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Daytrading lernen

Daytrading einfach erklärt: Strategie, Funktionsweise und Risiken

Wer Daytrading lernen will, sollte zuerst verstehen, worauf er sich einlässt. Hier erfährst du, wie ein Handelstag abläuft, welche Werte sich für den schnellen Handel eignen, was die vielen Trades kosten und wie du dein Risiko begrenzt. Im Kern ist Daytrading ein Tausch. Du schließt abends alle Positionen und schützt dich so vor Kurslücken über Nacht, bezahlst das aber mit deutlich mehr Trades und höheren Gebühren.

Turbo-Zertifikate sind hoch risikoreiche Produkte und nicht für langfristige Anlagestrategien geeignet. Im Durchschnitt erleiden 7 von 10 Kleinanlegern Verluste beim Handel mit Turbo-Zertifikaten.

Das Wichtigste in Kürze

Keine Zeit, den ganzen Artikel zu lesen? Hier sind die Kernpunkte für dich:

    • Kein Übernachtrisiko: Du hältst keine Positionen nach Börsenschluss und umgehst so böse Überraschungen durch negative Unternehmensmeldungen am nächsten Morgen.

    • Hohe Gebührenlast: Jeder Trade kostet Geld und viele Transaktionen am Tag erfordern eine sehr hohe Rendite nur zur reinen Kostendeckung.

    • Feste Rhythmen: Die erste Handelsstunde und die amerikanische Börseneröffnung am Nachmittag bringen die entscheidenden Kursbewegungen für den kurzfristigen Handel.

    • Strikte Verlustgrenze: Ein vorher fest definiertes Tagesverlustlimit beendet deinen Handelstag sofort und schützt dein Kapital vor emotionalen Entscheidungen.

    • Harte Realität: Studien zeigen sehr deutlich auf, dass der absolute Großteil der privaten Daytrader in diesem speziellen Bereich dauerhaft Geld verliert.

Was ist Daytrading?

Daytrading heißt, Aktien, Indizes oder Hebelprodukte innerhalb eines Handelstags zu kaufen und wieder zu verkaufen. Du wettest auf Kursbewegungen von Minuten bis Stunden. Den Rahmen, also wie Trading grundsätzlich funktioniert, liefert unser Überblicksartikel.

Warum Daytrader abends alles schließen

Der wesentliche Grund für die Schließung aller Positionen am Abend ist das sogenannte Gap-Risiko. Ein Gap bezeichnet eine harte Lücke zwischen dem offiziellen Schlusskurs eines Tages und dem Eröffnungskurs des darauf folgenden Tages. Quartalszahlen kommen oft nach Börsenschluss, US-Nachrichten am Abend. Am nächsten Morgen startet der Kurs dann oftmals mit einer massiven Lücke fernab des letzten Preises.

Dieses unkalkulierbare Risiko tauscht der Daytrader gegen viele Trades und damit viele Kosten ein. Wer diesen Tausch verstanden hat, versteht Daytrading.

Rechenbeispiel
Gap-Beispiel: Was ein Stop-Loss über Nacht leistet

Ein konkretes Gap-Beispiel zeigt die Gefahr für deine Risikoabsicherung. Deine Aktie schließt bei 100 Euro und dein Stop-Loss, eine Order zum automatischen Notverkauf, liegt bei 97 Euro. Nach einer drastischen Gewinnwarnung am Abend eröffnet das Papier am nächsten Morgen bei 85 Euro. Der Stop-Loss greift nun zum nächsten handelbaren Kurs von 85 Euro. Aus den geplanten drei Prozent Risiko werden sofort 15 Prozent echter Verlust.

Der Tausch hat einen zweiten Preis, denn wer abends glattstellt, verpasst auch positive Überraschungen. Tagsüber springen Kurse ebenfalls, etwa bei US-Konjunkturdaten.

So läuft ein Handelstag ab

Ab 8 Uhr ist auf Xetra zwar schon Handel für Privatanleger möglich, doch der Umsatz ist dünn. Viele Daytrader nutzen diese Zeit deshalb zur Vorbereitung und prüfen die Wirtschaftsdaten und Termine des Tages. Ab der Eröffnungsauktion durchläufst du sehr volatile Phasen mit hohem Volumen und eher ruhige Phasen mit dünnem Handel. Spätestens in der Schlussauktion am späten Nachmittag stellst du alle offenen Positionen glatt. Bleibt eine Position versehentlich offen, trägst du sofort wieder genau das Übernachtrisiko, das du eigentlich meiden wolltest.

Der Handelstag im Überblick

HandelsphaseUhrzeit (deutsche Zeit)Was dich am Markt erwartet
Frühhandelab 8 UhrHandel bereits möglich, aber dünn; Termine des Tages prüfen
Eröffnungsauktionkurz vor 9 UhrAlle gesammelten Orders der Nacht ergeben den ersten Kurs
Erste Stunde9 bis 10 UhrViel Umsatz und weite Ausschläge bei oft unsauberen Preisen
Mittagetwa 11.30 bis 14.30 UhrDünner Umsatz und breitere Spreads erzeugen viele Fehlsignale
US-Eröffnung15.30 UhrZweiter großer Umsatzschub durch den amerikanischen Markt
Schlussauktionab 17.30 UhrOffizieller Schlusskurs und die zwingende Zeit zum Glattstellen
Späthandelbis 22 UhrNur für Privatanleger, weniger Umsatz

Quelle: Deutsche Börse, Handelskalender und Auktionsplan Xetra; NYSE; Stand 27.09.2026

In der ersten Stunde verarbeitet der Markt die Nachrichten der Nacht. Hier triffst du auf die höchsten Umsätze und die breitesten Bewegungen, aber auch auf oft unzuverlässige Preise. Das liegt daran, dass Profis, Handelsalgorithmen und Privatanleger gleichzeitig auf dieselben Meldungen reagieren und dabei viele unlimitierte Orders und Stop-Orders auf einen Schlag ausgeführt werden. Der Kurs schießt deshalb häufig über das Ziel hinaus und dreht wenige Minuten später wieder.

Zur Mittagszeit beruhigt sich das Geschehen spürbar. Die Termine des Vormittags sind abgearbeitet, viele professionelle Händler pausieren und die US-Börsen haben noch geschlossen. Im Orderbuch liegen dann weniger Aufträge, sodass schon wenige Orders den Kurs über eine wichtige Marke schieben können, ohne dass echte Nachfrage dahintersteht. Solche Ausbrüche ohne Umsatz fallen oft schnell wieder in sich zusammen, weshalb erfahrene Trader mittags pausieren. Erst die US-Eröffnung um 15.30 Uhr bringt den zweiten großen Umsatzschub.

Liquidität entscheidet: Was du intraday überhaupt handeln kannst

Das wichtigste Auswahlkriterium ist nicht deine persönliche Meinung zum Unternehmen, sondern die jederzeit verfügbare Liquidität. Nur in sehr liquiden Märkten kannst du Positionen sekundenschnell kaufen und wieder abstoßen. Daher eignen sich große Standardwerte und Indizes hervorragend, während enge Nebenwerte für diesen Stil pures Gift sind.

Ein entscheidender Faktor ist der Spread, die Spanne zwischen Kauf- und Verkaufskurs, die wie eine direkte Gebühr wirkt. Liquide DAX-Werte kosten auf Xetra wenige Hundertstel Prozent. Weitet sich der Spread bei Nebenwerten oder in den Randzeiten stark aus, frisst diese Differenz bei einer Intraday-Rechnung im schlimmsten Fall sofort deinen gesamten Gewinn auf.

💡 Gut zu wissen

Knock-outs und CFDs: Hebel für den Tageshandel

Viele Daytrader nutzen statt direkter Aktienkäufe Knock-out-Zertifikate, weil sie Kursbewegungen mit wenig Kapitaleinsatz hebeln. Im zweiten Quartal 2026 entfielen laut Bundesverband für strukturierte Wertpapiere (BSW) 62,1 Prozent des gesamten Börsenumsatzes mit Anlagezertifikaten und Hebelprodukten an den Börsen Stuttgart, Frankfurt und gettex auf Knock-outs, rund 25,8 Milliarden Euro. Innerhalb der Hebelprodukte waren es knapp 72 Prozent. Du musst dabei immer die fest definierte Knock-out-Schwelle und das Ausfallrisiko der herausgebenden Bank beachten. Alternativ kommt oft der CFD-Handel zum Einsatz, der ähnliche Eigenschaften und Risiken bietet.

Typische Daytrading-Ansätze

Zahlreiche kurzfristige Strategien basieren auf wenigen Grundannahmen, die je nach Marktlage auch komplett scheitern können. Eine bekannte Variante ist der Ausbruch aus der Eröffnungsspanne. Du markierst Hoch und Tief der ersten 30 Minuten und kaufst mit einer Stop-Buy-Order, die erst beim Überschreiten einer Marke auslöst, sobald der Kurs das Hoch überwindet. Der Stopp liegt in oder unter der Spanne, glattgestellt wird spätestens in der Schlussauktion. Die Grafik zeigt den Ablauf an einem erfundenen Beispiel.

Ein anderer Weg ist der Rücksetzer im Tagestrend. Hier wartest du geduldig auf eine kurze Pause in einer starken Aufwärtsbewegung, um etwas günstiger einzusteigen. Sehr beliebt ist die Rückkehr zum volumengewichteten Durchschnittskurs, in der Fachsprache kurz VWAP genannt. Dieser Indikator zeigt den nach Stückzahl gewichteten Durchschnittspreis aller Tagesumsätze. Weicht der Preis extrem ab, spekulierst du auf eine Rückkehr zu diesem Tagesdurchschnitt. Die direkte Reaktion auf einen Termin oder auf wichtige Wirtschaftszahlen erfordert hingegen ein schnelles Handeln.

Vier Ansätze und ihre Grenzen

AnsatzAnnahmeWann sie nicht trägt
Ausbruch aus der EröffnungsspanneDer Ausbruch aus der Spanne der ersten Minuten hältAn richtungslosen Tagen
Rücksetzer im TagestrendEin Rückgang im Aufwärtstrend ist nur eine PauseWenn der Trend dreht
Rückkehr zum VWAPDer Kurs pendelt zum Tagesdurchschnitt zurückAn starken Trendtagen
Reaktion auf einen TerminZahlen lösen eine klare Bewegung ausWenn der Kurs hin und her springt

Quelle: eigene Darstellung

Keiner dieser Ansätze liefert dir fehlerfreie Signale. Um Schwankungen und technische Übertreibungen am Markt besser einzuordnen, hilft dir ein Blick auf den Relative Strength Index.

Was Daytrading kostet

Du benötigst ausreichend Startkapital, um die höhere Gebührenbelastung durch die ständigen Transaktionen abzufedern. Jeder Trade kostet Spread und oft eine Ordergebühr, was sich bei täglichem Handel deutlich aufsummieren kann. Es gibt zwar kein gesetzliches Minimum, aber kleine Konten leiden prozentual viel stärker unter festen Gebühren.

Die Frequenz deiner Trades bestimmt deine finanzielle Belastung. Angenommen, du handelst mit 10.000 Euro Startkapital im Durchschnitt dreimal am Tag eine Position von 2.000 Euro. An den 254 Xetra-Handelstagen 2026 summiert sich das auf 762 Trades, jeweils Kauf und Verkauf.

Kostenbeispiel: drei Trades am Tag, ein Jahr lang

Kostenfaktor pro TradeKosten pro Jahr bei drei Trades täglichBelastung für 10.000 Euro Startkapital
Nur sehr enger Spread ohne Gebühr (1 Euro)762 Euro7,6 Prozent Rendite zur Kostendeckung nötig
Enger Spread plus 2,50 Euro Ordergebühr je Order (6 Euro)4.572 Euro45,7 Prozent Rendite zur Kostendeckung nötig
Weiter Spread bei einem Nebenwert (10 Euro)7.620 Euro76,2 Prozent Rendite zur Kostendeckung nötig

Quelle: eigene Berechnung, Spread und Gebühren angenommen; 254 Handelstage laut Handelskalender Deutsche Börse 2026

Selbst im absolut günstigsten Fall brauchst du bereits eine hohe Rendite, nur um deine Ausgaben zu decken. Erst danach beginnst du mit dem echten Vermögensaufbau. Die fälligen Steuern für diese große Transaktionsmenge führt ein inländischer Broker automatisch für dich ab. Die genauen steuerlichen Details dazu findest du in unserem großen Überblicksartikel.

In eigener Sache
Daytrading: So reduzierst du die Gebühren

Wenn du häufig handelst, zählt jeder Euro. Bei finanzen.net ZERO¹ handelst du Aktien, ETFs und Derivate ab 0 Euro Ordergebühr (zzgl. marktüblicher Spreads). Profitiere von langen Handelszeiten (7:30 bis 23 Uhr) beim Kostensieger der Stiftung Warentest (12/2025). Starte hier mit wenigen Klicks!

Risikomanagement im Tagesgeschäft

Daytrading ist riskanter als langfristiges Anlegen, weil sich Kosten und Fehler mit jedem einzelnen Trade summieren. Du kannst dieses Risiko durch strikte Vorgaben bei der Positionsgröße und ein hartes Tageslimit wirkungsvoll begrenzen. Eine erste belastbare Auswertung deiner Ergebnisse ist frühestens nach 30 bis 50 Trades sinnvoll möglich.

Das menschliche Gehirn ist für diese Taktung jedoch kaum gemacht. Nach einem erlittenen Verlust willst du das Geld oft sofort zurückholen. Nach drei Gewinnen in Folge handelst du möglicherweise schnell unvorsichtig und weichst deine Kriterien auf. Diese Fehler, oft als Overtrading oder Revenge Trading bezeichnet, entstehen direkt im Tagesverlauf, wenn die Konzentration nachlässt.

Praxis
Tagesverlustlimit: Wann dein Handelstag endet

Das Tagesverlustlimit ist der harte monetäre Betrag, bei dem dein Handelstag zwingend endet. Diese Regel muss vor deinem ersten Trade feststehen. Du riskierst beispielsweise ein Prozent deines Kapitals je Trade und setzt das Limit bei drei Prozent. Nach drei Verlusttrades in Folge ist endgültig Schluss. In dieser Phase entscheidest du nicht mehr rational und der Markt hat offensichtlich keinen Rhythmus für deine Strategie.

Ein häufiger Denkfehler betrifft die Berechnung der Positionsgröße intraday. Enge Stopps erlauben dir größere Stückzahlen bei exakt gleichem finanziellen Risiko.

💡 Gut zu wissen

Rechenbeispiel Positionsgröße
Du riskierst 100 Euro mit einer Aktie zu 50 Euro. Bei 2 Euro Abstand zum Stopp sind das 50 Stück für 2.500 Euro, bei 50 Cent Abstand 200 Stück für 10.000 Euro, dein ganzes Kapital. Das geplante Risiko ist gleich, der Rest nicht. Rutscht der Kurs beim Auslösen 30 Cent tiefer, kostet das bei der kleinen Position 15, bei der großen 60 Euro extra.

Für wen Daytrading infrage kommt

Es ist extrem unwahrscheinlich und erfordert jahrelange harte Arbeit, um vom Daytrading leben zu können. Fundierte wissenschaftliche Studien belegen, dass fast alle privaten Trader auf lange Sicht Geld verlieren. Zudem brauchst du verlässlich Zeit während der turbulenten Kernhandelszeit, was sich mit einem normalen Hauptberuf kaum vereinen lässt.

Du benötigst Kapital, dessen vollständiger Verlust verschmerzbar ist und deinen Lebensstandard nicht gefährdet. Jeder Risikopuffer kostet Rendite, das ist der Preis und kein Gratisnutzen. Tradingkapital gehört deshalb in einen völlig eigenen Topf, streng getrennt von deinem Notgroschen und deiner Altersvorsorge. Wie du dein Vermögen sinnvoll aufteilst, liest du im Artikel „So managst du dein (Aktien-)Risiko“.

Wie viel Kapital brauchst du fürs Daytrading?

Ein gesetzliches Minimum gibt es nicht. Manche Broker wie finanzen.net ZERO¹ verlangen unter 500 Euro Ordervolumen 1 Euro Zuschlag, und je kleiner das Konto, desto höher die Kostenhürde in Prozent. Setze nur verkraftbares Geld ein.

Kannst du vom Daytrading leben?

Jennifer Kus

Wer vom Daytrading leben will, sollte zuerst sicherstellen, dass er es nicht muss. Ich sehe Daytrading eher wie Leistungssport. Du trainierst hart, zahlst für jeden Versuch und hörst auf, wenn der Körper Nein sagt. Beim Trading ist das dein Tageslimit. Wer so denkt, setzt Geld ein, dessen Verlust er verkraftet, und nicht die Miete.

Redakteurin bei finanzen.net Ratgeber Zur Quelle

Von den brasilianischen Daytradern, die 2013 bis 2015 begannen und mehr als 300 Tage handelten, verloren laut einer Studie brasilianischer Ökonomen 97 Prozent Geld. Die komplette Studienlage steht im Überblicksartikel zum Trading.

So setzt du Daytrading praktisch um

Du brauchst ein Depot mit Echtzeitkursen und einen Handelsplatz, der zu deinen Zeiten offen hat. Für Knock-outs fragt der Broker vorab deine Erfahrung ab (§ 63 Abs. 10 WpHG). Anbieter und Kosten vergleicht der Daytrading-Broker-Vergleich.

💡 Gut zu wissen

Worauf du bei der Auswahl achtest

  • Handelszeiten: gettex handelt Aktien von 7.30 bis 23 Uhr, Zertifikate von 8 bis 22 Uhr.
  • Kosten je Order: Bei 762 Trades im Jahr zählt jeder Euro Zuschlag.
  • Spread am Abend: Er entscheidet, ob Randzeiten bezahlbar sind.
  • Emittenten: Mehrere Knock-out-Anbieter bieten mehr Auswahl bei der Schwelle.

Die Deutsche Börse misst Liquidität täglich als Xetra-Liquiditätsmaß (XLM), die Kosten eines sofortigen Kaufs und Verkaufs. 100 Basispunkte sind 1 Prozent.

Top 5 der Xetra-Aktien nach Liquiditätsmaß (XLM)

AktieXLM in BasispunktenKosten je 25.000 € Kauf und Verkauf
SAP3,17,75 €
Siemens3,38,25 €
Deutsche Bank3,69,00 €
Allianz3,69,00 €
Siemens Energy3,79,25 €

Quelle: Deutsche Börse, Xetra Top Liquids (XLM), Beispiel-Handelstag 23.09.2026

Die Liste wechselt täglich und gilt nur im Xetra-Kernhandel. Über die Kursrichtung sagt Liquidität nichts.

Wie lernst du Daytrading?

Wer Daytrader werden will, beginnt nicht direkt mit dem ersten Trade, sondern mit schriftlichen Regeln für Einstieg, Stopp, Positionsgröße und Tageslimit. Danach übst du ohne echtes Geld, etwa in einem Börsenspiel, das dir Abläufe und Ordertypen zeigt, aber weder schlechtere Ausführungskurse noch den Druck echter Verluste. Erst dann handelst du mit kleinen Positionen echtes Geld und wertest nach 30 bis 50 Trades ehrlich nach Kosten aus. Ob du allgemein Trading lernen oder gezielt Daytrading lernen willst, du kommst über getestete Regeln weiter und nicht über die Suche nach der perfekten Strategie.

Fazit: Disziplin schlägt die Strategie

Daytrader tauschen das Gap-Risiko der Nacht gegen die Kosten vieler Trades. Ob sich dieser Tausch lohnt, entscheidet nicht der gewählte Ansatz, sondern die Rechnung nach Spread, Gebühren und Fehlern. Selbst mit engem Spread und ohne Ordergebühr brauchst du bei drei Trades am Tag rund 7,6 Prozent Rendite im Jahr, bevor der erste Euro Gewinn übrig bleibt. Die Studienlage zeigt, dass die große Mehrheit diese Hürde nicht nimmt. Wer es trotzdem versucht, braucht deshalb weniger eine bessere Strategie als feste Regeln, die auch an einem schlechten Tag gelten.

So gehst du Daytrading in fünf Schritten mit Plan an

  • Rechne vor dem ersten Trade deine persönliche Kostenhürde aus, indem du Trades pro Tag, Positionsgröße, Spread und Ordergebühr wie im Kostenbeispiel oben durchspielst, denn genau diese Rendite musst du erzielen, bevor du überhaupt etwas verdienst.

  • Handle nur liquide Standardwerte wie große DAX-Aktien und konzentriere dich auf die erste Handelsstunde und die Zeit nach der US-Eröffnung um 15.30 Uhr, weil enge Spreads dort weniger von deinem Ergebnis fressen und mittags die Fehlsignale zunehmen.

  • Schreib deine Regeln vor Handelsbeginn auf, also dein Risiko je Trade von etwa einem Prozent, dein Tagesverlustlimit und den Zeitpunkt, an dem du spätestens glattstellst, und halte dich auch nach drei Verlusten in Folge daran.

  • Wähle einen Broker, der zu deinen Handelszeiten passt und bei vielen Trades keine festen Ordergebühren verlangt, denn schon eine feste Gebühr je Order kann deine Jahreskosten vervielfachen. Welche Anbieter infrage kommen, zeigt der Daytrading-Broker-Vergleich.

  • Setze nur Geld aus einem eigenen Tradingtopf ein, dessen Verlust du verkraftest, und werte dein Ergebnis nach 30 bis 50 Trades nach Kosten aus. Liegt es im Minus, ist Aufhören eine ehrliche Entscheidung.

Du hast deine Kostenhürde berechnet und deine Regeln notiert? Bei finanzen.net ZERO¹ handelst du Aktien, ETFs und Derivate ab 0 Euro Ordergebühr (zzgl. marktüblicher Spreads), Aktien und ETFs werktags von 7:30 bis 23 Uhr. Mit Stop-Limit-, Trailing-Stop- und OCO-Orders legst du Stopp und Kursziel direkt beim Einstieg fest. Das alles beim Kostensieger der Stiftung Warentest (12/2025). Starte hier mit wenigen Klicks!

Häufige Fragen (FAQs)

Was ist Daytrading?
Daytrading ist der Kauf und Verkauf von Aktien, Indizes oder Hebelprodukten innerhalb desselben Handelstags. Daytrader schließen alle Positionen vor Handelsschluss, damit sie kein Kursrisiko über Nacht tragen. Dieses Gap-Risiko tauschen sie gegen viele Trades und damit gegen deutlich höhere Handelskosten als langfristige Anleger.

Wie läuft ein Handelstag beim Daytrading ab?
Auf Xetra ist ab 8 Uhr Handel für Privatanleger möglich, der Umsatz ist aber dünn. Richtig los geht es mit der Eröffnungsauktion kurz vor 9 Uhr. Die erste Stunde bringt viel Umsatz und weite Ausschläge, mittags wird der Handel dünn. Um 15.30 Uhr öffnet New York und sorgt für einen zweiten Umsatzschub. Spätestens in der Schlussauktion ab 17.30 Uhr stellen Daytrader glatt.

Wie viel Kapital brauchst du für Daytrading?
Ein gesetzliches Mindestkapital gibt es in Deutschland nicht. Entscheidend sind die Kosten im Verhältnis zum Konto. Drei Trades am Tag mit je 2.000 Euro kosten bei 0,05 Prozent Spread rund 762 Euro im Jahr. Bei 10.000 Euro Kapital sind das 7,6 Prozent. Setze nur Geld ein, dessen Verlust du verkraftest.

Welche Märkte eignen sich für Daytrading?
Geeignet sind vor allem liquide Werte mit engem Spread, etwa große DAX-Aktien. Die Top-Werte nach Xetra-Liquiditätsmaß kosten nur 3 bis 4 Basispunkte je Kauf und Verkauf. Nebenwerte und Randzeiten verteuern jeden Trade deutlich. Knock-out-Zertifikate sind verbreitet, tragen aber ein Emittentenrisiko.

Kannst du vom Daytrading leben?
Die Forschung spricht dagegen. Eine Studie hat brasilianische Daytrader untersucht, die 2013 bis 2015 begannen und mehr als 300 Tage handelten. 97 Prozent von ihnen verloren Geld. Kosten, schnelle professionelle Händler und Fehlentscheidungen summieren sich mit jedem Trade. Die Autoren halten Daytrading als Lebensunterhalt für praktisch unmöglich. Die komplette Studienlage steht im Überblicksartikel zum Trading.

Wie riskant ist Daytrading?
Daytrading ist riskanter als langfristiges Anlegen, weil sich Kosten und Fehler mit jedem Trade summieren. Mit Hebelprodukten vervielfachen sich zudem die Verluste. Begrenzen lässt sich das Risiko über eine feste Positionsgröße, einen Stop-Loss und ein Tagesverlustlimit. Das Limit beendet den Handelstag nach einem festgelegten Minus.

Turbo-Zertifikate sind hoch risikoreiche Produkte und nicht für langfristige Anlagestrategien geeignet. Im Durchschnitt erleiden 7 von 10 Kleinanlegern Verluste beim Handel mit Turbo-Zertifikaten.

 

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