Welt-ETFs sind so günstig wie nie: Welcher FTSE All-World ist der wahre Volks-ETF? Und lohnt der Wechsel ins günstigere Produkt überhaupt?
von Jens Jüttner
Veröffentlicht am
Der Vanguard FTSE All-World UCITS ETF gilt vielen Privatanlegern als der Volks-ETF – ein einziger Baustein fürs Weltportfolio. Seit Ende Juli ist das Vanguard-Produkt für 0,14 Prozent Gesamtkostenquote zu haben (zuvor 0,19 Prozent). Doch drängt sich eine unbequeme Frage auf: Der Xtrackers FTSE All-World UCITS ETF kostet mit 0,07 Prozent nur die Hälfte. Welcher der beiden ist nun der wahre Volks-ETF? Macht am Ende ein ganz anderes Portfolio das Rennen – oder sind die Gebührensenkungen ohnehin zweitrangig?
Der Vanguard FTSE All-World UCITS ETF (WKN: A2PKXG) ist seit Juli 2019 am Markt und einer der größten Aktien-ETFs Europas. Die jüngste Preisreduktion um mehr als 25 Prozent bedeutet nach Vanguards Schätzung, dass Anleger dadurch jährlich rund 37 Millionen US-Dollar (umgerechnet 32 Millionen Euro) an Gebühren sparen. Der ETF verwaltet ein Vermögen von rund 70 Milliarden Euro und bildet den FTSE All-World Index physisch mit 3.782 der 4.264 Indexwerte nach – also fast allen. Wie präzise das gelingt, zeigt der Leistungsnachweis: In den vergangenen zwölf Monaten erzielte der Fonds 23,58 Prozent, der Index 23,59 Prozent. Seinen Ruf als Volks-ETF verdankt er dieser Kombination aus breiter Streuung, hoher Liquidität, engen Handelsspannen und einer über Jahre erprobten Nachbildung.
Mit der Gebührensenkung per Ende Juli von 0,19 Prozent auf 0,14 Prozent reagierte Vanguard auf den wachsenden Preisdruck durch die Konkurrenz. Günstiger als vorher – aber eben nicht der Günstigste.
Denn dieses Prädikat geht an den Xtrackers FTSE All-World UCITS ETF 1C (WKN: DBX0YG). Der ETF ging erst am 8. April 2026 an den Start und senkte seine Gebühr schon zum 1. Juni von 0,12 Prozent auf 0,07 Prozent. Damit ist er der günstigste ETF auf diesen Index in Europa.
Den Preis muss man allerdings im Kontext betrachten. Mit rund 80 Millionen Euro Fondsvermögen (Stand August 2026) ist der Xtrackers sehr klein – der Vanguard-Fonds ist fast 900-mal so groß. Angesichts der jungen Historie des Xtrackers-Portfolios ist das aber auch nicht verwunderlich. Beide ETFs bilden denselben Index physisch nach und greifen dabei auf eine repräsentative Auswahl der Indexwerte zurück; keiner der beiden kauft jeden einzelnen Titel. Der Unterschied liegt in der Tiefe: Während Vanguard 3.782 Werte hält, weisen ETF-Datenbanken für den jungen, kleinen Xtrackers derzeit nur rund 1.700 Titel aus. Eine engere Auswahl ist bei neuen Fonds üblich; mit wachsendem Volumen kommen meist Titel hinzu.
Merkmal | Vanguard FTSE All-World | Xtrackers FTSE All-World |
WKN / ISIN | A2PKXG / IE00BK5BQT80 | DBX0YG / IE000L6ZMMC4 |
| Laufende Kosten (TER) | 0,14 % | 0,07 % |
| Fondsvolumen (30.06.2026) | ~ 70,1 Mrd. Euro | ~ 78,2 Mio. Euro |
| Auflagedatum | 23. Juli 2019 | 8. April 2026 |
| Enthaltene Titel (Index: 4.264) | 3.782 | rund 1.700* |
| Replikation | physisch (repräsentative Auswahl) | physisch (repräsentative Auswahl) |
| Ertragsverwendung | thesaurierend / ausschüttend | thesaurierend |
*Titelzahl laut ETF-Fact-Sheets der Anbieter.
Was macht die Preissenkung nun konkret aus? Bei 10.000 Euro Anlagesumme zahlt ein Anleger im Vanguard rund 14 Euro pro Jahr, im Xtrackers nur 7,00 Euro. Der Unterschied von rund 7,00 Euro jährlich ist real – aber überschaubar. Geht man von eben jenem Investment von 10.000 Euro über zehn Jahre aus, ergibt sich bei einer durchschnittlichen Jahresrendite von sieben Prozent vor Kosten eine Differenz von rund 127 Euro.
Xtrackers ist nicht der einzige günstige Neuling. Der iShares FTSE All World UCITS ETF von BlackRock kostet 0,12 Prozent und unterbietet Vanguard damit ebenfalls – kam aber erst am 7. Mai 2026 auf den Markt und bringt mit rund 26 Millionen Euro Fondsvolumen ebenfalls noch wenig Gewicht auf die Waage. Der Invesco FTSE All-World UCITS ETF liegt mit 0,15 Prozent knapp über Vanguard, ist dafür schon seit Juni 2023 am Markt und mit rund vier Milliarden Euro der einzige Herausforderer mit echtem Volumen und Historie.
ETF | Laufende Kosten | Am Markt seit | Historie |
Xtrackers FTSE All-World | 0,07 % | April 2026 | sehr kurz |
| iShares FTSE All-World | 0,12 % | Mai 2026 | sehr kurz |
| Vanguard FTSE All-World | 0,14 % | Juli 2019 | mehrjährig |
| Invesco FTSE All-World | 0,15 % | Juni 2023 | mehrjährig |
Stand der Gebühren: August 2026
Der FTSE All-World ist damit zum Schauplatz eines regelrechten Preiskampfes geworden: vier Anbieter, ein Index, ein Rennen nach unten. Bemerkenswert ist dabei ein Muster – die beiden günstigsten ETFs sind zugleich die jüngsten und kleinsten. Genau das führt zur entscheidenden Frage.
Für die Rendite zählt am Ende nicht die ausgewiesene Gebühr allein, sondern die Tracking-Differenz: Wie eng folgt der ETF seinem Index tatsächlich? Ein Fonds mit 0,07 Prozent TER kann hinter einem mit 0,14 Prozent zurückbleiben, wenn die Titelauswahl den Index schlechter trifft oder Steueroptimierung und Wertpapierleihe weniger einbringen.
Die engere Titelauswahl des Xtrackers-Produkts und die kurze Historie erlauben noch keine belastbare Aussage zur Tracking-Qualität. Der Vanguard-Fonds hat seine Präzision dagegen über Jahre nachgewiesen – zuletzt mit einer Rendite, die den Index bis auf einen Hundertstel-Prozentpunkt traf. Hinzu kommt die schiere Größe: Ein Volumen im zweistelligen Milliardenbereich sorgt für enge Spreads und geringes Schließungsrisiko.
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Die Gebühren, gemessen an der Gesamtkostenquote (TER) eines ETFs, sind also nur ein Faktor. Auch die Genauigkeit der Indexabbildung (Tracking-Differenz, TD) wirkt sich auf die tatsächliche Rendite aus. Natürlich schmälern höhere Gebühren den Ertrag. Doch du solltest nicht allein auf das Preisschild achten. Das gilt im Übrigen nicht nur bei der erstmaligen Auswahl eines Welt-ETFs. Viele Anleger, die bereits einen ETF auf den FTSE All-World im Depot haben, überlegen bei Gebührensenkungen schnell, in das günstigere Produkt zu wechseln. Das kann sich allerdings als teure Fehlentscheidung herausstellen.
Nehmen wir an, du hast vor zehn Jahren 10.000 Euro bei einer durchschnittlichen Jahresrendite von sieben Prozent in einen FTSE All-World ETF angelegt. Somit hättest du jetzt 19.671 Euro, also 9.671 Euro Gewinn erzielt. Angenommen, du würdest nun in eine günstigere ETF-Variante wechseln wollen. Dafür müsstest du den gesamten Bestand verkaufen. Nach einer Teilfreistellung des Gewinns von 30 Prozent auf Aktienfonds – wie bei einem FTSE All-World ETF – müsstest du etwa 6.770 Euro versteuern. Abzüglich des Sparer-Pauschbetrags von 1.000 Euro bei Singles (2.000 Euro bei Verheirateten) sind es 5.770 Euro. Kapitalertragsteuer und Solidaritätszuschlag machen 26,375 Prozent aus (Kirchensteuer unberücksichtigt). So kommst du unter dem Strich auf eine Steuerbelastung von 1.522 Euro.

Rechnet sich der Wechsel also? Ein Blick auf die Größenordnung genügt: Die niedrigere Gebühr spart dir über zehn Jahre rund 127 Euro. Der Verkauf zum Wechsel kostet dich dagegen sofort rund 1.522 Euro Steuer – fast das Zwölffache dessen, was du an Gebühren überhaupt einsparen würdest. Nicht die Kostenquote ist hier der entscheidende Hebel, sondern die vorgezogene Steuerlast.
Dieses Geld fehlt dir bei der Neuanlage im günstigeren Produkt – es kann nicht mehr für dich arbeiten. Du startest also mit einem Rückstand von 1.522 Euro, den auch die niedrigere Gebühr über die Jahre nicht mehr aufholt.
Besonders beliebt ist auch der MSCI World. finanzen.net hat einen eigenen ETF auf diesen Welt-Index herausgebracht: Schau dir den finanzen.net MSCI World ETF gleich auf unseren ETF-Profilseiten an.
Auf dem Papier ist der Xtrackers der neue Preiskönig – halb so teuer wie der Vanguard-Blockbuster und ein ernstzunehmender Herausforderer im verschärften Wettbewerb. Zum „wahren Volks-ETF“ gehört aber mehr als die niedrigste TER: bewährte Tracking-Qualität, Größe und Liquidität. Diese Nachweise müssen Neulinge am Markt erst erbringen. Für Anleger ist es allerdings eine erfreuliche Nachricht, so viel Auswahl bei den Welt-ETFs zu haben. Gleich vier namhafte Anbieter warten mit einem FTSE All World ETF auf. Und Konkurrenz belebt das Geschäft.
Für kostenbewusste Einsteiger, die auf den letzten Basispunkt achten, ist der Xtrackers eine legitime Wahl. Wer eine erprobte, milliardenschwere Lösung mit langem Leistungsnachweis bevorzugt, ist beim Platzhirsch gut aufgehoben. Natürlich ist es wichtig, auf die Kosten zu schauen – aber sie entscheiden nicht alles.
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