Zweistelliger Absturz: Ölpreise mit Kursrutsch nach Öffnung der Straße von Hormus

Die Ölpreise sind am Freitag deutlich gefallen, nachdem Signale aus dem Nahen Osten auf eine Entspannung hindeuteten. Anleger reagierten prompt auf die Aussicht stabilerer Handelsrouten.
Werte in diesem Artikel
• Ölpreise brechen deutlich ein
• Geopolitische Entspannung als Auslöser
• Märkte reagieren mit Optimismus
Nicht nur die internationalen Aktienmärkte ziehen kräftig an, zeitgleich erleben die Ölpreise am Freitag einen Kursrutsch: Brent kostet am Abend mit 90,21 US-Dollar zeitweise rund 8,15 Prozent weniger, der Preis für ein Barrel WTI bricht zeitweise um 11,10 Prozent auf 84,18 US-Dollar ein, nachdem er zuvor sogar um rund 13 Prozent abgesackt war.
Freier Handel in der Straße von Hormus sorgt für Aufatmen
Hintergrund des plötzlichen Preisrutsches ist eine offizielle Mitteilung aus Teheran. Der iranische Außenminister Abbas Araghchi verkündete über den Kurznachrichtendienst X, dass die strategisch bedeutsame Straße von Hormus für die Dauer des vereinbarten Waffenstillstands für alle Handelsschiffe vollständig geöffnet werde.
Diese Nachricht traf den Markt an einem empfindlichen Punkt. Da ein erheblicher Teil der weltweiten Öl- und Gasexporte durch diese Meerenge transportiert wird, galt ihre Blockade oder Beeinträchtigung zuletzt als einer der größten Risikofaktoren für die Weltwirtschaft. Die Zusicherung des freien Handels mindert die Gefahr von Energieengpässen und stabilisiert die maritimen Handelsrouten unmittelbar.
Warum die Ölpreise korrigieren
Die politische Entspannung löste an den Rohstoff- und Anleihemärkten umgehende Reaktionen aus. Die zuvor erhitzten Ölpreise sackten infolge der Nachricht deutlich ab, was den Druck auf die globalen Inflationsraten mindern dürfte. Parallel dazu gaben auch die Renditen an den Rentenmärkten nach, da die Sorgen vor einer durch Energiekosten getriebenen Teuerungswelle vorerst in den Hintergrund traten. Für die Anleger bedeutet dies eine doppelte Entlastung: Während die sinkenden Energiekosten die Gewinnmargen der Unternehmen stützen, sorgt der Rückgang der Anleiherenditen für ein freundlicheres Bewertungsumfeld für Aktien. Die jüngsten Konjunktur- und Inflationssorgen, die den Markt über Wochen belastet hatten, wurden durch den diplomatischen Durchbruch somit stark gedämpft.
Bewegung bei Energie-, Luftfahrt- und Touristik-Aktien
Aktien des Energiesektors werden im Sog des sinkenden Ölpreises abverkauft. Chevron, Exxon Mobil und Occidental Petroleum verbilligen sich zeitweise um bis zu 7,8 Prozent. Nutznießer der fallenden Ölpreise sind die Aktien von Fluggesellschaften und Touristikunternehmen. American Airlines und United Airlines gewinnen zeitweise 6,6 und 9,7 Prozent. ie fallenden Ölpreise senken die Kerosinkosten. Zudem verringert sich das Risiko, dass die Airlines Flugzeuge stilllegen müssen. Noch am Vortag hatte die Internationale Energieagentur (IEA) gewarnt, dass Flugzeugtreibstoff knapp werden könnte. Der Kurs der Kreuzfahrtreederei Carnival rückt zwischenzeitlich um 9,3 Prozent vor.
Claudia Stephan, Melanie Schürmann, Carolin Ludwig Redaktion finanzen.net Mit Material von dpa-AFX und Dow Jones Newswires
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