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Altersvorsorgedepot: Nur wieder Abzocke, oder echte Alternative zur Riester-Rente?

Hohe Kosten, kaum Rendite, Milliarden in Garantiefonds gebunden: Die Riester-Rente hat die Erwartungen nicht erfüllt. Jetzt kommt das Altersvorsorgedepot und verspricht, alles besser zu machen. Die Skepsis ist berechtigt. Wir haben geprüft, was sich tatsächlich geändert hat, was im Gesetz gegen eine Wiederholung steht und wo die Kritik weiterhin trifft.

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Warum Riester nicht funktioniert hat

Das Grundproblem war die verpflichtende Beitragsgarantie. Anbieter mussten zusichern, dass zum Rentenbeginn mindestens die eingezahlten Beiträge zur Verfügung stehen. Um das zu finanzieren, floss der Großteil des Geldes in niedrig verzinste Anleihen. Für Aktien blieb wenig Platz, und in der Niedrigzinsphase blieb von den Anleihen kaum Ertrag.

Dazu kamen Produktkosten von typischerweise 1,5 bis 2,5 Prozent pro Jahr aus Abschlussgebühren, Verwaltungskosten und Garantiekosten. Von einer ohnehin mageren Rendite blieb danach oft wenig übrig.

Der dritte Punkt war die Förderung selbst. Der Mindesteigenbeitrag richtete sich nach dem Vorjahresbrutto, 4 Prozent davon abzüglich der Zulagen. Wer ihn verfehlte, bekam die Zulage anteilig gekürzt, häufig ohne es zu bemerken. Der Gesetzentwurf der Bundesregierung nennt als Gründe für die Reform genau diese Punkte: Niedrigzinsphase, hohe Kosten, geringe Renditen, komplexe Förderung, wenig Flexibilität und fehlende Transparenz.

💡 Gut zu wissen

Wenn das Altersvorsorgedepot am 1. Januar 2027 startet, werden hunderttausende Sparer gleichzeitig versuchen, ein Depot zu eröffnen. Die Folge: überlastete Systeme, lange Wartezeiten bei der Identitätsprüfung, verzögerte Freischaltungen. Und jeder Tag Verzögerung ist ein Tag ohne Förderung – denn die Zulagen fließen nicht rückwirkend. Wer jetzt bei finanzen.net ZERO ein kostenloses Depot eröffnet, hat die Identitätsprüfung bereits erledigt und kann am 1. Januar direkt loslegen – ohne Warteschlange, ohne verpasste Förderung.

Was das Altersvorsorgedepot anders macht

Keine verpflichtende Beitragsgarantie. Sparer tragen das Kapitalmarktrisiko und können dafür bis zu 100 Prozent in Aktienfonds investieren. Wer Sicherheit will, kann freiwillig ein Garantieprodukt mit 80 oder 100 Prozent Beitragserhalt wählen. Aus dem Zwang wird eine Entscheidung.

Niedrigere Kosten. Wer die Fonds selbst auswählt, kommt auf 0,1 bis 0,2 Prozent pro Jahr. Für das Standardprodukt, das jeder Anbieter führen muss, gilt eine gesetzliche Obergrenze von 1,0 Prozent Effektivkosten. Zusätzlich soll ein öffentlicher Träger ein eigenes Standarddepot anbieten, wofür allerdings noch eine Verordnung fehlt.

Einfachere und höhere Förderung. Statt des einkommensabhängigen Mindesteigenbeitrags gilt eine feste Untergrenze von 120 Euro im Jahr. Darüber gibt es 50 Cent je Euro bis 360 Euro und 25 Cent je Euro bis 1.800 Euro, also bis zu 540 Euro Grundzulage statt fester 175 Euro. Die volle Kinderzulage von 300 Euro je Kind wird ab 25 Euro Eigenbeitrag im Monat erreicht. Erstmals sind auch Gewerbetreibende und Freiberufler unmittelbar förderberechtigt.

Was im Gesetz gegen eine Wiederholung steht

Der interessanteste Unterschied steht nicht in den Werbebroschüren, sondern im Altersvorsorgeverträge-Zertifizierungsgesetz.

Die Effektivkosten werden nicht vom Anbieter frei definiert, sondern nach dem Gesamtkostenindikator der europäischen PRIIPs-Verordnung ermittelt. Sie müssen im Produktinformationsblatt ausgewiesen werden, und Kosten, die darüber hinausgehen, schuldet der Kunde nicht.

Darüber hinaus muss sich jeder Anbieter mindestens alle drei Jahre von einem Wirtschaftsprüfer, vereidigten Buchprüfer oder Aktuar bestätigen lassen, dass die angegebenen Effektivkosten richtig berechnet sind und die Obergrenze eingehalten wird. Kann diese Bestätigung nicht erteilt werden, geht das direkt an die Zertifizierungsstelle.

Eine solche wiederkehrende Prüfpflicht gab es bei Riester nicht. Sie ist der belastbarste Grund für die Annahme, dass sich das Kostenproblem nicht in derselben Form wiederholt.

Wo die Kritik weiterhin trifft

Der Kostendeckel gilt nur für das Standardprodukt. Ein Altersvorsorgedepot mit freier Fondswahl, ein Garantieprodukt oder ein über Vertrieb verkaufter Vertrag darf teurer sein. Auch Versicherer dürfen Altersvorsorgedepots anbieten, dann mit Abschluss- und Verwaltungskosten. Wer die 1,0 Prozent als allgemeine Obergrenze versteht, irrt.

Auch 1,0 Prozent sind viel. Über 40 Jahre macht der Unterschied zwischen 0,2 und 1,0 Prozent rund 67.600 Euro aus, gerechnet mit 1.800 Euro Eigenbeitrag plus 540 Euro Zulage im Jahr und 6 Prozent Bruttorendite. Wer sich nicht selbst um die Fondsauswahl kümmert, zahlt für die Bequemlichkeit einen hohen Preis.

Die Auszahlung wird voll besteuert. Das ist der Punkt, der in kaum einer Darstellung vorkommt. Leistungen aus dem Altersvorsorgedepot sind in voller Höhe Einkommen, also Eigenbeitrag, Zulagen und Erträge zusammen. Im normalen Depot ist nur der Gewinn steuerpflichtig, und zwar mit Abgeltungsteuer und Teilfreistellung. Bei langen Laufzeiten überwiegt der Vorteil der steuerfreien Ansparphase. Bei kurzen nicht: Wer nur zehn Jahre bis zur Rente hat und die Steuererstattung aus der Günstigerprüfung nicht anlegt, kann mit einem ungeförderten Depot netto besser dastehen.

Das Geld ist gebunden. Vor Beginn der Auszahlungsphase kommt man nur an das Kapital, wenn man die gesamte Förderung zurückzahlt. Der Auszahlungsplan läuft mindestens bis zum vollendeten 85. Lebensjahr. Bestehende Fondsanteile aus einem normalen Depot lassen sich nicht einbringen, und die Auswahl ist auf eine gesetzliche Positivliste begrenzt.

Offene Punkte. Ob das Standarddepot eines öffentlichen Trägers den Kostendruck tatsächlich erhöht, hängt an einer Verordnung, die noch nicht vorliegt. Und für Sparer mit mehreren Kindern, die dauerhaft weniger als 25 Euro im Monat aufbringen können, bleibt das alte Riester-System vorteilhaft.

Der direkte Vergleich

MerkmalRiester-RenteAltersvorsorgedepot ab 2027
Typische Kosten pro Jahr1,5 bis 2,5 %0,1 bis 0,2 % bei eigener Fondswahl, höchstens 1,0 % beim Standardprodukt
KostenprüfungKeine wiederkehrende BestätigungspflichtAlle drei Jahre durch Wirtschaftsprüfer oder Aktuar
Beitragsgarantie100 % verpflichtendKeine, optional 80 oder 100 %
AktienquoteDurch die Garantie begrenztBis zu 100 %
GrundzulageFest 175 €Beitragsproportional, bis zu 540 €
Mindesteigenbeitrag4 % des Vorjahresbruttos abzüglich Zulagen, mindestens 60 €Fest 120 € im Jahr
Kinderzulage185 € oder 300 €, gekürzt bei zu kleinem EigenbeitragBis zu 300 €, voll ab 300 € Eigenbeitrag
SelbstständigeNur bei Rentenversicherungspflicht oder mittelbarUnmittelbar förderberechtigt
AuszahlungMindestens 70 % müssen verrentet werdenAuszahlungsplan oder Leibrente frei wählbar
Besteuerung der AuszahlungVoll als EinkommenVoll als Einkommen

Die letzte Zeile ist kein Druckfehler. An der nachgelagerten Besteuerung ändert das neue System nichts. Sie ist der Preis für die steuerfreie Ansparphase und lohnt sich, solange genug Zeit bleibt, damit diese wirken kann.

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Fazit

Das Altersvorsorgedepot ist kein zweites Riester. Der Wegfall der Garantiepflicht, der gedeckelte und geprüfte Kostensatz beim Standardprodukt, die höhere Zulage und die Öffnung für Selbstständige sind echte Verbesserungen, und die Prüfpflicht durch Wirtschaftsprüfer oder Aktuar ist mehr als eine Absichtserklärung.

Ein Selbstläufer ist es deshalb nicht. Der Kostendeckel gilt nur für einen Produkttyp, die Auszahlung wird voll versteuert, und das Geld ist bis zum Rentenalter gebunden. Für Sparer mit langem Horizont, die ihre Fonds selbst auswählen und die Steuererstattung anlegen, ist das Angebot deutlich besser als alles, was Riester zu bieten hatte. Für alle anderen lohnt der Vergleich mit einem normalen Depot, bevor sie unterschreiben.

Disclaimer: Die in diesem Artikel enthaltenen Inhalte dienen ausschließlich allgemeinen Informations-, Bildungs- und Marketingzwecken ohne Gewähr auf Vollständigkeit, Richtigkeit und Aktualität. Die Inhalte stellen keine Anlageberatung, Anlagestrategieempfehlung oder Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren oder sonstigen Finanzinstrumenten dar. Die Informationen berücksichtigen nicht die individuellen Anlageziele und finanzielle Situation des Lesers. Jede Anlageentscheidung sollte eigenverantwortlich getroffen und sorgfältig geprüft werden. Vor einer Anlageentscheidung sollte der Rat eines Anlage- und Steuerberaters eingeholt werden. Der Handel mit Wertpapieren oder sonstigen Finanzinstrumenten ist mit hohen Risiken verbunden, bis hin zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals. Die in der Vergangenheit erzielte Performance ist kein Indikator für zukünftige Wertentwicklungen. Aussagen über zukünftige wirtschaftliche Entwicklungen basieren grundsätzlich auf Annahmen und Einschätzungen, die sich im Zeitablauf als nicht zutreffend erweisen können. Wir übernehmen keine Haftung für Verluste, die durch die Umsetzung der in diesem Artikel genannten Informationen entstehen.

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