Wegen US-Blockade

Situation verschärft sich erneut: Iran macht Straße von Hormus wieder dicht - Ölpreise im Fokus

18.04.26 18:29 Uhr

Neue Alarmzeichen im Persischen Golf: Iran sperrt Straße von Hormus wieder - Neuer Ölpreisanstieg voraus? | finanzen.net

Der Iran hat die am Vortag angekündigte Öffnung der Straße von Hormus wieder zurückgenommen. Als Grund wurde die anhaltende Blockade iranischer Häfen durch die USA genannt.

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Bereits in der Nacht zum Samstag hatte der Iran mit diesem Schritt gedroht, wenn die USA die Blockade nicht aufheben würden. "Mit der Fortsetzung der Blockade wird die Straße von Hormus nicht offen bleiben", schrieb Irans einflussreicher Parlamentspräsident Mohammed Bagher Ghalibaf auf der Plattform X.

In einer Erklärung vom Samstag heißt es nun, der Iran habe einer kontrollierten Durchfahrt einer begrenzten Anzahl von Öltankern und Handelsschiffen durch die Straße von Hormus zugestimmt. Die USA hätten dagegen ihre Blockade fortgesetzt. Aus diesem Grund sei die Kontrolle über die Straße von Hormus wieder in den früheren Zustand zurückgekehrt: Die strategisch wichtige Meerenge unterliege der strengen Verwaltung und Kontrolle der Streitkräfte. Daran ändere sich nichts, solange die Vereinigten Staaten die uneingeschränkte Bewegungsfreiheit von Schiffen vom Iran zu ihrem Bestimmungsort und von ihrem Bestimmungsort zurück in den Iran nicht wiederherstellten.

Iran: Hormus-Sperre als Hebel gegen Sanktionen

Der Iran nutzt die Sperrung der Straße von Hormus nach eigenen Angaben gezielt als politisches Druckmittel gegen internationale Sanktionen. Wie der Erste Vizepräsident Mohammed-Resa Aref laut Nachrichtenagentur Fars sagte, sei Teheran durch die Verwaltung der Meerenge in der Lage, allen wirtschaftlichen Strafmaßnahmen standzuhalten. Das Ende des Krieges mit den USA und Israel wird aus Sicht von Aref mit einem Ende der Sanktionen zusammenfallen.

Nach Auffassung des Vizepräsidenten liegt die Verwaltung der Wasserstraße völkerrechtlich in der alleinigen Verantwortung des Irans. Diese Aussage ist aber höchst umstritten und entspricht nicht der herrschenden internationalen Rechtsauffassung.

Der Iran unterliegt seit Jahren einem Geflecht von internationalen Strafmaßnahmen - unter anderem des UN-Sicherheitsrats, der USA und der EU. Die Sanktionen hängen unter anderem mit dem Atom- und Raketenprogramm sowie schweren Menschenrechtsverletzungen zusammen. Die USA begründen ihre Iran-Sanktionen auch mit Terrorismus, Unterstützung regionaler Stellvertreter sowie destabilisierenden Aktivitäten im Nahen Osten.

Iran drohte den USA vor erneuter Sperrung

Nach wochenlanger Blockade wegen des Iran-Kriegs hatte die Staatsführung in Teheran erst am Freitag erklärt, dass Öltanker und Handelsschiffe während der laufenden Waffenruhe durch die Meerenge fahren könnten. Die USA hielten aber ihre eigene Seeblockade aufrecht, die nur für Schiffe mit Start- oder Zielhafen im Iran gilt, wie Präsident Donald Trump betonte. Sie bleibe "bis zum vollständigen Abschluss unserer Vereinbarungen mit dem Iran" bestehen, schrieb er auf der Plattform Truth Social. In Teheran sorgte das für Empörung.

Der Sprecher des iranischen Außenministeriums, Ismail Baghai, hatte daraufhin den USA gedroht. "Die sogenannte Seeblockade stellt einen Verstoß gegen die Waffenruhe dar und wird eine angemessene Reaktion des Irans zur Folge haben", sagte er der Nachrichtenagentur Tasnim zufolge. Ghalibaf schrieb, ob die Straße geöffnet oder geschlossen sei und welche Bestimmungen gelten, werde vor Ort entschieden, "nicht durch soziale Medien". Trump habe falsche Behauptungen aufgestellt. Damit würden die USA auch in Verhandlungen nicht weiterkommen.

Die iranische Ankündigung zur Öffnung und die anschließende Kehrtwende sorgen für weitere Verwirrung um die seit Kriegsbeginn unsichere Lage in der Straße von Hormus. Etwa zeitgleich zur Ankündigung aus Teheran, die Straße von Hormus erneut zu schließen, teilte das irakische Ölministerium mit, dass man die Ölexporte in den kommenden Tagen wiederaufnehmen werde. "Wir haben Tanker und große Unternehmen kontaktiert, um Ölexporte zu vereinbaren, und die Tür steht allen Unternehmen offen", hieß es laut einem Bericht der irakischen Staatsagentur INA.

Ölpreise im Blick

Mit der erneuten Schließung der Straße von Hormus rücken auch die Ölpreise wieder in den Blick. Diese waren am Freitag deutlich gefallen, nachdem Signale aus dem Nahen Osten auf eine Entspannung und die Öffnung der Straße von Hormus hingedeutet hatten. Brent kostete am Freitagabend mit 90,21 US-Dollar zeitweise rund 8,15 Prozent weniger, der Preis für ein Barrel WTI bricht zeitweise um 11,10 Prozent auf 84,18 US-Dollar ein, nachdem er zuvor sogar um rund 13 Prozent abgesackt war. Nun dürfte es für die Preise jedoch voraussichtlich wieder stark aufwärts gehen.

Da ein erheblicher Teil der weltweiten Öl- und Gasexporte durch diese Meerenge transportiert wird, gilt ihre Blockade oder Beeinträchtigung als einer der größten Risikofaktoren für die Weltwirtschaft.

Trump: Iran kann uns nicht mit Straße von Hormus erpressen

US-Präsident Donald Trump lässt sich nach eigenen Angaben nicht von der iranischen Blockade der Straße von Hormus unter Druck setzen. Teheran gehe seit Jahren so vor - "damit können sie uns nicht erpressen", sagte er vor Journalisten im Weißen Haus. Trump betonte, dass beide Seiten weiterhin verhandelten. "Wir führen derzeit sehr gute Gespräche. Es läuft wirklich sehr gut", sagte er. Bis zum Ende des Tages könnte es einige neue Erkenntnisse geben.

Das US-Militär setzt nach eigenen Angaben die Seeblockade in der Straße von Hormus und in der Nähe der Meerenge indes weiter durch. Seit Beginn der Maßnahme hätten 23 Schiffe auf Anweisung der US-Streitkräfte ihren Kurs geändert oder seien umgekehrt, teilte das US-Regionalkommando Centcom auf der Plattform X mit. Die Seeblockade richtet sich gegen Schiffe mit einem iranischen Hafen als Start oder Ziel.

Centcom veröffentlichte ein Foto von einem Küstenkampfschiff im Arabischen Meer. Auf weiteren, auf Freitag datierten Bildern sind Kampfhubschrauber zu sehen, die über beziehungsweise in der Nähe der Straße von Hormus über dem Wasser fliegen. Im Hintergrund sind Handelsschiffe zu sehen. Die Soldaten sorgten "durch ihre sichtbare Präsenz für die Wahrung der Freiheit der Schifffahrt", hieß es dazu.

Reeder vermissen belastbare Sicherheitsgarantien

Die erneute Schließung der Straße von Hormus zeigt nach Einschätzung der deutschen Reeder, wie fragil und unübersichtlich die Lage ist. "Eine verlässliche und sichere Passage durch die Straße von Hormus ist unter diesen Bedingungen weiterhin nicht gewährleistet", teilte der Verband Deutscher Reeder (VDR) in Hamburg mit. Reedereien und Besatzungen benötigten stabile und international abgestimmte Rahmenbedingungen. "Ohne belastbare Sicherheitsgarantien kann es keine nachhaltige Normalisierung des Schiffsverkehrs in dieser für den Welthandel zentralen Region geben."

Revolutionsgarden stoppen Tanker in der Straße von Hormus

In der Straße von Hormus ist es nach Angaben eines Schiffsverfolgungsdienstes am Samstag zu einem Schusswechsel zwischen den iranischen Revolutionsgarden (IRGC) und indischen Handelsschiffen gekommen. Wie der Dienst TankerTrackers.com unter Berufung auf den maritimen Notrufkanal berichtet, drängten iranische Einheiten zwei Schiffe gewaltsam zurück. Betroffen sei unter anderem ein VLCC-Supertanker, der zwei Millionen Barrel (rund 272.000 Tonnen) irakisches Rohöl transportiert.

Die britische Behörde für die Sicherheit der Handelsschifffahrt (UKMTO) gab auf der Plattform X unter Berufung auf den Kapitän eines Schiffes bekannt, dass sich zwei Schnellboote der Revolutionsgarden-Marine einem Tanker genähert und Schüsse abgegeben hätten. Besatzungsmitglieder seien nicht verletzt worden. Auch Sachschäden seien nicht entstanden.

UKMTO teilte zudem mit, dass ein Containerschiff in dem Gebiet von einem "unbekannten Projektil" getroffen worden sei. Dabei seien einige Container beschädigt worden, zu einem Brand sei es aber nicht gekommen. Es war unklar, ob es sich um den Vorfall mit den indischen Schiffen handelte. In einem offenbar weiteren Vorfall meldete ein Kreuzfahrtschiff in dem Gebiet laut UKMTO ein "Platschen" in der Nähe des Schiffes - möglicherweise durch eine Rakete oder Drohne beim Aufschlag ins Wasser.

Der militärische Zwischenfall folgt unmittelbar auf den Widerruf der eintägigen Öffnung der Meerenge durch Teheran. Die Revolutionsgarden hatten für den Fall einer Missachtung der Sperre mit Konsequenzen gedroht.

Rasche Normalisierung war ohnehin nicht in Sicht

Auch nach der Ankündigung vom Freitag war in der für den globalen Energiehandel wichtigen Straße von Hormus eine rasche Normalisierung des Schiffsverkehrs nach Einschätzung von Datenanbietern und Branchenbeobachtern nicht in Sicht. Wie der Sender CNN unter Berufung auf Verkehrsdaten berichtet, passierten nach der kurzen offiziellen Freigabe durch Teheran lediglich fünf Frachtschiffe und ein leeres Kreuzfahrtschiff die Meerenge, jedoch keine Öltanker.

Nach Einschätzung von John-Paul Rodriguez, Experte für Seeschifffahrt an der Texas A&M University, hielten widersprüchliche Statusmeldungen Reedereien von der Durchfahrt ab. Rodriguez sagte dem Sender Al Jazeera: "Seit der Ankündigung haben Schiffe versucht, die Meerenge zu passieren. aber es sieht so aus, als würden viele von ihnen umkehren, weil die Lage unklar ist."

Ankündigungen im starken Kontrast zur Lage vor Ort

Der Iran hatte die Wasserstraße nach Beginn der militärischen Auseinandersetzungen mit Israel und den USA am 28. Februar 2026 gesperrt. Außenminister Abbas Araghtschi hatte dann am Freitag erklärt, die Passage sei im Zuge der Waffenruhe für den Handel geöffnet. Teheran knüpfte dies jedoch an Bedingungen. Schiffe müssen demnach eine Genehmigung der iranischen Revolutionsgarden (IRGC) einholen und auf fest vorgegebenen Routen verbleiben. Unklar war, ob sie auch eine Maut zahlen müssen.

Der Analysedienst Kpler schrieb auf der Plattform X, dass die politischen Ankündigungen beider Seiten stark von der operativen Realität abwichen. Eine Rückkehr zur Normalität und die Wiederherstellung des Vertrauens der Versicherungsmärkte werde Monate in Anspruch nehmen.

USA lockern erneut Sanktionen auf russisches Öl

Der Iran hatte die Straße von Hormus nach Beginn der amerikanisch-israelischen Angriffe am 28. Februar blockiert. Außenminister Abbas Araghtschi kündigte nun an, Handelsschiffen und Öltankern zunächst wieder die Durchfahrt zu erlauben. Er ließ offen, ob dem Iran dafür eine Mautgebühr gezahlt werden müsse. Unklar ist auch, wie sich die Ankündigung auf die Schifffahrt auswirkt. Hunderte Tanker und Frachtschiffe liegen im Persischen Golf fest. Der Konflikt um die wichtige Meerenge hat zu gestiegenen Energiepreisen geführt.

Um die globalen Energiemärkte zu beruhigen, lockern die USA jetzt ein weiteres Mal für einen Monat Sanktionen auf russisches Öl. Der Verkauf und die Lieferung von russischem Öl, das bis zur Nacht auf Freitag auf Schiffe geladen wurde, ist bis zur Nacht auf den 16. Mai (US-Ostküstenzeit) von US-Verboten ausgenommen, wie eine Behörde des US-Finanzministeriums mitteilte.

Carolin Ludwig, Redaktion finanzen.net mit Material von dpa-AFX

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