von Roland Kuse
Veröffentlicht am
540 Euro Zulage, steuerfreier Zinseszins, volle Aktienquote: Das Altersvorsorgedepot klingt zu gut, um wahr zu sein. Zwei Dinge erklärt dir dabei kein Anbieter von sich aus. Erstens kostet dich die bequemste Variante über 40 Jahre rund 67.600 Euro, und sie trifft damit ausgerechnet die Einsteiger, die sie schützen soll. Zweitens ist die Zulage gar nicht der größte Hebel. Acht Stärken, fünf Schwächen und die Frage, für wen sich das Depot wirklich lohnt.
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Bis zu 540 Euro Zulage pro Jahr. Auf die ersten 360 Euro Eigenbeitrag legt der Staat 50 Cent je Euro drauf, auf die weiteren Beiträge bis 1.800 Euro 25 Cent je Euro. Wer die Förderhöchstgrenze ausschöpft, bekommt 540 Euro im Jahr. Bei Riester waren es feste 175 Euro, unabhängig davon, wie viel eingezahlt wurde.
Der Steuervorteil obendrauf. Das ist der Baustein, der in den meisten Übersichten fehlt. Eigenbeiträge bis 1.800 Euro zuzüglich Zulageanspruch sind als Sonderausgaben absetzbar, ohne Kinder also bis zu 2.340 Euro. Das Finanzamt prüft von sich aus, ob die Steuerersparnis den Zulageanspruch übersteigt, und erstattet die Differenz. Bei 42 Prozent Grenzsteuersatz steigt die Gesamtförderung damit von 540 auf rund 983 Euro im Jahr. Für Gutverdiener ist das der stärkste Hebel des ganzen Produkts, nicht die Zulage.
Steuerfreie Ansparphase. Keine Abgeltungsteuer auf Kursgewinne, keine Vorabpauschale, keine Steuer beim Umschichten zwischen Fonds. Der Zinseszins arbeitet ungebremst. Im normalen Depot zahlst du bei jedem Verkauf mit Gewinn sofort.
Keine Sozialabgaben auf die Auszahlung. Auf Leistungen aus einem privaten Altersvorsorgevertrag fallen für Pflichtversicherte in der gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung keine Beiträge an. Bei einer Betriebsrente aus Entgeltumwandlung sind es dagegen rund 20 Prozent. Über zwei Jahrzehnte Auszahlungsdauer ist das ein fünfstelliger Unterschied.
Volle Aktienquote möglich. Bis zu 100 Prozent in breit gestreute Aktienfonds, ohne dass eine Beitragsgarantie die Anlage in Anleihen zwingt. Das war der teuerste Konstruktionsfehler von Riester, und er ist behoben.
Kinderzulage schon ab 25 Euro im Monat. Je Kind gibt es 100 Prozent des Eigenbeitrags als Zulage, höchstens 300 Euro. Der Höchstbetrag ist damit bei 300 Euro Eigenbeitrag im Jahr erreicht. Bei zwei Kindern und 25 Euro im Monat kommen so 150 Euro Grundzulage und 600 Euro Kinderzulage zusammen, insgesamt 1.050 Euro im Depot bei 300 Euro aus eigener Tasche. Förderquote: 250 Prozent.
Selbstständige förderberechtigt. Gewerbetreibende und Freiberufler mit Einkünften nach § 15 oder § 18 Absatz 1 Nummer 1 bis 3 EStG sind unmittelbar förderberechtigt, sofern sie eine Steuererklärung abgeben. Das Gleiche gilt für Pflichtmitglieder berufsständischer Versorgungswerke, also etwa Ärzte und Anwälte.
Flexible Auszahlung. Statt der Riester-Pflicht, mindestens 70 Prozent zu verrenten, hast du die Wahl zwischen einem Auszahlungsplan und einer lebenslangen Leibrente. Bis zu 30 Prozent des Kapitals darfst du zu Beginn auf einen Schlag entnehmen, ohne Zweckbindung.
Wenn das Altersvorsorgedepot am 1. Januar 2027 startet, werden hunderttausende Sparer gleichzeitig versuchen, ein Depot zu eröffnen. Die Folge: überlastete Systeme, lange Wartezeiten bei der Identitätsprüfung, verzögerte Freischaltungen. Und jeder Tag Verzögerung ist ein Tag ohne Förderung – denn die Zulagen fließen nicht rückwirkend. Wer jetzt bei finanzen.net ZERO ein kostenloses Depot eröffnet, hat die Identitätsprüfung bereits erledigt und kann am 1. Januar direkt loslegen – ohne Warteschlange, ohne verpasste Förderung.
Der Kostendeckel gilt nur für ein Produkt. Die viel zitierte Obergrenze von 1,0 Prozent Effektivkosten betrifft ausschließlich das Standardprodukt, das jeder Anbieter führen muss. Ein Altersvorsorgedepot mit freier Fondswahl, ein Garantieprodukt oder ein über Vertrieb verkaufter Vertrag darf teurer sein. Auch Versicherer dürfen Altersvorsorgedepots anbieten, dann mit Abschluss- und Verwaltungskosten. Wer 1,0 Prozent für eine allgemeine Obergrenze hält, irrt.
Auch 1,0 Prozent sind teuer, und es trifft die Falschen. Das Standardprodukt ist für Einsteiger gedacht, die keine eigene Fondsauswahl treffen wollen. Genau sie zahlen dafür am meisten. Über 40 Jahre macht der Unterschied zwischen 0,2 und 1,0 Prozent rund 67.600 Euro aus, gerechnet mit 1.800 Euro Eigenbeitrag plus 540 Euro Zulage im Jahr und 6 Prozent Bruttorendite. Eine Stunde für die Auswahl von zwei ETFs ist die am besten bezahlte Stunde in dieser Rechnung.
Die Auszahlung wird voll besteuert. Im Ruhestand ist das gesamte geförderte Guthaben Einkommen, also Eigenbeitrag, Zulagen und Erträge zusammen. Im normalen Depot ist nur der Gewinn steuerpflichtig, mit Abgeltungsteuer und Teilfreistellung. Bei langen Laufzeiten überwiegt der Vorteil der steuerfreien Ansparphase deutlich. Bei kurzen kehrt sich das um.
Das Geld ist lange gebunden. Die Auszahlungsphase beginnt frühestens mit Vollendung des 65. und spätestens mit Vollendung des 70. Lebensjahres. Ein Auszahlungsplan läuft danach mindestens bis zum vollendeten 85. Lebensjahr. Wer mit 65 beginnt, verteilt sein Kapital also auf zwanzig Jahre. Vorzeitige Entnahmen sind möglich, lösen aber die Rückzahlung aller Zulagen und Steuervorteile aus. Das Altersvorsorgedepot ersetzt keine liquiden Rücklagen.
Kein Kapitalschutz und eingeschränkte Auswahl. Ohne Beitragsgarantie kann das Depot zwischenzeitlich deutlich im Minus stehen. Wer kurz vor der Auszahlung in eine Krise gerät, hat keine Absicherung nach unten. Die optionalen Garantieprodukte bieten Schutz, kosten aber Rendite. Dazu kommt eine gesetzliche Positivliste: Breit gestreute Fonds, Anleihen von EU-Staaten und Geldmarktfonds sind zugelassen, Einzelaktien, Kryptowährungen und Hebelprodukte nicht. Wer mehr Freiheit will, braucht parallel ein normales Depot.
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Die Vorteile überwiegen klar bei langem Anlagehorizont, hohem Grenzsteuersatz oder Kindern. Diese drei Gruppen holen jeweils einen anderen Baustein ab: Zeit lässt die steuerfreie Ansparphase wirken, ein hoher Steuersatz macht die Günstigerprüfung wertvoll, Kinder heben die Förderquote auf ein Niveau, das kein anderes Produkt erreicht.
Umgekehrt gilt: Wer nur noch wenige Jahre bis zur Rente hat, einen niedrigen Steuersatz mitbringt und die Steuererstattung ohnehin ausgibt, kann mit einem normalen Depot nach Steuern besser dastehen. Die volle Besteuerung der Auszahlung greift dann sofort, während die steuerfreie Ansparphase zu wenig Zeit hat, um das auszugleichen. Dasselbe gilt für Geld, das vor dem Rentenalter verfügbar bleiben soll.
Wer sich für das Depot entscheidet, sollte zwei Dinge tun: die Förderung bis zur Höchstgrenze von 1.800 Euro ausschöpfen und die Fonds selbst auswählen, statt zum Standardprodukt zu greifen. Alles oberhalb der Förderhöchstgrenze gehört in ein normales Depot, weil es dort keine zusätzliche Zulage mehr gibt, aber weiterhin die Bindung ans Rentenalter.
Disclaimer: Die in diesem Artikel enthaltenen Inhalte dienen ausschließlich allgemeinen Informations-, Bildungs- und Marketingzwecken ohne Gewähr auf Vollständigkeit, Richtigkeit und Aktualität. Die Inhalte stellen keine Anlageberatung, Anlagestrategieempfehlung oder Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren oder sonstigen Finanzinstrumenten dar. Die Informationen berücksichtigen nicht die individuellen Anlageziele und finanzielle Situation des Lesers. Jede Anlageentscheidung sollte eigenverantwortlich getroffen und sorgfältig geprüft werden. Vor einer Anlageentscheidung sollte der Rat eines Anlage- und Steuerberaters eingeholt werden. Der Handel mit Wertpapieren oder sonstigen Finanzinstrumenten ist mit hohen Risiken verbunden, bis hin zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals. Die in der Vergangenheit erzielte Performance ist kein Indikator für zukünftige Wertentwicklungen. Aussagen über zukünftige wirtschaftliche Entwicklungen basieren grundsätzlich auf Annahmen und Einschätzungen, die sich im Zeitablauf als nicht zutreffend erweisen können. Wir übernehmen keine Haftung für Verluste, die durch die Umsetzung der in diesem Artikel genannten Informationen entstehen.
1Hinweis: finanzen.net zero ist ein Angebot der finanzen.net zero GmbH, einer Tochter der finanzen.net GmbH.