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04.02.2014 03:00
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Dirk Müller: Die meisten kaufen Aktien, wenn es zu spät ist

Interview: Dirk Müller: Die meisten kaufen Aktien, wenn es zu spät ist | Nachricht | finanzen.net
Dirk Müller: Die meisten kaufen Aktien, wenn es zu spät ist
Interview
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Mr. DAX spricht im Interview über die Chancen auf eine anhaltende Aktien-Rallye. In Bezug auf die Entwicklung der Weltkonjunktur ist er pessimistisch. Sein Credo: Sachwerte übergewichten.
von Benjamin Summa

Der DAX hat in den vergangenen zwei Jahren jeweils mehr als 25 Prozent zugelegt. Wird das Kursfeuerwerk aus Ihrer Sicht 2014 weitergehen?
Dirk Müller:
Es wird ausgesprochen schwer, diese Reihe fortzusetzen, aber unmöglich ist natürlich nichts. Wir haben jetzt einen Anstieg von 5.000 Punkten gesehen, ohne dass es zu einer wesentlichen Korrektur gekommen wäre. Das Problem ist, dass diese Hausse nicht auf die gute konjunkturelle Entwicklung zurückzuführen ist, sondern weitestgehend auf der lockeren Geldpolitik der Notenbanken beruht. Eine Prognose ist vor diesem Hintergrund ausgesprochen schwierig. Die Notierungen der Unternehmen deuten derzeit jedenfalls noch nicht auf eine Blasenbildung hin - sie sind aber sportlich bewertet.

Sind Sie optimistisch, dass sich die Weltkonjunktur spürbar erholt?
Die Meinungen gehen hier massiv auseinander. Auf der einen Seite geht der IWF von 3,7 Prozent Wirtschaftswachstum im laufenden Jahr aus. Auf der anderen Seite wird von gegenläufigen Konjunkturindikatoren berichtet, beispielsweise von der Abkühlung Chinas. Für mich sieht es derzeit also nicht so aus, als stünden wir vor einer weltweiten wirtschaftlichen Erholung, mit der bessere Unternehmensgewinne einhergingen. Im letzten Quartal des vergangenen Jahres lag der absolut überwiegende Teil der Unternehmen, die im S&P abgebildet sind, mit den Gewinnprognosen für die kommenden Monate unter den Erwartungen der Analysten. Ich persönlich gehe daher von einer Abkühlung der Weltwirtschaft aus.

Wie bewerten Sie die vor einigen Tagen verkündete Drosselung der Anleihenkäufe durch die Fed?
Die expansive Notenbankpolitik wird weitergehen, wir werden deshalb in 2014 noch extrem niedrige Zinsen haben. Daran wird auch die jüngste Entscheidung der US-Notenbank Fed nichts ändern, die massiven Käufe von Staatsanleihen und Hypothekenpapieren um weitere 10 Milliarden US-Dollar pro Monat zu drosseln. Das sind nur homöopathische Eingriffe. Zu groß ist die Angst, dass man mit einer allzu schnellen Abkehr von der lockeren Geldpolitik die massive Kapitalflucht aus den Schwellenländern weiter befeuert - denn diese Entwicklung könnte die globalen Finanzmärkte wieder in den Abgrund reißen.

Bleiben wir bei der Zinsentwicklung. Die Immobilienmärkte sind von den gigantischen Milliardenspritzen der Notenbanken abhängig. Auch die Krisenländer sind auf niedrige Zinsen angewiesen, da sie sonst ihre überbordenden Schulden gar nicht bedienen könnten. Wird uns die Niedrigzinsphase dauerhaft begleiten?
Ich habe bisher jedenfalls noch niemanden gefunden, der mir eine Exitstrategie aus dem Zinstief erklären könnte. Meiner Meinung nach ist Amerika gefangen in dieser Situation. Die US-amerikanische und die japanische Staatsverschuldung sind am Anschlag. Wenn die Japaner die Zinsen nur um zwei Prozent anheben würden, dann wären allein die Zinszahlungen so hoch, dass die gesamten Steuerzahlungen nicht ausreichen würden, um diese zu begleichen. Für Amerika und unsere europäischen Krisenländer gilt Ähnliches.

Welche Märkte und Branchen sind 2014 für Sie am interessantesten?
Aufgrund des Kapitalabzugs aus Schwellenländern habe ich mich komplett aus diesem Bereich verabschiedet. Ich konzentriere mich derzeit voll auf Europa. Wenn man nach dem NSA-Skandal noch jemandem zutraut, sich an Recht und Gesetz zu halten, dann doch den Europäern, speziell den deutschen Hochtechnologie-Unternehmen. Für mich sind in diesem Zusammenhang beispielsweise die SAP und die Deutsche Telekom derzeit unheimlich spannende Unternehmen. Diese genießen im Vergleich zu Unternehmen wie IBM, Cisco und Oracle einen großen Vertrauensbonus.

Seit Jahren ist vom Anlagenotstand die Rede: Viele Alternativen zu Aktien fallen weg, weil sie keine Rendite bringen. Die Anleger müssten demzufolge eigentlich aus Anleihen in Aktien getrieben werden. Tatsächlich ist die Aktionärsquote in Deutschland ziemlich niedrig. Woran liegt das und wird sich das Ihrer Meinung nach in den kommenden Jahren ändern?
Ich hoffe sehr, dass sich an dieser Situation etwas ändert. Das Problem wird am Ende aber sein, dass die Deutschen zum falschen Zeitpunkt in den Aktienmarkt einsteigen werden, also dann, wenn alle investieren und das Platzen der Blase bevorsteht. Deutsche Anleger ticken grundsätzlich anders als die aus den meisten anderen Ländern. Wir empfinden mehr Schmerzen angesichts eines Verlustes, als wir uns über Gewinne freuen. Deswegen setzen wir alles daran, Verluste zu vermeiden. Und Aktien gelten uns als zu risikoreich. Auch die Finanzindustrie hat natürlich ihren Anteil daran, dass das Vertrauen in Aktien dahin ist und die Aktienkultur hierzulande großen Schaden genommen hat. Aber es halten sich ja nicht nur die Privatanleger zurück. Auch große Versicherungskonzerne hatten früher Aktienquoten von 25 Prozent, heute liegt diese nur noch bei rund drei Prozent. Das hat Gründe!

Gold gehörte 2013 zu den großen Verlierern. Das erste Mal seit zehn Jahren konnten Anleger mit der Anlageklasse keine Gewinne einfahren. Sie gehörten immer zu den großen Befürwortern von Sachwerten. Sind Sie jetzt kritischer geworden?
Nein, ganz im Gegenteil. Meiner Meinung nach gehört Gold weiterhin in jedes Depot - nicht, um damit eine riesengroße Rendite zu erwirtschaften, sondern, um etwas zu haben, das nie wertlos wird. Ich investiere seit 2002 regelmäßig in Edelmetalle. In der Phase zwischen 1.600 und 1.900 Dollar pro Feinunze habe ich zwar eine Pause eingelegt und nicht nachgekauft. Damals erschien mir der Preis zu hoch zu sein. Die Korrektur am Goldmarkt ist meiner Meinung jetzt aber eine Chance für all diejenigen, die noch unterinvestiert sind. 10 bis 20 Prozent des liquiden Anlagevermögens sollten in Edelmetallen angelegt werden. Sehr viel niedriger wird der Goldpreis nicht fallen können. Denn dann lohnt sich für viele Minen die Förderung nicht mehr, sie werden geschlossen. In der Folge verknappt sich das Angebot und die Preise steigen wieder.

Selten schien es so schwer, Geld gewinnbringend anzulegen. Was würden Sie einem Anleger raten, der 50.000 Euro investieren möchte.
Ich empfehle Menschen, die mich fragen, ganz allgemein, den Anteil der Sachwerte im Portfolio höher zu gewichten, als es die meisten getan haben. Mindestens 50 Prozent des Vermögens sollten in Sachwerten angelegt sein. Den Rest würde ich in Cash halten, um bei Korrekturen die Aktien- und Edelmetallquoten zu erhöhen. Dringend abraten muss man von Investitionen in Anleihen. Die Zinsen werden nicht weiter fallen können. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Kurse in den kommenden Jahren dramatisch einbrechen, ist also sehr groß.

Kurzvita

Dirk Müller alias "Mister Dax" ist einer der gefragtesten Börsenexperten im deutschen Fernsehen. Anfang 2009 erschien sein Beststeller "C(r)ashkurs", in dem er über die Hintergründe der Börsen- und Finanzwelt aufklärt und Missstände unseres Wirtschaftssystems benennt. Sein zweites Buch "Cashkurs" schaffte es kurz nach Erscheinen auf Platz 1 der SPIEGEL-Bestsellerliste. Dirk Müller veröffentlicht regelmäßig Marktanalysen auf seiner Website cashkurs.com.

Disclaimer: Der Autor, Benjamin Summa, ist Unternehmenssprecher der pro aurum KG, München

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