12.11.2021 13:08

EZB-Mitglieder bemühen sich um Dämpfung von Zinsfantasien

"Geduldig und umsichtig": EZB-Mitglieder bemühen sich um Dämpfung von Zinsfantasien | Nachricht | finanzen.net
"Geduldig und umsichtig"
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Angesichts zunehmender Zinsfantasien an den Finanzmärkten versuchen EZB-Führungsmitglieder die Erwartungen an eine frühzeitige Straffung der Geldpolitik zu dämpfen.
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Das litauische Ratsmitglied Gediminas Simkus betonte am Freitag, die Inflationsrate dürfte 2023 wieder unter den Zielwert der Europäischen Zentralbank sinken, womit die von der EZB festgelegten Bedingungen für eine Zinserhöhung nicht erfüllt sein dürften. Auch sein finnischer Kollege Olli Rehn betonte, die Notenbank bleibe trotz der erhöhten Inflation bei ihrer Linie, "geduldig und umsichtig" vorzugehen. Am Geldmarkt wird jedoch mittlerweile damit gerechnet, dass die EZB bis Ende nächsten Jahres zwei Zinserhöhungen beschließen wird.

Die Teuerungsrate im Euro-Raum lag im Oktober mit 4,1 Prozent so hoch wie seit über 13 Jahren nicht mehr. Die EZB geht jedoch davon aus, dass der Preisschub vor allem auf temporären Faktoren im Zuge der Corona-Krise beruht und 2022 nachlassen wird. Sei strebt eine Inflationsrate von zwei Prozent an. Die Hüter des Euro stehen international jedoch nicht allein mit dem Inflationsproblem da. In den USA kam es im Oktober zu einem noch weit kräftigeren Preisschub von 6,2 Prozent. "Angesichts der anhaltend starken Inflationsdynamik rechnet der Markt zunehmend mit einer schnelleren Zinswende in den USA, während die meisten US-Notenbankmitglieder einen ersten Zinsschritt weiter erst gegen Ende 2022 oder Anfang 2023 erwarten", erläutert Commerzbank-Analyst Hauke Siemßen.

ZINSERHÖHUNG MUSS SICH EINREIHEN

Im Hinblick auf den Ausstieg der EZB aus der ultra-lockeren Geldpolitik stehe neben dem vom Geldmarkt erwarteten ersten Zinsschritt im September 2022 die Debatte um das sogenannte "Sequencing" im Fokus, also der Reihenfolge bei der geldpolitischen Normalisierung.

Konkret geht es um den Umfang des geldpolitischen Steuerungsinstruments APP nach Ende des in der Corona-Krise aufgelegten Anleihenprogramms PEPP. Letzteres dürfte nach Signalen von EZB-Chefin Christine Lagarde im Frühjahr auslaufen. Die Notenbank will im Dezember entscheiden, wie es danach weitergeht. In Fachkreisen wird spekuliert, dass das kleinere EZB-Anleihenprogramm APP in der einen oder anderen Form weitergeführt wird. Die monatlichen Kaufvolumina von 20 Milliarden Euro fallen derzeit deutlich geringer aus als die des PEPP mit einem gewaltigen Gesamtvolumen von 1,85 Billionen Euro.

Die EZB hat den Märkten in einer als Forward Guidance bekannten Orientierungslinie signalisiert, dass zuerst der Ausstieg aus den Anleihekaufprogrammen abgeschlossen werden soll, bevor der erste Zinsanstieg folgt. "Würde der erste Zinsschritt - wie am Markt erwartet - allerdings bereits im September nächsten Jahres erfolgen, müssten die Anleihekäufe vergleichsweise abrupt beendet werden, was wir für unwahrscheinlich halten", sagte Analyst Siemßen.

EZB-Ratsmitglied Simkus wies nun ausdrücklich darauf hin, dass ein Zurückfallen der Inflationsrate unter das Zwei-Prozent-Ziel im Jahr 2023 nicht mit der Orientierungslinie der EZB für eine Zinserhöhung vereinbar sei. Darin signalisiert die Notenbank, dass sie ihre Leitzinsen solange auf dem aktuellen oder einem noch tieferen Niveau halten will, bis zu sehen ist, dass die Inflation zwei Prozent erreicht und dann erst einmal so bleibt.

Als zusätzliches Kriterium wird gefordert, dass sich die schon erreichten Fortschritte bei der sogenannten unterliegenden Inflation so deutlich abzeichnen, dass eine mittelfristige Stabilisierung der Inflation bei zwei Prozent plausibel erscheine. Mit unterliegender Inflation ist im Fachjargon der Preisdruck gemeint, bei dem schwankungsanfällige Bestandteile und Sonderfaktoren ausgeklammert werden - etwa Energie- oder Lebensmittelpreise oder auch die durch den derzeitigen Materialmangel ausgelösten Kostenschübe.

Den Leitzins hält die EZB auf dem Rekordtief von 0,0 Prozent - den Einlagesatz bei minus 0,5 Prozent. Die Geldhäuser müssen damit Strafzinsen zahlen, wenn sie überschüssige Gelder bei der Notenbank parken.

Frankfurt/Berlin (Reuters)

Bildquellen: DANIEL ROLAND/AFP/Getty Images, Petronilo G. Dangoy Jr. / Shutterstock.com

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