von Roland Kuse
Veröffentlicht am
Kurzer Horizont, hohe Förderquote: Wer mit 55 in ein Altersvorsorgedepot einzahlt, bekommt auf 1.200 Euro Eigenbeitrag 390 Euro Zulage, also 33 Prozent obendrauf. Das klingt nach einer Rendite, die kein Aktienmarkt zusagen kann. Rechnet man bis zur Auszahlung durch, bleibt davon allerdings weniger übrig als gedacht. Entscheidend ist bei kurzem Horizont nicht die Zulage, sondern die Steuer.
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Das Altersvorsorgedepot verzichtet auf eine verpflichtende Beitragsgarantie. Genau dieser Verzicht ermöglicht hohe Aktienquoten und die besseren Renditechancen gegenüber der Riester-Rente. Der Vorteil kippt aber, wenn die Zeit fehlt.
Wer mit 55 einsteigt und die Auszahlung mit 65 beginnt, hat zehn Jahre Ansparphase. Über solche Zeiträume sind Verlustphasen an den Aktienmärkten möglich. Wer Anfang 2000 in einen breiten Weltindex eingestiegen ist und zehn Jahre später verkaufen musste, stand real schlechter da als beim Start. Bei längeren Zeiträumen wird das seltener, eine Zusage gibt es aber auch dort nicht.
Wenn das Altersvorsorgedepot am 1. Januar 2027 startet, werden hunderttausende Sparer gleichzeitig versuchen, ein Depot zu eröffnen. Die Folge: überlastete Systeme, lange Wartezeiten bei der Identitätsprüfung, verzögerte Freischaltungen. Und jeder Tag Verzögerung ist ein Tag ohne Förderung – denn die Zulagen fließen nicht rückwirkend. Wer jetzt bei finanzen.net ZERO ein kostenloses Depot eröffnet, hat die Identitätsprüfung bereits erledigt und kann am 1. Januar direkt loslegen – ohne Warteschlange, ohne verpasste Förderung.
Die Auszahlungsphase muss nicht mit 65 beginnen. Gesetzlich möglich ist ein Start bis zur Vollendung des 70. Lebensjahres. Wer mit 55 einzahlt und den Beginn auf 70 legt, hat 15 statt zehn Jahre Ansparzeit.
Das ist die wirksamste Stellschraube für diese Altersgruppe, und sie kostet nichts. Wer ohnehin bis 67 arbeitet, verliert dadurch nichts und gewinnt fünf Jahre Zinseszins plus fünf weitere Jahre Zulagen.
Dafür gilt eine Bindung, die zum kurzen Horizont passen muss: Vor Beginn der Auszahlungsphase kommst du nur an das Geld, wenn du die gesamte Förderung zurückzahlst. Und der Auszahlungsplan läuft mindestens bis zum vollendeten 85. Lebensjahr. Wer mit 65 beginnt, verteilt sein Kapital also auf 20 Jahre. Für Geld, das du mit 68 für etwas anderes brauchst, ist das Altersvorsorgedepot der falsche Ort.
Thomas, 55, zahlt ab 2027 monatlich 150 Euro ein, also 1.800 Euro im Jahr. Damit schöpft er die Förderhöchstgrenze aus und erhält die volle Grundzulage von 540 Euro. Jährlich fließen 2.340 Euro ins Depot.
| Szenario | Rendite pro Jahr | Depotwert nach 10 Jahren |
|---|---|---|
| Konservativ | 4 % | 29.218 € |
| Mittel | 6 % | 32.694 € |
| Optimistisch | 8 % | 36.610 € |
Annahmen: 2.340 Euro jährlich zu Jahresbeginn, Rendite nach Kosten, ohne Inflation.
Zum Vergleich: Wer denselben Eigenbeitrag von 1.800 Euro ohne Förderung in ein normales Depot einzahlt, kommt bei 6 Prozent auf 25.149 Euro. Die Zulagen machen also 7.545 Euro aus. Davon sind 5.400 Euro die Zulagen selbst, der Rest ist die Rendite darauf.
Hier entscheidet sich die Sache. Die Leistungen aus dem Altersvorsorgedepot werden in voller Höhe als Einkommen versteuert, also Eigenbeitrag, Zulagen und Erträge. Im normalen Depot ist nur der Gewinn steuerpflichtig, und nach zehn Jahren ist der so klein, dass der Sparerpauschbetrag ihn praktisch vollständig abdeckt.
Gerechnet für Thomas, Auszahlung ab 65 über 20 Jahre bei 3 Prozent Rendite in der Auszahlungsphase, 25.000 Euro zu versteuerndes Einkommen im Ruhestand:
| Altersvorsorgedepot | Normales Depot | |
|---|---|---|
| Kapital zum Rentenbeginn | 32.694 € | 25.149 € |
| Jährliche Bruttoentnahme | 2.198 € | 1.690 € |
| Steuer darauf | – 590 € | 0 € |
| Netto pro Jahr | 1.608 € | 1.690 € |
Das normale Depot liegt vorn, obwohl es keinen Cent Förderung bekommen hat. Von der Sofortrendite von 33 Prozent bleibt nach Steuern nichts übrig. Der Grund ist der kurze Horizont: Die steuerfreie Ansparphase, der eigentliche Hebel des Altersvorsorgedepots, kann in zehn Jahren kaum wirken, während die volle Besteuerung der Auszahlung sofort greift.
Die Rechnung oben lässt einen Baustein weg, der gerade für Ü55-Sparer der wichtigste ist. Neben der Zulage sind Eigenbeiträge bis 1.800 Euro zuzüglich Zulageanspruch als Sonderausgaben absetzbar, hier also 2.340 Euro. Das Finanzamt prüft von sich aus, ob die Steuerersparnis höher ausfällt als die Zulage, und erstattet die Differenz.
Bei Thomas mit 42 Prozent Grenzsteuersatz sind das rund 443 Euro im Jahr zusätzlich. Legt er die Erstattung in einem normalen Depot an, kommen über zehn Jahre bei 6 Prozent weitere 6.187 Euro dazu.
| Netto pro Jahr im Ruhestand | Normales Depot | Altersvorsorgedepot mit Zulage | Altersvorsorgedepot mit Zulage und Steuererstattung |
|---|---|---|---|
| Grenzsteuersatz 42 % | 1.690 € | 1.608 € | 2.024 € |
| Grenzsteuersatz 30 % | 1.690 € | 1.646 € | 1.798 € |
Annahmen: 1.800 Euro Eigenbeitrag im Jahr, zehn Jahre Ansparphase bei 6 Prozent, Auszahlung ab 65 über 20 Jahre bei 3 Prozent. Zu versteuerndes Einkommen im Ruhestand 25.000 Euro bei 42 Prozent Grenzsteuersatz, 20.000 Euro bei 30 Prozent. Steuererstattung jeweils in einem normalen Depot angelegt, Sparerpauschbetrag 1.000 Euro, Teilfreistellung 30 Prozent.
Mit reinvestierter Steuererstattung liegt das Altersvorsorgedepot bei 42 Prozent Grenzsteuersatz um 20 Prozent vorn, bei 30 Prozent nur noch um 6 Prozent. Ohne die Erstattung verliert es in beiden Fällen.
Daraus folgt die eigentliche Antwort auf die Frage, ob sich das Altersvorsorgedepot mit 55 noch lohnt: Ja, wenn du einen hohen Grenzsteuersatz hast und die Steuererstattung nicht ausgibst, sondern anlegst. Wer die Erstattung konsumiert, steht mit einem normalen Depot besser da.
Verlängert Thomas die Ansparphase auf 15 Jahre, indem er die Auszahlung erst mit 70 beginnt, wächst sein Vorsprung auf 4.431 gegen 3.715 Euro netto im Jahr. Die längere Laufzeit hilft also zusätzlich, ändert an der Rangfolge aber nichts.
Garantieprodukt. Das Gesetz sieht neben dem Altersvorsorgedepot ohne Garantie auch Produkte mit 80 oder 100 Prozent Beitragserhalt vor. Die Rendite fällt geringer aus, dafür ist ein Großteil des eingezahlten Kapitals zum Rentenbeginn gesichert. Für kurze Horizonte kann das ein sinnvoller Kompromiss sein.
Defensiver anlegen. Zugelassen sind neben Aktien-ETFs auch Geldmarktfonds und Anleihen von EU-Staaten. Wer in den letzten Jahren vor der Auszahlung schrittweise umschichtet, reduziert das Risiko genau dann, wenn es am meisten stört.
Steuerfrei umschichten. Dieser Gleitpfad kostet im Altersvorsorgedepot keine Steuer. In einem normalen Depot löst jeder Verkauf mit Gewinn Abgeltungsteuer aus. Bei kurzen Laufzeiten ist das einer der wenigen Vorteile, die unabhängig vom Steuersatz wirken.
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Mit 55 lohnt sich das Altersvorsorgedepot, aber nicht aus dem Grund, der meist genannt wird. Die Zulage allein reicht bei zehn Jahren Laufzeit nicht, um die volle Besteuerung der Auszahlung auszugleichen. Entscheidend ist die Steuererstattung aus der Günstigerprüfung, und die fällt umso höher aus, je höher dein Grenzsteuersatz ist.
Drei Dinge machen den Unterschied: die Erstattung anlegen statt ausgeben, die Ansparphase durch einen späteren Auszahlungsbeginn verlängern und in den letzten Jahren vor der Auszahlung defensiver werden. Wer einen niedrigen Steuersatz hat und die Erstattung ohnehin verbraucht, fährt mit einem normalen Depot flexibler und mindestens so gut.
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