21.02.2016 03:00

Fintech im Realitäts-Check

Euro am Sonntag: Fintech im Realitäts-Check | Nachricht | finanzen.net
Euro am Sonntag
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Die Fintech-Branche boomt und buhlt mit großem Aufwand um Mandate der privaten Anleger. Der große Hype ist aber vorbei, jetzt kommt eine zähe Übergangsphase.
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von Ralf Ohlhausen, Gastautor von Euro am Sonntag

Böse Zungen behaupten, der Hype um Fintech-Unternehmen sei endgültig vorbei, weil jetzt endlich auch die Politik das Thema für sich entdeckt hat. So hat die Bundesregierung mit dem CDU-Po­litiker Jens Spahn einen eigenen Fintech-Beauftragten, der für die Förderung innovativer Technologieunternehmen in der Finanzbranche zuständig ist. Die Landesregierung von Hessen plant ein Fintech-Zentrum für die Stärkung der Bankenhauptstadt Frankfurt und die Bafin ist dabei, eine eigene Fintech-Abteilung aufzubauen.


Die Hype-Phase, in der alle Beteiligten alle Fintech-Ideen super fanden und bereit waren, dafür Unsummen zu investieren, ist wohl wirklich vorbei. Blickt man in die USA, dann gab es bei den Investitionen in Fintech-Unternehmen Ende 2015 erstmals einen kleinen Rückgang. Trotzdem wurde noch nie vorher so viel in der Fintech-Branche investiert wie im letzten Jahr. Fakt ist: Nicht jedes Fintech-Unternehmen wird das nächste Jahr überstehen. Marktkonsolidierung wird es sicher geben, muss es sogar geben, denn nur so kann sich die Fintech-Branche weiterentwickeln.

Bank-Größen und Start-ups
gehen aufeinander zu

Beispielsweise gibt es aktuell rund 2.000 Unternehmen, die im Bereich Online- Kreditvergabe ihr Glück versuchen. Das sind natürlich viel zu viele. Zeichen, dass die Fintech-Branche erwachsen wird, werden unter anderem sein, dass einige der Unternehmen überleben, andere untergehen und sich viele der restlichen in unterschiedlichen Ausprägungen zusammenschließen oder von anderen Unternehmen gekauft werden. 2016 müssen die Fintechs erwachsen werden und es wird gleichzeitig um die Vorherrschaft bei der Finanztechnologie gerungen.


Es wird also langsam ernst. So war das Thema Fintech ein ganz heißes Eisen beim Weltwirtschaftsforum in Davos, ­einer Veranstaltung, die nicht gerade für ihre hohe Start-up-Dichte bekannt ist. Dabei pendeln die Mächtigen der ­Finanzbranche zwischen Innovations-­Lobgesängen und dem Ruf nach mehr Regulierung für Fintechs. Die innere Zerrissenheit ist leicht zu erklären, denn die Finanzbranche wird sich verändern, das ist allen Beteiligten klar.

Wie das Ergebnis allerdings aussehen wird, kann heute wohl niemand vorhersagen. Aktuell ist die Branche in einer Art Übergangsphase. Studien zufolge könnten sich die neuen Marktteilnehmer bis zu 150 Milliarden US-Dollar aus dem Markt der Finanzdienstleister abzweigen. Aber irgendwie scheint klar zu sein, dass man auch mit den besten Ideen und der genialsten Kundenbindung irgendwie einen Zugang zum Finanzmarkt braucht. Dann muss man sich entweder um eine Finanzlizenz bemühen und selbst zu einer bankenähnlichen Firma werden oder man tut sich mit einer Bank zusammen.


Bank-Größen und Start-ups gehen deshalb stärker aufeinander zu, denn beide Seiten professionalisieren sich und erkennen, dass es ohne die andere Seite nicht geht. Dass Zusammenarbeit zwischen neuen und alten Playern eine Grundvoraussetzung für das Gelingen von Fintech-Unternehmungen ist, zeigen auch einschlägige Studien, etwa wenn es um die Etablierung von Fintech-Standorten geht.

Als man sich zum Beispiel in den Niederlanden gefragt hat, was denn genau nötig sei, um einen Fintech-Hub als Alternative zu London zu etablieren, kamen vor allem zwei Dinge auf den Tisch: Alte Zöpfe bei der Regulierung müssen abgeschnitten und die Zusammenarbeit von neuen Fintech-Start-ups und etablierten Finanzunternehmen muss verbessert werden.

Ein wichtiger Grund für diese Einsicht ist auch, dass aus dem Fintech-Bereich langsam praxisrelevante Lösungen kommen müssen, die mehr als ­technikbegeisterte Smartphone-Junkies ansprechen. Was nützt die zehnte Direct-Pay-App, wenn sie nur von 100 Menschen eingesetzt wird? Immerhin fühlen sich die Großen der Branche genötigt, immer wieder darauf hinzuweisen, dass an Fintech kein Weg vorbeiführt. John Cryan, Chef der Deutschen Bank, sagte zum Beispiel kürzlich voraus, dass es in zehn Jahren kein Bargeld mehr geben werde. Ohne passende Technik wird man also bald nicht mehr bezahlen können, wenn sich diese Vorhersage bewahrheitet …

Von einer Fintech-Blase sprechen die meisten nur hinter vorgehaltener Hand. Tim Levene, Mitgründer des Wagnis­kapitalgebers Augmentum Capital, kann keine Blase erkennen, denn schließlich sei ja noch gar nichts passiert. Wohl wahr. Ein wichtiger Grund für diese Einsicht ist auch, dass aus dem Fintech-Bereich bisher wenig Lösungen gekommen sind, die die breite Masse ­ansprechen. Beispiel Blockchain: Die Technologie hat großes Potenzial, echte Lösungen sucht man bisher aber vergebens, und Bitcoins haben es bisher nicht geschafft, die Nerd-Szene zu verlassen.

Apple, Amazon und Google
wollen auch in die Branche

Eine wichtige Erkenntnis dieser Tage dürfte auch sein, dass Fintech nicht immer automatisch auch Start-up bedeutet. Besonders die erfolgreichen Un­ternehmen machen irgendwann den nächsten Schritt. Aktuelles Beispiel ist Robinhood. Das US-Start-up mit der gleichnamigen App erlaubt Privatkunden einen kostenlosen Wertpapierhandel und hat jetzt angekündigt, auch in Europa auf den Markt zu gehen. Spätestens dann werden die Start-up-Schuhe ausgezogen.

Und es gibt viele etablierte Fintech-Unternehmen, die seit Jahren erfolgreich auf dem Markt sind. Manche sind noch klein, andere bereits Mittelständler; allen jedoch ist gemein, dass sie große Ziele haben. Das muss nicht immer der Einhorn-Status eines Milliar­denunternehmens sein, sondern kann auch gesundes Wachstum bedeuten. Denn betriebswirtschaftliche Mechanismen gelten natürlich auch in der Finanzbranche.

Nicht vergessen darf man auf der ­anderen Seite der Nahrungskette die großen Technikunternehmen, die sich auch auf die Finanzmission gemacht ­haben. Vor allem die US-Riesen Apple, Amazon und Google werden den Fintech-Bereich prägen. Wenn Apple Pay und Android Pay an breiter Front an den Start gehen, wird das zwangsläufig zu einer Konsolidierung von Technologien und Produkten führen. Sollte Apple Pay in Europa einschlagen und eine ansehnliche Verbreitung erreichen, hätte man den Bargeldersatz vielleicht schon in weniger als zehn Jahren, zumindest für alle iPhone-Nutzer.

Kurzvita

Ralf Ohlhausen, Business
Development Director PPRO Group

Ohlhausen, Diplom-Mathematiker und Master of Telecommunications Business, verfügt über 25 Jahre Berufserfahrung in den Bereichen E-Commerce, Financial Services, mobile Telekommunikation und IT. Die PPRO Group wurde 2006 in London gegründet und ist ein EU-zertifiziertes Finanz­institut mit einer E-Geld-Lizenz der britischen Bankenaufsicht. Sie bietet Dienstleistungen für eine Vielzahl ­alternativer Zahlarten in mehr als 100 Ländern.
Bildquellen: violetkaipa / Shutterstock.com, PPRO Group

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