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16.02.2017 16:00
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Großer Test der Lebensversicherer: Hoffen und Bangen

Euro Magazin-Service: Großer Test der Lebensversicherer: Hoffen und Bangen | Nachricht | finanzen.net
Euro Magazin-Service
Deutsche Lebensversicherer gelten im globalen Vergleich als besonders anfällig. Zu Recht? €uro hat untersucht, welche Anbieter am besten für die Zukunft gerüstet sind.
€uro
von Martin Reim, €uro Magazin

Andere DAX-Mitglieder erreichen immer neue Höchstkurse. Die Allianz-Aktie ist hingegen noch meilenweit von früheren Rekorden entfernt. Kein Wunder also, dass Oliver Bäte, Vorstandschef des Finanzkonzerns, nach den Ursachen sucht. Ergebnis: "Zu viele ausländische Investoren machen sich Sorgen um die deutsche Lebensversicherung", sagte Bäte der "Süddeutschen Zeitung". Es gebe "amerikanische und andere Anleger, die finden unsere Lebensversicherung ganz schwierig".


Diese Sorgen bekamen kürzlich neue Nahrung - von berufener Stelle. Die EU-Versicherungsaufsicht Eiopa unterwarf Versicherer aus 30 Ländern einem Stresstest. Resultat: Deutsche und österreichische Lebensversicherer träfe eine lange Niedrigzinsphase deutlich härter als die meisten ihrer europäischen Wettbewerber. Sie leiden unter den langfristigen Garantien, die sie ihren Kunden vor Jahren oder Jahrzehnten gegeben haben und die in anderen Ländern unüblich sind. Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) kritisierte hingegen, dass die Aussagekraft des EU-Tests für die Stabilität der Gesellschaften gering sei. Die Modelle beruhten zum Teil auf ökonomisch nicht begründbaren Annahmen, sagte GDV-Geschäftsführer Axel Wehling.


Wie steht es nun tatsächlich um die deutschen Lebensversicherer? Das hat die Analysegesellschaft für Anlage- & Versicherungsprodukte im Auftrag von €uro untersucht. Wie jedes Jahr stammen die zugrunde liegenden Zahlen fast komplett aus den öffentlich zugänglichen Datenbanken der Finanzaufsicht Bafin, die wiederum auf den Bilanzen von 2015 beruhen (die kompletten 2016er-Bilanzen liegen erst ab Herbst 2017 vor). Ergebnis: Zumindest kurz- bis mittelfristig ist Entwarnung angesagt. Im Vergleich zur Vorjahresuntersuchung hat sich die Zahl der als "sehr gut" betrachteten Unternehmen von vier auf fünf erhöht (siehe Ergebnisse unten) - darunter ist auch die Allianz-Lebensversicherung.

Am anderen Ende der Tabelle stehen zwar 16 statt im Vorjahr 13 Anbieter, deren Stabilität "befriedigend" ist. Doch nach wie vor gibt es kein "ausreichend", "mangelhaft" oder "ungenügend". Das bedeutet auch: Aus Angst vor einer Versicherungspleite muss niemand kündigen. Wer dennoch mit seinem Anbieter unzufrieden ist, findet auf der folgenden Seite auch Alternativen zur Kündigung.


Konkret wurde bei unserem Test die Finanzkraft des jeweiligen Versicherers mit 30 Prozent gewichtet. In die Bewertung "Kundenzufriedenheit" gingen Frühstornoquoten und Beschwerden mit insgesamt zehn Prozent ein. Die Bestandssicherheit - hierzu zählt unter anderem das Wachstum der Versicherungsbestände - macht ebenfalls 30 Prozent des Gesamtergebnisses aus. Hinzu kamen Performance, Zahlen zu Verzinsung und Kosten, die gleichfalls mit 30 Prozent gewichtet wurden.

Diese Daten, wie auch einige Angaben zur Bestandssicherheit, stammen teilweise von der Versicherungsratingagentur Assekurata (siehe auch "So lesen Sie die Tabellen").

Reserve als Belastung. "Derzeit dürfte kein Lebensversicherer akut gefährdet sein", sagt auch Lars Heermann, Bereichsleiter Analyse bei Assekurata. Doch zehren die niedrigen Zinsen aus seiner Sicht quasi unmerklich an der Stabilität. "Die Unternehmen verlieren dadurch schleichend an Substanz." Die 2011 eingeführte Zinszusatzreserve entziehe den Unternehmen Geld, das sie eigentlich für Zukunftsinvestments benötigten. Denn was die langfristigen Aussichten betrifft, steckt die Branche nach wie vor in der Zwickmühle. Solange der durchschnittliche Garantiezins in ihren Beständen hoch ist, muss sie in die Zinszusatzreserve einzahlen.

Das Bundesfinanzministerium hat errechnet, dass bisher insgesamt 44 Milliarden Euro in die Zinszusatzreserve geflossen sind - Tendenz steigend: Allein 2016 waren es zwölf Milliarden Euro. Heermann: "Die Reserve ist ein hilfreiches und notwendiges Mittel für die Stabilisierung. Jedoch ist die Rechenmethodik nicht mehr zeitgemäß und sollte daher von politischer Seite dringend angepasst werden." Die Zuführungen sollten gleich­mäßiger und abgemilderter erfolgen. Generell gilt: Die Versicherer müssen umso mehr Geld beiseitelegen, je niedriger der Marktzins ist und je höher ihre durchschnittlichen Garantieverpflichtungen sind (dieser Wert ist auch Teil der Tabelle "Bestandssicherheit").

Doch setzt die Branche alles daran, den durchschnittlichen Garantiezins zu senken. Geschehen soll das vor allem mit Policen, die ohne den gesetzlichen Garantiezins auskommen. Beispielsweise sogenannte Indexpolicen, bei denen der Kunde wählen kann, ob er eine traditionelle Überschussbeteiligung erhält oder an der Entwicklung eines oder mehrerer Indizes teilhaben will. Oder über Fondspolicen, bei denen die Anlagegelder ausschließlich in Investmentfonds fließen und bei denen der Kunde im Extremfall das komplette Risiko trägt.

Solche Verträge machten nach Angaben des Versicherungsverbands GDV im vergangenen Jahr branchenweit bereits 46 Prozent des Neugeschäfts aus, nach 37 Prozent im Jahr 2015. Manche Versicherer verzichten bereits seit Längerem komplett auf Policen mit Garantiezins. Allen voran Ergo, die frühere Hamburg-Mannheimer. Diese Gesellschaften - und auch solche, die überhaupt kein Neugeschäft mehr annehmen - sind in der Tabelle auf Seite 123 separat ausgewiesen.

Auch die Kunden solcher Unternehmen müssen sich kaum Sorgen machen. Die Untersuchung ergab in diesem Segment zweimal "gut" und zweimal "befriedigend".

Die Ergebnisse des Tests der Lebensversicherer

So lesen Sie die Tabellen (PDF)

Alle Lebensversicherer im Überblick: Die Ergebnisse des großen LV-Tests (PDF)

Performance: So viel bleibt für die Versicherten unterm Strich - alles zu Zinsen und Kosten (PDF)

Bestandssicherheit: So nachhaltig arbeiten die Versicherungsgesellschaften (PDF)

Kundenzufriedenheit: So viele Beschwerden und Stornos gibt es (PDF)

Finanzkraft: So dick sind die finanziellen Polster der Anbieter (PDF)
Bildquellen: igor.stevanovic / Shutterstock.com, Jakub Krechowicz / Shutterstock.com

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