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17.03.2014 03:00
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Inselverkäufer Vladi: Mit Träumen gutes Geld verdienen

Träume nicht für jedermann: Inselverkäufer Vladi: Mit Träumen gutes Geld verdienen | Nachricht | finanzen.net
Inselverkäufer Vladi: Mit Träumen gutes Geld verdienen
Träume nicht für jedermann
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Seit 40 Jahren vermittelt und vermietet der Hamburger Geschäftsmann Farhad Vladi Inseln für Menschen mit dem nötigen Kleingeld. Auch Staaten wie Italien greifen zu.
€uro am Sonntag
von Oliver Ristau, Euro am Sonntag

Bei dem Smartphone-Spiel "94 Grad" besteht die Aufgabe darin, Staaten auf einer blanken Weltkarte zu verorten, auf der nur die Umrisse der Kontinente zu erkennen sind. Gäbe es ein solche App für Inseln, Farhad Vladi würde sie wohl spie­lerisch meistern. "Aber nur in den Gegenden, in denen ich mich auskenne", sagt der 69-Jährige.

Das sind jede Menge: Ob Nord­amerika, die Karibik, Australien, die Südsee oder Europa - weltweit kauft und verkauft, vermietet und verwaltet der Hamburger Geschäftsmann mit iranischen Wurzeln Inseln. Mit traumhaften Stränden auf den Jungferninseln und den Seychellen, mit alten Schlössern vor Schottland und Frankreich oder von Flüssen wie der Seine oder dem Rhein umspielt. Mehr als 2.000 Inseln sind in den vergangenen 40 Jahren über seinen Schreibtisch gegangen, berichtet er. Damit ist niemand im globalen Inselbusiness so groß wie die Vladi Private Islands GmbH.

Von Bill Gates bis Prinz William
Im blauen Anzug sitzt Vladi im dritten Stock eines Hamburger Kaufmannshauses. An den Wänden seines Büros hängen Fotos von Trauminseln und alten Landkarten, auf den Regalen stapeln sich Atlanten und geografische Fotobände. Einer zeigt Aufnahmen von in Privatbesitz befindlichen Inseln, die er mit seiner Kamera geschossen hat, vom Hubschrauber aus, vom Boot, vom Land.

Bill Gates, Jörg Pilawa oder Prinz William - die Kundschaft ist prominent und zahlungskräftig, Vladis Geschäft kennt keine Konjunktur. Früher seien es vor allem Amerikaner und Europäer gewesen, die Inseln hätten kaufen wollen, erzählt er. Als die in der Finanzkrise zurückhaltender geworden seien, traten Chinesen und Inder auf den Plan.

Und Araber: Die mit Petrodollars reich gewordenen Muslime zahlten für manche Insel vor ihrer Haustür Unsummen. "Das ist schon fast zu viel des Guten", berichtet er von einer Insel auf den Seychellen, die er einst für ein paar hunderttausend Dollar verkauft hatte und für die Ölscheichs heute 30 Millionen böten. Ohne die nötigen Millionen geht der Traum von der eigenen Insel auch andernorts kaum in Erfüllung, ab­gesehen von kleinen unbewohnten Eilanden vor der Küste Norwegens oder Kanadas, die schon für weniger als 100.000 Euro zu haben sind.


Farhad Vladi
Vladi blickt aus dem Fenster. Unten glitzert die Binnenalster im Licht der Wintersonne. Auf der anderen Seite des kleinen Stadtsees ragt das 14-stöckige Finnlandhaus mit dem goldenen Löwen im Wappen Finnlands auf. "Sehen Sie den Löwen? Das war mein erstes Geschäft." Damals studierte der Sohn eines iranischen Kaufmanns Volkswirtschaft.

Schon als Kind habe er sich für Inseln interessiert und Bücher wie "Die Schatzinsel" von Robert L. Stevenson oder "Robinson Crusoe" von Daniel Defoe verschlungen. Eines Tages habe er in einer großen Münchner Zeitung einen Bericht über einen Mann gelesen, der sich eine Insel gekauft hatte. "Da wusste ich, dass ich genau das machen wollte."

Also setzte er sich an die Schreibmaschine und verschickte Briefe in viele Länder, in denen er nach käuflichen Inseln fragte. Schließlich fiel ihm eine Zeitung der Seychellen in die Hände. "Ich nahm 100 Deutsche Mark, steckte sie zusammen mit einer Anzeige in einen Briefumschlag und schickte alles zu der Zeitung."

Die Redaktion veröffentlichte sein Gesuch, und tatsächlich antwortete ein Verkaufsinteressent mit Brief, Fotos und detaillierter Landkarte. Vladi recherchierte Adressen von vermögenden Hamburger Geschäftsleuten und bot ihnen die Insel an. Schließlich bissen der Architekt des Finnlandhauses, ein Banker und der Kaffeeunternehmer Darboven an. "Da saß ich etwas verschüchtert", erinnert er sich. Die Männer wollten kaufen und boten ihm eine Provision von drei Prozent an. Das war Anfang der 70er-Jahre. Heute verdient Vladi je nach Land ein paar Prozente mehr.

Über Jahre waren es einzelne Geschäfte, mit denen sich Vladi über Wasser hielt. Er klapperte Frankreich, die USA und Kanada auf der Suche nach Privatinseln ab, wurde bei Bürgermeistern und Grundbuchämtern vorstellig. Immer ging es um die Frage: Wer will vielleicht verkaufen? Und dann greift sein Geschäftsmodell: "Wir sind nichts anderes als Makler. Wir kaufen und verkaufen für Dritte Inseln. Letztlich geht es um normale Privatgrundstücke, nur von Wasser umgeben." Alle Inseln brauchen einen klar eingetragenen Besitzer. "Nur dann sind sie auch verkäuflich."

Inselverstaatlichung als Trend
Eigentümer sind indes keineswegs nur Adelige und Reiche, denen vielleicht vor vielen hundert Jahren ein König eine Insel zukommen ließ. Historisch haben viele Staaten ihren Bürgern, die dauerhaft das Land besiedelten, die Grundstückseigentümerschaft übertragen. So sind auch Fischerfamilien zu Inselherren geworden. "Es kommt immer wieder vor, dass ein Fischer in Finanznot gerät und seine Insel schnellstmöglich verkaufen will. Mancher will nicht warten, bis wir nach einem halben Jahr einen Käufer für eine Million gefunden haben, sondern sofort 300.000 Dollar. In solchen Fällen kaufen wir selber die Inseln und übernehmen sie vorübergehend in unseren Bestand. Das macht zehn Prozent unseres Geschäfts aus."

Dass ein Staat Inseln verkaufen wolle, sei ihm dagegen noch nie begegnet, auch nicht in Zeiten der Schuldenkrise. Im Gegenteil: So habe kürzlich Italien die private Insel Budelli nördlich von Sardinien für 2,5 Millionen Euro erworben. "Ich hatte schon einen Käufer aus Australien, doch dann haben Bürger dagegen mobil gemacht", berichtet Vladi. Das Parlament in Rom beschloss den Erwerb des als Naturschutzgebiet ausgewiesenen Eilands mit seinen weißen Stränden und dem kristallklaren Wasser.

Die Staaten haben bei Inseltransaktionen immer ein Vorkaufsrecht, erklärt Vladi. Verstaatlichung von Inseln sei derzeit ein Trend. Auch Naturschutzorganisationen stiegen verstärkt zu Inselbesitzern auf. Natürlich gebe es auch berühmte Inselkäufer wie Richard Branson, der Gründer der Musikfirma Virgin.

Traum von einem Königreich
Doch die "Celebrities" würden heute so gut wie gar nicht mehr kaufen, sagt der Makler. "Sie mieten die Insel lieber. Dann sind sie wieder weg, bevor die Paparazzi davon Wind bekommen." Ohnehin trete das Gros der Käufer nicht mit Rolls-Royce und Rolex auf. "Das sind zwar Vermögende, aber die erscheinen mit Jeans zum Termin. Und es sind Naturliebhaber." Doch nicht alle sind so bescheiden. "Es kommen auch Leute, die fragen: ‚Ach, Herr Vladi, haben Sie nicht eine Insel, wo ich König sein kann?‘ Doch das geht rechtlich nicht. Wer auf seiner Privatinsel zum Beispiel vor Mexiko eine Straftat begeht, für den rückt die mexikanische Polizei aus."

Und er erzählt die Geschichte von fünf Amerikanern, die ein Korallenriff vor der Südseeinsel Tonga aufschütten ließen, um ein neues Stück Land zu schaffen. Sie wählten aus ­ihrer Mitte einen Präsidenten und wandten sich an die UNO, um als Staat anerkannt zu werden. Die fragte beim Inselreich Tonga nach, in dessen Hoheitsgebiet das Riff lag. Die Regierung habe ihr einziges ­Militärschiff gesandt und die Männer ins Gefängnis stecken lassen.

Vladi selbst hat sich vor 25 Jahren zusammen mit Freunden eine eigene Insel in Neuseeland gekauft. "Dort bin ich jedes Jahr Weihnachten und Silvester." Doch wenn um Ostern die Inselsaison losgeht, ist er wieder unterwegs. Es gibt auch für ihn immer noch neue Inseln zu entdecken.

zur Person:

Der Insel-Seller
Farhad Vladi, Jahrgang 1945, Sohn eines iranischen Kaufmanns und einer Deutschen, ist in Hamburg geboren, wo auch das Maklerunternehmen Vladi Private Islands seinen Sitz hat. Für die Firma arbeiten heute 30 Mitarbeiter. Der Volkswirt mit Banklehre kauft, verkauft, verwaltet und erschließt seit 1972 private Inseln. Das Geschäft findet vor allem in den USA, Kanada, Australien, Neuseeland, Nord- und Westeuropa, im Indischen Ozean und in der Südsee statt. Voraussetzungen sind politische und rechtliche Stabilität.

Bildquellen: Vladi Private Islands GmbH

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