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24.03.2017 17:10
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Großer Krankenkassen-Test von €uro: Klasse Kasse

Euro Magazin-Service: Großer Krankenkassen-Test von €uro: Klasse Kasse | Nachricht | finanzen.net
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Krank zu sein ist teuer, gesund zu bleiben auch. Wie so oft sind die günstigsten Anbieter nicht die besten. Welche Krankenkassen viel bieten und dabei wenig kosten.
€uro
von Markus Hinterberger, €uro Magazin

Obwohl Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) fürs Wahljahr 2017 keine steigenden Zusatzbeiträge versprochen hat, haben im Januar 27 Krankenkassen ihre Beiträge erhöht. Zur Erinnerung: Der Zusatzbeitrag der GKV ist nur ein Teil des Gesamtbeitrags; er schwankt derzeit zwi­schen 0,3 und 1,8 Prozent des Bruttoeinkommens. Hinzu kommen 14,6 Prozent des Bruttos als Grundbeitrag, den Arbeitnehmer und Arbeitgeber jeweils zur Hälfte zahlen. "Spätestens Anfang 2018 wird es weitere Beitragssteigerungen geben", befürchtet Thomas Adolph vom Internetportal ­kassensuche.de. Der medizinische Fortschritt sorge dafür, dass Behandlungen teurer werden. Aber auch die niedrigen Zinsen machen den gesetzlichen Krankenkassen zu schaffen. Der Gesundheitsfonds - so der Name der Sammelstelle, in die alle Beiträge fließen, bevor sie an die einzelnen Kassen verteilt werden - muss bereits heute Strafzinsen zahlen. Noch wirken sich diese nicht auf die Beiträge aus, es kann nach Ansicht des Experten aber sein, dass es bald so weit ist.


Damit nicht genug. Die Krankenkassen haben ein Interesse daran, auch viele Kranke in ihren Reihen zu haben. Das liegt daran, dass sie aus dem Gesundheitsfonds pro Fall Geld bekommen. Dabei gilt, je schwerer die Krankheit, desto mehr Geld fließt. Das ging in der Vergangenheit sogar so weit, dass einige Krankenkassen Ärzte unter Druck setzten, ihre Patienten, zumindest auf dem Papier, kränker zu machen, als sie es eigentlich ­waren. Entsprechend groß war das Auf­sehen, als vor einigen Monaten Jens Baas, der Chef der Techniker Krankenkasse, dieses Gebaren öffentlich machte. Welche Folgen dieser Skandal haben wird, ist noch nicht absehbar. Besonders delikat: Fast alle Kassen sollen irgendwann irgendwo geschummelt haben.


Das zeigt: Die Krankenkassen sind in der Marktwirtschaft angekommen. Ein Umstand, der gesetzlich Versicherten zu denken geben sollte. Während in der Vergangenheit der einzige Grund zum Wechseln die Leistung war, rückt nun der Preis immer mehr in den Blick. Die derzeit "teuerste" Krankenkasse, die BKK vital, verlangt 1,8 Prozentpunkte zusätzlich. Das klingt nicht sonderlich viel, aber ein Angestellter mit einem ­Jahresbrutto von 50 000 Euro oder mehr zahlt binnen zwölf Monaten 900 Euro an Zusatzbeitrag. Bei der günstigsten Krankenkasse würde er nur 150 Euro pro Jahr draufzahlen. Im Schnitt werden 1,1 Prozent zusätzlich verlangt. Das wären beim genannten Angestellten 550 Euro im Jahr extra.

Trotz dieser Beträge ist die Wechselbereitschaft noch gering. Laut Schätzungen sollen seit 2015 nur gut eine halbe Million Versicherte ihre Krankenkasse gewechselt haben. Das entspricht etwas mehr als einem Prozent der zahlenden Mitglieder der gesetzlichen Krankenkassen. "Viele scheuen den Aufwand oder haben die unbegründete Angst, nach ­einem Wechsel ohne Versicherung da­zustehen", sagt Kassenkenner Thomas Adolph.


Wohin wechseln? Laut Gesetz sind zwar über 90 Prozent der Leistungen vorgeschrieben, doch die Kassen können einen Teil ihres Angebots selbst bestimmen. Und hier sind die Unterschiede enorm, wie eine Untersuchung von €uro und kassensuche.de zeigt.

So ist die Securvita, eine Direktkasse aus Hamburg, in Sachen Leistung wie in den Vorjahren erneut ganz vorn. Sie erbringt 85,1 Prozent aller von €uro abgefragten Leistungen. Das hat jedoch seinen Preis. Mit einem Gesamtbeitrag von 16 Prozent ist die Securvita 0,4 Prozentpunkte teurer als die Hanseatische Krankenkasse HEK, die auf 84,2 Prozent der abgefragten Leistungen kommt. Beim Angebot nur unbedeutend schwächer, aber preislich mit der HEK gleichauf ist die Techniker Krankenkasse. Deutschlands zweitgrößte Krankenkasse verlangt 15,6 Prozent Gesamtbeitrag.

Obwohl diese drei Kassen nicht die günstigsten sind, schneiden sie auch bei unserem Preis-Leistungs-Vergleich gut ab (siehe Tabelle Seite 103). Zum Vergleich: Die Metzinger BKK, eine nur in Baden-Württemberg geöffnete Regionalkasse und eine der beiden günstigsten Krankenkassen Deutschlands, landet im Preis-Leistungs-Vergleich über alle Kassentypen nicht einmal unter den besten 50. Die AOK Sachsen-Anhalt, die den gleichen Zusatzbeitrag wie die ­Metzinger BKK verlangt, landet in dieser Auswertung auf Platz 6.

Gegenüber den Vorjahren ist das Leistungsniveau im €uro-Krankenkassentest leicht gesunken. "Immer mehr Kassen versuchen, sich mit Gesundheitskonten hübsch zu machen", sagt Experte Adolph. Bei diesen Konten bekommt der Kunde ein bestimmtes, auf den ersten Blick recht üppiges Budget, das er aber auf eine Vielzahl von Leistungen aufteilen muss. "Vordergründig kann die Kasse sagen, dass sie bei vielen verschiedenen Indikationen leistet, das Budget ist aber oft bereits nach wenigen Leistungen aufgebraucht", erklärt Adolph. Daher wurden im Test jene, die im Rahmen eines solchen Budgets erbracht wurden, nur mit 80 Prozent der Punkte bewertet. Darüber hinaus wurden Leistungen aus sogenannten Bonusprogrammen nicht als solche gewertet, denn der Versicherte muss schließlich selbst aktiv werden, um diese zu bekommen.

Was kommt. "Einzelne Kassen werden sogar Leistungen streichen, wenn die Kostensituation verbessert werden muss", prognostiziert Gesundheitsökonom Wolfgang Greiner von der Uni Bielefeld. Er erwartet, dass sich immer mehr Kassen zusammenschließen, um Kosten zu sparen. Trotzdem sind sich die Experten einig, dass es immer Anbieter geben wird, die viel leisten - und das zu akzeptablen Preisen. Anders als in der pri­vaten Krankenversicherung können gesetzlich Versicherte leicht wechseln (siehe Seite 105) und andere Kassen ausprobieren. Wer die richtige Kasse für sich gefunden hat, hat schon sehr viel richtig gemacht. Aber manche Leistungen sind bei keiner gesetzlichen Krankenkasse inbegriffen. Etwa eine Garantie auf Ein- oder Zweibettzimmer. Auch eine Chefarztbehandlung bieten längst nicht alle gesetzlichen Kassen. Dafür müssen Kassenpatienten dann private stationäre Zusatzversicherungen abschließen. Diese haben wir ab Seite 108 getestet.

Zu den Ergebnissen des GKV-Tests

So lesen Sie die Tabelle (PDF)

Zur Gesamtwertung: Die Kassen mit den höchsten Leistungen über alle sechs Teilbereiche (PDF)

Die Bewertung der Bonus- und Vorteilsprogramme (PDF)

Bewertungen der integrierten Versorgung (PDF)

Die Ergebnisse bei der Zahnversorgung (PDF)

Die besten Kassen bei der Gesundheitsförderung (PDF)

Die Benotungen in der Rubrik Naturheilverfahren (PDF)

Welche Kassen die besten Zusatzleistungen bieten (PDF)
Bildquellen: Borislav Bajkic / Shutterstock.com, Fernando Madeira / Shutterstock.com

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