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18.05.2016 14:00
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Vermögensverwalter: Mach mich reich, Robo!

Euro am Sonntag erklärt: Vermögensverwalter: Mach mich reich, Robo! | Nachricht | finanzen.net
Euro am Sonntag erklärt
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Die Finanzbranche steht am Beginn eines radikalen Wandels: Robo-Advisors erobern eine klassische Bankdomäne: das Anlagegeschäft mit Privatkunden. Ein Überblick.
€uro am Sonntag
von Andreas Hohenadl, Euro am Sonntag

Spar für dein Traumhaus. Eine Weltreise. Oder einfach für die Zukunft." Was so jovial wie aus dem Katalog eines schwedischen Möbelhauses klingt, steht in Wirklichkeit auf der Website des deutschen Finanzanbieters Visualvest. Unterlegt ist die Botschaft mit Bildern fröhlicher ­junger Menschen. Willkommen in der neuen Anlagewelt! Einer Welt, in der klassische Bankdienstleistungen nicht mehr am Schalter, sondern via World Wide Web und Smartphone-App nachgefragt werden. Und einer Welt, in der nicht mehr ein Berater aus Fleisch und Blut Anlagevorschläge macht, sondern Computer-Algorithmen die Konstruktion von Portfolios übernehmen.


Die Rede ist von Online-Vermögensverwaltern oder sogenannten Robo-­Advisors. Auf solche setzt seit März dieses Jahres auch Union Investment. Mit Visualvest hat der genossenschaftliche Fondsanbieter ein Angebot gestartet, mit dem er die Gruppe der Young Urban Professionals ansprechen will. Also junge, gut ausgebildete und technik­affine Menschen, die nicht zu den typischen Kunden einer Genossenschaftsbank zählen. Um den Volks- und Raiffeisenbanken allerdings nicht zu sehr das Geschäft abzugraben, werden für die Vermögensverwaltung keine Fonds von Union Investment genutzt, sondern nur solche von Drittanbietern. Daneben kommen verstärkt börsengehandelte Indexfonds (ETFs) zum Einsatz.


Nicht nur bei Visualvest, sondern bei fast allen Online-Vermögensverwaltern spielen ETFs eine Schlüsselrolle. Denn mit ihnen lässt sich breit über Einzel­titel, Anlageklassen und Regionen streuen. Das mindert die Risiken einer Anlage. Zudem haben Indexfonds niedrige Kosten. Das ist wichtig für die Online-Vermögensverwalter, die ihre etablierte Konkurrenz auch preislich schlagen wollen (zu den Konditionen wichtiger Anbieter siehe Tabelle unten).

Verschiedene Typen von Anbietern

Doch was versteht man eigentlich unter einem Robo-Advisor? Zunächst einmal: Die Bezeichnung klingt griffig, trifft den Sachverhalt aber nicht so ganz. Denn weder bauen Roboter ein Depot zusammen, noch wird eine Beratungsleistung im klassischen Sinn erbracht. Es geht schlicht um automatisierte und standardisierte Anlagelösungen. Robo-Advisors wollen mithilfe einer Onlineplattform die Geldanlage für Privatkunden vereinfachen. Diese müssen einige wenige Fragen zur persönlichen Risikoneigung, zum Anlagehorizont oder zu verkraftbaren Verlusten beantworten und bekommen dann eine passende Anlagestrategie vorgestellt. In den meisten Fällen ist dies eine breit gestreute Anlage in Indexfonds.

Ab diesem Punkt beginnen die Unterschiede bei den Robo-Advisors: Angebote wie der AnlageAssistent der Comdirect sind im Grunde Beratungstools. Der Kunde erhält über eine Software eine passende Vermögensaufteilung mit Produktvorschlägen präsentiert. Ordern muss er die Fonds oder ETFs aber selbst - auch wenn ihm dazu freilich der direkte Weg via Comdirect angeboten wird. Das und die Möglichkeit, sich auch individuell Fonds oder ETFs für die vorgeschlagene ­Anlageaufteilung zusammenzustellen, spricht tendenziell Anleger an, die bereits etwas Erfahrung mitbringen.


Dagegen richten sich Anbieter wie Fintego, Ginmon oder Quirion an Menschen, die wenig bis gar keine Erfahrung mit Geldanlage haben. Diese sollen möglichst unkompliziert, günstig und transparent in ein geeignetes Portfolio investieren können. Eine Partnerbank verwahrt die Wertpapiere, der ­Online-Vermögensverwalter aber bestimmt die Aufteilung des Geldes und versorgt die Anleger mit gut aufbereiteten Informationen zum Depot. Und: Er stellt in regelmäßigen Abständen die ­ursprüngliche Depotaufteilung wieder her (Rebalancing), damit das gewählte Chance-Risiko-Profil gewahrt bleibt.

Zur dritten Gruppe schließlich gehören Unternehmen wie Whitebox oder das noch recht junge Start-up Scalable Capital. Sie besitzen eine Bafin-Lizenz zur Vermögensverwaltung. Das heißt: Sie dürfen selbst Kundengelder entgegennehmen und investieren, ohne mit dem Kunden Rücksprache zu halten. Das ist nötig, denn die beiden Anbieter passen die Portfolios ihrer Kunden regelmäßig nach bestimmten Risikokennziffern an. Scalable etwa arbeitet mit der Risikokennzahl Value at Risk (VaR), die Leser von €uro am Sonntag vom Aktienkursteil und dem gleichnamigen Musterdepot kennen.

Rasantes Wachstum prognostiziert

Wie immer die Dienstleistung auch aussieht, die Robo-Advisors anbieten - sie stoßen damit in eine Lücke, die sich bei den klassischen Banken aufgetan hat. Denn viele große Institute sind seit dem Ausbruch der Finanzkrise 2007 fast nur noch mit sich selbst beschäftigt. Sie müssen Altlasten abbauen und immer neue Regulierungsvorgaben erfüllen. Die Folge ist, dass sich beratungs­intensives Geschäft mit Privatanlegern kaum noch lohnt und entsprechend vernachlässigt wird. Hier setzen wendige Robo-Advisors an, indem sie eine Geldanlage mit wenigen Klicks versprechen und mit günstigen Konditionen locken.

Stand heute managen die digitalen Vermögensverwalter in Deutschland zusammen 100 bis 200 Millionen Euro. Stimmt die Prognose der Unternehmensberatung Oliver Wyman, wird diese Summe bis 2020 auf 20 bis 30 Milliarden anwachsen. Damit es so kommt, müssen Anleger die neuen Angebote als immer selbstverständlicher wahrnehmen. "Nach meinen Erfahrungen machen Kunden mit einem Robo-­Advisor erst mal eine ,Probefahrt‘. Sie legen für ein Jahr ein paar Tausend Euro an, um den Anbieter zu testen. Sind sie dann überzeugt, investieren sie größere Summen", sagt Rudolf Geyer, Geschäftsführer bei Ebase, die als Partnerbank für mehrere Robo-Advisors fungiert.

Die traditionellen Finanzinstitute wollen der neuen Konkurrenz allerdings nicht so einfach das Feld überlassen. Dabei scheint das Motto zu gelten: Wen du nicht schlagen kannst, mit dem verbünde dich. So übernahm zum Beispiel die Privatbank Hauck & Aufhäuser vor zwei Wochen Easyfolio, einen Anbieter von ETF-basierten Dachfonds. Die Bank kann ihren Kunden dadurch künftig ein Online-Portfolio für den Vermögensaufbau bereitstellen. Denn "der Trend zur Digitalisierung von Bankdienstleistungen wird sich massiv fortsetzen", so Stephan Rupprecht, Partner bei Hauck & Aufhäuser.

Deutsche Bank mit "Digitalfabrik"

Diesem Trend folgt auch die Deutsche Bank. Bis Mitte dieses Jahres will das Geldhaus in einer "Digitalfabrik" in Frankfurt 400 Softwareentwickler, Berater und Produktexperten an neuen digitalen Angeboten basteln lassen. Rund 750 Millionen Euro sollen bis 2020 in die Digitalisierung des Privat- und Firmenkundengeschäfts fließen. Dafür kooperiert die Bank mit einer ganzen Reihe von Fintech-Start-ups.

Eine Zusammenarbeit etwa soll dafür sorgen, dass Kunden über das Onlinebanking der Deutschen Bank ihre Kredite oder Umsätze von Konten einsehen können, selbst wenn diese bei anderen Banken liegen.

Wirklich nützlich oder schöne Spielerei? In der Welt der digitalen Finanz­lösungen wird derzeit viel ausprobiert. Doch den entscheidenden Fortschritt dürfte eine zweite Welle an Robo-Advisors bringen: "Unternehmen, die mit künstlicher Intelligenz arbeiten, also über eine lernende Software verfügen, werden die automatisierte Vermögensanlage noch radikaler revolutionieren", erwartet Ebase-Chef Geyer.

Im Überblick: Hier finden Sie die Online-Vermögensverwalter in Deutschland (PDF)

Bildquellen: Ociacia / Shutterstock.com, zvg, Tatiana Popova / Shutterstock.com
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