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18.07.2015 03:00
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Berufsunfähigkeit: Angst vor dem Absturz

Wenn nichts mehr geht: Berufsunfähigkeit: Angst vor dem Absturz | Nachricht | finanzen.net
Wenn nichts mehr geht
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Es kann jeden treffen, und eine Versicherung gegen die Folgen ist ein Muss. Doch sind die Policen schon bei leichten Erkrankungen schwer zu bekommen. Wie es dennoch geht.
€uro am Sonntag
von U. Schmidt-Kasparek, Euro am Sonntag

Fühlen Sie sich gestresst? Ja? Sie sind nicht allein. 70 Prozent aller Berufstätigen fühlen sich manchmal oder häufig angespannt, zeigt eine Studie der Techniker Krankenkasse. Zwei Drittel stimmen der Aussage zu: "Ich habe heute mehr Stress als noch vor drei Jahren." So verwundert es kaum, dass Berufsunfähigkeit (BU) immer häufiger auf Leiden beruht, die mit erhöhten Anforderungen im Job in Zusammenhang stehen können.



Immerhin machen Nervenkrankheiten und psychische Erkrankungen mittlerweile fast ein Drittel aller Versicherungsfälle aus. Ein Burn-out kann die Vorstufe einer solchen Krankheit sein, und die Liste prominenter Burn-out-Opfer ist lang: Zu ihnen gehören unter anderen der Fußball-Erfolgstrainer Ottmar Hitzfeld sowie die Publizistin und Wissenschaftlerin Miriam Meckel.

Der Teufel steckt im Detail

Grund genug also für Stressanfällige, eine BU-Police abzuschließen. Aber auch jeder andere Berufstätige, Lehrling und Student sollte darüber nachdenken. Immerhin liegt das Risiko, zeitweise oder dauerhaft berufsunfähig zu werden, über das gesamte Leben gerechnet je nach Quelle zwischen einem Fünftel und einem Drittel. Doch wer sich um einen Vertrag bemüht, tut sich oft schwer. Denn jeder Anbieter kocht sein eigenes Süppchen. Hintergrund ist die Hoffnung, gerade jene Kunden zu bekommen, bei denen eine Berufsunfähigkeit besonders unwahrscheinlich ist.

Wenn nur ein Detail vom idealen Kunden abweicht, lehnt der Versicherer möglicherweise ab, schließt bestimmte Risiken für Berufsunfähigkeit aus - oder setzt die Prämie hoch. €uro am Sonntag dokumentiert, welche Hürden es auf dem Weg zu einer Berufsunfähigkeitsversicherung gibt und was Interessenten beachten sollten.

Das Beispiel von Yannik Mailinger (Namen der Betroffenen von der Redaktion geändert) zeigt, dass schon leichte Rückenschmerzen den Abschluss einer BU-Police deutlich erschweren können. Nur weil der angehende Wirtschafts­ingenieur für kurze Zeit wegen einer Muskelverspannung an der Lendenwirbelsäule behandelt worden war, bekam er von den Versicherern schon die Quittung. So informierte sich Makler Helge Kühl aus Neudorf bei Kiel bei neun Anbietern vorab und anonym, unter welchen Umständen der 22-jährige Student versicherbar wäre. Gleich fünf schlossen eine spätere Zahlung aus, falls der Akademiker einmal wegen Erkrankungen der Wirbelsäule seinen Beruf nicht mehr ausüben kann.



Und das, obwohl der Student bereits seit Anfang 2011 rückenmäßig beschwerdefrei ist. "Ein einheitliches System bei Ausschlüssen, Zuschlägen oder der totalen Verweigerung des Schutzes habe ich bisher nicht feststellen können", sagt Makler Kühl. Vielfach komme es wohl auf den einzelnen Risikoprüfer der Gesellschaft an.

Daher sollten die Kunden beim Abschluss einer BU-Versicherung nicht vorschnell aufgeben. Im Fall von Yannik Mailinger dauerte es 18 Monate, bis er endlich einen Berufsunfähigkeitsvertrag in der Hand hielt. Kühl wurde bei der Allianz fündig. Gut zu wissen: Während die meisten Assekuranzen neben Rückenleiden auch Allergien vom Schutz ausnehmen wollten, bot der Marktführer in diesem Fall Schutz ohne Zuschläge und Risikoausschlüsse an.

Da es kein einheitliches Vorgehen bei den Assekuranzen gibt, sollten die Kunden vor dem Abschluss über ihren Versicherungsberater oder -makler anonyme Voranfragen stellen. "So kann die Einschätzung der Versicherer zum persönlichen Gesundheitsrisiko geklärt werden, ohne dass dadurch für den Betroffenen Nachteile entstehen", erläutert der Osnabrücker Versicherungsmak­ler Matthias Helberg. Wer selbst tätig wird und mit realen Personendaten eine Ablehnung oder einen hohen Risikozuschlag kassiert, landet nämlich schnell im Hinweis- und Informationssystem (HIS) der Versicherer und hat es möglicherweise schwer, überhaupt noch Versicherungsschutz zu bekommen.

Doch auch wer diesen Ratschlag beachtet, hat noch lange keinen BU-Vertrag. Das zeigt sich bei Judith Hemmelrath aus Köln, einer 26-jährigen Sozialpädagogin, die als Therapeutin in einem Autismuszentrum arbeitet. Schon der erste anonym von Makler Kühl angefragte Versicherer verweigerte einen Abschluss. So erlebte Judith Hemmelrath, wie steinig der Weg zum Berufsschutz ist. Bei ihr ist der Hauptgrund die Diagnose eines gutartigen Tumors in der Brust im Jahr 2010. Selbst eine spätere befundfreie Kontrolle nutzte nichts: Die Dialog Versicherung lehnte eine BU-Police ab.

Gleichzeitig zeigte sich, dass Allianz und Stuttgarter das System der anonymen Voranfrage untergraben. Denn beide Anbieter wollten sich erst festlegen, wenn sie die realen Daten der Frau und aktuelle Arztberichte kennen. Damit wäre ein persönlicher Malus möglich. Die WKK war auf der Basis zusätzlicher, weiterhin anonymer Informationen zwar zu einem Vertrag bereit, will aber einen Zuschlag von 25 Prozent erheben und Judith Hemmelrath nur bis zum 62. Lebensjahr absichern. Dabei sollte der Berufsunfähigkeitsschutz bis zur Altersrente mit 67 Jahren reichen. Doch Hemmelrath konnte Ausschlüsse und hohe Risikozuschläge vermeiden, denn Nürnberger und Europa zeigten sich gnädig. Während die Nürnberger nur Harnwegsinfektionen vom Schutz ausnahm, wollte die Europa die Therapeutin sogar zum Normaltarif ohne jede Erschwernis versichern.

Glück hatte auch Andreas Klavan aus Heidelberg. Der 31-Jährige macht gerade eine Ausbildung zum Facharzt für Innere Medizin und hatte sich einer Netzhautoperation am rechten Auge unterziehen müssen. Die Voranfrage ergibt wegen der Schwere des Eingriffs ein eindeutiges Bild. "Entweder wurde der Antrag ganz abgelehnt oder die Erkrankung der Augen vom Versicherungsschutz ausgenommen", so Versicherungsfachmann Helberg.

Doch zum Zeitpunkt der Anfrage boten gleich zwei Versicherer - vorübergehend und in der Höhe begrenzt - Verträge mit vereinfachter Gesundheitsprüfung an. Helberg: "Die Augenoperation musste nicht angegeben werden." Nun brauchte Andreas Klavan zwar zwei Verträge, um auf die gewünschte Absicherungshöhe zu kommen. Ein Leistungsausschluss blieb ihm jedoch erspart.

Handwerker im Nachteil

Allerdings hilft selbst das Menschen, die körperlich tätig sind, nur wenig. Dies zeigt der Fall von Tobias Weller aus Frankfurt. Der 19-Jährige wird zum Verfahrensmechaniker ausgebildet. Weil er sich eine Hand verstaucht hatte und die Folgen noch unklar sind, wollten die meisten Versicherer das Handgelenk vom Schutz ausschließen. Einige boten jedoch an, den Ausschluss nach ein bis drei Jahren zu überprüfen. "Die Vereinbarung einer solchen Überprüfung muss schriftlich vorliegen. Nur dann ist garantiert, dass der Ausschluss später entfallen kann", sagt Makler Helberg.

Doch die verlangte Prämie war ein Schock. Die Versicherer verlangen bis 110 Euro pro Monat für eine 1.000-Euro-Rente bis zum 65. Lebensjahr, die jährlich garantiert um zwei Prozent steigt. Beim Netto-Azubigehalt von 600 Euro werden so über 18 Prozent abgezwackt. Als Student könnte Tobias Weller den gleichen Vertrag für rund 40 Euro bekommen. Abgeschlossen hat er den Vertrag nun aber trotzdem - weil die Eltern den Beitrag übernommen haben.

Vielleicht wird Tobias Weller ihnen einmal dankbar sein. Hält er den Vertrag durch und wird beispielsweise mit 50 Jahren berufsunfähig, dann müsste der Versicherer bis zum 65. Lebensjahr zusammengerechnet 351.656 Euro Rente zahlen. So steinig der Weg zum zusätzlichen privaten Berufsunfähigkeitsschutz auch ist: Er lohnt sich oft.

Bildquellen: Naypong / Shutterstock.com, Andreas G Karelias / Shutterstock.com
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