Geldnot während Corona-Pandemie

Corona-Krise: Diese neuen Regelungen gelten für Miete, Rechnungen und Abos

Die Corona-Krise ist in Deutschland deutlich zu spüren: Viele Betriebe melden Kurzarbeit an, die Arbeitnehmer erhalten weniger Lohn, nicht alle Geschäfte dürfen öffnen. Was also können Sie tun, wenn Sie deswegen Ihre Rechnungen nicht mehr bezahlen können? Wir verraten Ihnen, welche Sonderregelungen es gibt.

Corona-Krise - Sparschwein mit Mundschutz

Zahlungsaufschub in der Corona-Krise - Zusammengefasst

Deutschland hat neue Regelungen in Bezug auf Zahlungsfristen während der Corona-Krise beschlossen.
Miete, Strom, Internet oder Telefon - diese Rechnungen können nun bis zu drei Monate verschoben werden.
Aber: Sie müssen darlegen, dass Sie unmittelbar von der Corona-Krise betroffen sind und deshalb Ihre Rechnungen nicht bezahlen können.
Tipp: Auch Abonnements, wie die Mitgliedschaft in einem Fitness-Studio, können pausiert werden.

Zahlungsaufschub in der Corona-Krise - Empfehlungen

Wenn Sie von Kurzarbeit oder gar Verdientsausfällen betroffen sind, sollten Sie Rechnungen priorisieren - und zuerst die wichtigsten begleichen.
Unsere Empfehlung: Sprechen Sie mit Ihrem Vermieter, der Bank oder sonstigen Anbietern, bevor Sie die Zahlungen einfach stoppen. Einigen Sie sich auf eine einvernehmliche Lösung.
Pausieren Sie nicht einfach so Beitragszahlungen in Fitness-Studios oder sonstigen Einrichtungen, wenn es nicht unbedingt notwendig ist - das könnte für die Betreiber den wirtschaftlichen Ruin bedeuten.

Wenn Corona Existenzängste verursacht …

Das Coronavirus hat die gesamte Welt fest im Griff. Es gibt kaum ein Land, das nicht von den Maßnahmen zur Eindämmung des Virus betroffen ist. Doch eben diese Maßnahmen stürzen die Wirtschaft und die Menschen in die Krise. Alleine in Deutschland haben bis Mitte April 2020 über 725.000 Betriebe Kurzarbeit angemeldet – Tendenz steigend. Das ist nicht nur rein wirtschaftlich gesehen eine Katastrophe, die Corona-Maßnahmen treffen auch die Menschen hart, die beispielsweise Kurzarbeit antreten müssen. Kurzarbeiter erhalten lediglich 60 Prozent ihres normalen Lohns, haben sie Kinder, dann gibt es 67 Prozent.

Das reicht oft gerade einmal aus, um die Fixkosten zu decken, denn im Schnitt gibt jeder Deutsche 30 Prozent seines Einkommens nur für die Miete aus – in Ballungsräumen wie Berlin, München oder Hamburg sogar noch mehr. Auch Singles geben deutlich mehr als 30 Prozent für die Mieten aus. Doch was tun, wenn man sich das plötzlich nicht mehr leisten kann? Gibt es besondere Regelungen, die während der Corona-Krise greifen?

Ja, denn Ende März 2020 hat der Bundesrat in Deutschland Gesetzespakete verabschiedet, die die Menschen hierzulande unterstützen sollen. In unserem Ratgeber erklären wir Ihnen, welche neuen Regelungen ab dem 1. April 2020 gelten und was Sie tun können, wenn Sie in Zahlungsschwierigkeiten geraten.

Corona-Krise: Neues Gesetz soll Mietern helfen

Normalerweise dürfen Vermieter ihren Mietern fristlos kündigen, wenn sie von ihnen zwei Monate lang keine Miete erhalten haben. Das gilt jedoch nicht für Mietrückstände vom 1. April bis zum 30. Juni 2020. Wer aufgrund der Corona-Pandemie seine Miete in dem genannten Zeitraum nicht bezahlen kann, darf nicht gekündigt werden. Das hat der Bundesrat Ende März beschlossen. So sollen die Menschen geschützt werden, die jetzt besonders stark von der Corona-Krise betroffen sind. Das gilt übrigens auch für Mieter und Pächter von Geschäftsräumen.

Das bedeutet natürlich nicht, dass jeder seine Mietzahlungen nun einfach wahllos stoppen und es auf die Corona-Pandemie schieben kann. Der Mieter muss glaubhaft begründen, warum er das Geld dafür nicht aufbringen kann.

Aber: Die Miete muss nachgezahlt werden. Auch dafür gibt es eine Frist von der Bundesregierung: Erst wenn der Mieter oder Pächter die versäumten Beträge bis zum 30. Juni 2022 nicht bezahlt hat, darf der Vermieter ihm kündigen.

Mietrückstände während Corona-Pandemie - Gründe

Kurzarbeit
Kompletter Verdienstausfall. Betroffen sind davon zum Beispiel die Kunst- und Kulturbranche oder Selbstständige.
Keine Einnahmen, wie es bei Gastronomen der Fall sein kann.
Sonstige glaubhafte Gründe, die auf die Corona-Pandemie zurückzuführen sind.

Der Vermieter kann seinen Mietern nicht wegen ausstehender Zahlungen von April bis Juni 2020, jedoch sehr wohl aufgrund von anderen Gründen weiterhin kündigen – zum Beispiel wegen Eigenbedarf. Die neuen Regelungen sind lediglich dafür gedacht, Kündigungen zu vermeiden bevor die staatlichen Hilfsprogramme angelaufen sind.

Arbeiten in Zeiten des Coronavirus - schon gewusst?

Alle Menschen spüren die Auswirkungen des Coronavirus und das nicht nur in ihrer Freizeit, sondern eben auch während der Arbeit. Ob Kurzarbeit, Homeoffice oder strenge Hygienemaßnahmen im Betrieb - die Arbeitsbedingungen haben sich stark geändert. In unserem Ratgeber zum Arbeitszeitgesetz lesen Sie, welche Regelungen es dazu im Bezug auf das Coronavirus gibt.

Corona-Krise: Welche Zahlungen jetzt aussetzen?

Wenn Sie unmittelbar von der Corona-Krise betroffen sind, können Sie nicht nur die Mietzahlungen aufschieben, sondern auch weitere Rechnungen. Verbraucher erhalten ein zeitlich befristetes Leistungsverweigerungsrecht. Dies bedeutet, dass Menschen, die unter den Auswirkungen der Corona-Maßnahmen leiden, die Zahlungen für existenzsichernde Verträge der Grundversorgung bis vorerst zum 30. Juni 2020 aufschieben dürfen – dazu gehören Leistungen wie Strom, Wasser, Telefon oder Internet. Doch was bedeutet das genau?

Das heißt, dass Sie trotz Nichtzahlen nicht in Zahlungsverzug geraten und der Anbieter Ihnen keine Mahn- oder gar Inkassokosten berechnen, nicht gerichtlich gegen Sie vorgehen und Ihnen auch deswegen nicht kündigen darf. Natürlich darf der Anbieter Ihnen dann auch weder Strom, Internet noch sonstiges abstellen. Das gilt allerdings nur für Verträge, die vor dem 8. März 2020 geschlossen wurden, denn zu diesem Zeitpunkt waren die Auswirkungen der Corona-Pandemie in Deutschland noch nicht absehbar.

Vorsicht: Auch hier müssen Sie beweisen, dass Sie unter der Corona-Krise leiden. Das heißt, es muss einer der bereits oben genannten Gründe auf Ihre Situation zutreffen.

Kredite während Corona-Pandemie pausieren

Auch Verbraucherkredite können während der Corona-Krise aufgeschoben werden. Als Verbraucherkredit werden Darlehen bezeichnet, die zu privaten Zwecken aufgenommen wurden. Das gilt sowohl für Kleinkredite, zum Beispiel für ein Smartphone als auch für ein Auto oder eine Immobilie, die vor dem 15. März 2020 geschlossen wurden. Wer aufgrund der Corona-Pandemie den Kredit nicht wie vereinbart zurückzahlen kann, muss vom 1. April 2020 bis zum 1. Juli 2020 keine Rückzahlungs-, Zins- oder Tilgungsleistungen erbringen. Auch kann die Bank den Kredit deswegen nicht kündigen. Darlehen unter 200 Euro sind von den Regelungen jedoch ausgeschlossen.

In jedem Fall sollten Sie vor dem Aussetzen einer Zahlung mit Ihrer Bank sprechen. Die Bank kann einen Nachweis darüber verlangen, ob Sie wirklich von der aktuellen Situation betroffen sind – zum Beispiel ein Schreiben vom Arbeitgeber.

Kredit pausieren: Wie geht es nach der Corona-Pandemie weiter?

Nach Abklingen der Pandemie können Sie mit der Bank auch vereinbaren, wie es mit den Kreditzahlungen weitergeht. So kann sich der Vertrag zum Beispiel um die Monate verlängern, in denen Sie das Darlehen nicht bezahlen konnten. Damit kann eine Doppelbelastung verhindert werden.

Tipp: Das Bundesministerium für Justiz und für Verbraucherschutz hat auf seiner Internetseite die wichtigsten Fragen zum Thema Corona zusammengefasst und beantwortet.

Kredite während Corona-Pandemie - das sollten Sie wissen

Darlehensrückzahlungen können während der Corona-Pandemie pausiert werden.
Dazu zählen bislang nur Verbraucherkredite - also solche, die für private Zwecke aufgenommen wurden.
Die Regelung gilt vom 1. April bis zum 1. Juli 2020 und betrifft Kredite, die vor dem 15. März 2020 abgeschlossen wurden.
Unternehmensdarlehen sind davon ausgeschlossen.

Abos in der Corona-Krise kündigen – geht das?

Das öffentliche Leben ist seit Mitte März 2020 in Deutschland lahmgelegt. Konzerte wurden verboten, Fitness-Studios geschlossen und auch Theater, Museen oder Zoos wurden dicht gemacht. Bei einzelnen Veranstaltungen gab es bereits vor der Coronavirus-Pandemie klare Regeln: Wenn diese aus irgendeinem Grund nicht stattfinden können, muss der Veranstalter das Geld zurückerstatten. Anders sieht es bei bestehenden Abonnements aus. Wer ein Abo für ein Theater oder ein Fitness-Studio abgeschlossen hat, fragt sich nun zurecht, ob er die Zahlungen nicht einfach einstellen kann, wenn er schließlich keine Leistungen dafür bekommt. Doch das gestaltet sich von Fall zu Fall unterschiedlich.

Fitness-Studio wegen Corona kündigen

Gerade in Fitness-Studios sind Jahresverträge üblich – je länger man sich bindet, umso weniger kostet der monatliche Beitrag. Daher entscheiden sich viele gleich für einen Vertrag über einen Zeitraum von ein oder gar zwei Jahren. Dass das Fitness-Studio plötzlich geschlossen wird, damit rechnen weder Betreiber noch Kunden. Doch können Sie den Vertrag nun einfach so kündigen?

Die Antwort ist: Nein! Eine außerordentliche Kündigung in Bezug auf die Corona-Krise ist aktuell nicht möglich. Was allerdings viele Fitness-Studio-Betreiber anbieten ist, den monatlichen Beitrag zu pausieren. Sobald diese wieder öffnen dürfen, läuft der Vertrag wie gewohnt weiter. Wer bereits einen Jahresbeitrag im Voraus bezahlt hat, hat einen Anspruch auf Teilerstattung. Am besten informieren Sie sich in Ihrem Fitness-Studio darüber, welche Möglichkeiten angeboten werden.

Viele Fitness-Studios wurden in Zeiten von Corona einfallsreich: So bieten sie zum Beispiel online eigenen Trainingsprogramme, Beratungen und sogar Live-Fitness-Kurse an, um den Kunden Ersatzleistungen zu bieten. Pausieren Sie Ihren Vertrag, werden Sie eventuell auch keinen Zugang mehr zu diesen Leistungen haben.

Doch es gibt ein Licht am Ende des Tunnels: Denn in den ersten Bundesländern eröffnen Fitness-Studios bereits langsam wieder unter Auflagen: In NRW ab dem 11. Mai, in Hessen ab dem 15. Mai und in Rheinland-Pfalz dürfen die Studios ab dem 27. Mai wieder öffnen. Auch in Baden-Württemberg rechnen die Betreiber mit Öffnungen ab dem 31. Mai. Wie es in weiteren Bundesländern aussieht, ist noch nicht bekannt.

Wichtig: Fitness-Studios sind auf die Beiträge Ihrer Mitglieder angewiesen. Wenn zu viele Kunden ihre Mitgliedsbeiträge zurückziehen, gibt es nach der Corona-Krise vielleicht nur noch sehr wenige Fitness-Studios, in denen Sie trainieren können.

Abos für Kultur- und Sportevents: Theater, Museen und Vereine

Noch schwieriger verhält es sich mit Dauerkarten für kulturelle Einrichtungen oder den Lieblingsverein. Denn hier wird der Preis nicht an einzelnen Veranstaltungen oder Spielen bemessen – dazu zählen Abonnements für Sportvereine, Museen, Theater aber auch Zoos. Hier ist es ratsam, einfach nachzufragen und auf die Kulanz der Einrichtungen zu hoffen. Gelegentlich sind auch in diesen Fällen Erstattungen möglich.

Anders verhält es sich bei Theaterkarten für mehrere Veranstaltungen: Wenn Sie zum Beispiel eine Karte für zehn Vorstellungen gekauft haben, kommt es darauf an, ob diese in dem genannten Zeitraum stattfinden können. Wenn nicht, haben Sie ähnlich wie bei Konzerttickets einen Anspruch auf Rückerstattung.

Hinweis: Langsam dürfen auch Museen, Zoos und weitere kulturelle Einrichtungen wie Kunstausstellungen wieder öffnen. Für Theater gibt es allerdings noch keine konkreten Öffnungstermine.

Corona legt Sportsender lahm: Sky-Abos und andere Pay TV-Sender kündigen

Wozu brauche ich Sportsender, wenn keine Spiele stattfinden? Auch Sky, DAZN und Co. stehen aktuell in der Krise. Doch auch die Sender haben auf die Corona-Maßnahmen reagiert und bieten Ihren Kunden einen Ersatz an.

 
Sky-Abo: Der wohl bekannteste Pay TV-Anbieter hat auf die Corona-Krise schnell reagiert. Kunden, die ein reines Abo für die Sportsender hatten, dürfen nun kostenlos auf das restliche Sky-Programm zugreifen – so können sie zum Beispiel nun zusätzlich zahlreiche Serien und Filme streamen. Auf den Sportsendern laufen stattdessen Best-Of-Zusammenfassungen oder legendäre Spiele. Denn im Gegensatz zu anderen Anbietern kann man ein Sky-Abo nicht einfach monatlich kündigen, sondern hat eine Kündigungsfrist von zwei Monaten zum Ende der Laufzeit. Ein Sonderkündigungsrecht haben Kunden aufgrund der Corona-Krise nicht.
 
 
DAZN: Bei DAZN konnten die Kunden bereits vorher monatlich kündigen. Doch damit dem Pay TV-Anbieter während der Corona-Pandemie nicht komplett die Kunden davonrennen, bietet auch er ein Ersatzprogramm an. Es werden legendäre Spiele, Dokus und Interviews ausgestrahlt.

Wichtig: Die Bundesliga startet Mitte Mai wieder in die Saison – allerdings nur mit Geisterspielen. Dann dürfte sich das Thema für Pay-TV-Abonnenten erledigt haben. Aber auch Nicht-Abonnenten kommen in den Genuss der Fußball-Konferenzen. Denn wie Sky ankündigt werden alle fünf Begegnungen am Samstag (16. Mai) in der live Konferenzschalte auf dem Free-TV-Sender „Sky Sport News HD“ übertragen. Ob Sky das auch bei den nächsten Spielen handhaben wird, ist jedoch unwahrscheinlich.

Rechnungen in der Corona-Krise - das sollten Sie tun

1
Zuerst sollten Sie die wichtigsten Rechnungen bezahlen, zum Beispiel Miete oder Strom.
2
Ausgaben wie Miete, Darlehenstilgungen und sogar Strom, Internet und Telefon können Sie zur Not für bis zu drei Monate aufschieben.
3
Haben Sie Abos, die Sie eventuell auch pausieren können? Dann einigen Sie sich mit den jeweiligen Anbietern.
4
Überlegen Sie sich genau, ob Sie Zahlungen aufschieben oder sogar pausieren wollen - vielleicht tut der fehlende Beitrag dem Fitness-Studio Betreiber mehr weh als Ihnen.

Beitrag verfasst von:

Jana Buch

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Bildquelle: NAR studio / shutterstock.com

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