17.08.2022 13:52

Milliardenverlust - Uniper verdirbt Fortum die Übernahme-Laune

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- von Tom Käckenhoff und Christoph Steitz

Düsseldorf (Reuters) - Der durch die Gaskrise taumelnde Energieriese Uniper hat im ersten Halbjahr einen Nettoverlust von 12,3 Milliarden Euro gemacht und damit den finnischen Mutterkonzern Fortum verschreckt.

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"Ich gehe nicht davon aus, dass wir sehr bald ein integrierter Teil des Fortum-Konzerns werden", sagte Uniper-Chef Klaus-Dieter Maubach am Mittwoch bei der Vorlage der Halbjahreszahlen. Vermutlich werde sich Fortum bei der Bilanz seiner Zahlen in der kommenden Woche dazu äußern, auf welche Weise der Konzern Unipers Kurs mitbestimmen wolle. Die Finnen halten rund 80 Prozent an dem Düsseldorfer Versorger, der durch die Gas-Lieferkürzungen Russlands in Schieflage ist.

Die Finnen hatten vor wenigen Jahren gegen heftigen Widerstand die Mehrheit an der früheren E.ON-Kraftwerkstochter übernommen. Richtig warm geworden sind die beiden Unternehmen nicht. Die Arbeitnehmervertreter Unipers befürchten, dass Fortum due deutsche Tochter zerschlagen will. Die Finnen dürften hingegen wenig Freude an der Tochter haben, für deren Rettung vor der Insolvenz auch sie Milliardenhilfen aufbringen müssen. Hinzu kommt, dass nach dem geplanten Einstieg des Bundes bei Uniper über eine Kapitalerhöhung der Anteil Fortums auf etwa 56 Prozent sinkt. Ein Sprecher Fortums in Deutschland lehnte eine Stellungnahme ab.

MAUBACH: UNIPER IST SPIELBALL DES UKRAINE-KRIEGS GEWORDEN

Uniper-Boss Maubach kritisierte das Vorgehen Russlands scharf und schloss nicht aus, den russischen Gaskonzern Gazprom für die Milliardenverluste haftbar zu machen. Vor dem Hintergrund des russischen Einmarschs in der Ukraine, sollte man sich eins vor Augen halten: "Wir bei Uniper sind de facto zum Spielball in diesem Konflikt geworden." Russland sei kein zuverlässiger Lieferant. "Russland setzt eine Verknappung von Gaslieferungen gezielt ein, um die Einheit des Westens herauszufordern."

Deutschlands größter Gasimporteur hofft nun dank des staatlichen Rettungspakets auf baldige Besserung. "Uniper leistet seit Monaten einen essenziellen Beitrag zur Stabilisierung der Gasversorgung in Deutschland - um den Preis von Milliarden-Verlusten, die uns durch die weggebrochenen Liefermengen aus Russland entstehen", sagte Maubach. Das habe die Bundesregierung erkannt und konsequent gehandelt. "Oberste Priorität für uns ist jetzt, das Stabilisierungspaket zügig umzusetzen."

Finanzchefin Tiina Tuomela setzt darauf, dass bereits im vierten Quartal die Verluste geringer ausfallen. Uniper betrachte die Jahre 2022 und 2023 als Übergangsjahre. "Für 2024 sehen wir Licht am Ende des Tunnels", betonte die Managerin. Der Konzern traut sich für 2022 keine klare Prognose zu, rechnet für das Geschäftsjahr aber mit deutlichen Verlusten. 2023 solle das Ergebnis verbessert und 2024 die Verlustzone verlassen werden. Den Markt begeisterte dies nicht. Die schon lange gebeutelte Aktie verlor zeitweise weitere acht Prozent.

Uniper kämpft mit den Folgen der reduzierten Gaslieferungen Russlands. Der Konzern türmt Milliardenverluste auf, da er die Ausfälle Russlands mit Gaskäufen auf dem teuren Spotmarkt ausgleichen muss. Von den Milliardenverlusten seien allein 6,5 Milliarden Euro auf die erwarteten Gaslieferunterbrechungen Russlands zurückzuführen. Hinzu kämen Wertminderungen in Höhe von 2,7 Milliarden Euro, darunter eine Abschreibung von rund einer Milliarde Euro auf die Beteiligung Unipers an der vorerst gescheiterten Gaspipeline Nord Stream 2.

BUND SOLL MIT 30 PROZENT EINSTEIGEN

Im Herbst soll auf einer außerordentlichen Hauptversammlung die Zustimmung der Aktionäre zu den Rettungsbeschlüssen eingeholt werden. Zunächst müsse die EU grünes Licht für die Pläne geben, sagte Finanzchefin Tuomela. Die Bundesregierung hat gemeinsam mit Fortum ein Rettungspaket auf den Weg gebracht. Es sieht vor, dass der deutsche Staat Uniper mit insgesamt 15 Milliarden Euro unterstützt und mit 30 Prozent bei Uniper einsteigt. Außerdem können Uniper und andere Gasimporteure ab Oktober auf die geplante Gasumlage zurückgreifen. Mit der Umlage in Höhe von 2,4 Cent je Kilowattstunden sollen alle Gaskunden an den Belastungen durch die russischen Lieferkürzungen beteiligt werden.

(Bericht von Tom Käckenhoff, redigiert von Olaf Brenner. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)

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