Mehr als Krisenschutz

Neuer Goldzyklus? Warum sich der Markt laut einem Experten grundlegend verändert

08.05.26 23:31 Uhr

Struktureller Bruch im Goldmarkt: Warum Gold heute mehr als nur Krisenschutz ist | finanzen.net

Laut einem Experten der Börse Stuttgart verändert sich der Goldmarkt strukturell. Anleger und Zentralbanken setzen dabei zunehmend auch unabhängig vom Zinsumfeld auf das Edelmetall.

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Gold löst sich zunehmend vom klassischen Zinsumfeld
• Zentralbanken und Anleger bauen ihre Goldbestände strategisch aus
• Börse Stuttgart sieht Gold als neues Kerninvestment im Portfolio

Der Goldmarkt befindet sich im Wandel. Während das Edelmetall früher vor allem als klassische Absicherung in Krisenzeiten galt, entwickelt es sich zunehmend zu einem strategischen Kerninvestment für private und institutionelle Anleger. Laut einem Mailing der Börse Stuttgart vom 29.04.2026 spricht ein Experte inzwischen von einem "strukturellen Bruch" mit bisherigen Marktmechanismen.

Experte erklärt: Gold löst sich vom klassischen Zinsmuster

Über Jahrzehnte galt am Markt eine einfache Regel: Steigende Zinsen belasten den Goldpreis, sinkende Zinsen stützen ihn. Doch genau dieses Muster verliert laut Dierk Schaffer, Geschäftsführer der Börse Stuttgart Commodities, zunehmend an Bedeutung. Im Mailing der Börse Stuttgart erklärt Schaffer, dass Gold sich "nicht mehr zwingend invers zu den Zinsen" bewege. Zentralbanken und Privatanleger kauften unabhängig vom aktuellen Zinsausblick weiter Gold.

Hintergrund sei vor allem die veränderte geopolitische Lage. Staaten wie China oder die Türkei bauen ihre Goldreserven gezielt aus, um unabhängiger von US-Dollar und Euro zu werden. Laut Schaffer dient Gold dabei zunehmend als "sanktionssicheres Asset und als Alternative zu Dollar und Euro".

Zentralbanken treiben die Nachfrage

Vor allem Zentralbanken gelten derzeit als wichtiger Treiber am Goldmarkt. Die strategische Diversifikation der Währungsreserven sorgt für eine stabile Nachfrage - unabhängig von kurzfristigen Marktschwankungen. Gleichzeitig suchen Anleger angesichts geopolitischer Unsicherheiten und hoher Volatilität verstärkt nach liquiden und unabhängigen Wertspeichern.

Schaffer betont, dass Gold in Zeiten geopolitischer Fragmentierung genau diese Unabhängigkeit liefere. Die geringe Korrelation zu anderen Anlageklassen mache das Edelmetall zudem besonders attraktiv für die Portfolio-Stabilisierung.

Bereits in einem Interview mit dem Online-Magazin "das Investment" im Februar 2026 hatte Schaffer auf diesen Trend hingewiesen. "Gold hat sich in den letzten Jahren vom reinen Krisen-Versicherungs-Asset weg entwickelt und wird zunehmend als Core-Asset betrachtet," erklärte er. Besonders bemerkenswert sei dabei die stabilisierende Wirkung im Portfolio. "Gold ist aufgrund der niedrigen Korrelation zu anderen Asset-Klassen fast das Einzige, was Portfolios wirklich stabilisiert," fügte er hinzu.

Warum Gold-ETCs an Bedeutung gewinnen - und was das für Anleger bedeutet

Mit dem veränderten Anlegerverhalten wächst auch die Nachfrage nach börsengehandelten Goldprodukten. Die Börse Stuttgart Group reagiert darauf mit physisch hinterlegten Gold-ETCs wie EUWAX Gold Core oder EUWAX Gold Traceable. Letzteres setzt zusätzlich auf Transparenz bei Herkunft und CO2-Fußabdruck des Goldes.

Laut dem Interview verwaltet die Börse Stuttgart Commodities inzwischen mehr als fünf Milliarden Euro Kundengelder in Goldprodukten. Besonders institutionelle Investoren hätten ihre Gold-Allokationen zuletzt deutlich erhöht.

Der Trend zeigt: Gold wird heute nicht mehr nur als kurzfristiger Schutz vor Krisen gesehen. Vielmehr etabliert sich das Edelmetall zunehmend als strategischer Bestandteil langfristiger Vermögensallokationen - sowohl bei Zentralbanken als auch bei privaten und institutionellen Anlegern.

Für Anleger bedeutet der strukturelle Wandel im Goldmarkt vor allem eines: Gold wird zunehmend weniger als kurzfristiges Kriseninvestment eingeordnet und stärker im Kontext langfristiger Portfolioüberlegungen betrachtet. Da sich die Preisentwicklung immer stärker vom Zinsumfeld entkoppelt, rückt die strategische Allokation in den Vordergrund. Laut Börse Stuttgart gewinnen dabei liquide, physisch hinterlegte Gold-ETCs an Bedeutung, da sie einen einfachen und handelbaren Zugang zum Edelmetall ermöglichen und zugleich die Vorteile von physischem Gold mit der Flexibilität eines Börsenprodukts verbinden.

Bettina Schneider, Redaktion finanzen.net

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