutzversicherung hat. Doch auch dann lohnt es sich, in die Vertragsbedingungen zu schauen. Die meisten Policen, die vor 2010 abgeschlossen wurden, versichern Streitigkeiten mit Finanzdienstleistern mit, bei jüngeren kann es sein, dass solche Händel ausgeschlossen sind. Ohne Rechtsschutzversicherung kann eine Klage teuer werden.

Wann sich Bausparen lohnt

Angesichts der Kündigungswelle Bausparen zu verteufeln ist für Götz zu kurz gegriffen. "Bausparen lohnt sich immer dann, wenn man sich für die Zukunft planbar günstiges Baugeld sichern will." Weitere Vorteile des Bausparens: Ein Darlehen kann jederzeit voll zurückgezahlt werden, anders als bei einem herkömmlichen Immobilienkredit kassiert die Bausparkasse dann keine Vorfälligkeitsentschädigung. Außerdem: Einen Vertrag bekommt jeder. Denn Bausparer "ersparen" sich ihre Kreditwürdigkeit in der Ansparphase.

Nicht zuletzt deswegen hat €uro am Sonntag gemeinsam mit dem Deutschen Kundeninstitut (DKI) Bausparkassen getestet. Dabei gab es zwei Ausnahmen. Die Debeka Bauspar AG konnte in diesem Jahr nicht berücksichtigt werden, da aktuell nur Verträge mit einer Bausparsumme von maximal 16.000 Euro abgeschlossen werden können - eine untypische Summe, wie die Redaktion findet. Und die LBS Bremen hat mit der LBS West fusioniert, daher tauchen beide Anbieter gemeinsam auf.

Für den Bausparkassen-Test wurden zwei Musterfälle entwickelt: Einmal ging es um einen Bausparvertrag mit einer Bausparsumme von 100.000 Euro, der in zehn Jahren Teil einer Immobilienfinanzierung werden soll. Beim zweiten Testfall lag die Bausparsumme bei 40.000 Euro. Das Darlehen soll genutzt werden, um in fünf Jahren eine Wohnung zu sanieren.

Für den Konditionenvergleich wurden die Bausparkassen gebeten, Angebote für die beiden Testfälle zu schicken. Knapp die Hälfte aller angeschriebenen Institute wollte keine Konditionen nennen. "Insbesondere die Landes­bausparkassen waren eher zugeknöpft", so DKI-Chef Jörn Hüsgen. In diesen Fällen wurden die Angebote bewertet, welche die anonymen Testkäufer im zweiten Schritt des Tests bei ihren Beratungsterminen vor Ort erhalten haben. Gab es auch in den Gesprächen kein konkretes Angebot, wurden die Konditionen mithilfe des Bausparrechners auf den Internetseiten der jeweiligen Bausparkassen erhoben.

Die besten Konditionen in der Sparphase bot die Signal Iduna. Für beide Musterfälle wurde ein Sparzins von ­einem Prozent angeboten. Im Durchschnitt betragen die Zinsen 0,24 Prozent für den ersten und 0,33 Prozent für den zweiten Musterfall. "Das ist niedriger als im Vorjahr", sagt DKI-Chef Hüsgen.

Bei den Effektivzinsen, also den Darlehenszinsen inklusive Kosten, ergab sich ein Durchschnitt von 2,7 Prozent im ersten und 2,97 Prozent im zweiten Fall. Den günstigsten Darlehenszins für den ersten Musterfall bot mit 2,25 Prozent die Signal Iduna, mit 1,98 Prozent war die LBS Baden-Württemberg beim zweiten Fall am günstigsten. Insgesamt trugen die Konditionen 35 Prozent zur Gesamtwertung bei.

Beratungsgespräche vor Ort machten 40 Prozent der Gesamtwertung aus. Hier zeigten sich große Unterschiede zwischen den einzelnen Anbietern. Einige Berater nahmen sich viel Zeit, analysierten die Finanzlage des Kunden und erklärten, wie ein Bausparvertrag funktioniert: Zuerst wird gespart, dann kommt das Darlehen. Vertragsoptionen wie Sondertilgungen oder Sonderzahlungen wurden aber nur selten vollständig erklärt.

Zudem wurde auch der Service getestet. Hier konnten die Anbieter die übrigen Punkte holen, etwa für informative Websites und richtige und schnelle Antworten auf Anfragen von Kunden.

Gewinner und Verlierer

Mit 92,0 Punkten und der Note "sehr gut" erreicht der Marktführer Schwäbisch Hall den ersten Platz des dies­jährigen Bausparkassenvergleichs. Zwei Drittel der Schwäbisch-Hall-Berater erfragten neben Einkommen und Familienstand die monatlichen Ausgaben und vorhandenen Schulden, was im Test insgesamt vergleichsweise selten der Fall war. Dazu gab es im Nachgang einen ­detaillierten Spar- und Tilgungsplan. Wichtige Aspekte wie Abschlussgebühr, Guthabenzins oder effektiver Jahreszins wurden in fast allen Fällen erklärt und genannt. Punktabzug gab es aber auch, denn Optionen wie Sonderzahlungen oder die mögliche ­Erstattung der Abschlussgebühr bei Verzicht auf das Darlehen wurden nicht immer angesprochen.

Schlusslicht ist die Aachener Bausparkasse. Aspekte wie Einkommen, Familienstand, monatliche Ausgaben und bestehende Kredite wurden kaum erfragt. Auch die Kriterien, die für eine Zuteilung des Bausparvertrags notwendig sind, wurden kaum erklärt.

Bausparkassen

So sicher sind sie:
Bausparkassen stehen für das Geld ihrer Sparer in vollem Umfang gerade. Nur die Art der Absicherung unterscheidet sich. Bei den Landesbausparkassen, die zum Deutschen Sparkassen- und Giroverband gehören, gibt es die sogenannte Institutssicherung: Sobald ein Mitglied des Verbands finanzielle Probleme hat, helfen die anderen aus. Das sorgt dafür, dass es erst gar nicht zum Ernstfall kommt. Schwäbisch Hall gehört zur Institutssicherung des Bundesverbands der Volks- und Raiffeisenbanken.
Die übrigen privaten Bausparkassen haben ein zweistufiges Sicherungssystem: Geht ein Anbieter pleite, sind pro Kunde 100.000  Euro über die Entschädigungseinrichtung deutscher Banken geschützt, jenseits dieser gesetzlichen Einlagensicherung greift der Einlagensicherungsfonds der Bausparkassen­. Dieser schützt die Einlagen von Privat­personen in unbegrenzter Höhe.
Für sonstige Einlagen wie etwa Festgelder und deren bis zu einer Pleite angefallenen Zinsen gilt die Obergrenze von 250.000  Euro. Bei der Bausparkasse der Deutschen Bank hat sich die Muttergesellschaft bereit erklärt, das Institut im Ernstfall zusätzlich zu unterstützen und die Einlagen auszuzahlen, sofern diese nicht von den genannten Sicherungseinrichtungen ersetzt werden.

Worauf Kunden achten sollten:
Wer einen Vertrag mit hohen Zinsen auf den Sparanteil hat, sollte Post von seiner Bausparkasse aufmerksam lesen und die Geschäftsbedingungen seines Vertrags zur Hand haben. Drei beliebte Wege, wie Bausparkassen alte Verträge loswerden wollen:

Wechseln
Vielen Kunden wird derzeit ein neuer Tarif mit besonders niedrigem Darlehenszins schmackhaft gemacht. Dass dabei auch der Sparzins sinkt, steht oft nur im Kleingedruckten. Ein neuer Tarif lohnt sich selten, zudem wird bisweilen noch eine Wechselgebühr fällig.

Weitersparen verboten
Hat der Kunde die Mindestsparsumme, mit der er ein Darlehen bekommen kann, erreicht, nehmen manche Institute kein Geld mehr an. ­Sofern dieses Vorgehen nicht ausdrücklich im Vertrag ­erlaubt ist, sollten Betroffene sich wehren.

Der Vertrag ist überspart
Sobald die Bausparsumme durch Einzahlungen oder auch durch Zinsgutschriften überschritten wurde, hat die Bausparkasse das Recht, den Vertrag mit einer Frist von drei Monaten zu kündigen. Wurde zusätzlich ein Bonuszins versprochen, muss die Bausparkasse diesen zahlen, sofern im Vertrag nichts Gegenteiliges steht. Es ist strittig, ob das Institut Boni zum Guthaben addieren darf, um schneller kündigen zu können.

Kunden sollten sich nicht beirren lassen. "Wer die Bausparsumme schon fast erreicht hat, sollte gegebenenfalls seinen Vertrag stilllegen und die Zinsen für sich arbeiten lassen", rät Max Herbst, Inhaber der FMH-Finanzberatung. Vertreter der Branche hören solche Tipps nicht gern: Ein Bausparvertrag sei nicht als Kapitalanlage, sondern für "wohnwirtschaftliche Zwecke", sprich die eigenen vier Wände, gedacht, heißt es aus der Pressestelle des Verbands der privaten Bausparkassen. Es besteht aber kein Zwang, tatsächlich zu bauen oder zu kaufen.

Große Auswertung: Die besten Bausparkassen (PDF)
Bildquellen: ponsulak / Shutterstock.com, Harald Høiland Tjøstheim / Shutterstock.com, Ufulum / Shutterstock.com
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