Trotz Druck von Trump: US-Notenbank Fed tastet Leitzins nicht an

Die US-Notenbank Federal Reserve hat am Mittwoch zum erstem Mal im noch jungen Jahr 2026 über ihren Leitzins entschieden. Das Ergebnis überrascht nicht.
• US-Notenbank hält Leitzins stabil
• Spanne weiter zwischen 3,50 und 3,75 Prozent
• Powell-Rede angesichts Trump-Druck besonders beachtet
Die US-Notenbank Federal Reserve hat die Leitzinsen bei ihrer Sitzung im Januar nicht angetastet. Wie die Währungshüter am Mittwoch mitteilten, liegt der wichtige Zinssatz somit weiterhin in der Spanne zwischen 3,50 und 3,75 Prozent. Diese Entscheidung war am Markt allgemein erwartet worden, nachdem bereits das Ende Dezember veröffentlichte Fed-Protokoll Zurückhaltung bei weiteren Zinssenkungen signalisiert hatte.
Zuletzt hatte die Fed den wichtigen Zinssatz im Dezember um 0,25 Prozentpunkte reduziert. Insgesamt war der US-Leitzins damit im vergangenen Jahr um 0,75 Prozentpunkte gesunken. Begründet wurden die Senkungen damals auch mit einem sich abschwächenden Arbeitsmarkt.
Für das laufende Jahr rechnen Volkswirte damit, dass die Fed den Leitzins in zwei Schritten senken dürfte - also bis auf 3,0 bis 3,25 Prozent. Bis zum Sommer dürfte sich allerdings kaum etwas am derzeitigen Leitzins ändern, vermutet LBBW-Research-Analyst Elmar Völker: "Wir rechnen derzeit nicht vor der Fed-Sitzung im Juni, der ersten unter Leitung des Nachfolgers von Jerome Powell, mit einer erneuten Leitzinssenkung."
Die Fed mit Sitz in Washington begründete ihre Zinsentscheidung damit, dass sich die Arbeitslosenquote stabilisiert habe, während die Inflation weiter auf einem erhöhtem Niveau liegt. Diese Kombination rechtfertige keine Zinssenkung. Michael Heise, Chefökonom von HQ Trust, merkte an, dass die Beibehaltung des Zinses eher keine Demonstration der Unabhängigkeit der Notenbank gewesen sein dürfte. Für eine Beibehaltung stimmten insgesamt zehn Mitglieder des Zentralbankrates.
Zwei Trump-nahe Stimmen für eine Zinssenkung
Lediglich der Fed-Gouverneur Christopher Waller und Trumps Berater Stephen Miran sprachen sich wie bei früheren Abstimmungen für eine Senkung aus. Miran war von Trump für eine vakante Stelle im Fed-Vorstand nominiert worden in der Hoffnung, dass der Präsident dadurch schneller seine geforderten Zinssenkungen erreicht.
Waller wird als einer von mehreren Nachfolgekandidaten für den Chefposten bei der Fed gehandelt, der ebenfalls von Trump nominiert werden müsste. Der Präsident wollte noch bis Ende des Monats seinen Favoriten bekannt geben. Neben Waller ist auch Trumps Wirtschaftsberater Kevin Hassett im Gespräch. Powells Amtszeit endet diesen Mai. Danach könnte er als Gouverneur weiterhin im Fed-Vorstand verbleiben - ob das dazu tatsächlich kommt, ist offen. Powell sagte bei einer Pressekonferenz, dass er darüber noch nicht entschieden habe.
Viel kritisierte Ermittlungen gegen Fed-Chef Powell
Zuletzt hatte sich der Konflikt zwischen Trump und der Notenbank weiter zugespitzt: In einer äußerst seltenen Stellungnahme wies Powell strafrechtliche Ermittlungen gegen ihn und eine drohende Anklage als Versuch der Einflussnahme auf die Arbeit der Fed zurück. "Die Drohung mit einer Anklage ist eine Folge davon, dass die Federal Reserve die Zinssätze nach bestem Wissen und Gewissen im öffentlichen Interesse festlegt und nicht den Präferenzen des Präsidenten folgt", sagte Powell. Er werde sein Amt weiter "integer und im Dienste des amerikanischen Volkes ausführen".
Powell zufolge stellte das US-Justizministerium der Fed Vorladungen zu und drohte mit einer Anklage. Powell soll im Zusammenhang mit der mehrjährigen und kostspieligen Sanierung von Gebäuden der Zentralbank in Washington vor dem Senat Falschaussagen gemacht haben, so der Vorwurf. Die zuständige Staatsanwältin spielte den Fall herunter: Außer Powell habe niemand das Wort "Anklage" in den Mund genommen.
Notenbankchefs solidarisieren sich mit Powell
Notenbankchefs weltweit stellten sich hinter Powell - etwa Bundesbank-Präsident Joachim Nagel: "Das ist ein Unding", sagte er. Nagel sagte, er kenne Powell gut und schätze ihn sehr. "Er macht für die USA nach wie vor eine sehr gute Geldpolitik und ist grundanständig."
Den Ermittlungen waren monatelang Angriffe Trumps gegen Powell vorangegangen. Der Präsident will um jeden Preis einen besonders niedrigen Leitzins durchgesetzt sehen und macht den Notenbankchef höchstpersönlich dafür verantwortlich, dass die Fed den Zins bislang nur zögerlich lockerte. In der Folge beleidigte Trump Powell regelmäßig und verlangte seine Entlassung.
Warum Trump Zinsentscheidungen nicht manipulieren darf
Würde ein US-Präsident auch die Leitzinsentscheidung manipulieren, so wäre das Vertrauen an den Finanzmärkten weltweit nachhaltig zerstört. Der geldpolitische Kurs wird für gewöhnlich ausschließlich auf Basis vorhandener Daten festgelegt, unabhängig der politischen Ausrichtung einer Regierung. Trumps ständige Angriffe auf die Fed und der dadurch befürchtete Schaden der Zentralbank hatten zuletzt den US-Dollar und amerikanische Staatsanleihen belastet. Investoren suchen daher zunehmend nach Alternativen und setzten verstärkt auf Gold.
Mit ihren Zinsentscheidungen will die Fed einen Kompromiss zwischen stabilen Preisen und möglichst vielen Vollbeschäftigten finden. Ist der Leitzins zu hoch, bremst er die Wirtschaft aus etwa wegen zu hoher Kreditkosten. Ein niedrigerer Zins stimuliert zwar Wachstum und den Arbeitsmarkt, kann aber die Inflation anheizen.
Nicht nur Fed-Chef in Trumps Visier
Powell ist nicht das einzige Fed-Vorstandsmitglied, gegen das die Trump-Regierung vorgeht: Das Oberste US-Gericht prüft derzeit, ob die Vorständin Lisa Cook entlassen werden darf oder nicht. Richterinnen und Richter aus beiden politischen Lagern äußerten zuletzt Skepsis gegenüber den Vorwürfen der Regierung, Cook habe vor ihrem Amtsantritt bei Hypothekengeschäften falsche Angaben gemacht. Sie betonen die besondere verfassungsrechtliche Stellung und Unabhängigkeit der Federal Reserve. Powell bezeichnete den Fall sogar als "vielleicht wichtigsten in der 113 Jahre langen Geschichte der Fed".
Starker Euro gut für Verbraucher - aber schlecht für Exporteure
Der schwache Dollar ist für Verbraucher in Europa eine gute Nachricht, denn US-Importe und Waren wie Erdöl, die in Dollar gehandelt werden, werden damit billiger. Deutsche und Bürger anderer Euroländer, die eine Reise in die USA planen oder beim Online-Shopping in Dollar bezahlen, bekommen derzeit mit rund 1,19 Dollar pro Euro etwas mehr umgetauscht als noch vor wenigen Tagen.
Dagegen belastet der starke Euro gerade deutsche Exporteure, weil ihre Produkte so in den USA teurer werden. Auch die EZB, die am kommenden Donnerstag wieder über die Leitzinsen entscheidet, beobachtet den starken Euro genau. Denn er dämpft über billigere Importe die Inflation, die 2026 das EZB-Ziel von 2,0 Prozent im Euroraum ohnehin leicht unterschreiten könnte. Manche Notenbanker wie das österreichische EZB-Ratsmitglied Martin Kocher sehen bei einem weiteren Aufwerten des Euros Handlungsdruck für eine Zinssenkung. EZB-Vize Luis de Guindos hatte einen Euro-Kurs von 1,20 zum Dollar früher als kritische Marke dargestellt.
Dollar-Schwäche für Trump kein Problem
US-Präsident Trump hatte sich unbeirrt von der jüngsten Schwäche der Landeswährung gezeigt. Stattdessen behauptete er, dass sich der Dollar "hervorragend" entwickelt habe. Auf die Frage eines Journalisten, ob er sich Sorgen über den Kursverlust mache, antwortete Trump: "Nein, ich glaube, es ist großartig." Er verwies auf die Geschäfte, die die USA machten, ohne Details zu nennen.
Kurz nach Bekanntwerden der Kommentare stieg der Euro gegenüber dem Dollar, in der Folge bekam man für einen Euro gut 1,20 Dollar. Auch Gold legte zum US-Dollar kräftig zu und erreichte ein Rekordhoch.
Das Nachsehen haben indes die US-Amerikaner, für die Reisen ins Ausland tendenziell teurer werden. Für Importe, die nicht in Dollar beglichen werden, zahlen US-Unternehmen nun etwas mehr als noch vor ein paar Tagen.
Volkswirte rechnen damit, dass Fed Leitzins weiter unberührt lässt
Für das laufende Jahr rechnen Volkswirte damit, dass die Fed den Leitzins in zwei Schritten senken dürfte - also bis auf 3,0 bis 3,25 Prozent. Bis zum Sommer dürfte sich allerdings kaum etwas am derzeitigen Leitzins ändern, vermutet LBBW-Research-Analyst Elmar Völker: "Wir rechnen derzeit nicht vor der Fed-Sitzung im Juni, der ersten unter Leitung des Nachfolgers von Jerome Powell, mit einer erneuten Leitzinssenkung." Redaktion finanzen.net / dpa-AFX / Dow Jones Newswires
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