Das Wichtigste in Kürze
Keine Zeit den ganzen Artikel zu lesen? Hier sind die Kernpunkte für dich:
- HANetf bringt einen neuen ETF an den Start: Den HANetf Ukraine Reconstruction UCITS ETF (ISIN: IE000R8PO127)
- Zugang zu einem großen Infrastrukturprogramm: Der ETF fokussiert sich auf den Wiederaufbau der Ukraine. Das Vorhaben hat ein Volumen von mehr als einer halben Billion Dollar.
- Zugang zu ukrainischen Börsengängen: Der Themen-ETF kann sich anpassen und (auch ukrainische) Unternehmen aufnehmen, sobald sie an der Börse gelistet sind.
- Osteuropa als Anlageregion: Osteuropa wird als Anlageregion immer interessanter. Mit dem Amundi MSCI EM Eastern Europe ex Russia (ISIN: LU1900066462) gibt es einen ETF auf die Region.
- HANetf Drohnen ETF: Letzte Analyse verpasst? Hier geht´s zum HANetf Drone UCITS ETF (ISIN: IE0003XW12I8) Artikel.
HANetf aus London ist auf Themen-ETFs spezialisiert. Zuletzt machte der Emittent vor allem durch seine regionalen Rüstungs-ETFs und den jüngsten Drohnen-ETF von sich reden. Nun wollen sich die Londoner einem weiteren Thema widmen, das militärische Auseinandersetzungen, eher gesagt deren Folgen adressiert: Dem Wiederaufbau der Ukraine. Das Aufbauvorhaben gilt als das größte in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg. Mit dem HANetf Ukraine Reconstruction UCITS ETF (ISIN: IE000R8PO127) ist seit Mitte März das erste passive Anlageprodukt weltweit aufgelegt, das gezielt auf dieses Investmentthema setzt. Das Portfolio spaltet die Community. Ist der ETF seiner Zeit voraus? Und warum sind (noch) keine ukrainischen Unternehmen enthalten? So oder so rückt Osteuropa als Anlageregion in jüngerer Vergangenheit verstärkt in den Fokus der Anleger. Allerdings gibt es wenig Sammelinvestments. Einer der wenigen Osteuropa-ETFs kommt aus dem Hause Amundi, der Amundi MSCI EM Eastern Europe ex Russia (ISIN: LU1900066462). Wir zeigen dir, was der Ukraine-ETF bietet, warum Osteuropa aus Anlegerperspektive interessant ist und wie du beide ETFs in deinem Portfolio einsetzen kannst.
Was ist der Ukraine ETF?
Der neue HANetf bildet den VettaFi Ukraine Reconstruction Index ab – einen regelbasierten Index, der Unternehmen erfasst, die eine wesentliche Rolle beim Wiederaufbau der Ukraine spielen können. Dazu gehören Konzerne aus den Bereichen Infrastruktur, Energiesysteme, Industrieausrüstung, Transportnetzwerke und Verteidigung. Wie wichtig und langersehnt der ETF ist, unterstreicht der hohe Besuch beim Bell-Ringing-Event an der Londoner Börse. Dort ließ es sich der ukrainische Botschafter (für Großbritannien) Valerii Zaluzhny nicht nehmen, persönlich zu erscheinen. „Der Ukraine Reconstruction ETF hat alle Chancen, zu einem Schlüsselelement bei der Verbindung globaler Investitionsmärkte mit internationalen Bemühungen zum Wiederaufbau der Ukraine zu werden“, schrieb Zaluzhny nach seinem Besuch auf LinkedIn.
Wir glauben, dass der ETF zwei wichtige Funktionen erfüllen kann. Erstens als Anlageinstrument, das Zugang zu Unternehmen bietet, die vom Wiederaufbau der Ukraine und ihrer wirtschaftlichen Integration profitieren könnten. Zweitens als sofort einsatzbereiter regelbasierter Käufer börsennotierter ukrainischer Unternehmen, der bei deren Listing aktiv wird. Die Entwicklung der ukrainischen Kapitalmärkte wird für die langfristige wirtschaftliche Resilienz von entscheidender Bedeutung sein.
Das Besondere an der Indexmethodik: Sie ist explizit auf die Zukunft ausgerichtet. Zum Zeitpunkt der Auflage investiert der ETF überwiegend in europäische und global gelistete Unternehmen, die von einem potenziellen Wiederaufbau der Ukraine profitieren können. Die Besonderheit: Sobald ukrainische Unternehmen an die Börse gehen, können sie über ein beschleunigtes Verfahren direkt in den Index aufgenommen werden – und zwar zwischen zehn und 50 Tagen nach dem Börsengang. Darüber hinaus können bis zu fünf Prozent des Index in Ukraine-fokussierte geschlossene Fonds investiert werden, um auch indirekten Zugang zu nicht-börsennotierten ukrainischen Unternehmen zu schaffen.
Unternehmen die in Russland Geschäfte machen, sind explizit vom Index ausgeschlossen.
| Merkmal | Details |
|---|---|
| Name | Ukraine Reconstruction UCITS ETF |
| WKN / ISIN | A42334 / IE000R8PO127 |
| Auflagedatum | 11. März 2026 |
| Index | VettaFi Ukraine Reconstruction EUR |
| TER | 0,65 % p. a. |
| Replikation | Physisch (Optimiert) |
| Ausschüttung | Thesaurierend |
| Basiswährung | Euro (EUR) |
| Positionen | 51 |
Quelle: finanzen.net; HANetf, Stand April 2026
Eckdaten im Überblick:
Der Ukraine-ETF ist nur wenige Tage alt. Er wartet mit einer Gesamtkostenquote (TER) von 0,65 Prozent auf und bildet seinen Index physisch ab. Dieser beinhaltet 51 Aktienwerte, auf die wir in der Folge genauer eingehen. Wichtig zu erwähnen: Die Zusammensetzung des ETFs wird quartalsweise überprüft und bei Bedarf angepasst; etwa wenn ein ukrainischer Börsengang stattfindet.
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Jetzt kostenlos Depot eröffnenWie groß ist der Wiederaufbaubedarf der Ukraine?
Prognosen sind schwierig, vor allem, wenn sie die Zukunft betreffen – dafür einen Fünfer ins Phrasenschwein. Doch die Binsenweisheit trifft zu. Zudem: An der Börse wird die Zukunft gehandelt. Wie sieht also die Investment-Idee hinter dem ETF aus? Die ist mit der Zukunft der Ukraine verknüpft. Für einen Wiederaufbau des Landes bedarf es eines enormen Investitionsprogramms. Die Zahlen sind beeindruckend: Laut der vierten gemeinsamen Schnellbewertung der Schäden und des Bedarfs (RDNA4) von Weltbank, Europäischer Kommission, Vereinten Nationen und der ukrainischen Regierung belaufen sich die Kosten für den Wiederaufbau und die wirtschaftliche Erholung auf mehr als 524 Milliarden US-Dollar (rund 506 Milliarden Euro) über die nächsten zehn Jahre. Das entspricht dem 2,8-Fachen des ukrainischen Bruttoinlandsprodukts von 2024.
Die wichtigsten Wiederaufbausektoren nach Bedarf (RDNA4, Stand: Februar 2025):
| Sektor | Geschätzter Bedarf |
|---|---|
| Wohnungsbau | ca. 84 Milliarden US-Dollar |
| Transport | ca. 78 Milliarden US-Dollar |
| Energie | ca. 68 Milliarden US-Dollar |
| Handel und Industrie | ca. 64 Milliarden US-Dollar |
| Landwirtschaft | ca. 55 Milliarden US-Dollar |
| Bildung und Wissenschaft | ca. 33 Milliarden US-Dollar |
| Sonstige | ca. 141 Milliarden US-Dollar |
Quelle: Weltbank, Europäische Kommission, UN, Ukrainische Regierung, RDNA4, Februar 2025.
Europa hat sich dabei zum größten Geldgeber entwickelt. Laut dem Kieler Institut für Weltwirtschaft haben Europa und die USA zusammen rund 500 Milliarden Euro an Hilfen zugesagt, davon 380 Milliarden Euro von Europa und 119 Milliarden Euro von den USA (Stand: Februar 2026). Die militärischen Zusagen belaufen sich auf 213 Milliarden Euro, wobei Europa mit 148 Milliarden Euro den weitaus größten Teil trägt. In 2025 reduzierten die USA ihre Unterstützung um 99 Prozent, was Europa dazu veranlasste, sowohl Finanz- als auch Militärhilfen deutlich aufzustocken.
Der Wiederaufbau geht dabei weit über den physischen Aufbau hinaus: Ziel ist die vollständige wirtschaftliche Integration der Ukraine in die Europäische Union (EU) – mit Angleichung von Industriestandards, Kapitalmärkten und Lieferketten an EU-Normen.
Die Community zeigt sich gespalten. „Auf keinen Fall! Mindestens muss man das Kriegsende abwarten, bevor man irgendwelche Bewertungen zu diesem Thema abgibt“, heißt es von einem Anleger auf Reddit. Ein anderer weist darauf hin, dass sich Anleger lieber selbst einen Korb an Aktien zusammenstellen sollten. „Dieser ETF könnte einen positiven Kreislauf in Gang setzen und die Menschen dazu ermutigen, verstärkt in ukrainische Unternehmen zu investieren – insbesondere diejenigen, die in risikoreichere Anlagen investieren“, zeigt sich hingegen Mykhaylo Demkiv, Finanzanalyst beim ukrainischen Investmentfonds ICU, zuversichtlich.
Welche Unternehmen stecken im Ukraine ETF?
Der Index enthält 51 Positionen. Da die ukrainischen Kapitalmärkte noch begrenzt entwickelt sind, investiert der ETF derzeit überwiegend in europäische und global gelistete Unternehmen. Kaum verwunderlich, handelt es sich mehrheitlich um Konzerne aus dem Industrie- und Infrastrukturbereich. Mehrere Rüstungskonzerne sind ebenfalls enthalten. Das sind die zehn größten Positionen (Stand: 20. Februar 2026):
| Unternehmen | Gewichtung |
|---|---|
| Siemens Energy AG | 5,66 % |
| Johnson Controls International | 4,54 % |
| BAE Systems plc | 4,49 % |
| Caterpillar Inc. | 4,37 % |
| CRH public limited company | 4,34 % |
| ABB Ltd. | 4,33 % |
| VINCI SA | 4,30 % |
| Schneider Electric SE | 4,16 % |
| Rheinmetall AG | 4,14 % |
| Eaton Corp. Plc | 4,00 % |
Quelle: VettaFi, Stand: 20. Februar 2026.
Die sektorale Aufteilung zeigt die klare Ausrichtung auf Wiederaufbau: Industriewerte machen mit 85,27 Prozent den weitaus größten Teil aus, gefolgt vom Baustoffsektor (engl. Materials; 10,03 Prozent), Technologie (3,12 Prozent) und Energie (1,58 Prozent). Geografisch dominiert Frankreich mit 16,71 Prozent, gefolgt von der Schweiz (10,46 Prozent), Deutschland (10,11 Prozent) und Schweden (9,52 Prozent).
Mehrere dieser Unternehmen sind bereits aktiv in der Ukraine tätig: Rheinmetall hat ein Joint Venture mit der ukrainischen Verteidigungsindustrie gegründet, Siemens Energy unterstützt die Stabilisierung des ukrainischen Stromnetzes, und ArcelorMittal betreibt das größte Stahlwerk der Ukraine in Krywji Rih. Hier mussten durch Angriffe zuletzt allerdings Drosselungen der Produktion hingenommen werden.
Ukraine auf dem Weg zur Börse – die Watchlist
Über die aktuell im Index enthaltenen Titel hinaus beobachtet HANetf aktiv eine Reihe ukrainischer Unternehmen, die potenziell für eine direkte Aufnahme in Frage kommen, sobald sie die Zulassungskriterien erfüllen:
Kyivstar (KYIV) ist der größte Telekommunikationsanbieter der Ukraine mit 22,5 Millionen Mobilfunk- und 1,2 Millionen Breitbandkunden. Das Unternehmen war 2025 das erste ukrainisch operierende Unternehmen, das an der Nasdaq notiert wurde — erfüllt aktuell aber noch nicht alle Indexkriterien hinsichtlich des Streubesitzes.
MHP SE (MHPC) ist der größte Geflügelproduzent der Ukraine mit einem Jahresumsatz von über 3 Milliarden US-Dollar. Rund 60 Prozent der Einnahmen stammen aus Exporten. Das Unternehmen ist an der Londoner Börse notiert, die Handelsliquidität liegt derzeit aber noch unter den Indexanforderungen.
CSG NV ist eines der am schnellsten wachsenden Rüstungsunternehmen Europas (aus Tschechien) mit einem Auftragsbestand von 14 Milliarden Euro. Das Unternehmen erzielte 2024 einen Umsatz von 4 Milliarden Euro und ging im Januar 2026 mit einer Bewertung von rund 25 Milliarden Euro an der Euronext Amsterdam an die Börse. Wegen der noch kurzen Börsenhistorie und des Streubesitzes erfüllt CSG derzeit nicht alle Zulassungskriterien — könnte aber mittelfristig in den Index aufgenommen werden.
Doch ein Unternehmen rückt in den Fokus des Interesses: Swarmer (ISIN: US86989Y1091). Swarmer (SWMR) ist ein 2023 gegründetes Verteidigungstechnologie-Unternehmen mit Sitz in Austin, Texas. Es ist operativ aber tief in der Ukraine verwurzelt: Entwicklung und Einsatz finden in Kyiv, Warschau und Tallinn statt, sämtliche bisherigen Umsätze wurden in der Ukraine erwirtschaftet. Das Unternehmen baut keine Drohnen, sondern die KI-Software, die Drohnenschwärme erst koordinierbar macht und hat diese bereits in über 100.000 Kampfeinsätzen bewiesen. Am 17. März 2026 ging Swarmer zum Ausgabepreis von 5 US-Dollar an der Nasdaq an die Börse und stieg innerhalb von zwei Handelstagen auf ein Intraday-Hoch von 65 US-Dollar. Formal ist Swarmer kein ukrainisches Unternehmen. Als kampferprobte DefenceTech-Plattform, die ihre Daten dem ukrainischen Schlachtfeld verdankt, passt es thematisch aber exakt in das Investmentthema des ETFs. Wo möglich könnte die Aktie beim ersten Rebalancing des ETFs Ende April aufgenommen werden.
Der besondere Mechanismus: Fast-Track für ukrainische IPOs
Ein strukturell einzigartiges Merkmal des ETFs ist die Fast-Track-IPO-Regel. Geht ein in der Ukraine ansässiges oder gegründetes Unternehmen an die Börse und erfüllt es alle Auswahlkriterien, wird es zwischen zehn und 50 Tagen nach der Notierung außerplanmäßig in den Index aufgenommen – ohne auf das nächste reguläre Rebalancing im Quartal warten zu müssen. Das macht den ETF zum ersten regelbasierten Käufer ukrainischer Börsengänge. Gleichzeitig gelten für ukrainische Unternehmen niedrigere Zulassungsschwellen:
| Kriterium | Standard | Ukraine-Unternehmen |
|---|---|---|
| Mindestmarktkapitalisierung | 100 Mio. US-Dollar | 50 Mio. US-Dollar |
| Mindest-Free-Float (Streubesitz) | 50 Mio. US-Dollar | 25 Mio. US-Dollar |
| Mindest-Tageshandelsvolumen (3 Monate) | 1 Mio. US-Dollar | 500.000 US-Dollar |
Quelle: VettaFi, 2026.
Osteuropa breiter spielen: Der Amundi MSCI Eastern Europe Ex Russia ETF
Wer nicht ausschließlich auf den Wiederaufbau der Ukraine setzen, sondern breiter in Osteuropa investieren möchte, findet im Amundi MSCI Eastern Europe Ex Russia UCITS ETF (ISIN: LU1900066462, WKN: LYX02C) eine etablierte Alternative. Der ETF wurde bereits am 14. März 2019 aufgelegt, verwaltet rund eine halbe Milliarde Euro und ist bei 16 deutschen Online-Brokern sparplanfähig – darunter bei 13 kostenlos.
Der ETF bildet den MSCI EM Eastern Europe ex Russia Index synthetisch über Swaps nach und konzentriert sich auf rund 30 große und mittelgroße Unternehmen aus Polen, Ungarn und der Tschechischen Republik – also genau jene Staaten, die als EU-Mitglieder wirtschaftlich eng mit dem europäischen Binnenmarkt verflochten sind und von einer möglichen EU-Integration der Ukraine strukturell profitieren dürften.
Performance im Vergleich
Die Zahlen sprechen für sich: Der Amundi MSCI Eastern Europe Ex Russia ETF erzielte zuletzt eine Jahresrendite von 32,71 Prozent (Stand: 20. März 2026), getragen von der wirtschaftlichen Stärke der Visegrád-Staaten Polen, Ungarn und Tschechien. Seit Auflegung im März 2019 hat der ETF eine Gesamtrendite von 79,53 Prozent erzielt, was einer jährlichen Nominalrendite von 8,54 Prozent entspricht.
Zum Vergleich: Der MSCI World erzielte im Jahr 2025 eine Rendite von 7,07 Prozent — nahe seinem langfristigen Durchschnitt, aber deutlich hinter dem Osteuropa-ETF. S&P 500 und Nasdaq standen 2025 stark unter Druck durch die US-Zollpolitik und die Korrektur hochbewerteter Technologiewerte, die nach Jahren extremer Outperformance in eine Konsolidierungsphase eintraten.
| Index / ETF | Jahresrendite 2025 (ca.) |
| Amundi MSCI Eastern Europe Ex Russia | +32,7 % |
| MSCI World | +7,1 % |
| S&P 500 (in Euro) | ca. +5 % bis +8 % |
| Nasdaq 100 (in Euro) | ca. –5 % bis +2 % |
Anmerkung/Disclaimer: Vergangene Performances sind kein Indikator für die künftige Entwicklung.
Was steckt hinter dieser starken Performance? Die Wertentwicklung spiegelt das Vertrauen der Investoren in die Stabilität dieser Märkte wider, die sich erfolgreich von den geopolitischen Verwerfungen der letzten Jahre entkoppelt haben. Polen, Ungarn und Tschechien gelten als gut diversifizierte Industrieländer mit enger EU-Einbindung und wachsender Binnennachfrage. Hinzu kommt ein Währungseffekt: Der polnische Zloty, der ungarische Forint und die tschechische Krone legten gegenüber dem Euro zu — was die Rendite für Euro-Anleger zusätzlich gestärkt hat.
Ein technischer Hinweis: Der ETF nutzt synthetische Replikation über Swaps. Das ermöglicht in weniger liquiden Schwellenmärkten oft eine präzisere Indexabbildung, bringt aber ein Kontrahentenrisiko mit sich, das Anleger kennen sollten. Die Volatilität liegt bei 10,03 Prozent und der maximale Verlust (max. Drawdown) über ein Jahr bei 2,66 Prozent – beides vergleichsweise moderate Werte für einen Schwellenländer-ETF.
Der Amundi Osteuropa-ETF eignet sich für Anleger, die breiter in die Region investieren möchten als mit dem reinen Ukraine-Wiederaufbau-Thema – und dabei auf etablierte, liquide Märkte setzen wollen. Wer beide Ansätze kombiniert, deckt sowohl die heutigen Visegrád-Volkswirtschaften als auch das langfristige Wachstumspotenzial einer wiederaufgebauten und EU-integrierten Ukraine ab.
Anlagehorizont: Betrachte ETFs immer als Langfrist-Investment. Du solltest einen Anlagehorizont von zehn Jahren und mehr mitbringen. ETFs sind kein Produkt zum Traden. Du willst wissen, was ein ETF-Sparplan bringt? Schaue dir gleich unseren ETF-Sparplanrechner an.
Einordnung: Chancen und Risiken
Der Ukraine-ETF bietet Zugang zu einem Investmentthema, das es in dieser Form bislang nicht gab. Der strukturelle Wiederaufbaubedarf der Ukraine ist durch internationale Institutionen belegt und umfasst einen Zeithorizont von zehn Jahren – das schafft eine langfristige Nachfrage nach den Produkten und Dienstleistungen der enthaltenen Unternehmen.
Gleichzeitig birgt das Produkt Risiken. Der anhaltende Konflikt zwischen der Ukraine und Russland stellt die größte Unsicherheitsvariable dar: Jede Eskalation oder jedes Stocken im Wiederaufbau trifft die enthaltenen Unternehmen direkt. Hinzu kommen politische Abhängigkeiten. Der Umfang der europäischen und amerikanischen Unterstützung kann sich ändern. Hinzu kommt das Währungsrisiko durch die USD-Notierung des Fonds.
Da der ETF derzeit überwiegend in etablierte europäische Industrieunternehmen investiert, gibt es zudem inhaltliche Überschneidungen mit breiteren Rüstungs- oder Industrieindizes. Anleger, die bereits einen der großen Rüstungs-ETFs halten, sollten mögliche Doppelungen prüfen. Einen ausführlichen Vergleich aller in Deutschland handelbaren Rüstungs-ETFs findest du in unserem Rüstungs-ETF-Ratgeber.
Wichtig: Nutze Themen-ETFs wie den HANetf Ukraine Reconstruction ETF ausschließlich als Beimischung. Themen-ETFs investieren häufig in sehr wenig Einzelwerte und sind daher stark fokussiert. Als alleiniges Investment stellt das ein zu hohes Klumpenrisiko dar.
Fazit: Für wen eignen sich der Ukraine-ETF und der Osteuropa-ETF?
Beide Produkte sprechen unterschiedliche Anlegertypen an — und ergänzen sich gut.
Der Ukraine Reconstruction ETF (UKRN) ist das spekulativere der beiden Produkte. Er setzt auf ein einziges großes Investmentthema über einen langen Zeitraum: den Wiederaufbau eines Landes, dessen Infrastruktur zu einem erheblichen Teil zerstört wurde. Das Aufwärtspotenzial ist real. 524 Milliarden US-Dollar Wiederaufbaubedarf über zehn Jahre haben Weltbank, UN und EU festgestellt. Der entscheidende Nachteil: Das Timing ist unbekannt. Solange der Krieg andauert, bleibt der Wiederaufbau begrenzt. Wer hier investiert, braucht einen langen Atem und sollte bereit sein, Schwankungen auszuhalten. Als Beimischung mit einem Anteil im unteren einstelligen Prozentbereich am Depotvermögen kann der ETF für Themen-ETF-Liebhaber interessant sein.
Der Amundi MSCI Eastern Europe Ex Russia ETF (LYX02C) ist das ruhigere, breiter aufgestellte Produkt. Er investiert in etablierte EU-Volkswirtschaften wie Polen, Ungarn und Tschechien mit funktionierenden Kapitalmärkten, soliden Unternehmensbilanzen und enger Verflechtung mit dem europäischen Binnenmarkt. Die Volatilität ist mit rund zehn Prozent niedrig für einen Schwellenländer-ETF, der maximale Drawdown im vergangenen Jahr lag bei moderaten 2,66 Prozent. Der Nachteil: Das direkte Ukraine-Exposure ist minimal. Anleger, die gezielt auf den Wiederaufbau setzen wollen, greifen mit diesem ETF nur indirekt zu.
Warum Osteuropa gerade jetzt interessant ist, lässt sich auf drei Faktoren reduzieren. Erstens hat sich die Region strukturell von Russland entkoppelt: Handel, Energie und politische Ausrichtung sind längst nach Westen verlagert. Zweitens profitiert Osteuropa überproportional von den steigenden europäischen Verteidigungsausgaben und dem Rüstungsausbau — Polen ist mit Abstand der größte Abnehmer von NATO-Waffen in Europa. Drittens sind die Bewertungen im Vergleich zu US-Indizes moderat: Während S&P 500 und Nasdaq nach Jahren extremer Kursgewinne teuer bewertet sind, bieten polnische, ungarische und tschechische Unternehmen noch Nachholpotenzial. Die starke Rendite von 32,71 Prozent im vergangenen Jahr ist in diesem Kontext kein Ausreißer, sondern der Beginn einer strukturellen Neubewertung der Region.
Wer beide Produkte kombiniert, deckt das Thema vollständig ab: heute stabile EU-nahe Volkswirtschaften über den Amundi-ETF, und langfristiges Aufbaupotenzial über den Ukraine-ETF.
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