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02.12.2019 12:57
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Studie: Deutsche für Aktien zu risikoavers und uninformiert

Von Hans Bentzien

FRANKFURT (Dow Jones)--Deutsche sind nach einer im Auftrag der Deutschen Börse AG angefertigten Studie von Frankfurter Ökonomen zu risikoavers und zu schlecht informiert für ein stärkeres Engagement in Aktien. Wie aus der am Montag vorgestellten Studie der Frankfurt School of Finance und der Goethe-Universität Frankfurt hervorgeht, überschätzen Deutsche das für erfolgreiche Aktieninvestments notwendige Wissen und zugleich das mit Aktienbesitz einhergehende Risiko. Während solche Bildungsdefizite möglicherweise langsam behoben werden können, ist das für die grundsätzliche Risikoscheu der Deutschen eher fraglich.

"Da kann man nichts machen, denn die Menschen sind wie sie sind - aber wo man vielleicht etwas machen kann, das sind ihre Wahrnehmungen", sagte Sebastian Ebert, Professor für Mikroökonomie an der Frankfurt School of Finance & Management. Er ist einer der Studienautoren, neben Michael Grothe (Professor für Corporate Finance an der gleichen Universität) und Christine Laudenbach (Assistant Professor an der Goethe-Universität). "Wir haben gefragt: Was fällt Ihnen als erstes ein, wenn Sie den Begriff Aktien hören, und die Antwort war: Risiko", sagte Grothe.

Eine Fehleinschätzung, wie die Autoren aufzeigen, denn die Risiken lassen sich durch eine inhaltliche und zeitliche Diversifizierung mindern. So wussten 45 Prozent der 2.700 über die Plattform Yougov befragten "Aktien-Nicht-Besitzer" nicht, dass das Risiko von Aktienfonds geringer ist als das Risiko von Einzelaktien. Zudem glaubten sie, dass das Verlustrisiko aus Aktienbesitz nach einem Jahr bei 32 Prozent liegt und nach zehn Jahren immer noch bei 28 Prozent.

Tatsächlich lag es im DAX in den vergangenen Jahren nach einem Jahr zwar wirklich bei 28 Prozent, aber nach zehn Jahren nur noch bei 5 Prozent. "Was uns überrascht hat, ist das Ignorieren der langfristigen Risikoreduktion", sagte Christine Laudenbach. Überraschend habe sie auch gefunden, dass viele der Befragten glaubten, Unternehmensbilanzen verstehen zu müssen. "Die Leute wissen nicht, wie wenig sie eigentlich wissen müssen, sie legen die Hürde für eine Aktienmarktteilnahme viel zu hoch", sagte Grothe.

Die am weitesten verbreiteten Gründe für einen geringe Aktienmarktteilnahme sind laut der Studie "Angst vor hohem Verlust durch eine ökonomische Katastrophe" - 67 Prozent der "Aktien-Nicht-Besitzer" führen sie an, bei den Aktienbesitzern sind es 38 Prozent. Es folgen "zu kleines Vermögen mit 66 Prozent bei "Aktien-Nicht-Besitzern" (keine Angabe für Aktienbesitzer), "Fehlendes Wissen" mit 65 (25) Prozent und "Kein Vertrauen in Aktienmärkte" mit 64 (27) Prozent. Eine Rolle spiele aber "Angst vor Betrug" (62/33 Prozent), "Nervosität bei selbst kleinen Verlusten" (63/25 Prozent) und "Produktauswahl zu komplex" (53/27 Prozent).

Insgesamt legten die Autoren den Befragten 67 aus der Literatur bekannte Begründungen für eine geringe Aktienmarktteilnahme vor. Klar ist, dass Aktienbesitzer eine viel positivere Meinung über Aktien haben als Personen, die keine Aktien besitzen. "Sobald sie nur eine Aktie besitzen, sehen sie die Sache ganz anders", sagte Grothe.

Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass 28 Prozent der Aktienbesitzer zu ihrer ersten Aktienmarktteilnahme über die Familie, Freunde oder durch Schenkung kamen. Bei 22 Prozent wurde das Interesse durch Nachrichten geweckt, bei 21 Prozent durch eine Finanzberatung und bei 10 Prozent durch Mitarbeiteraktien.

Im Jahr 2018 lag die Aktienmarktteilnahmequote in Deutschland bei 16,2 Prozent. Im Jahr 2011 waren es 15,7 Prozent gewesen. In den USA betrug die Aktienmarktteilnahmequote im vergangenen Jahr 54 Prozent.

Kontakt zum Autor: hans.bentziwen@dowjones.com

DJG/hab/apo

(END) Dow Jones Newswires

December 02, 2019 06:58 ET (11:58 GMT)

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