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29.07.2015 16:30
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Edelmetalle im freien Fall

Gold & Co im Krisenmodus: Edelmetalle im freien Fall | Nachricht | finanzen.net
Gold & Co im Krisenmodus
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Spekulanten haben den jüngsten Kursrutsch der Edelmetalle ausgelöst. Doch für den schon seit Monaten anhaltenden Abwärtstrend gibt es noch andere Gründe.
€uro am Sonntag
von Astrid Zehbe, Euro am Sonntag

Von Verschwörungs­theorien hält Martin Siegel nicht viel. Der Manager des Fonds Stabilitas Pacific Gold and Metals versucht, Marktbewegungen fundamental zu begründen. Vergangene Woche fiel ihm das jedoch schwer: Da beginnt Montagnacht der elektronische Handel in New York, und kurze Zeit später wird der Markt mit 24 Tonnen Gold geflutet. Nahezu zeitgleich stoßen in Shanghai Händler 33 Tonnen des gelben Edelmetalls ab. In Europa sind die Börsen noch geschlossen, in Japan findet wegen eines Feiertags kein Handel statt. Der Markt ist in dieser Nacht klein, die ­Wirkung der Goldverkäufe mit ­einem Wert von 2,7 Milliarden Dollar umso heftiger. An Zufall mag Martin Siegel da nicht mehr glauben, er ist sich sicher: Spekulanten wollten gezielt einen Preissturz herbeiführen.

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Tatsächlich ging es mit den Notierungen kräftig bergab. Erstmals seit fünf Jahren rutschte der Goldpreis unter die Marke von 1.100 Dollar - ein Verlust von mehr als fünf Prozent. "Crash am Goldmarkt" titelten Zeitungen, doch es war ein Crash auf dem Edelmetallmarkt. Silber kostete so wenig wie seit 2010 nicht mehr, Platin fiel auf ein Sechsjahrestief, Palladium auf den tiefsten Stand seit November 2012.

Krisenwährung in der Krise

Mit diesem Donnerschlag setzte sich fort, was schon vor Monaten begonnen hatte: der trotz zahlreicher geopolitischer Risiken, die eigentlich für Kurssteigerungen sprechen würden, zunehmende Wertverlust am Edelmetallmarkt. Weder der drohende Grexit noch der Börsencrash in China noch die steigende Verschuldung in der Welt vermochten den Abwärtstrend von Gold & Co zu stoppen. Die Zeiten, in denen Edelmetalle, ­allen voran Gold, als Krisenwährung gefragt waren, scheinen vorerst vorbei. "Zumindest gibt es erhebliche Kratzer am Status von Gold als sicherem Hafen", so Daniel Briesemann von der Commerzbank.

Der Rohstoffanalyst glaubt ebenfalls, dass spekulative Anleger den Crash am Goldmarkt ausgelöst haben und es dann zu einer Kettenreaktion kam. "Großinvestoren wie Hedgefonds könnten gezwungen gewesen sein, Margin Calls zu bedienen", erklärt er. Solche Nachschussforderungen entstehen, wenn Aktien auf Pump gekauft werden und diese dann plötzlich an Wert verlieren - wie jüngst beim Börsencrash in China. "Weil die chinesischen Behörden nach dem Kurssturz Verkaufsrestriktionen für institutionelle Anleger erlassen haben, sind diese ihre Aktien nicht losgeworden, brauchten aber dennoch Liquidität." Also wurde Gold verkauft, was dazu führte, dass wichtige Unterstützungs­linien nach unten durchbrochen wurden. Das wiederum löste Stop-Loss-Verkäufe anderer Anleger aus, was den Preissturz noch beschleunigte.

Starker Dollar drückt Preise

Profitiert haben davon vor allem Spekulanten, die im Vorfeld ihre Short-Positionen ausgebaut haben. In der Vorwoche des Goldsturzes bestanden Netto-­Short-Positionen in Höhe von 1.100 Kontrakten an der New Yorker Rohstoffbörse Comex - so viel wie noch nie seit Beginn der Datenreihe 2006. Auch aus den Gold-ETFs fließt Geld ab: Die Bestände liegen auf dem niedrigsten Stand seit März 2009.

"Mit fundamentalen Gründen hat das nicht mehr viel zu tun", sagt Siegel: "Es herrscht eine Ausverkaufsstimmung." So habe die Sorge vor einem Grexit den Goldpreis gar nicht bewegt, die vorläufige Beruhigung hingegen hat ihn fallen lassen. Ebenso die chinesischen Goldankäufe: Seit 2009 sind die Goldbestände des Landes um 60 Prozent auf über 1.600 Tonnen gestiegen, China ist damit der sechstgrößte Goldbesitzer der Welt. Am Markt wurde die Meldung dennoch pessimistisch aufgenommen - denn die Anleger hatten schlicht mehr erwartet.

Das Einzige, was den Goldpreis derzeit noch nachvollziehbar zu bewegen scheint, ist der Dollar. Die globale Handelswährung hat in den vergangenen Monaten kräftig zugelegt - gegenüber dem Euro um 23, dem Yen um 22 und dem Pfund um zehn Prozent. Der Grund ist die Aussicht auf ein Ende der lockeren Geldpolitik in den USA, die den Dollar als Anlagewährung attraktiver macht, zum Leidwesen von ausländischen Rohstoffkäufern. Denn die müssen in ihrer eigenen Währung nun relativ mehr für Gold, aber auch die anderen Edelmetalle zahlen.

Gold bald unter 1000 Dollar?

Rohstoffanalysten sind darum pessimistisch, was die künftige Nachfrage angeht. Die DZ Bank traut dem Edelmetall zwar eine kurzfristige Erholung auf 1.150 Dollar je Feinunze bis zum Jahresende zu, erwartet langfristig jedoch Kursrückgänge: "Auf Sicht eines Jahres überwiegen unseres Erachtens klar die negativen Argumente. Unsere Prognose auf Sicht von zwölf Monaten lautet 990 Dollar." Auch andere Analysten gehen davon aus, dass Gold die 1.000-Dollar-Marke testen wird.

Sollte der Kurs tatsächlich weiter nachgeben, würde dies auch die anderen Edelmetalle treffen. "Vor allem Silber korreliert stark mit Gold", sagt Rohstoffexperte Siegel. Aber auch Platin und Palladium hängen am Goldpreis. Dabei sind diese Weißmetalle anders als Gold keine reinen Krisenmetalle - im Gegenteil. Ein Großteil der Produktion wird in der Industrie verwendet, sodass die langfristigen Entwicklungen von der globalen Konjunktur abhängen.

Doch die sieht nicht gerade berauschend aus. Vor allem die Angst vor einem Abschwung in China lähmt die Märkte. Auch Industriemetalle haben sich verbilligt - der S & P GSCI Industrial Metal Index fiel seit Juli 2014 um rund 25 Prozent. Meldungen, dass die chinesischen Fahrzeugverkäufe in diesem Jahr deutlich weniger stark steigen werden, erklären diese Entwicklungen.

Das hat vor allem für Platin und Palladium Folgen, da beide Rohstoffe bei der Herstellung von Katalysatoren verwendet werden. Dennoch sieht Analyst Briesemann von der Commerzbank bei den beiden Metallen am ehesten Chancen auf Kurs­anstiege - wegen der Angebotslage. "Diese wird aus unserer Sicht viel zu optimistisch eingeschätzt", sagt er. Zwar arbeiten die Minen in Südafrika, die ein Drittel des weltweiten Palladiums und zwei Drittel des glo­balen Platins produzieren, nach den Streiks der vergangenen Jahre wieder, doch die Risiken bleiben: "Die sinkenden Edelmetallpreise setzen Minenbetreiber unter Druck. Der Versuch, Kosten zu sparen, könnte erneut zu Streiks führen."

Minenbetreiber unter Druck

Wie sehr der Preisdruck den Minenbetreibern zu schaffen macht, lässt sich beim Blick auf die Aktienkurse erahnen. Firmen wie Newmont Mining (ISIN: US 651 639 106 6), Newcrest Mining (AU 000 000 NCM 7) und Barrick Gold (CA 067 901 108 4) verloren vergangene Woche bis zu 15 Prozent ihres Werts. Martin Siegel betrachtet die Einbrüche zwar als Einstiegschance, mahnt aber zu Vorsicht: "Anleger sollten den Markt beobachten und erst dann einsteigen, wenn sich ein robuster Aufwärtstrend abzeichnet."

In der Vergangenheit habe es charttechnisch immer wieder sogenannte V-Formationen gegeben: Nach einem Preissturz ging es bergauf. "Selbst wenn die Aktien dann schon zehn Prozent im Plus sind, ist es noch nicht zu spät. Die Papiere der Minenunternehmen sind im Moment am Boden", erklärt Siegel.

Und im Gegensatz zum Goldmarkt lassen sich bei den Goldminenaktien die Kursbewegungen meistens auch ganz ohne jede Verschwörungstheorie erklären.

Investor-Info

Edelmetallverwendung
Nicht nur Krisenwährung

Während sich Silber und vor allem Gold bei Anlegern großer Beliebtheit erfreuen, finden Platin und Palladium hauptsächlich in der Industrie Verwendung. Auch für die Schmuckbranche sind Edelmetalle wichtig. Vor allem Platinschmuck wird immer beliebter: Die ­Importe entsprechender Schmuckstücke ­ beispielsweise in die USA sind im vergan­genen Jahr um 61 Prozent gestiegen.

ETFs Daily Short Gold
Auf den Preisverfall setzen

Gold unter der Marke von 1.000 Dollar? So wenig kostete die Feinunze zuletzt 2009. Nach Ansicht einiger Rohstoffanalysten könnte das Edelmetall diese Grenze - möglicherweise nach einer kurzen Erholungsphase - jedoch bald wieder unterschreiten. Grund sind zahlreiche Short-Spekulanten sowie vor allem die noch für dieses Jahr in Aussicht gestellte Zinserhöhung in den USA. Mit dem ETC von ETF Securities setzen mutige Anleger auf einen weiter fallenden Goldpreis.

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Renditechance mit Risiko

Allein in den vergangenen Tagen verlor das Edelmetall fast drei Prozent seines Werts, konnte sich aber zum Wochenende erholen, vor allem dank hoher Zuflüsse in Platin-­ETFs. Seit Wochenbeginn wurden die Bestände um 48.600 Unzen aufgebaut. Risikofreudige An­leger können mit dem ETC db Physical Platinum Euro Hedged auf eine weitere Erholung des Edel­metalls setzen, vor allem dann, wenn sich die Angebotslage anspannen sollte.
Bildquellen: Juk86 / Shutterstock.com, Taiga / Shutterstock.com

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