6.000 Euro mehr Zinsen in vier Jahren: Eine neue Studie zeigt, was Zinshopping beim Tagesgeld bringt – und worauf Anleger achten müssen.
von Jens Jüttner
Veröffentlicht am
5.947 Euro. So viele Zinsen sind einem Sparer in vier Jahren entgangen, nur weil er seiner Filialbank treu geblieben ist. Das ist das Ergebnis einer Auswertung der FMH-Finanzberatung, die der finanzen.net Ratgeber-Redaktion vorliegt. Die Studie vergleicht drei Anlagestrategien mit jeweils 50.000 Euro Startkapital im Zeitraum von August 2022 bis Juli 2026. Wer die Strategie nachbilden will, muss allerdings einiges beachten.
Max Herbst, Geschäftsführer der FMH-Finanzberatung, wollte es genau wissen: Kann sich Zinshopping – also das konsequente Wechseln zum jeweils besten Tagesgeld-Angebot – für Sparer tatsächlich lohnen? Die kurze Antwort: Ja, das funktioniert. Doch es bedarf schon eines großen Aufwands, um den Zinsertrag zu maximieren. Startpunkt der Betrachtung ist August 2022, unmittelbar nach der ersten Zinserhöhung durch die Europäische Zentralbank (EZB) nach mehreren Jahren. Ziel: Das konsequente Ausbeuten jedes Lockvogel-Angebots von Direkt- und Filialbanken. Denn Kreditinstitute bieten Neukunden häufig höhere Zinsen als Bestandskunden.
„Die Jagd nach den besten Neukundenangeboten beim Tagesgeld kann sich in jedem Fall lohnen“, sagt Herbst im Gespräch mit der finanzen.net Ratgeber-Redaktion. Der konsequente Tagesgeld-Wechsler (6.744 Euro Zinseinnahmen) eröffnete in besagten vier Jahren 17 Tagesgeldkonten und zog jedes Mal um, wenn ein Neukundenangebot mindestens 0,5 Prozentpunkte mehr einbrachte. Wer stattdessen bei seiner Direktbank blieb, kam auf 1.567 Euro Zinsen. Beim Filialbank-Kunden, dessen Zins in vier Jahren ganze drei Mal angepasst wurde, waren es 797 Euro.
| Anlegertyp | Wechselverhalten | Zinsertrag in 4 Jahren | Endkapital |
|---|---|---|---|
| Zinshopper | 16 Bankwechsel | 6.744 € | 56.744 € |
| Direktbank-Kunde | kein Wechsel | 1.567 € | 51.567 € |
| Filialbank-Kunde | kein Wechsel | 797 € | 50.797 € |
Quelle: FMH-Finanzberatung, Anlagebetrag 50.000 Euro, Zeitraum 09.08.2022 bis 30.07.2026.
Herbst weist selbst darauf hin, dass das Ergebnis außergewöhnlich ausfällt: Seit Februar 2024 haben einzelne Banken Tagesgeldzinsen oberhalb des EZB-Einlagenzinses geboten, um Neukunden zu gewinnen. Auch Wechseltage, an denen das Geld unverzinst auf dem Referenzkonto liegt, sind nicht eingerechnet. Bei den Vergleichsangeboten der Filial- und Direktbank hat Herbst jeweils einen Anbieter aus dem oberen Drittel ausgewählt.

Hinzu kommt ein Trend, der das Hopping für Zinsjäger komplizierter macht: Immer mehr Banken knüpfen ihre Aktionszinsen an Bedingungen. Mal muss neben dem Tagesgeldkonto ein Depot eröffnet werden, mal ein Girokonto – in einem Fall wäre sogar ein kompletter Girokontowechsel innerhalb weniger Monate notwendig gewesen.
Genau hier sollten Anleger genauer hinsehen. Ein Depot, das ungenutzt bleibt, ist meist unproblematisch. Beim Girokonto sieht es anders aus: Häufige Wechsel können sich negativ auf den Schufa-Score auswirken. Herbst würde einen solchen Wechsel allein wegen eines befristeten Zinsvorteils nicht empfehlen. Hinzu kommt, dass die häufigen Kontowechsel eine lange Datenspur hinterlassen und Zinsfans sich jedes Mal durch eine Antragsstrecke mitsamt Legitimation durcharbeiten müssen. „Nicht vergessen sollte man, dass es eine gewisse Gelassenheit und einen Taschenrechner erfordert, um den Ertrag des höheren Angebots selbst auszurechnen, davon den Gegenwert des Zeitaufwands abzuziehen und anschließend zu entscheiden“, sagt Herbst.
Manche Neobroker wie Trade Republic geben den EZB-Einlagenzins dauerhaft weiter – aktuell sind das 2,25 Prozent, seit der Anhebung im Juni 2026. Das ist bequem, aber nicht das Maximum: Die besten Aktionsangebote liegen derzeit bei bis zu 4 Prozent für drei bis vier Monate. „Das ist schon noch ein großer Satz, der sich lohnen kann – je nach Anlagebetrag“, sagt Herbst. Belastbare Langfristdaten zu den neuen Koppelungsangeboten gebe es aber noch nicht – die Auswertung blicke auf vier Jahre zurück, diese Modelle seien erst seit Kurzem am Markt.
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Die zweite naheliegende Alternative sind Geldmarkt-ETFs. Sie bilden den kurzfristigen Euro-Zinssatz €STR ab, folgen der EZB also automatisch nach oben wie nach unten – ohne Kontoeröffnung, ohne Aktionsfrist, ohne Wechselei. Aktuell bleiben nach Kosten rund 2,1 Prozent übrig, in etwa das Niveau der Neobroker und damit ebenfalls deutlich unter den befristeten Aktionszinsen. Ein Unterschied bleibt: ETF-Anteile sind Sondervermögen und fallen nicht unter die Einlagensicherung.
Für den FMH-Vergleich waren sie bewusst außen vor. „Theoretisch können Geldmarkt-ETFs eine Option sein“, sagt Herbst , „für diese Betrachtung sind sie aber nicht passend, weil es um die besten Zinsangebote für einen garantierten Zeitraum gegangen ist.“ Genau darin liegt der Unterschied: Beim Tagesgeld steht der Zins für die Aktionsdauer fest, beim ETF schwankt die Rendite mit dem Markt. In unserem Ratgeber-Artikel „Attraktive Zinsen ohne Tagesgeld oder Festgeld“ gehen wir näher auf die Funktionsweisen von Geldmarkt-ETFs ein.
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Treue zahlt sich beim Tagesgeld nicht aus, das belegen die Zahlen deutlich. Wer bereit ist, ein paar Mal im Jahr ein Konto zu eröffnen, holt spürbar mehr heraus als jeder Bestandskunde. Voraussetzung ist allerdings, dass der Anlagebetrag groß genug ist, die Bedingungen sauber geprüft werden und kein Girokontowechsel erzwungen wird. Wo sich der Wechsel gerade rechnet, zeigt unser Tagesgeld-Vergleich.
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