Der SpaceX-Börsengang hat 2026 alle Rekorde gesprengt – doch der eigentliche Gewinner für Anleger ist ein anderer. Unsere Halbzeitbilanz zeigt, welcher unscheinbare Börsenneuling seinen Kurs verdoppelt hat und warum der teuerste Hype am wenigsten brachte.
von Jens Jüttner
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Wie lief denn das IPO-Börsenjahr bisher? Wir wollen einen Blick auf wesentliche Börsengänge werfen und schauen, welches Unternehmen aus Anlegerperspektive sich am besten entwickelte. Klar ist, wenn 2026 als Börsenjahr bisher in Erinnerung bleibt, dann wegen einer einzigen Zahl: 86 Milliarden US-Dollar. So viel spülte der Börsengang von SpaceX in die Unternehmenskasse – der größte IPO der Geschichte, mehr als das Dreifache des bisherigen Rekordhalters Saudi Aramco. Das gesamte weltweite Emissionsvolumen kletterte im ersten Halbjahr auf 186,8 Milliarden US-Dollar (Rekord), ein Plus von rund 200 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Klingt nach Feuerwerk.
Ist es aber nur zur Hälfte. Denn die Zahl der Börsengänge ging im selben Zeitraum sogar zurück. Übersetzt heißt das: Wenige große Börsengänge tragen den Markt, während viele kleinere Kandidaten abwarten. Ein enges Fenster, durch das vor allem Unternehmen mit einer klaren Story schlüpfen – KI, Raumfahrt, Rüstung.
In den USA treffen Börsenkandidaten auf tiefere Kapitaltöpfe, eine breite Aktionärskultur und höhere Bewertungen. In Deutschland fehlt diese Basis – deshalb ist die Zahl der Börsengänge geringer, das Volumen kleiner und Unternehmen ziehen im Zweifel gleich ein Listing an der New Yorker Börse in Betracht.
Und Deutschland? Hier ging es eine Nummer kleiner zu. Drei Erstnotierungen an der Frankfurter Börse im ersten Quartal, zusammen rund 670 Millionen Euro an Volumen. Das klingt bescheiden – ist nach dem mageren Jahr 2025 (ebenfalls nur drei IPOs) aber bereits ein Comeback. Spannend wird es, wenn man genauer hinschaut. Denn wer im Frühjahr auf den vermeintlich sicheren Rüstungs-Hype gesetzt hat, steht heute schlechter da als jemand, der auf einen unscheinbaren Kupferverarbeiter gesetzt hat.
| Unternehmen | WKN | Erstnotiz | Volumen | Ausgabepreis | Kurs heute* | Performance* |
|---|---|---|---|---|---|---|
| SpaceX | A42D4F | 12.06.2026 | ~75 Mrd. € | 118,00 € | ~119,00 € | rund ±0 % |
| Czechoslovak Group (CSG) | A420X0 | 23.01.2026 | ~3,8 Mrd. € | 25,00 € | ~14,00 € | rund –44 % |
| VINCORION | VNC001 | 20.03.2026 | ~345 Mio. € | 17,00 € | ~18,00 € | rund +6 % |
| Gabler Group | A421RZ | 09.03.2026 | ~133 Mio. € | 44,00 € | ~45,00 € | rund +2 % |
| ASTA Energy Solutions | A4214T | 30.01.2026 | ~125 Mio. € | 29,50 € | ~63,00 € | rund +110 % |
*Kurse und Performance Stand Juli 2026, gerundet. Aktuelle Kurse können abweichen.
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Fangen wir mit dem Überraschungssieger an. ASTA Energy Solutions machte am 30. Januar den Auftakt – als erster „deutscher“ Börsengang des Jahres (ASTA ging im Frankfurter Prime Standard an die Börse), zu einem Ausgabepreis von 29,50 Euro. Das österreichische Unternehmen stellt hochwertige Leiter und Wickelmaterialien für Transformatoren, Generatoren und elektrische Maschinen her. Kein Thema für Schlagzeilen, kein Aktien-Talk am Stammtisch.
Offenbar ein Fehler vieler Anleger. Denn ASTA sitzt an einer der stabilsten Nachfragequellen der kommenden Jahre: dem globalen Ausbau der Stromnetze. Langfristverträge mit Siemens Energy und GE Vernova, ein Gewinn, der sich im Geschäftsjahr 2025 versechsfacht hat, und eine Umsatzprognose von über 790 Millionen Euro für 2026. Die Aktie hat auf diese Zahlen reagiert wie ein Sprinter auf den Startschuss: Von 29,50 Euro ging es auf über 62 Euro – mehr als eine Verdopplung in einem halben Jahr.
Die Lehre für dich: Ein langweiliger Prospekt kann die spannendste Aktie enthalten. Wer beim IPO nicht nur auf die Branche mit dem größten Medienecho schaut, sondern auf Auftragslage und Kundenqualität, findet manchmal genau hier den besseren Deal.
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VINCORION war mit einem Emissionsvolumen von bis zu 345 Millionen Euro der größte der drei deutschen Börsengänge – und der einzige mit echtem Rüstungs-Etikett. Der Zulieferer aus Wedel baut Energie- und Mechatroniklösungen für Plattformen wie den Leopard 2, den Puma und die Luftabwehrsysteme PATRIOT und IRIS-T. Klingt nach der perfekten Story für 2026.
Der Start passte auch: Am 20. März eröffnete die Aktie bei 19,30 Euro, gut 13 Prozent über dem Ausgabepreis von 17 Euro, und schloss den ersten Tag rund zehn Prozent im Plus. Danach wurde es ruppig. Im Juni rutschte der Kurs erstmals unter die 17-Euro-Marke – ausgerechnet in der Woche, in der die Aktie planmäßig in den SDAX aufstieg. Ein Aufstieg, den der Markt mit einem Achselzucken quittierte.
Ein wichtiger Grund für die Zurückhaltung: Beim IPO floss kein Cent frisches Geld ins Unternehmen. Sämtliche Erlöse gingen an den Finanzinvestor Star Capital, der Teile seines Pakets verkaufte. Und der hält noch immer knapp die Hälfte der Anteile (47,53 Prozent) – deren Lock-up-Frist im Herbst ausläuft. Sollte Star Capital dann weiter verkaufen, trifft ein großes Paket auf einen engen Markt. Erst die starken Halbjahreszahlen im Juli brachten den Kurs zurück über den Ausgabepreis (Umsatz und Auftragsbestand mit Rekordwerten); die Berenberg Bank hob ihr Kursziel auf 27 Euro an und bleibt bei „Kaufen“ (per 14.07.).
Unterm Strich: operativ stark, an der Börse bisher mit durchwachsener Entwicklung und hoher Volatilität. Hier solltest du auch das Verhalten des Altaktionärs im Auge behalten.
Der dritte im Bunde ist ein echter Nischenchampion. Die Gabler Group aus Lübeck liefert Ausfahrsysteme für U-Boote und Technik für die Unterwasserkommunikation – Kunden sind unter anderem der U-Boot-Bauer TKMS und Hensoldt. Rund drei Viertel der Erlöse stammen aus dem Verteidigungsbereich.
Der Börsengang am 9. März fiel ausgerechnet auf einen Tag, an dem der DAX wegen eines Ölpreisschocks zwischenzeitlich über drei Prozent absackte. Trotzdem eröffnete die Aktie bei 47,20 Euro, rund sieben Prozent über dem Ausgabepreis von 44 Euro, und stieg in der Spitze auf 49,50 Euro. Zum Handelsschluss war der Aufschlag allerdings schon wieder verpufft: 43,80 Euro, ein Hauch unter dem Ausgabepreis.
Und dabei ist es im Grunde geblieben. Nach einem schwächeren Frühjahr hat sich die Aktie zuletzt erholt und pendelt heute wieder rund um ihren Ausgabepreis. Anders als VINCORION hat Gabler beim IPO immerhin frisches Kapital eingesammelt um Schulden abzubauen und weiteres Wachstum durch kleinere Zukäufe zu bestreiten. Das operative Geschäft ist mit einer Marge um die 28 Prozent sehr profitabel. Anleger brauchen hier vermutlich einen längeren Atem.
Und im großen Stil? Dort zeigt sich dasselbe Muster wie in Frankfurt – nur mit deutlich mehr Nullen.
SpaceX ist der größte Börsengang aller Zeiten. Elon Musks Raumfahrtkonzern ging am 12. Juni zu 135 US-Dollar an die Nasdaq und sammelte je nach Berechnung bis zu 86 Milliarden US-Dollar ein – mehr als das Dreifache des bisherigen Rekordhalters Saudi Aramco. Der Start war ein Spektakel: In der Spitze schoss die Aktie auf über 225 US-Dollar und machte Musk zum ersten Billionär der Welt. Doch die Euphorie verpuffte. Mitte Juli rutschte SpaceX erstmals wieder unter den Ausgabepreis und notiert nun ungefähr auf IPO-Niveau. Wer am ersten Tag zum Höchstkurs zugriff, sitzt auf Verlusten. Falls du weitere News zu Space X suchst, wirst du in dieser News fündig.
Czechoslovak Group (CSG) lieferte den größten Rüstungs-Börsengang der Geschichte. Der tschechische Verteidigungskonzern aus Prag – Hersteller von Munition, gepanzerten Fahrzeugen und Artilleriesystemen – nahm am 23. Januar an der Euronext Amsterdam 3,8 Milliarden Euro ein. Auch hier: fulminanter Auftakt, dann Ernüchterung. Am ersten Handelstag sprang die Aktie um über 31 Prozent nach oben und kletterte kurz darauf bis auf 35,50 Euro. Seitdem ging es steil bergab. Gewinnmitnahmen im gesamten europäischen Rüstungssektor drückten den Kurs auf rund 14 Euro – gut 40 Prozent unter den Ausgabepreis von 25 Euro. Operativ läuft das Geschäft rund, der Auftragsbestand liegt bei etwa 17 Milliarden Euro. Doch der Markt zweifelt an der hohen Bewertung. Der erste echte Stresstest folgt mit den Halbjahreszahlen am 6. August.
Wenn du auf frische Börsenneulinge setzen willst, ohne einzelne IPO-Aktien auszuwählen, bietet sich der First Trust US IPO Index UCITS ETF (ISIN IE00BYTH6238, WKN A14X88) an. Er bildet den IPOX Schuster US 100 Index nach und bündelt die 100 nach Marktkapitalisierung größten US-Unternehmen, deren Börsengang höchstens 1.000 Tage – also gut zweieinhalb Jahre – zurückliegt. So bekommst du gebündelt genau die Firmen ins Depot, die frisch aufs Parkett gekommen sind, darunter aktuell Werte wie GE Vernova, Palantir oder AppLovin. Der thesaurierende ETF kostet 0,65 Prozent pro Jahr (TER) und ist damit deutlich teurer als ein breiter Standard-ETF.
Der wichtigste deutsche Börsengang des Jahres hat bisher gar nicht stattgefunden. Der deutsch-französische Panzerbauer KNDS hatte seine Erstnotiz in Frankfurt und Paris fest für den 13. Juli geplant – und sagte sie am 1. Juli überraschend ab. Der Grund: eine zu große Bewertungslücke und die zuletzt kräftige Korrektur bei europäischen Rüstungsaktien. Ein neuer Anlauf wird frühestens im September erwartet. Für Privatanleger wäre der Deal schwierig gewesen – geplant war eine reine Platzierung bei institutionellen Investoren.
Dahinter steht eine gut gefüllte Pipeline: TK Accelis, die Werkstoffsparte von Thyssenkrupp, soll noch 2026 folgen. Als weitere Kandidaten gelten – je nach Marktlage – Mobile.de, Stada und Freenet. Und international warten mit OpenAI und Anthropic zwei mögliche Billionen-Börsengänge, deren Fenster im Herbst aufgehen könnte.

Drei Lehren aus dem bisherigen IPO-Jahr:
Erstens: Ein Börsengang ist keine Einbahnstraße nach oben. Zwei von drei deutschen Neulingen liegen nur knapp über dem Ausgabepreis – trotz Rüstungs-Rückenwind. Der erste Handelstag sagt wenig über die nächsten sechs Monate aus.
Zweitens: Schau hinter die Story. Der unauffälligste der drei Kandidaten hat die mit Abstand beste Rendite geliefert, weil das Geschäftsmodell stimmte. Auftragsbücher, Margen und Kundenverträge sagen mehr aus als das Getöse drumherum.
Drittens: Achte auf die Struktur des Deals. Fließt das Geld ins Unternehmen oder nur an einen Altaktionär, der aussteigt? Wann laufen Lock-up-Fristen aus? Solche Details entscheiden oft darüber, ob eine IPO-Aktie Rückenwind bekommt.
Worum es geht: 2026 ist gemessen am Emissionsvolumen ein Rekordjahr bei Börsengängen, maßgeblich getragen von SpaceX. Die Zahl der Börsengänge ging weltweit dagegen zurück. In Deutschland gab es mit ASTA Energy, VINCORION und Gabler drei Erstnotierungen, deren Kursverlauf sehr unterschiedlich ausfiel.
Fazit: Der IPO-Rekord des Jahres beruht vor allem auf einem einzelnen Großbörsengang, nicht auf einer breiten Belebung des Marktes. Für Anleger bleibt entscheidend, einen Börsengang nüchtern nach Geschäftsmodell, Bewertung und Deal-Struktur zu beurteilen, statt sich an der Größe der Schlagzeile zu orientieren.
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