Lithium-Nachfrage boomt: Der unterschätzte Profiteur des KI-Hypes

Der KI-Boom treibt die Lithiumnachfrage und verändert den Markt. Neue Förderprojekte und Investitionen reagieren auf ein zunehmend angespanntes Umfeld.
Werte in diesem Artikel
• KI-Rechenzentren treiben die Lithium-Nachfrage stark an
• Die Batterienachfrage wächst im BESS-Segment deutlich stärker als im E-Auto-Bereich, dennoch entfällt der Großteil weiterhin auf die Elektromobilität
• Neue Förderprojekte in Afrika und den USA reagieren auf den steigenden Bedarf
KI-Boom treibt Lithium-Nachfrage
Der Ausbau Künstlicher Intelligenz sorgt für steigenden Bedarf an Lithium: Vor allem KI-Rechenzentren benötigen große Energiespeicher auf Basis von Lithium-Eisenphosphat-Batterien, um ihren hohen Stromverbrauch abzusichern, berichtet die CME Group. Zum Einsatz kommen dabei Battery Energy Storage Systems (BESS), die Strom aus erneuerbaren Energien oder dem Stromnetz speichern und bei Bedarf wieder abgeben - etwa bei hoher Nachfrage, Stromausfällen oder zur Stabilisierung des Stromnetzes. Auch Solar- und Windenergie profitieren davon, da überschüssiger Strom zwischengespeichert und später verkauft werden kann.
BESS und E-Mobilität stützen Lithiumnachfrage
Wie Daten des Forschungsinstituts Benchmark Minerals Intelligence zeigen, ist die Batterienachfrage aus BESS-Systemen im vergangenen Jahr um 51 Prozent gestiegen, während die Nachfrage aus dem Elektroautosektor lediglich um 26 Prozent zulegte. Denn noch entfallen weiterhin rund 75 Prozent der Batterienachfrage auf E-Mobilität.
Diese Faktoren führen zu einem Wandel am Markt: Statt eines Überangebots mit niedrigen Preisen zeichnet sich zunehmend ein Umfeld mit knapperem Angebot und steigenden Preisen ab, wodurch sich die Preise aus einer dreijährigen Schwächephase lösen, wie die CME Group berichtet. Die Lithiumpreise haben sich zuletzt deutlich erholt und stiegen in sechs Monaten um rund 120 Prozent auf etwa 20.000 US-Dollar je Tonne, heißt es weiter.
Lithium: Markt und Absicherung
Laut Castano von der CME Group rechnet Andy Leyland, Gründer von SC Insights für 2026 mit einem Nachfragewachstum von 24 Prozent, während das Angebot nur um 19 Prozent steigen dürfte: "Wir rechnen damit, dass sich der Markt in den kommenden zwei bis drei Jahren weiter verengt."
Die Dynamik zeigt sich auch an den Terminmärkten: Immer mehr Marktteilnehmer nutzen Lithium-Futures der CME Group zur Absicherung gegen Preisschwankungen. Getrieben wird diese Entwicklung vor allem von Lieferunterbrechungen sowie dem wachsenden Bedarf der Elektroautoindustrie, langfristige Beschaffungsstrategien abzusichern.
Der Boom beim Bau neuer KI-Rechenzentren durch Technologiekonzerne wie Amazon und Google sorgt für einen kräftigen Schub bei Energiespeichern: Nach Angaben der CME Group rechnen Analysten von BloombergNEF damit, dass die weltweite Energiespeicherkapazität 2026 die Schwelle von 100 Gigawatt überschreitet und innerhalb der nächsten zehn Jahre auf 200 Gigawatt anwächst.
"Außerhalb der USA kaufen die Menschen weiterhin Elektroautos. Die Fahrzeuge kommen verstärkt nach Südostasien und Südamerika und mit neuen Modellen erwarten wir dort noch schnelleres Wachstum", wie die CME Group unter Berufung auf Aussagen von Andy Leyland berichtet.
Neue Förderregionen im Aufbau
Um die Nachfrage zu decken, wird die weltweite Lithiumförderung ausgebaut. Dabei gewinnt Afrika zunehmend an Bedeutung: 2025 wurde dort erstmals mehr Lithium gefördert als im Rest der Welt - vor allem durch Projekte in Simbabwe und Mali sowie durch Zuwächse in Südafrika und Nigeria, wie die CME Group unter Verweis auf Analysten von Benchmark Mineral Intelligence berichtet. China finanziere die Expansion, um sich Rohstoffe für seine Batterieindustrie zu sichern und seine Rolle als weltweit größter Lithiumverbraucher abzusichern.
Auch die USA bauen demnach ihre Lithiumförderung aus, um die Abhängigkeit von chinesischen Batterien zu verringern: Im Fokus steht die Smackover-Formation, während in Nevada die "Thacker Pass Mine" Ende 2027 die Förderung von Lithium aus Ton beginnen soll. Zudem locken große Lithium-Solevorkommen Investitionen in der Region zwischen Arkansas und Florida: ExxonMobil investiert bis zu 20 Milliarden US-Dollar in emissionsärmere Bereiche, darunter Lithium-Infrastruktur, und will ab 2030 Material für rund eine Million Elektrofahrzeuge jährlich liefern. Standard Lithium und Equinor planen in Kanada zudem 1,5 Milliarden US-Dollar zu investieren, um eine Produktion von 22.500 Tonnen ab 2028 zu erreichen, heißt es weiter.
Risiken für Lithiumpreise
Trotz der aktuellen Dynamik warnen Experten vor möglichen Gegenbewegungen: Belastend wirken demnach vor allem Konkurrenz aus China und Fortschritte bei Batterietechnologien. "Es gibt enorme Anstrengungen, Batterien effizienter zu machen - und China hat dabei aktuell die besten Ansätze", sagt der Lithium-Experte Gonzalo Mondaca, auf den sich die CME Group bezieht. Auch der Batterieberater Kyle Gordon bei Roland Berger erwartet durch die Abschaffung der US-E-Auto-Förderung und gelockerten EU-Regeln beim Verbrennerausstieg zusätzlichen Druck auf die Nachfrage und weiter sinkende Preise in Richtung 17.000 US-Dollar.
Svenja Polonyi, Redaktion finanzen.net
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